Winterdampf am steirischen Erzberg
Zusammenfassung der Beiträge Teil 1 bis 4
Winterdampf am steirischen Erzberg – Studienreise Teil 1
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 26.01.2006

Genau jetzt vor 31 Jahren startete ich zu einer mehrtätigen Studienreise an die Erzbergbahn in der österreichischen Steiermark. Nun ist eine Studienreise naturgemäß keine Fototour, bei der die Motive sorgfältig aussucht werden können. Aber auch so vermitteln die damals entstandenen Bilder einen guten Eindruck vom harten Winterbetrieb mit Zahnrad-Dampfloks in einer grandiosen Umgebung. Und so oft war die Erzbergbahn ja auch noch nicht Thema im HiFo.

Ein paar Worte zur Vorgeschichte: Zu jedem Maschinenbaustudium gehört eine große Studienarbeit, die meist gegen Ende der Studienzeit im Fach der Vertiefungsrichtung angefertigt wird - in meinem Fall die Schienenfahrzeugtechnik. An der TU Hannover war es üblich, dass man als Student selbst einen Themenvorschlag unterbreitete - und damit fingen die Probleme schon an. Bis mir schließlich eine Idee kam, zu der ich mich heute noch beglückwünsche: Nach einigem Hin und Her konnte ich zwei weitere Kommilitonen meines Jahrgangs dazu bringen, zusammen mit mir ein Themenbündel zu bearbeiten, das die österreichische Erzbergbahn zum Inhalt hatte:

  • Umstellung der Erzbergbahn auf Reibungsbetrieb und Konzeption einer Diesellokomotive (mein Thema)
  • Entwurf einer elektrischen Lokomotive für einen Reibungsbetrieb und Konzeption der Energieversorgungsanlagen
  • Optimierung der Betriebsabläufe bei reinem Reibungsbetrieb

Nachdem die Themen in trocken Tüchern, d.h. anerkannt und genehmigt waren, wurde die nächste Stufe des Vorhabens in Angriff genommen: Eine Studienreise (gesponsert von der Uni) an den Ort des Geschehens. Und da sowohl die Mitschreiber als auch der betreuende Assistent mehr oder minder mit dem Eisenbahnvirus infiziert waren, gelang auch dieses.

In Vorbereitung auf die Reise und natürlich auch für die Studienarbeit wurde zunächst intensiv die einschlägige Literatur gesichtet und Unterlagen und sonstige Informationen eingeholt.

Bild 01 01
Aus diesem Material zeige ich eine Übersichtskarte, die das Abbaugebiet am Erzberg und Umgebung zeigt. Die Erzbergbahn führt südlich um den Erzberg herum. Der Umschlag auf die Bahn erfolgt in den Verladestellen Eisenerz und Erzberg. Die in Erzberg verladenen Züge wurden grundsätzlich alle auf direktem Weg über den Berg und die Passstation Präbichl zum Stahlwerk nach Leoben-Donawitz geführt.

Bild 02 02
Aus der "Vorschrift zum Betrieb der Nebenbahn Vordernberg – Eisenerz (Zahnradbahn)" stammt das Höhenprofil der Strecke. Auch wenn die maßgebliche Steigung auch in den Zahnstangenabschnitten generell knapp unter 70‰ liegt, auf der Südrampe zwischen Glaslbremse und Präbichl beträgt die maximale Steigung 73,7 ‰. Das ist deutlich mehr als der Grenzwert von 70 ‰, bis zu dem heute üblicherweise im Reibungsbetrieb gefahren wird.

Bild 03 03
Interessant für mich waren auch die technischen Unterlagen über die Diesel-Zahnradlok der ÖBB Baureihe 2085 (urspr. als 2097 vorgesehen), Werksbezeichnung LDH1100, die mir freundlicherweise von der SGP überlassen wurden. So richtig bewährt hat sich die Maschine nicht – schlecht für ÖBB und den Hersteller, gut für die Eisenbahnfreunde, denn sonst hätte es sicher keinen Dampfbetrieb mehr bis weit in die siebziger Jahre hinein gegeben. Da ich die Lok (um es vorweg zu nehmen) leider nicht vor die Linse gekriegt habe, hier ein Ausschnitt aus der Übersichtszeichnung der Maschine.

Am 26.01.75 ging es dann endlich los. Drei Studenten und ein Assistent besteigen in Hannover Hbf den D 499 "Beograd Express", Abfahrt 18:43 Uhr, durchgehend bis Leoben/Steiermark. Ob wir den Liegewagen benutzten oder es uns einfach nur in der 1.Klasse bequem machten (Fahrkarten wurden von DB bzw. ÖBB kostenlos gestellt), weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall war es eine sehr kurze Nacht, da wir passend zum Auftakt unserer Studienfahrt noch etwas zu feiern hatten.

