Bauartunterschiede bei der BR 110
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 01.11.2006

Es ist hier ja nicht verborgen geblieben, dass ich mich in den letzten Monaten und Wochen intensiv mit der Baureihe E10 / 110 befasst habe und den zahlreichen (besser sollte man sagen: zahllosen) Varianten, die bei dieser Baureihe zu beobachten waren. Herausgekommen ist dabei – welche Überraschung ;-) - eine neue Baureihen-Seite auf meiner Hompepage: Bauartunterschiede bei der BR 110. Obwohl mir nach wie vor einige Bilder fehlen, bzw. nicht in einem von mir gewünschten Zustand sind, habe ich mich entschlossen, mit der Seite online zu gehen, da das Thema ja offensichtlich von einigen bereits sehnlichst erwartet wird.

Wie üblich hier im HiFo ein kurzer Beitrag über das Thema zum Warmwerden.

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Beginnen wir mit der Eidelstedter 110 351, die auf diesem Bild mit Saison-Schnellzug D1842 in den Bahnhof Uelzen rollt; Datum: 13.07.79. Standard-Motiv mit ganz gewöhnlicher blauer Bügelfalten-110.

Wirklich so ganz gewöhnlich?
Wenn man genau hinschaut, stellt man fest, dass 110 351 zwar noch ihre Front-Schürze besitzt, aber keine Pufferverkleidung mehr. Das war denn doch relativ selten und allenfalls bei einer Handvoll Loks so.
Außerdem hat die Lok keine (Gummi-) Regenrinne - und zwar nicht etwa verloren (dann sähe man noch Spuren), sondern bisher erst gar nicht angebaut. Der Grund für das "moderne Outfit" war die Wiederherstellung nach einem Unfall, in den 110 351 am 15.08.69 in Düsseldorf Reisholz verwickelt war. Damit war sie eine der ersten 110 ohne Blechregenrinne. Und anfangs glaubte man noch, auf eine Schutzleiste über den Frontfenstern ganz verzichten zu können.

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Die nächste Maschine kennen wahrscheinlich viele als besondere E10: Die 110 244 fuhr noch bis Mitte 1991 mit den Schnellfahr-Drehgestellen für 160 km/h durch die Lande, die sie einst als Übergangs-Rheingoldlok E10 1244 erhielt. Hier wartet sie am 24.09.83 im Bw Hagen Eck auf ihren nächsten Einsatz. Die Drehgestelle sind bei dieser Beleuchtung allerdings nur ansatzweise zu erkennen, weshalb ich das Bild auch nicht für meine Seite verwendet habe.

Die Lok weist aber noch eine weitere Besonderheit auf: Blaue Kasten-110 mit Doppel-Düsen-Lüftungsgittern und Klatte Maschinenraumfenster. Das gab’s nur dreimal – die Nummern der beiden anderen Loks findet man, natürlich, auf meiner Seite.

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Die Lüftungsgitter sorgten bei den Einheits-Elloks ohnehin für reichlich Abwechslung - neben Bauart und Farbe sicher das optisch auffälligste Merkmal. Auch die ozeanblau/beige 110 355 fällt in diesem Punkt etwas aus der Reihe, hat sie doch zwischen ihren langen Klatte Lüftungsgittern noch ein (kurzes) Klatte Maschinenraumfenster. Das waren die ersten Schritte, auch bei den 110.3, die bis dahin bei der Umlackierung in ob (fast) alle die langen Klatte Gitter erhalten hatten, ein wenig natürliches Licht in den Maschinenraum zu bekommen.

Die Aufnahme entstand am 17.02.90 an der Ruhr-Sieg Strecke in Letmathe und zeigt D 2816 auf seiner Fahrt nach Norden.

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Und so sahen Lüftungsgitter und Seitenfenster bei den ersten Maschinen aus: 110 145 präsentiert sich in dieser Beziehung noch ganz im Lieferzustand, also mit Lamellen-Gittern und Schiebefenster. Abweichend vom Lieferzustand sind allerdings eine ganze Reihe anderer "Accessoirs": Ertüchtigte Drehgestelle mit Vertikal-Dämpfern in der Sekundärstufe, aufgemalte neue Nummer, UIC-Steckdose, UIC-Griffe und Tritte, Zugbahnfunkantenne und 2. ZEV Steckdose statt Heizkabel.

