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Vor einiger Zeit wurde nach Bildern von der 120
005 gefragt. Und da auf’s HiFo wie immer Verlass
ist, gab es recht bald einige Zuschriften mit
mehr oder weniger brauchbaren Aufnahmen. Allerdings
war auf keinem dieser Bilder die 120 005 im Ursprungszustand
zu sehen. Und auch in den Kommentaren wurde mit
keinem Wort angesprochen, dass es sich bei diesem
Fahrzeug doch um ein ganz besonderes Exemplar
unter den Prototypen handelt. Gehört das nun so
zur Allgemeinbildung des gemeinen Eisenbahnfreundes,
dass es keiner Erwähnung mehr bedarf, oder sollte
diese Facette der jüngeren Eisenbahn(-technik)
Geschichte schon in Vergessenheit geraten sein?
Wie dem auch sei, ich denke, das Thema sollte
noch einmal etwas detaillierter aufgegriffen werden.
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Das Lastenheft für die 120.0 sah zwar nur Züge
mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 160 km/h vor,
die lauftechnische Auslegung war aber von vornherein
für 200 km/h vorzunehmen. Als die Fertigung der
Prototypen bereits angelaufen war, begann jedoch
die Führungsetage der DB damit, an ihre eigenen
(dummen) Sprüche zu glauben, dass mit dieser Lok
sämtliche anderen Ellok Baureihen der DB ersetzbar
seien, also auch die sechsachsigen 103 und 150/151.
Deshalb wurde kurzerhand entschieden, die letzte
Lok, 120 005, für einen IC-Einsatz mit 200km/h
zu ertüchtigen. Neben einer Änderung der Getriebeübersetzung
erschien vor allem die aus Kostengründen recht
eckig geratene Kopfform optimierungsbedürftig.
Viel war hier allerdings nicht mehr machbar, da
sich die Lok ja bereits in der Fertigung befand.
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Im ersten Bild habe ich
einmal mit rot skizziert, welche Änderungen
an 120 005 zur Verbesserung der Aerodynamik
vorgenommen wurden:
- Ausrundung des Führerhausdachs durch eine aufgesetzte
Haube aus GfK(?). Fugen zum Lokkasten bündig
- verspachtelt.
- Tieferlegung des Frontknicks bis knapp über
die unteren Lampen, dadurch schräger Abfall der
Farbtrennkante ab
- Fahrertür.
- Verschließen des Spalts zwischen Lokkasten und
Verschleißpufferbohle durch abschraubbare Verblendungsbleche.
- Anbau einer kleinen Schürze unterhalb der Pufferbohle.
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Bild 1:
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Gebaut wurde die 120 005 bei Krupp in
Essen. Am 05.07.79 befindet sie sich zusammen
mit ihrer Schwester 120 003 (vorn rechts)
in der Endmontage. Im direkten Vergleich gut zu
erkennen: Die tiefer gelegte Knickkante und die
voll verspachtelte Dachhaube bei 120 005 (hinten
links). Ich möchte noch einmal darauf hinweisen,
dass sich unter den Zusatzanbauten die originale
Kastenform der 120.0 befindet, wie man das auch
auf der Zeichnung in Bild 1 erkennen kann.
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Bild 2:
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Leider ereilte mich ausgerechnet zum Zeitpunkt
der Fertigstellung von 120 005 im Januar
1980 der einzige längere krankheitsbedingte Ausfall
in meiner inzwischen mehr als 30-jährigen Berufszeit.
Deshalb muss ich für die Lok im Auslieferungszustand
auf ein Werkbild der Fa. Krupp zurückgreifen,
das vmtl. bei der Überstellung der Lok im Bahnhof
Essen Altenessen entstand. Völlig unprofessionell
hat der Werksfotograf die Lok viel zu groß ins
Bild genommen und dazu noch unten links in die
Ecke gequetscht. Tja, wenn man nicht alles selber
macht …
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Gut zu erkennen sind allerdings die aerodynamischen
Verbesserungsmaßnahmen, die die Lok in meinen
Augen etwas "mollig" erscheinen lassen. Dass Pufferbohlenverkleidung
und Schürze aus betrieblicher Sicht keine Zukunft
hätten, dürfte den Ingenieuren allerdings von
vorn herein klar gewesen sein.
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Bild 3:
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Auch im Betrieb ist mir 120 005 im Lieferzustand
leider durch die Lappen gegangen. Aber es gibt
ja auch noch andere Fotografen. Ein wirklich spektakuläres
Bild gelang unserem E-Lok-Woife am 29.05.80 bei
Traunstein, wo er 120 005 als Vorspann
vor der 1042.605 auf dem Rückweg ihrer
vorläufigen Abnahmefahrt erwischte. Und die 144
140 stand da auch nicht ganz zufällig.
Wolfgang, vielen Dank für die nochmalige Zurverfügungstellung
dieser herrlichen Aufnahme.