27.01.1975

Bild 04 04
Schon die Fahrt von Leoben nach Vordernberg mit einer 1245 und Spantenwagen war ein Erlebnis für sich (leider fotografisch nicht festgehalten). Wann war ich das letzte Mal mit Zweiachsern im Regelbetrieb gefahren? Nach der Ankunft kurz ins Hotel, Anmelden, Frischmachen und auf zum ersten Programmpunkt: Besichtigung des Erzabbaus am steirischen Erzberg. Dazu mussten wir natürlich erst einmal mit dem Zug über den Berg nach Eisenerz fahren. Im Bahnhof Vordernberg steht P4105 bereit, bespannt mit 97.217, die für die Bergfahrt vorschriftsgerecht am talseitigen Ende des Zuges eingereiht ist. Wie auch einige andere Aufnahmen der Tour ist das Bild leider ziemlich verfärbt (schon von Anfang an), was auch mit den mittlerweile angeeigneten Kenntnissen der elektronischen Bildbearbeitung nicht ganz wett zu machen ist.

Bild 05 05
Auf der Bergstrecke ein erster Eindruck von der herrlichen Hochgebirgslandschaft, die uns mit Sonnenschein empfängt. Bei der Bergfahrt mit schiebender Lok war die Zugspitze durch den Zugführer besetzt, der dort lediglich über ein Notbremsventil verfügte und sich ansonsten per Hand- und Pfeif-Zeichen mit dem Lokpersonal verständigte. Nach dem Blick auf das Reichensteinmassiv zu urteilen, dürfte sich der Zug unterhalb der Betriebsstelle Gaslbremse befinden und damit knapp die Hälfte der Südrampe bezwungen haben.

Bild 06 06
Beim Blick am Zug entlang zurück ins Tal kommt unsere 97.217 ins Bild, die sich mit diesem leichten Personenzug auch bei der Bergfahrt nicht allzu sehr anstrengen muss. Eine prächtige Dampffahne gibt es bei dem kalten Winterwetter aber trotzdem..

Bild 07 07
Im Bahnhof Präbichl ist der Scheitelpunkt der Strecke erreicht. Ab hier geht’s bergab und 97.217 setzt sich jetzt an die Spitze des Zuges, um entsprechend der Steilstreckenvorschrift talseits im Zugverband zu stehen. 97.217 gehört übrigens zu den mit Giesl-Ejektor ausgerüsteten Maschinen. Auffällig und auch ohne Ausschnittsvergrößerung zu sehen: Der Schornstein ist bereits total durchgerostet; ein Zeichen dafür, dass die Loks am Ende ihrer Nutzungszeit angelangt sind.

Bild 08 08
Im Bahnhof Erzberg passieren wir den mit 197.301 bespannten Erzzug Bzg 79932. Genau genommen ist sie die Schiebelok, die den (Halb-) Zug gleich zusammen mit 97.205 an der Zugspitze den Berg hinauf nach Präbichl bringen wird. Im Hintergrund sind die terrassenförmigen Abbausohlen des Erzbergbaus zu erkennen.

Bild 09 09
In den Talkessel des Städtchens Eisenerz scheint die Wintersonne selbst am frühen Nachmittag bereits nicht mehr. So muss Ellok-Oldtimer 1080.01 vom Bw Selzthal, der an diesem Tag den Rangierdienst im Bf. Eisenerz versieht, eben bei suboptimaler Beleuchtung aufgenommen werden.

Bild 10 10
Bei der anschließenden und hochinteressanten Besichtigung des Tagebaubetriebs habe ich leider keine Aufnahmen gemacht. Zu dunkel? Fotografieren verboten? Filmsparen? – ich weiß es nicht mehr. Ich zeige hier deshalb stellvertretend 2 Bilder aus dem umfangreichen Informationsmaterial der VÖEST Alpine, welches wir damals erhielten.

Das erste zeigt eine Gesamtansicht des Abbaugebiets am steirischen Erzberg. Seit Anfang des 13. Jahrhunderts wird hier Eisenerz abgebaut, und zwar sowohl im Tagebau (überwiegend) als auch bergmännisch. Ein Ende ist vorerst auch nicht in Sicht, handelt es sich doch um das mächtigste Spateisenvorkommen in Europa.

Bild 11 11
Höchst eindrucksvoll war die Fahrt auf eine Abbausohle. Auch wenn das gar nichts mit Eisenbahn zu tun hat: Ein Bild der eingesetzten Maschinerie möchte ich hier sozusagen off topic doch zeigen. Nach der Sprengung wird das lose Gestein mit Elektro-Baggern in riesige Muldenkipper verladen, zu einer Brechanlage gefahren, dort zerkleinert und anschließend das Erz durch Röstung oder Auswaschung separiert.

