ET Direktion Stuttgart
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 05.03.2006

Man kann es sich heute schon kaum mehr vorstellen – aber es ist noch nicht sooo lange her, dass elektrische Triebwagen in Deutschland, egal ob Ost oder West, höchst selten waren. Lässt man die klassischen S-Bahnen in Berlin und Hamburg, sowie die neuen, 420-bestückten S-Bahnen in München, Frankfurt, Stuttgart und dem Ruhrgebiet wegen der sehr speziellen Betriebsart einmal außer Betracht, dann reduzierte sich der restliche ET-Betrieb auf einen nahezu unbedeutenden Anteil. Die wenigen Fahrzeuge, noch dazu verteilt auf mehrere Baureihen, waren überwiegend Vorkriegsfahrzeuge oder Prototypen und wurden dem entsprechend oft nur in Nischendiensten eingesetzt.

Es gab eigentlich nur eine Region, wo elektrische Triebwagen die Hauptlast des Nah- und Regionalverkehrs zu tragen hatten und aus dem Alltagsbild nicht weg zu denken waren, und das war Stuttgart. Hier waren die die Baureihen ET25, ET27, ET55, ET56 und ET65 zu Hause und darüber hinaus wurde das AW Bad Cannstatt als einziges ET-AW der DB von allen Nicht-S-Bahn ETs regelmäßig angefahren.

Mich persönlich haben die alten ETs seit jeher interessiert – die neueren ET56 und ganz neuen ET27 nicht weniger - und ich habe deshalb bei meinen zahlreichen Reisen in die Region dieser Fahrzeug Spezies immer auch besondere Beachtung geschenkt. Da lag es nahe, dazu auch eine Galerie auf meiner Homepage einzurichten. Diese ist ab sofort unter dem Namen ET Direktion Stuttgart online. In üblicher Weise zeige ich hier im HiFo zusätzlich noch ein paar Bilder, die einen kleinen Vorgeschmack auf das Thema geben sollen.

Bild 01 01
Ich beginne mit einer Aufnahme des ET55 03a, der am 05.09.67 gerade am Schluss einer Doppeleinheit ET55 den Stuttgarter Hbf verlässt. Leider stand mir damals nur eine einfache Kamera zur Verfügung, bei der man weder Zeit noch Blende einstellen konnte. Vermutlich war eine Verschlusszeit von 1/125 s fest eingestellt und das war für die rasch beschleunigenden Triebwagen einfach zu wenig. Die Fahrzeugnummer ist dennoch im Originalscan eindeutig auszumachen, zumal die ET55 im Gegensatz zu den ET25 nur zweistellige Betriebsnummern hatten.

Bild 02 02
Nach drei Tagen Management-Seminar in Stuttgart hatte ich mir den Rückreisetag für ein paar Aufnahmen vor Ort reserviert. Das Wetter war an diesem 08.04.77 ziemlich durchwachsen, was einige Fehlbelichtungen zur Folge hatte. Aber mit Hilfe der Digitalisierung und heutigen Bildbearbeitungsmöglichkeiten lassen sich auch solche Aufnahmen "wiederbeleben". Ein Beispiel dafür ist das Bild des 465 012 als P 4202 in Ludwigsburg. Das Originaldia ist etwa eine Blende unterbelichtet und deshalb in der Schrottkiste gelandet. Eingescannt und bearbeitet ist es aber es doch noch ganz annehmbar, oder?

Bild 03 03
Auf dem nächsten Bild, ebenfalls vom 08.04.77, sehen wir 865 611 und 865 615 als P 4246, von Ludwigsburg kommend, bei der Einfahrt nach Tamm (Württ). "Da kommt was auf Dich zu", dachte ich mit bangem Blick zum Himmel und machte mich danach schleunigst auf den Weg zum Bahnhof. Doch zu meinem Glück wurde es zwar kurzzeitig sehr dunkel, aber es blieb trocken. Und am Bahnhof schien bereits wieder die Sonne (s. Bild 23 meiner Galerie). Echtes Aprilwetter eben.

Bild 04 04
Nach der Elektrifizierung der Gäubahn gehörte diese zusammen mit der Verbindung nach Sindelfingen zu den Haupteinsatzstrecken der Baureihe 427. 1977 waren bereits 3 der 5 Züge in der neuen Farbgebung ozeanblau/beige lackiert und die beiden letzten roten dem entsprechend gesuchte Fotoobjekte. Bei etwas diesigem Wetter steht 427 105 im Bahnhof Böblingen und wartet auf die Weiterfahrt als P 4958 nach Stuttgart.

Bild 05 05
Die Verbindung Stuttgart – Tübingen kann man mit Fug und Recht als ET25 Stammstrecke bezeichnen. Bereits der erste Zug, elT 1801 (alte DRG Nummer) = ET25 015, wurde 1935 dem Bw Tübingen für den Einsatz auf eben dieser Strecke zugeteilt. Exakt 50 Jahre lang taten sie dann hier Dienst – eine wahrlich beachtliche Einsatzgeschichte. Vom Einsatzende war die Baureihe 425 am 07.09.77 allerdings noch weit entfernt, als ich bei Metzingen den Nachschuss auf E 3610 mit dem Pärchen 425 403 + 425 120 machte. Den Zug von vorn gibt’s übrigens als Bild 42 in meiner neuen Galerie.

Bild 06 06
425 im Dreierpack. So etwas verkehrte zwar in (fast) jeder Fahrplanperiode planmäßig, allein die Informationen darüber war damals doch sehr dürftig – ein DS Sichtungsforum gab es ja noch nicht.

Nachdem wir E 3603 am Vortag als Nachschuss abgelichtet hatten, sollte es am 08.09.77 wieder eine Aufnahme von vorn sein. Aber in der Gemengelage zwischen Zeit, Ort und gedrückter Stimmung wegen des bedeckten Wetters fanden wir keine wirklich gute Stelle für diese Art von Zug, der dann schließlich in Reutlingen abgelichtet wurde. Im Nachhinein muss ich sagen: Oberesslingen wäre besser gewesen. Die Zugbildung an diesem Tag: 425 424 + 425 422 + 425 110.

Bild 07 07
Zum Schluss noch ein Bild des 465 022. Dieser Triebwagen gehört zu der dritten Bauserie ET65, die sich durch einen weitgehend geschweißten Wagenkasten mit einem flacheren Dach und eckiger Kopfform von den ersten beiden Bauserien unterscheidet. 465 022 + 465 025 als P 4264 am 09.09.77 bei Tamm.

Damit endet mein kurzer Anriss des Themas "ET Direktion Stuttgart". Wer mehr Bilder sehen möchte, ist herzlich eingeladen, sich meine neue Galerie anzuschauen.

Die E-Triebwagen der Epoche III/IV werden in der einschlägigen Literatur meist etwas stiefmütterlich behandelt. Ich sehe aber, nicht zuletzt hier im HiFo, dass sich auch andere gelegentlich dieser besonderen Spezies von Fahrzeugen angenommen haben. Ein gewisses Interesse daran scheint also nicht nur bei mir vorhanden zu sein.

Schönen Tag noch,
Ulrich B.