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Bild 4:
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Das erste Mal, dass die Lok mir selbst im fertigen
Zustand vor die Linse kam, war am 05.08.80 bei
uns im Werk M1. Der Rückbau auf den (angenäherten)
Normalzustand erfolgte im Sommer 1980 beim Herstellerwerk
Krupp in Essen. Dabei wurden die Dachhaube, Spaltabdeckung
zur Pufferbohle und Schürze abgebaut. Nur die
tiefer gelegte Knick- kante blieb, wie sie war,
da die Entfernung der aufgeschweißten Bleche zu
aufwendig war. Die dadurch bedingt schräg nach
vorn abfallende Farbtrennkante sollte denn auch
zukünftig das untrügliche Erkennungsmerkmal dieser
Maschine sein.
Übrigens erfolgte erst nach diesem Umbau am 01.10.80
die endgültige formale Abnahme der 120 005
durch die DB!
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Bild 5:
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Weitere 10 Monate sollte es dauern, bis ich 120
005 dann endlich auch im Plandienst erwischte.
Am 03.06.81 wurde die Lok zunächst in München
Hbf vor IC 624 "Meistersinger" fast genauso abgelichtet,
wie es im Bild von 'railpixel'
im o.g. Ursprungsbeitrag gezeigt wurde. Da die
Bereitstellung gut eine halbe Stunde vor Abfahrt
erfolgte, blieb noch genügend Zeit, dem Zug mit
der S-Bahn vorauszufahren, um ihn dann in Höhe
des S-Bahnhof München Laim noch einmal auf der
Strecke "zu erlegen". Mit 11 Wagen war IC 624
zwar nicht ein IC der ausgewachsenen Art, aber
für eine vierachsige Lok wie der 120 auf der Mittelgebirgsstrecke
nach Nürnberg doch eine ganz anspruchsvolle Leistung.
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Bild 6:
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Zurück in die Heimat: Am 09.01.85 kehrt 120
005 ein letztes Mal in ihr Herstellerwerk
zurück. Als geschleppte Lok in einem Güterzug
ist sie soeben im Rbf Essen Nord eingetroffen
und setzt jetzt mit eigener Kraft ins Übergabegleis
um. Die Rückfront ist durch Schnee und Eis schwer
gezeichnet. Damals gab es im Winter tatsächlich
noch Schnee.
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Bild 7:
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Auf der Anreise zu den Jubiläumsveranstaltungen
1985 in Nürnberg gab’s auf der Spessartrampe eine
weitere Begegnung mit der 005. Während von Westen
dunkle Gewitterwolken aufziehen, rauscht IC 626
"Nymphenburg" mit 120 005 an der Spitze
zu Tal. Danach blieben nur noch wenige Minuten
Zeit, um Kamera und 4-jährigen Sohn
– in dieser Reihenfolge – ins Auto zu packen,
bevor der Himmel seine Schleusen öffnete. Hain/Spessart,
19.07.85.
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Bild 8:
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1988 wurden die Prototypen 120.0 aus dem Plandienst
genommen und den Versuchsanstalten in Minden und
München zugeteilt. So war es nicht weiter überraschend,
120 005 am 11.05.88 vor einem Messzug in
Würzburg anzutreffen.
Am anderen Ende des Zuges befindet sich mit 103
003 einer weiterer Prototyp einer berühmten
Baureihe.
Dagegen ist 141 013, die soeben das Bw
Würzburg verlässt, Alltag, nicht als Alltag.
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Bild 9:
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Der ausschließliche Einsatz im Versuchsdienst
führte zum 28.04.89 zur Umzeichnung in 752
005. Dass währte aller- dings nicht lange.
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Denn im Vorfeld der Entwicklungen für die neue
Generation von Elektrolokomotiven mit Drehstrom-Antriebstechnik
erhielt unsere 005 im Jahr 1991 neue GTO-Stromrichter
und eine neuartige Antriebssteuerung (MICAS-S).
Mit 6400 kW Dauerleistung war sie damit zeitweise
die leistungsfähigste vierachsige Ellok der Welt.
Und da sie in dieser Ausführung wieder in den
Plandienst zurückkehrte, erhielt sie auch wieder
ihre ursprüngliche Nummer 120 005.
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Leider fiel sie bei dem Umbau auch in den orientroten
Farbtopf, so dass sie sich optisch nur noch marginal
von den Serien-120 unterschied. Einzig die tiefer
liegende Knickkante mit den Lampen direkt unterhalb
des Knicks lieferte ein deutliches Indiz für ihre
Vergangenheit. Am 21.06.94 biegt sie mit der Therese
Giese (IC 801) bei Fürth in die Zielgerade ihres
Laufwegs ein.
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Bild 10:
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Ich hoffe, 10 Bilder von ein und derselben Lok
waren nicht zuviel des Guten. Aber der abwechslungsreiche
Lebenslauf dieser vergleichsweise jungen Maschine
war’s doch wert, oder ?
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Und 'Marcus798' dürfte
wirklich genug Bilder von der 005 haben.
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Schönen Tag noch,
Ulrich B.
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