Mit dem letzten Zug wurde kurz nach 18:00 Uhr und bereits bei Dunkelheit die Rückfahrt nach Vordernberg angetreten.

Damit beende ich den ersten Teil meines Beitrags. Bis jetzt gab’s ja noch nicht allzuviel vom Dampfbetrieb am Erzberg zu sehen. Das wird in der nächsten Folge anders, denn am nächsten Tag stand eine Güterzug-Mitfahrt über die Zahnradstrecke zur Verladestelle Erzberg auf dem Programm. Da ging’s dann winterdampfmäßig richtig zur Sache. Bis dahin bitte ich um ein paar Tage Geduld.

Schönen Tag noch,
Ulrich B.

Winterdampf am steirischen Erzberg – Studienreise Teil 2
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 27.01.2006

Im 1. Teil meines Beitrags hatte ich berichtet, wie es überhaupt zu dieser Studienreise an den Erzberg kam und Bilder des ersten Tages gezeigt: Fahrt mit dampfgeführtem Personenzug über die Erzbergbahn und Besichtigung des Erz-Tagebaus in Eisenerz.

Und so ging's am nächsten Tag weiter.

28.01.1975

Der Tag begann mit der Besichtigung der Zugförderstelle (Zf) Vordernberg. Im Schuppen stand, leider unfotografierbar, die wieder einmal defekte 2085.01. Aber auch sonst boten sich im Bw keine weiteren Aufnahmemöglichkeiten – keine Loks vorm Schuppen, auf der Drehscheibe oder beim Restaurieren.

Bild 12 12
Aber am Rande des Bws war eine interessante Lok abgestellt, die – Mast hin, Mast her – unbedingt abgelichtet werden musste: Die für einen musealen Erhalt vorgesehene 1’F1’-Zahnradlok 297.401. Sie war einmal die größte und leistungsfähigste Zahnradlok der Welt. Aber wie die 2085 war auch sie für die Strecke überdimensioniert und konnte letztlich nie befriedigen. Bemerkenswert ist vielleicht noch, dass die 1941 von der Deutschen Reichsbahn beschaffte Lok in vielen Bauteilen mit den deutschen Einheitsloks übereinstimmte.

Bild 13 13
Das wirkliche Leben spielte sich draußen im Rangierbahnhof ab. Für den Rangierdienst im Rbf Vordernberg war 197.303 eingeteilt. 1913 als Naßdampfmaschine gebaut, verfügt sie über 6 Treibradsätze und ist damit als Tenderlok schon ein ganz kapitaler Brocken. Inzwischen hat leichter Schneefall eingesetzt, der in Verbindung mit dem flach einfallenden Sonnenlicht für eine außergewöhnliche Beleuchtung sorgt.

Bild 14 14
Noch krasser sind die Lichtverhältnisse beim Blick in die andere Richtung. Neben 197.303 kommt auch 1245.519 ins Bild, die hier abfahrbereit vor einem Erzzug in Richtung Leoben steht.

Bild 15 15
Dieses Pärchen war mir noch eine weitere Aufnahme aus der lichtmäßig "richtigen" Blickrichtung wert.

Nächster Programmpunkt war eine Güterzug-Fahrt von Vordernberg über den Pass zur Verladestelle Erzberg und zurück. Und da die Erzzüge keine Begleitwagen hatten, hieß das natürlich: Mitfahrt auf der Lok, 2 Mann vorn und 2 Mann hinten.

Zum besseren Verständnis der Bildfolge erscheint es mir angebracht, zunächst einmal kurz den Betriebsablauf zu erläutern: Der Leerzug kam mit einer Ellok, i.d.R. eine 1245.5 der ZfL Knittelfeld, aus Leoben und wurde in Vordernberg von zwei Dampfloks übernommen, eine vorn und eine hinten. Über die Zahnradstrecke ging es dann weiter zur Verladestation im Bf. Erzberg, mit Zwischenhalten in Gaslbremse (zum Wasserfassen) und Präbichl. In Erzberg wurde der Zug geteilt und beladen, wobei die beiden Loks, die den Leerzug gebracht hatten, die anfallenden Rangieraufgaben zu übernehmen hatten. Während dieser Arbeiten wurde der beladene Erzzug aus dem vorherigen Takt abgefahren. Die Bergfahrt der beladenen Züge von Erzberg nach Präbichl erfolgte aus Lastgründen in zwei Teilen, mit Zug- und Schublok, die nach Abstellung des ersten Teils in Präbichl als Lz nach Erzberg zurückkehrten, um den 2. Teil zu holen. In Präbichl wurden die beiden Halbzüge dann vereinigt und als kompletter Zug mit beiden Loks ins Tal nach Vordernberg gefahren. Ab dort wieder weiter mit Ellok bis Donawitz.

