Dampf an der Mosel
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 30.05.2010

Dampf an der Mosel - ein, wie ich finde, interessantes Thema, zu dem es im HiFo nicht allzu oft etwas zu sehen gibt.

Ich hatte das Glück, die Moselstrecke noch kurz vor der Elektrifizierung kennen zu lernen, als es hier noch kräftig dampfte. Zu Beginn meiner Fotozeit wurden auf dem Weg ins Saarland noch hauptsächlich die Bahnbetriebswerke Koblenz-Mosel und Ehrang angesteuert. Aber als sich dann die Nachrichten verdichteten, dass die Elektrifizierungsarbeiten erste sichtbare Spuren zeigten, folgten im Frühjahr 1971 mehreren Fototouren an die Mosel, bei denen der Schwerpunkt auf Streckenaufnahmen lag. Einen Großteil der dabei entstandenen Bilder habe ich in einer neuen Galerie auf meiner Seite zusammengestellt, womit ich auch endlich ein Vorhaben aus den Ur-Anfängen der Bundesbahnzeit realisieren konnte.

Aber selbstverständlich will ich das HiFo nicht nur als Ankündigungsplattform missbrauchen, sondern hier auch einen eigenständigen Beitrag mit zusätzlichen Bildern zu diesem Thema bringen.

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Es beginnt, wie übrigens auch auf meiner Seite, im Koblenzer Hauptbahnhof, wo am 31.03.71 die 001 199 vom Bw Ehrang vor P2470 abgelichtet wurde. Standesgemäß für eine 01 war solch ein Personenzug natürlich nicht, aber in den letzten Betriebsjahren mussten sich die stolzen Schnellzugmaschinen auch damit begnügen. Unabhängig davon war ich aber sehr erfreut darüber, dass nach der Trierer "Nur-Altbaukessel-Zeit" nun auch wieder Neubaukessel-01 an der Mosel verkehrten.

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Auch wenn die Moselstrecke 1971 noch fest in der Hand der Dampfer war, einzelne Leistungen wurden auch schon mit "neumod’schem Dieselkram" gefahren. So zum Beispiel D702, der hier am 08.04.71 mit 216 077 vom Bw Trier um die Weinberge dieselt. Hinter der Lok ein CFL-Kurswagen, der von der Bauart her unseren Silberlingen entspricht.


Kurz hinter dem Bahnhof Kobern-Gondorf liegt Schloss Gondorf, eine mittelalterliche Burg Anlage aus dem 14ten Jahrhundert. Während beim Bau der Eisenbahn 1876 noch eine Lücke zwischen den Gebäuden für die Durchfahrt genutzt wurde, ging man beim Ausbau der Moseltalstraße B416 viel brutaler vor und trassierte die Fahrbahn ohne Rücksicht auf Verluste mitten durch das Erdgeschoss des Haupthauses hindurch. Sicher haben viele von uns schon die freie und ungehinderte Fahrt an dieser Stelle begrüßt, aber für was für einen Preis!

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1971 waren die Ausbauarbeiten in vollem Gange. Was wohl das Personal der 044 674 gedacht haben mag, als es am 20.05.71 mit einem kurzen Güterzug diese Baustelle passierte?


Hatzenport war zur Dampflokzeit noch ein richtiger Bahnhof mit (mindestens) fünf Gleisen und Wasserkränen an den beiden Hauptgleisen. Dieser alte Bahnhof ist nicht zu verwechseln mit dem heutigen, weiter östlich und ortsnah gelegenen neuen Bahnhof Hatzenport.

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Durch den alten Bahnhof kachelt am 31.03.71 bei ziemlich tristen Wetter die Koblenzer 044 737 mit einem Kokszug, bei dem vor allem die französischen Selbstentladewagen unterschiedlichster Bauart auffallen. Und vor dem Bauzug im Nebengleis steht noch etwas Interessantes, was wir uns unbedingt näher ansehen mussten.

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Richtig, eine preußische T16.1 war hier zu Bauzugdiensten eingeteilt. Aber nicht etwa eine Lok des Bw Koblenz-Mosel, sondern
094 712 vom Bw Mayen, die es kurz zuvor vom Bw Mannheim aus in die Eifel verschlagen hatte.

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Am südwestlichen Ende des (alten) Bahnhofs Hatzenport sehen wir auch 044 674 wieder, die hier einen kurzen Betriebshalt einlegen musste. Nur deswegen war es möglich, den vorher bereits am Schloss Gondorf fotografierten Zug nach so kurzem Weg ein weiteres Mal vor die Kamera zu bekommen. 20.05.71.