Hinter der 110 stehen am 22.12.85 in Krefeld Hbf 140 250 und 140 326 – die Dokumentation der Bauartunterschiede bei der 140 wird sicher nicht kürzer ausfallen als die zur BR 110.

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110 271 gehört zu den vier Nachbauloks, die 1974 (110 107, 271 und 343) bzw. 1975 (110 360) von der DB "wieder in Dienst gestellt" wurden. Ein Wiederaufbau der durch schwere Unfälle total zerstörten Ursprungsfahrzeuge war das jedoch nur auf dem Papier, faktisch waren die Loks komplette Neubauten. Als einzige dieser 4 Loks behielt 110 271 bis zur Abstellung in 02/04 ihre blaue Farbe. Das DBAG-Logo zeigt allerdings an, dass wir uns bereits in der Nach-Bundesbahnzeit befinden, und auch sonst entspricht das Aussehen in manchen Details nicht mehr dem Lieferzustand. Hier schön zu sehen: Die Mischung aus "Freimann-blau" und nachgebesserten Stellen in regulärem "kobaltblau". Saarbrücken, 07.08.98.

Die letzte Aufnahme zeigt mit 110 488 eine Lok, die gar nicht als E10/110 geliefert wurde. Mit dem Umbau der 114.4 in 110 kam für kurze Zeit eine weitere Farbvariante in das ohnehin schon vielfältige Farben-Allerlei der BR 110. Zur Erinnerung:
Die 112.4, waren im Gegensatz zu den E10.12 (112.2/3) mit normalen Drehgestellen ausgestattet, bei denen lediglich die Übersetzung für vmax=160 km/h geändert war. Diese Drehgestelle zeigten gegen Ende der 80er Jahre solche Verschleiß-Erscheinungen, dass zuerst die Höchstgeschwindigkeit heruntergesetzt werden musste (mit Umzeichnung in 114.4) und schließlich eine Total-Sanierung erforderlich war. Diese wurde durch einen Drehgestell Ringtausch elegant und effizient umgesetzt: Die 114.4 erhielten Drehgestelle von Kasten-110 und wurden in 110 mit ihren alten Betriebsnummern umgezeichnet. Die Spender-110 erhielten ihrerseits Drehgestelle von 140, deren Kästen größere (Rost-) Schäden aufwiesen – neue Baureihe jetzt logischerweise 139 (da elektrische Bremse) und Betriebsnummer der Spender-110. In den Schrott gingen damit letztlich die Drehgestelle der 114 und die Lokkästen der 140.

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Aufnahme: 110 488 vom Bw Köln Deutzerfeld mit SE 6325 in Linz(Rhein) am 07.10.95. Der minimale Umbauaufwand zeigt sich auch an der Fahrzeugnummer, bei der lediglich die Null in der Baureihe und die Kontrollziffer ersetzt wurden.

Damit möchte ich es hier bewenden lassen und alle diejenigen, die sich für die vielen kleinen und großen Unterschiede bei der Baureihe 110 interessieren, zu einem Besuch meiner HP einladen. Erstmals habe ich bei dieser Baureihe auch den selbst gesetzten Rahmen gesprengt und die die ganze Einsatzzeit von der Ablieferung bis heute berücksichtigt.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal ausdrücklich dazu aufrufen, mir Korrekturen und Ergänzungen (auch einzelne Loknummern zu bestimmten Varianten) mitzuteilen. Gerade bei diesem Thema kann man selbst nicht alles wissen und ich freue mich über jeden Hinweis, der hilft, die Angaben auf meiner Seite zu vervollständigen.

Hinweisen möchte ich noch darauf, dass es auf dieser Seite um die Darstellung von Bauartunterschieden geht. Also habe ich, wo möglich, bevorzugt Porträtbilder der Loks herausgesucht. Also bitte kein Feuerwerk an schönen Betriebsaufnahmen erwarten. Ich spiele noch mit dem Gedanken, später einmal eine gesonderte Bilder-Galerie über (blaue) 110 aufzubauen. Aber vorerst sind 119 Aufnahmen von der BR 110 sicher ausreichend.

Noch eine letzte Bemerkung: Mit dieser Baureihen-Doku enthält meine HP genau 1000 Bilder.

Dank im voraus für alle Rückmeldungen und einen schönen Tag noch,
Ulrich B.