Bild 16 16
Auf dem Bild steht 97.208 abfahrbereit vor Leerzug Bzg 79911 im Rbf Vordernberg. Doch bevor die Bergfahrt in Angriff genommen werden kann, muss der Gegenzug Bzg 79916 aus Erzberg abgewartet werden, von dem hier gerade die (talseitige) Zuglok 197.301 vorbei fährt. Die Lichtverhältnisse sind mit dem sehr schräg von hinten einfallenden Streiflicht nicht gerade günstig und bewirken, dass die ohnehin schon ziemlich farblose Szenerie mit dreckigen Loks vor dreckigen Wagen fast schon wie ein schwarz/weiß Bild wirkt.

Bild 17 17
Nachdem der einfahrende beladene Erzzug angehalten hat, stehen die beiden alten Zahnradloks einträchtig nebeneinander: 97.208 als Zuglok vor Bzg 79911 und 97.205 als Schlusslok von Bzg 79916. Man beachtet die unterschiedliche Ausrüstung der Loks mit Giesl-Ejektor und Normal-Schornstein. Beide Maschinen sind übrigens Baujahr 1892!

Bild 18 18
Und endlich geht’s los. Unser Zug, Bzg 79913, ist mit 197.301 als Zuglok und 97.205 als Schublok bespannt. Wie man unschwer erkennen kann, befinde ich mich auf der hinteren Lok, als die Aufnahme den bergwärts fahrenden Leerzug entlang gemacht wurde. Aufnahmeort irgendwo unterhalb Glaslbremse.

Bild 19 19
An der Betriebsstelle Glaslbremse wird ein (planmäßiger) Halt zum Wassernehmen eingelegt. Das ist eine günstige Gelegenheit, den Zug und seine Loks auf’s Zelluloid zu bannen, auch wenn der Zug nicht gerade günstig im Licht steht. Als Erste ist "meine" Schublok 97.205 dran. Zunächst von links hinten mit Zug, ...

Bild 20 20
dann volle Breitseite von links, ...

Bild 21 21
und schließlich von rechts hinten, mit Blick über die Betriebsstelle Glaslbremse. Dieses Bild von der lichtmäßig "falschen" Seite demonstriert sehr schön, dass auch die Schattenseite oftmals ihre Reize hat.

Bild 22 22
Nachdem ich mich beim Personal vergewissert hatte, dass der Zug nicht plötzlich ohne mich abfahren würde, stapfte ich ziemlich mühselig durch den hohen Schnee nach vorne zur Zuglok 197.301. Schwarze Lok vor schwarzem Zug im weißen Schnee – nicht nur in dieser Perspektive war die sechsfach gekuppelte 197 eine imposante Erscheinung.

Danach hieß es, so schnell wie möglich wieder nach hinten zu meiner Lok, und weiter ging’s. Ich weiß nicht mehr, ob wir in Präbichl noch mal angehalten haben, jedenfalls ist dort kein Bild mehr entstanden.

Mit Rücksichtsicht auf die User, die noch ohne DSL und Flatrate auskommen müssen, beende ich den Beitrag hier und bringe die weiteren Bilder des Tages in einem dritten Teil, der in Kürze folgt.

Ich hoffe, wir sehen uns dort wieder?
Ulrich B.

Winterdampf am steirischen Erzberg – Studienreise Teil 3
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 29.01.2006

Teil 1: Vorgeschichte, erste Streckenbereisung, Besichtigung Erzabbau.
Teil 2: Vordernberg Rbf, Mit dem Erzzug nach Erzberg - die Hinfahrt.

Ohne große Worte geht’s weiter mit dem Geschehen am

28.01.75:

Bild 23 23
Im Bahnhof Erzberg wurde es erst einmal "dienstlich": Besichtigung der Verlade- und Bahnhofsanlagen, Erläuterung der Betriebsabläufe usw. – schließlich waren wir ja auf Studienreise. Dann endlich Zeit zum Fotografieren. Einen Erzzug hatte ich schon mit wehem Herzen unfotografiert aus dem Bahnhof kacheln sehen. Inzwischen waren die Loks wieder zurückgekehrt und hatten sich an den zweiten beladenen Erz(halb-)zug gesetzt. Da war es für mich klar, was zu tun war: Ab in die Bahnhofsausfahrt , um hier endlich auch einmal eine richtige Zugaufnahme zu kriegen. Mit dem Teleobjektiv bot sich ein beeindruckender Blick in den Bahnhof Erzberg. Neben 97.205, links, mit der wir gerade gekommen waren, steht 97.208 abfahrbereit mit Bzg 79930. Ein kurzes Pfeifsignal für die Schiebelok und das Spektakel beginnt.

