SOOO müssen Einheits-Elloks aussehen
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 24.10.2006

diesen Kommentar hatte ich spontan und voller Begeisterung in die Tastatur gehackt, als ich kürzlich die neue Gästegalerie von Detlef Schikorr "Unterwegs im Großraum Stuttgart" auf Rolf Schulzes Homepage angeschaut hatte. Neben all den anderen schönen und interessanten Sachen, die dort zu sehen sind, haben es mir besonders die Einheits-Elloks angetan. Ach, was waren die schön, als die noch ganz neu waren.

Ich kann ja nachvollziehen, dass einer, der mit ozeanblau/beige groß geworden ist, eine solche Haltung vielleicht nicht teilt. Und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Aber ich steh’ nun mal drauf: Möglichst Lieferzustand, mit alter Nummer und Lokschildern, Dachrinne, Frontgriffstange, ursprünglichen Lüftungsgittern, Pufferverkleidung und Schürze bei E10.3 – so muss es sein.

Einmal auf das Thema gestoßen, habe ich mal nachgeschaut, was ich selbst dazu zu bieten habe. Leider nicht viel, denn mit Fotostart 67 kam ich eigentlich schon zu spät. Aber eine handvoll Aufnahmen/Baureihe sind es doch; am Anfang der Fotografierei waren die Prioritäten halt andere.

Bild 01 01
Beginnen wir mit der Kasten-E10. An einem Wintertag im Januar 1968 steht die Deutzerfelder E10 130 im Bahnhof Wuppertal Oberbarmen vor "dem Regensburger" D404. Da dieser Zuglauf in Oberbarmen beginnt, steht der Zug auf dem sonst selten benutzten Bahnsteiggleis 4. An der E10 ist alles noch so wie bei der Ablieferung. D.h. so ganz doch nicht, denn die Lokkasten-Abstützung entspricht natürlich schon der endgültigen Ausführung mit Vertikaldämpfern beiderseits der Sekundärfeder.

Bild 02 02
Am selben Tag und nur kurze Zeit vorher gab sich E10 415 die Ehre. Die Lok vom Bw Dortmund Bbf hat D594 von Hamburg gebracht und wird noch bis Köln Hbf vorm Zug bleiben. Die Lokschilder haben offenbar bereits "Liebhaber" gefunden, denn die Nummer ist nur noch aufgemalt.

Bild 03 03
Etwas ganz Besonderes waren natürlich die Rheingold-Loks der Unterbaureihe E10.12. Auf der Rheinschiene kamen zu der Zeit hauptsächlich die Heidelberger E10.12 zum Einsatz, die sich durch die fehlende Frontgriffstange und Trittrost von den Nürnberger E10.13 unterschieden. Am 03.03.68 ist es E10 1265, die mit TEE22 "Rheinpfeil" einen kurzen Zwischenhalt in Koblenz Hbf einlegt.

Bild 04 04
Vornehmlich für den Einsatz auf der Ruhr-Sieg Strecke erhielt das Bw Hagen Eck insgesamt 14 Loks der Baureihe E40.11 mit elektrischer Widerstandsbremse: E40 1163 – 1166, 1309 – 1314 und 1560 – 1563, letztere fabrikneu.

In ihrem Heimat-Bw steht E40 1312 am 27.12.67 neben dem großen Rechteckschuppen auf den Gleisen, auf denen sich ein Jahr vorher noch Kasseler 01.10 und Hagener 03.10 ein Stell-dich-ein gaben. Auch sie hat bereits ihre Lokschilder eingebüßt. Typisch für die Loks mit E-Bremse: Die Lüftungsgitter im großen Dachaufbau.

Bild 05 05
Mit 879 Exemplaren, inclusive der 31 Loks mit E-Bremse, war die Baureihe E40 die stückzahlmäßig am stärksten verbreitete Baureihe der Einheits-Elloks. Erst knapp 3½ Jahre alt war die Eidelstedter E40 504, als ich sie am 25.04.68 im Rbf Hamburg Wilhelmsburg ablichtete. Genau dieses Bild ist übrigens nicht ganz unschuldig daran, dass das Ep III Roco-Modell der BR E40 zunächst mit dieser Nummer auf dem Markt erschien.

Bild 06 06
Und noch einmal zurück ins Bw Hagen Eckesey. Am 26.08.68 ist E41 072 an der Drehscheibe unter der Brücke abgestellt; auch dieses ein ganz typisches Motiv aus dem Bw Hagen Eck. Nach nicht einmal 9 Betriebsjahren macht die Lok bereits einen recht heruntergekommenen Eindruck. Wer hätte damals gedacht, dass gerade diese Lok 1985 die Baureihe E41 auf den Jubiläumsveranstaltungen der DB zu 150 Jahre deutsche Eisenbahn vertreten würde. Nur eine Museumslok ist sie dann leider doch nicht geworden.

Übrigens: Auch wenn man wegen des dunklen Aufbaus bei diesem s/w-Bild auf den Gedanken kommen kann, die Farbe der Lok wäre vielleicht blau – nein, leider nicht. Die Lok war ab Werk grün, als erste ihrer Baureihe.

Bild 07 07
Last not least die größte und stärkste Einheits-Ellok, die Baureihe E50. Im Bw Nürnberg Rbf, dem zentralen Anlaufpunkt aller Loks dieser Baureihe, egal wo immer sie beheimatet waren, entstand am 05.08.68 das Bild der E50 016 auf der Drehscheibe vor dem Ellok-Schuppen. Auch hier ist der Lack schon an etlichen Stellen ausgebessert – da braucht man sich nicht mehr zu wundern, dass nur wenige Jahre später bereits alle Loks der ersten Serie in grünem Neulack und oben ohne durch die Gegend fuhren.

An dieser Stelle kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass dieser Kraftprotz alles in den Schatten stellt, was vor und nach ihm auf deutschen Schienen unterwegs war und ist. Die am Radumfang erreichbare Anfahrzugkraft von 520 kN war überhaupt nicht auf die Schiene zu bringen (und hätte auch jede herkömmliche Kupplung zerrissen), so dass im Endeffekt Gewicht x Reibwert das ausschlaggebende Kriterium bleibt. Und da ist die E50 mit 128 t Gesamtgewicht gegenüber den 151, 155 und 156 klar im Vorteil; von den heutigen Vierachs-Leichtgewichten gar nicht zu reden.

Ich hoffe, mein kleiner Kurztrip in die (späte) Frühzeit der Einheits-Elloks hat nicht gelangweilt.
Und vielleicht stimmt mir ja einer zu: SOOO müssen Einheits-Elloks aussehen.

Einen schönen Tag noch,

Ulrich B.