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Burgen – ein klassisches Motiv der Moselstrecke, das auch heute noch weitgehend unverändert so möglich ist (bis auf die Fahrleitung natürlich). Zur Abwechslung zeige ich einen damals hochmodernen Triebwagen, der im Nahverkehr zwischen Koblenz und Trier eingesetzt wurde: 624 627, der damals noch nicht auf gleisbogenabhängige Wagen-kastensteuerung (GSt) umgebaut und deshalb in die Baureihe 624 eingruppiert war. Als P2436 hat er am 01.04.71 seinen Halt im Hp Burgen hinter sich gebracht und beschleunigt jetzt mit sonorem Brummen in Richtung Cochem.

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Und gleich noch ein VT24.6, der, von Cochem kommend, gerade den Petersberg-Tunnel durchfahren hat und nun unverkennbar in Neef angekommen ist. Ich drücke mich hier bewusst um die Angabe der neuen Nummer herum, da die Betriebsnummer nicht bekannt ist und somit nicht gesagt werden kann, ob der Triebwagen schon mit GSt ausgerüstet war oder nicht. Denn die GSt war damals das Kriterium für die Einordnung in die Baureihe 634, nicht (wie erst später) die Luftfederung! P2456 am 20.05.71.

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Zurück zum Dampf. Mit einem für die Moselstrecke typischen Kokszug aus zweiachsigen offenen O-Wagen rollt eine unbekannte 044 die Mosel entlang in Richtung Bullay. Die Aufnahme entstand am 20.05.71 vom gegenüberliegenden Ufer aus bei St. Aldegund.

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Aus der Gegenrichtung kommt kurz darauf ein weiterer Güterzug, der allerdings so kurz ist, dass ein Jumbo damit sicher unterfordert ist. Etwas ungewöhnlich erscheinen mir allerdings die gedeckten Güterwagen, die wohl ausländischer Bauart sind.
St. Aldegund, 20.05.71.

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Und noch einmal St. Aldegund, jetzt aber am 08.04.71. D229 aus Paris Est über Luxembourg ist planmäßig mit 001 227 bespannt, der man aber leider noch eine 216 als Vorspann mitgegeben hat. Traktionstechnisch erforderlich war das sicher nicht.

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Nächste Station ist Bullay, wo früher die private Moselbahn endete und die Staatsbahn-Strecke auf einer imposanten Doppelstockbrücke erneut über die Mosel geführt wird. Den 31.03.71 kennen wir schon aus den ersten Bildern als Schlechtwetter-Tag – aber so macht 044 385 wenigstens eine deutlich sichtbare Dampffahne, als sie mit ihrem Kokszug über die Brücke poltert.

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Von den zahlreichen Kunstbauwerken der Moselstrecke ist der 786m lange Hangviadukt bei Pünderich sicherlich das bekannteste und markanteste. Ganz anders als am Tag zuvor ist das Wetter am 01.04.71 prächtig, als 001 150 mit P2452 ohne sichtbare Anstrengung über den Hangviadukt rollt.

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Das Top-Motiv in Pünderich ergab sich seinerzeit von einem Standpunkt am westlichen Ende des Bauwerks von der Hangseite aus. Von hier hatte man einen wunderschönen Blick auf das gesamte Viadukt und das Moseltal. Wir sehen am 01.04.71 die Koblenzer 044 888 mit einem langen gemischten Güterzug, der wegen der Tunnelarbeiten im Rahmen der Elektrifizierung von einer 290 nachgeschoben wird.

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Der Blick in die Gegenrichtung war zwar licht-technisch eher ungünstig, aber gerade deshalb durchaus reizvoll. Starkes Streiflicht war in diesem Fall für mich kein Grund, die Züge aus dieser Richtung nicht aufzunehmen. Und so kann ich mich heute über das Bild der 044 277 freuen, die am 01.04.71 mit einem Leerzug durch den Bahnhof Pünderich rauscht.

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Angekommen in Ehrang. 044 202 ist mit einem sehenswerten Ganzzug aus Kübelwagen in den Umspanngleisen des Ehranger Rangierbahnhofs eingetroffen. Für die Weiterbeförderung in Richtung Süden bzw. Südwesten reichte dann eine 50er (genauer gesagt 052 626). Ehrang Rbf, 22.05.71.

Mit diesem Bild endet meine HiFo-Tour an die Mosel zur Dampflokzeit. Wem es gefallen hat, der ist herzlich eingeladen, sich weitere 70 Bilder auf meiner Seite anzuschauen.

Ich denke, man sieht sich.

Schönen Tag noch,
Ulrich B.