Bild 24 24
Mit krachenden, durch das enge Tal widerhallenden Auspuffschlägen kommt Bzg 79930 angetobt. Zuglok ist, wie schon gesagt, 97.208. Die Schlusslok 97.209 ist total in eine Dampfwolke eingehüllt und man sieht eigentlich nur an der Dampfententwicklung, dass da hinten noch eine weitere Maschine schwer am Arbeiten ist.

Bild 25 25
Auch im Nachschuss ist nicht sehr viel von 97.209 zu erkennen. Mit Volldampf verschwindet der Zug in den sich direkt hinter der Bahnhofsausfahrt anschließenden Plattentunnel.

Bild 26 26
Jetzt sind nur noch die beiden Loks unseres Zuges im Bahnhof. Inzwischen ist der erste Halbzug beladen und der zweite zur Beladung bereitgestellt. 197.301 hat sich vor den beladenen Halbzug gestellt und ganz hinten ist noch 97.205 zu erahnen. Auf beiden Loks wird geschippt, was das Zeug hält, jetzt kann es nicht mehr lange dauern, bis die erste Fuhre unseres Umlaufs hoch nach Präbichl fährt.

Bild 27 27
Für diese Aufnahme musste ich mich durch den tiefen Schnee noch ein wenig den Berg hoch kämpfen, um einen etwas anderen Standpunkt als beim letzten Zug einzunehmen. Mühsam (und mit viel Schnee in den Schuhen), aber gerade noch rechtzeitig, um die Ausfahrt von Bzg 79932 mit 197.301 an der Spitze zu erlegen.

Bild 28 28
Bei der Nahaufnahme auf die schwer arbeitende 197.301 kommt auch mal ein Mitglied unserer Reisegruppe ins Bild, der das Ganze nur akustisch genießt und sich die nassen Schuhe und Klamotten lieber nicht antun wollte.

Bild 29 29
Fast eine Stunde dauerte es nun, bis die beiden Loks aus Präbichl zurückkamen, vorn die 197.301, dahinter 97.205. Sogar die Lz-Nummer habe ich mir damals notiert: Lz 89381.

Bild 30 30
Nun ging es zurück in den Bahnhof, denn mit dem nächsten Zug wollten/mussten wir ja zurückfahren. 197.301 ist von der Bergfahrt durstig geworden und geht deshalb zuerst noch an den Wasserkran. Derweil steht die 2. Lok, 97.205, bereits vor dem Zug – kleine Loks haben wohl nicht soviel Durst?

Bild 31 31
Nachdem die Wasservorräte ergänzt und alle Lager abgeschmiert sind, setzt sich 197.301 hinter den zweiten Erz(halb-)zug mit der Nr. Bzg 79934. Das Motiv ist zwar ähnlich wie Bild 8 aus dem ersten Teil, aber diese Aufnahme gehört nun mal zur Chronologie meiner kleinen Geschichte.

Bild 32 32
Bis zur Abfahrt blieb jetzt noch ein wenig Zeit für ein paar Standaufnahmen. Zum Beispiel für das "Gesicht" der österreichischen 197: Auch genau von vorn ist 197.301 eine imposante Maschine, die sich hier zwar sehr dreckig präsentiert, aber wenn man sieht, was da alles aus dem Schornstein kommt, ist das ja auch kein Wunder. Apropos Schornstein: Schön zu sehen ist die schmale Bauart des Giesl-Ejektors, mit dem alle 197 ausgerüstet waren. Die andere Loks mit Giesl-Ejektor waren: 97 203, 208, 209, 212 und 217, sowie 297 401.

Bild 33 33
Interessantes Detail der 197.301: Die gelenkige Kuppelstange zwischen dem 5. und 6. Treibradsatz, die wegen der großen Seitenverschiebbarkeit der letzten Achse erforderlich war. Offensichtlich ist die Stange horizontal geteilt – eine Bauart, die mir bis dahin überhaupt nicht bekannt war. Und da die Frage nach der Kurvenläufigkeit ja schon gestellt wurde: Die Gölsdorf’schen Baugrundsätze, ohne komplizierte und störanfällige Fahrwerks-Mechanismen allein durch seitenverschiebliche Radsätze die Kurvenlauffähigkeit sicher zu stellen, wurden bei den sechsachsigen Maschinen zur Perfektion gebracht, und erwiesen sich auf dieser schwierigen Strecke als ideal. Das war jedenfalls nicht der Grund für den Misserfolg der 297!

