Bauartunterschiede bei der Baureihe 94.5
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 12.04.2012

Kompakt und kräftig, unkaputtbar und unverzichtbar – mit diesen Eigenschaften ist die Baureihe 94.5 für die Bundesbahnzeit sicher zutreffend charakterisiert. Noch in der zweiten Hälfte der 60er Jahre war die preußische T16.1 überall bei der DB (und DR) zu finden – im Steilstreckenbetrieb und schweren Rangierdienst gab es vielfach keinen gleichwertigen Diesel-Ersatz. Bei der DB brauchte es erst die Auslieferung der V90 in großer Stückzahl, um die 94 endgültig abzulösen.

Zwischen 1913 und 1924 wurden insgesamt 1236 Maschinen beschafft, von denen die letzten bis 12/74 im Einsatz standen. Die große Menge an Fahrzeugen und die lange Betriebszeit führten dazu, dass die Baureihe 94.5 (094) in zahlreichen Varianten zu sehen war – Grund genug dafür, mich auf meiner Seite Die Bundesbahnzeit einmal in bekannter Weise mit den Bauartunterschieden bei der Baureihe 94.5 zu beschäftigen. Diese Seite ist ab sofort online.

Früher sind mir, wie wahrscheinlich vielen anderen auch, im Wesentlichen nur folgende Haupt-Merkmale aufgefallen:

Lok mit oben liegendem Vorwärmer:

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94 1651 (WtV) am 24.03.68 in ihrem Heimat-Bw Wuppertal Vohwinkel.

Oder alternativ mit seitlich angeordnetem Vorwärmer:

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094 666-5 (Ham, ex 94 1666), Bw Hamm G, 15.04.71.

Ein anderes Charakteristikum war das Führerhausdach. Da waren zum einen die Loks mit "rundem Dach":

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Die Rothenburgsorter 094 110-4 (ex 94 1110) legt auf der Heimfahrt vom AW Lingen am 23.10.70 einen kurzen "Tankstop" im Bw Rheine ein.

Nur gefühlt verbreiteter war ein Führerhaus mit aufgesetzter Dachentlüftung:

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Die Braunschweiger 94 1737 war die 94er mit der höchsten Betriebsnummer, die ich selbst noch vor die Flinte gekriegt habe. Bw Braunschweig, 11.10.68.

Das dritte Merkmal, was einem immer sofort auffiel, war die Bauart des Kohlekastens. Ursprünglich besaß dieser überhaupt keinen Aufbau und die Ablagefläche hinter dem Führerhaus war durch eine Bretterkonstruktion mehr oder weniger vergrößert, den "Blumenkasten":

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Die "falsche 001", 094 001-5 vom Bw Hohenbudberg rangiert am 03.09.69 im Rbf neben dem Bw. Falsch deshalb, weil es sich hier ja um die ehemalige 94 1001 handelt.

Weitaus häufiger zu finden waren T16.1 mit Kohlenkastenaufbau, in der Regel aus Blech und mit Aufsatz:

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094 653-3 (WtV, ex 94 1653), Bw Wuppertal Vohwinkel, 12.07.69.

Soweit zu den Haupt-Bauartmerkmalen der Baureihe 94.5. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man bei der BR 94.5 aber noch zahlreiche weitere Unterschiede im Detail, übrigens auch bei den Loks auf den oben gezeigten Bildern. Welche das sind, verrat’ ich jetzt aber nicht – da müsst ihr schon auf meine Seite gucken.

Auf den bisher gezeigten Aufnahmen hier, wie auch bei den Bauartunterschieden auf meiner Seite, ist die Lok stets möglichst groß im Porträt abgebildet, da es mir ja darauf ankommt, dass das jeweilige Bauartmerkmal gut zu erkennen ist. Zur Abrundung Themas folgen jetzt noch ein paar Betriebsaufnahmen.

Da ist zunächst einmal der Dienst "am Berg" im Rbf Wanne-Eickel, wo noch Anfang der siebziger Jahre oft zwei der alten Rangier-Teckel eingesetzt waren.

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094 697-0 (Wan, ex 94 1697) am Ost-Berg mit einer schier endlosen Wagenschlange, für eine kräftige Maschine wie die 94er unbedingt erforderlich war. Wanne-Eickel, 03.12.71.

Immer im Einsatz zu finden waren die 94er auch im Rbf Hohenbudberg, wo sie sich das Rangiergeschäft mit ihren preußischen Schwestern G8.1, DRG 55.25, teilten.

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Und noch eine "Blumenkastenlok", wie sie in der BD Köln und Essen häufig anzutreffen waren: 094 597-2 (Hbu, ex 94 1597) kommt 03.09.69 mit ein paar Wagen aus der westlichen Einfahrgruppe des riesigen Rangierbahnhofs Hohenbudberg, vom dem heute rein gar nichts mehr vorhanden ist.

Die Einsätze in Köln Eifeltor waren dagegen eher Reserve Dienste, wenn wieder einmal Diesellok-Mangel herrschte.

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094 561-8 (Eif, ex 94 1561) rangiert am 07.03.70 eine Wagengarnitur der "Rollenden Landstraße" im Rbf Köln Eifeltor in die Tagesabstellung.

Als im Wirtschaft-Boom-Jahr 1970 der große Lokmangel bei der DB zur Wiederbelebung zahlreicher, bereits abgestellter Dampfloks führte, wurde auch Mayen kurzzeitig wieder zu einem Standort für unsere gute T16.1 / 94.5.

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Im Gbf von Kruft hat sich 094 720-0 (May, ex 94 1720) am 30.03.71 vor einem mit Steinen beladenen, sicher nicht ganz leichten Güterzug gesetzt, den es anschließend nach Andernach zu bringen gilt – ständig bergab aber keine Herausforderung für eine 94.5.

Wer an weiteren Einsatzbildern von der 94.5 interessiert ist, kann sich ja noch einmal meinen alten DSo-Beitrag von 2005 Rbf Wuppertal Vohwinkel – 94.5 am Berg anschauen.

Zum Schluss noch einmal der Direktlink auf die neue Baureihenseite auf meiner Homepage:
Bauartunterschiede Baureihe 94.5.
Korrekturen und Ergänzungen jedweder Form werden gerne angenommen.

Schönen Tag noch,
Ulrich B.