|
Was
Sie schon immer über E-Loks wissen wollten,
aber bisher nicht zu fragen wagten
Beitrag im DREHSCHEIBE
Forum
"Historische Bahn" vom 01.11.2008
|
| |
|
So könnte man, frei nach dem Filmklassiker von
Woody Allen, die Vortragsreihe beschreiben, die
die Eisenbahnfreunde
Witten am nächsten Wochenende,
08. und 09.11.08, veranstalten.
"Geschichte der deutschen Elektrolokomotive"
– das ist das Generalthema dieser beiden Tage.
Dieses Thema ist natürlich auch über die Region
hinaus für viele interessant und so möchte ich
für alle, die nicht die Möglichkeit haben, nach
Witten zu kommen, einen kurzen Überblick geben
über das, was dort geplant ist.
|
|
|
Es beginnt mit einem allgemeinen Überblick über
die Geschichte und Technik der elektrischen Traktion
im Eisenbahn- wesen. Wie kam es zu den heute üblichen
Stromsystemen, wodurch sind die verschiedenen
Antriebstechniken geprägt, wie überträgt man das
Drehmoment von den Fahrmotoren auf die Treibradsätze?
Alles das und viel mehr, anschaulich und auch
für Nicht-Techniker verständlich erklärt und mit
vielen, z.T. sehr historischen Bildern hinterlegt,
ist der Inhalt des ersten Beitrags.
|
|
|
Was passt dazu mehr, als ein Bild der ersten
elektrischen Eisenbahn überhaupt. Auf der großen
Berliner Gewerbe- ausstellung im Jahr 1879 präsentierte
Siemens&Halske einen Ausstellungszug, der von
der ersten Ellok der Welt gezogen wurde. Das Bild
hier stammt allerdings nicht von 1879, sondern
von 1979, als das 100-jährige Bestehen der elektrischen
Eisenbahn im AW München Freimann mit einer grandiosen
Ausstellung gewürdigt wurde. Wie seinerzeit in
Berlin, wurde auch in München eine kurze ringförmige
Strecke aufgebaut, auf dem die Besucher jeweils
ein paar Runden drehen konnten. Die Aufnahme von
Hans-Dieter Andreas (†), einem der Haupt-Organisatoren
dieser Ausstellung, zeigt die Probefahrten mit
AW-Personal nach dem Aufbau der Strecke.
|
|
|
Bild 1:
|
|
|
Ein Problem beschäftigt die Entwicklungsingenieure
von elektrischen Triebfahrzeugen bis heute: Wie
überträgt man das von dem Elektromotor erzeugte
Drehmoment auf die Treibradsätze? Dabei sollte
man sich vor Augen halten, dass gerade in der
Frühzeit der elektrischen Traktion die Fahrmotoren
noch sehr voluminöse und schwergewichtige Bauteile
waren.
|
|
|
Zunächst einmal lag es natürlich nahe, die Drehmoment-Übertragung,
wie von der Dampflok her gewohnt, mittels Stangen
zu bewerkstelligen. Dazu hier drei Beispiele,
alle gesehen und fotografiert bei der bereits
erwähnten Veranstaltung "100 Jahre elektrische
Eisenbahn" im Mai 1979 im AW München Freimann.
Technische Einzelheiten erspare ich mir - die
gibt’s am Samstag in Witten bei den EFW.
|
|
|
Stangen-Antrieb mit hochliegendem Fahrmotor
(Gestellmotor). Beispiel E 52 34 ex KBayStB
EP5 21534.
|
|
|
Bild 2:
|
|
|
Schlitzstangen-Antrieb. Beispiel E 71 28.
|
|
|
Bild 3:
|
|
|
Winterthur-Schrägstangen-Antrieb. Beispiel 191
099.
|
|
|
Bild 4:
|
|
|
Die Altbau-Elloks der DB bilden mit zwei Vorträgen
den Schwerpunkt des Themen-Wochenendes. Gemeint
sind natürlich die Vorkriegs-Bauarten, wie sie
noch bis weit in die 80er Jahre unterwegs waren.
Auch ohne im Einzelnen darauf einzugehen, was
hier geboten wird, kann man sagen, dass hier eine
große Vielfalt interessanter Fahrzeuge zu sehen
sein wird. Wie beispielsweise:
|
|
|
Die E16, bayerische Schnellzuglok ES1, die mit
ihrem Buchli-Antrieb auf deutschen Schienen einmalig
war.
In insgesamt 21 Exemplaren gebaut, fuhr mir die
erste, 116 001, am 02.02.75 im westlichen
Bahnhofsbereich von Rosenheim vor die Kamera.
Statt hochwertiger Schnellzüge befördert sie allerdings
nur noch "popelige" Personen- züge, wie hier P4523.
|
|
|
Bild 5:
|
|
|
Der Zug, den der "Nürnberger Edelhirsch" 119
001 am 29.08.76 am Haken hat, ist zwar auch
nur ein Eilzug, aber, was Zuglänge und Fahrzeit
betrifft, durchaus anspruchsvoll. In der Streckenverzweigung
westlich des Nürnberger Haupt- bahnhofs unterquert
E3414 auf seinem Weg nach Coburg soeben die Strecke
nach Treuchtlingen. Man beachte auch die alte
Reichsbahn Fahrleitung, die schon 1976 nur noch
auf wenigen Streckenabschnitten zu finden war.
|
|
|
Bild 6:
|
|
|
Wir bleiben auf der Strecke von Nürnberg aus
nach Norden, und sehen in Redwitz eine 144-Doppelbespannung
vor P5744 nach Kronach. Dabei leistet 144 100
der 144 118 außerplanmäßig Vorspann. Aufnahmedatum
war der 18.09.76.
|
|
|
Bild 7:

|
|
|
Nun wird es Zeit, dass auch mal eine Stangen-Ellok
zum Zuge, genauer gesagt zum Bilde kommt.
Die AEG-Dreikuppler der Baureihe E63 gehörten
jahrzehntelang zum Bild des Eisenbahngeschehens
im und um den Stuttgarter Hbf. Am 05.09.67 schnappt
sich E63 02 in den Abstellanlagen neben
dem Bw Stuttgart den Wagenpark für einen Personenzug,
um ihn im Hbf für die nächste Fahrt bereitzustellen.
|
|
|
Bild 8:
|
|
|
Mit einer Betriebsaufnahme einer E75 in Farbe
kann ich leider nicht dienen; aber ein Bild aus
dem AW ist ja vielleicht auch mal ganz reizvoll.
Die Ingolstädter E75 62 hat ihre aktive
Laufbahn bereits hinter sich gebracht (z seit
16.11.67) und wartet am 24.06.68 im AW München
Freimann auf ihre Ausmusterung, die einen Monat
später am 25.07.68 erfolgen wird.
|
|
|
Bild 9:

|
|
|
Was wäre eine Altbau-Ellok Bildfolge ohne eine
E94/194, das deutsche Krokodil. Am 02.04.71 beheimatet
das Bw Aschaffenburg nicht nur sämtliche Nachbauloks
der BR 194.2, sondern auch einige Vorkriegsmaschinen
194.0, wie z.B. die 194 133. In der Bw-Ausfahrt
wartet der kräftige Sechsachser auf neue Aufgaben.
|
|
|
Bild 10:
|
|
|
Damit komme ich zum nächsten Thema, den Einheits-Elloks
der DB. Und wie es der Zufall will, haben mich
die Wittener Eisenbahnfreunde gefragt, ob ich
dazu nicht mal ein paar Bilder zeigen könnte -
wie kommen die bloß darauf ;-))
Mach’ ich natürlich gerne, wobei ich natürlich
längst nicht so ins Detail gehen kann, wie auf
meiner Seite bei den Bauartunterschieden.
|
|
|
Das folgende Bild ist gewissermaßen symbolhaft
für meinen Vortrag in Witten: Die E10/110, von
der es ja auf meinen Seiten schon so viele Aufnahmen
zu sehen gibt, tritt etwas in den Hintergrund
gegenüber den anderen Einheits-Ellok Baureihen.
Zu sehen sind die Nürnberger 140 107 und
die Kölner 110 468, Seit’ an Seit’ im Bw
Würzburg am 18.07.82. Beide Loks präsentieren
sich in einem zum Aufnahmezeitpunkt relativ alten
Zustand, der aber nichts-desto-trotz meilenweit
vom Lieferzustand entfernt ist.
|
|
|
Bild 11:
|
|
|
Brandneu und sozusagen "frisch aus der Packung"
ist dagegen die Eidelstedter E41 350, die
ich am 26.04.68 in ihrem Heimat-Bw ablichten konnte.
|
|
|
Bild 12:
|
|
|
Die (bis heute) stärksten Loks, die je auf deutschen
Schienen unterwegs waren, waren die Sechsachser
der Baureihe E50/150. Damit auch die ozeanblau/beige
Farbgebung zu ihrem Recht kommt, zeige ich hier
die Hagener 150 129, aufgenommen am 04.04.91
als Lz Richtung Hagen in Nachrodt an der Ruhr-Sieg-Strecke.
|
|
|
Bild 13:

|
|
|
Das nächste Bild steht für den Übergang zum letzten
Thema der Veranstaltung: "E-Loks im AW". Ich befinde
mich am 29.05.78 unverkennbar im AW München Freimann,
wo die Offenburger 139 166, also eine E40
mit Widerstands- bremse, soeben für ihre Abnahmefahrt
nach einer HU fertig gemacht wird. Gegenüber dem
Lieferzustand ist die Lok jetzt oben ohne (d.h.
ohne Blech-Regenrinne), während Doppellampen,
Griffstange und die Doppel-Düsen-Lüftungsgitter
seit der Anlieferung vorhanden waren.
|
|
|
Bild 14:

|
|
|
In den AWs boten sich dem interessierten Eisenbahnfreund
stets interessante Einblicke in/auf Details der
mehr oder weniger zerlegten Maschinen. Ebenfalls
im AW Mü.Freimann entstand am 07.09.89 das Bild
eines Drehgestells der 150 116.
Das Dg ist bereits fertig aufgearbeitet (unlackiert!)
und vorbereitet zum Aufsetzen des Lokkastens.
|
|
|
Bild 15:

|
|
|
Bei dieser Lok, der 120 131, gab es Probleme
beim Anheben der kompletten Lok. Bei genauem Hinsehen
erkennt man eine leichte Beule im Rahmen über
der Anhebestelle. Da hatte ich als Ingenieur der
für die Statik der Lok zuständigen Entwicklungsfirma
Krupp die schwierige Aufgabe, der DB klar zu machen,
dass diese Beule nicht auf eine zu schwache Auslegung
des Lokkastens, sondern auf ein nicht sachgerechtes
Anheben der Lok zurückzuführen war.
|
|
|
Bild 16:

|
|
|
Ein letztes Bild aus dem AW München Freimann
zeigt, dass ein Werkstattrundgang immer für eine
Überraschung gut war. Was war das bloß für eine
seltsame Farbgebung an der 111 068? Es
bedurfte schon einiger Überredungskünste, um den
zu größter Verschwiegenheit verdonnerten AW-Mitarbeitern
die Auskunft zu entlocken, dass es sich hier um
Farbstudien für ein neues Farbkonzept der DB handelte
(im Rücken hatte ich die noch buntere 111 069).
|
|
|
Bild 17:

|
|
|
Soweit mein kurzer Streifzug durch die weite
Welt der deutschen Elektrolokomotiven, wobei ich
zu meiner Schande gestehen muss, dass die technik-geschichtlich
durchaus bedeutsamen DR (-Ost) Fahrzeuge hier
wieder einmal gar nicht vorkommen. Das wird am
nächsten Wochenende in Witten sicher anders sein.
|
|
|
Für Interessenten dieser Veranstaltung verlinke
ich hier einen Flyer der Wittener Eisenbahnfreunde,
wo Termine/Uhr- zeiten und weitere Details bekannt
gegeben werden (Bitte Vorschaubild anklicken):
|
|

|
|
|
Soweit mein kurzer Streifzug durch die weite
Welt der deutschen Elektrolokomotiven, wobei ich
zu meiner Schande gestehen muss, dass die technik-geschichtlich
durchaus bedeutsamen DR (-Ost) Fahrzeuge hier
wieder einmal gar nicht vorkommen. Das wird am
nächsten Wochenende in Witten sicher anders sein.
|
|
|
Schönen Tag noch,
Ulrich B.
|
|
|
|
|