Bild 34 34
Beim diesem Bild haben wir eine wirklich beeindruckende Bergfahrt mit dem beladen Erzzug bereits hinter uns. Die 300 t Zuggewicht für den Halbzug erfordern die volle Leistung der beiden alten Naßdampfloks. Und gleich nach der Ausfahrt mit Volldampf in den Plattentunnel: Da hatte man auf der hinteren Lok schon echt mit Atemproblemen zu kämpfen.

Oben in Präbichl angekommen, werden Bzg 79932 und 79934 zu einem Zug vereinigt, um unter der letztgenannten Zugnummer weiterzufahren. Dieses ist auf dem folgenden Bild bereits erledigt und man sieht, dass der Zug jetzt eine ganz beachtliche Länge aufweist. Der Wagenpark erreicht jetzt ein Gesamtgewicht von ca. 600 t – die müssen bergab sicher abgebremst werden!

Bild 35 35
Vorher muss jedoch noch der Leerzug Bzg 79917 aus Vordernberg abgewartet werden. Dieser ist mit 97.201, Baujahr 1891 (!) bespannt, die direkt neben 197.301 zum Stehen kommt. Für "Zahlenmeister" Budde (@ H.R.: Danke für den Titel), der ja bekanntlich auf Nummern achtet, ein glückliches Zusammentreffen der beiden Einser aus beiden Unterbaureihen.

Damit sind von diesem Tag fast alle Aufnahmen gezeigt, die ich damals gemacht habe. Ich hoffe, Euch nicht zuviel zugemutet zu haben. Aber beim Scannen überkam mich eine regelrechte Euphorie angesichts der Bilder, die bisher eigentlich eher ein Schattendasein in meiner Sammlung führten. Nun gut, die Original-Dias lassen eine Menge Wünsche offen. Das teilweise gar nicht gute Wetter forderte halt seinen Tribut. Aber mit Hilfe der heutigen Bildbearbeitungsmöglichkeiten wird doch ein harmonisches Ganzes daraus, was ich Euch nicht vorenthalten wollte.

Für einen abschließenden 4. Teil habe ich zwar kaum noch Bilder von der Erzbergbahn anzubieten, dafür aber Aufnahmen aus dem Dampflok-AW Knittelfeld und einige andere Bilder, die am letzten Tag der Studienfahrt und bei der Rückfahrt über die Tauernstrecke entstanden. Ich denke, auch daran besteht Interesse? Ein paar Tage wird es jetzt aber dauern.

Bis dahin,

Ulrich B.

Winterdampf am steirischen Erzberg – Studienreise Teil 4
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 01.02.2006

Bevor es mit dem vierten Teil weitergeht ein kurzer Rückblick auf die bisherigen Teile (ich hoffe, es dieses Mal richtig hingekriegt zu haben):

Teil 1 : Vorgeschichte, erste Streckenbereisung, Besichtigung Erzabbau.
Teil 2: Vordernberg Rbf, Mit dem Erzzug nach Erzberg - die Hinfahrt.
Teil 3: Verladestelle Erzberg und Rückfahrt.

29.01.1975

Der 3. Tag begann mit einer Besichtigung des Stahlwerks der VÖEST Alpine in Leoben Donawitz (VÖEST = Vereinigte Österreichische Eisen- und STahlindustrie). Heute unerklärlicherweise habe ich auch hier mit Aufnahmen gegeizt - man war halt noch nicht digitlisiert.

Bild 36 36
Abgefallen ist nur dieses eine Bild einer Werklok mit der Nummer 250.1, über die ich ansonsten reinweg gar nichts sagen kann. Vielleicht weiß ja noch einer etwas über diese Lok? Hätte ich damals schon gewusst, dass ich 30 Jahre später einen gewissen J.L. und andere damit erfreuen könnte, hätte ich all die anderen kleinen Dampfer, die dort sonst noch herumwuselten, auch aufgenommen, aber man war ja so jung und radikal in seinen Ansichten - *grrrrr..*

Irgendwie müssen wir die Stahlwerksbesichtigung im Eildurchgang erledigt haben, denn mittags waren wir bereits wieder in Vordernberg. Mangels anderer Programmpunkte wurde spontan und just for fun noch einmal eine Dampfzugfahrt nach Präbichl eingeschoben.

Bild 37 37
Im Bahnhof Vordernberg Markt sehen wir P 4105, wie an den anderen Tagen bespannt mit 97.217. Im Hintergrund ist auch noch ein Schienenbus der Reihe 5081.5 zu erkennen, der mit einer besonderen Bremsausrüstung auch die Steilstrecke befahren durfte.

Bild 38 38
Oben angekommen dann "Full House" im Bahnhof Präbichl - allerdings auch "Full Dust" mit leichtem Schneetreiben und diesigem Licht. Trotzdem der Versuch eines Fotos: Vor Bzg 79932 stehen 197.301 und eine unbekannte 97.2 (vmtl. wie am Vortag 97.205), während links die 97.217 gerade umgesetzt hat und jetzt vor P 4105 fertig zu Weiterfahrt nach Eisenerz steht. Ganz hinten ist schwach noch eine dritte 97.2 vor einem weiteren Erzzug zu erkennen.Auch wenn es so aussieht: Bzg 79932 fährt nicht etwa mit Doppeltraktion (Verzeihung, mit Vorspann), sondern 97.301 hat umgesetzt und fährt jetzt zusammen mit der 97.2 als Lz 89381 zurück nach Erzberg (siehe Teil 3).

Mit dieser Aufnahme endete meine erste Begegnung mit der Erzbergbahn, die leider auch meine letzte war. Natürlich hatte ich mir vorgenommen: "Da musst Du wieder hin, mal richtig auf Fototour". Aber wie so oft, es blieb bei der Absicht, und als die Dampfer erst mal weg waren, war der besondere Reiz auch dahin.

Aber die Studienfahrt war ja noch nicht zu Ende.

30.01.75

Am 4. und letzten Tag, dem 30.01.75,stand noch eine Besichtigung der HW Knittelfeld auf dem Programm (HW = Hauptwerkstatt). Diese war 1975 das letzte Dampflok-AW der ÖBB. Daneben war die HW auch für die Dieselloks der Reihen 2043, 2060, 2062 und 2067, sowie für Schneepflüge zuständig.

Bild 39 39
In der Richthalle entstanden trotz bescheidener Lichtverhältnisse auch einige Innen-Aufnahmen, allerdings mangels Stativ mit langen Verschlußzeiten und voll geöffneter Blende aus der Hand. Das Bild zeigt eine 52 mit unbekannter Betriebsnummer. Wenn ich mir das Bild so anschaue, bin ich mir allerdings nicht mehr sicher, ob die Lok zur Ausbesserung oder evtl. nur zum Ausschlachten hier stand.

Bild 40 40
Ganz anders sieht das bei 52.3315 aus. Diese befindet sich bereits wieder in der Komplettierung und war danach noch ca. zwei Jahre im Planeinsatz bei der ÖBB. Rechts daneben ist der Rahmen einer 93 zu erkennen.

Bild 41 41
Erstaunlich, dass 52.7594 im Jahr 1975 noch eine neue Rauchkammer erhielt. Vielleicht war das ja mit ein Grund dafür, dass diese Lok erhalten blieb und heute der ÖGEG in Straßhof gehört.

Bild 42 42
Die moderne Traktion vertritt 2043.39, bei der offensichtlich ein größeres Stück der Seitenwand repariert bzw. erneuert werden musste.

Bild 43 43
Wie schon gesagt, gehörte die Instandhaltung von Schneepflügen zum regulären Aufgabengebiet der HW Knittelfeld. Gerade fertig gestellt ist ein Klima-Schneepflug der Bauart 985.2, aufgebaut auf dem Fahrwerk einer ausgemusterten Lokomotive (Dampf oder E, wer weiß Näheres ?). Passend zum Objekt hat starker Schneefall eingesetzt, als der Schneepflug aus der Halle geschoben wird.

Bild 44 44
Für die Rangieraufgaben in der HW war an diesem Tag 2067.44 zuständig. So eine Lok war damals überall zu finden und überhaupt nichts Besonderes. Heute bin ich froh, dass ich sie trotzdem fotografiert habe.

Bild 45 45
Vor der Weiterfahrt entstand im Bahnhof Knittelfeld noch dieses Bild einer unbekannten 1042. Man kann sich gut vorstellen, dass solche Witterungsverhältnisse für alle betroffenen Betriebseisenbahner sicher kein Zuckerschlecken sind. Aber man hielt den Betrieb irgendwie am Laufen und brachte die Züge letztlich ans Ziel.

Bild 46 46
In Zeltweg mussten wir noch einmal umsteigen, was mir ein weiteres Winterbild ermöglichte. Der Schnellzug, mit dem wir die letzte Strecke bis nach Villach zurücklegten, war mit dem Prototyp 1044.01 bespannt, damals noch brandneu und mir als "Einser" natürlich hoch willkommen. Wer hätte seinerzeit voraussagen können, dass von diesem Plagiat der schwedischen Rc (=ÖBB 1043) einmal fast 300 Serienloks gebaut werden würden? Der Prototyp wurde übrigens später mit einer anderen Getriebeübersetzung für vmax=200 km/h hergerichtet und danach im Versuchsdienst mit der neuen Betriebsnummer 1044.501 eingesetzt.

31.01.75

Bild 47 47
Am nächsten Tag waren wir morgens noch einmal kurz bei der Direktion Villach zu Gast, die freundlicherweise alle Programmpunkte, die die ÖBB betrafen, ermöglicht und organisiert hatte. Und die Reise war ja noch nicht zu Ende. Als letztes Schmankerl wurde uns nämlich noch eine Führerstandsmitfahrt über die Tauernbahn von Villach nach Salzburg geboten. Vor der Abfahrt im Bahnhof Villach konnte ich noch die in den schönen alten Farben gehaltene 1141.26 von der ZfL Salzburg auf den Film bannen.

Bild 48 48
Noch ganz am Anfang der Fahrt, in der Nähe von Gummern, begegnet uns die noch nicht modernisierte 1020.03. Das Wetter war nicht so prikelnd, und im Gegensatz zum Vortag in Knittelfeld lag hier auch kein Schnee.

Bis Spittal dann außer einer blauen Kasten-110 keine weiteren Zugbegegnungen mehr. Ab dort kam ich dann nicht mehr zum Fotografieren, weil es für mich persönlich noch einen weiteren, ganz besonderen Höhepunkt dieser Fahrt gab: Nachdem ich "ganz beiläufig" erzählt hatte, dass ich in den Semesterferien bei der DB eine (für den Referendardienst verkürzte) Lokführerausbildung genossen und förmlich abgeschlossen hätte, kam das insgeheim erhoffte Angebot des Lokführers: "Wollen Sie auch mal fahren?" Na und ob, mit einer 1042 über den schönsten Abschnitt der Tauernbahn! So eine 1042 war ja etwas ganz Anderes als die gewohnten DB-Einheits-Elloks. Allein das Bremsventil (Westinghouse ?) im Vergleich zum schwergängigen Knorr D5-Bremsventil – butterleicht und zartfühlig zu bedienen, ein Gedicht. Damit war es gar nicht so schwer, auch ohne Hilfe des Lokführers alle Halte punktgenau, zügig und ohne Anhalteruck hinzukriegen. Der internationale Schnellzug, den wir am Haken hatten, war zwar nicht von Pappe, aber die Bergfahrt bis zum Scheitelpunkt im Tauerntunnel war überhaupt kein Problem. Auf die Minute pünktlich war ich in Bischofshofen, dann durften die anderen unter Aufsicht auch noch einmal kurz ran.

In Salzburg teilte sich die Gruppe auf. 2 Mann fuhren sofort weiter nach Hause, während mein Kumpel Hermann N. und ich noch zwei Tage Freilassing und Rosenheim dranhängten – wenn wir schon mal in der Gegend waren, wollten wir auch noch ein paar 116, 144, 144.5 usw. mitnehmen, doch das ist eine eigene Geschichte.

Bild 49 49
Damit der Bericht jetzt nicht mit so viel Text endet, hier noch ein Bild aus diesem Zusatzprogramm. Aber keine Sorge, jetzt kommt keine E16 oder E44, sondern getreu dem Österreich-Tenor dieses Beitrags eine ÖBB 1042. Und zwar die Salzburger 1042.605 mit D285 München - Bologna am 02.02.75 westlich von Rosenheim, kurz vor der Einmündung der Strecke aus Holzkirchen. Sind die beiden Kurswagen hinter der Lok nicht herrlich?

Rückblickend stelle ich fest, dass diese Studienfahrt zweifellos ein Highlight meiner Studienzeit war. Nicht nur, dass wir sehr viel Interessantes gesehen und unseren Horizont erweitert haben. Auch die Fotoausbeute war unter den gegebenen Umständen recht ordentlich. Die Fahrt hat sicher auch zum guten Ergebnis meiner Studienarbeit beigetragen.

Und weil schon danach gefragt wurde: Der Vorschlag, den ich in meiner Studienarbeit ausgearbeitet habe, lautete schlicht und sparsam: Eine Diesellok auf der Basis der 2043, mit angepasstem Getriebe mit hydrodynamischer Bremse, verstärkten Achsgetrieben, verstärkter pneumatischer Bremse und ggfs. kräftigeren Drehgestellrahmen. Die ÖBB hatte schon vorher Probefahrten mit 2043 und 2143 durchgeführt und favorisierte offensichtlich die 2143. Tatsächlich wurde es dann später doch die 2043. Sicher nicht, weil ich das vorgeschlagen hatte, sondern weil die physikalisch / technischen Voraussetzungen bei der 2043 einfach günstiger waren.

Damit genug der Laberei, schönen Abend noch,
Ulrich B.