Die Baureihe E19 in der Bundesbahnzeit
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 17.09.2012

In der späten Bundesbahnzeit waren die E19 unbestritten die Stars unter den Altbau-Elloks. Klar, es gab ältere und damit mehr im Fokus stehende Baureihen wie etwa E32, E52, E75 oder E91, und andere, die mir persönlich besser gefielen, allen voran die E94. Aber die eleganten E19 waren nun mal die schnellsten und (leistungs-)stärksten Schnellzugmaschinen der DB bis zum Erscheinen der E03. Und mit einer Stückzahl von nur vier Maschinen, noch dazu in zwei optisch recht unterschiedlichen Varianten, gehörten sie sowieso zu den ganz besonderen Exoten.

Ich habe mich deshalb schon früh bemüht, diese Maschinen vor die Flinte zu kriegen, was mir unterm Strich auch oft genug gelungen ist. Einige dieser Aufnahmen habe ich nun in einer neuen Galerie in der Bundesbahnzeit zusammengestellt.

Wie üblich möchte ich hier aber nicht nur Werbung für meine Seite machen, sondern mit einem eigenständigen Beitrag und ein paar "Restbildern" das Thema abrunden.

Zu Beginn meiner Fotozeit 1966 waren genaue Informationen über die Zugleistungen bestimmter Loks noch nicht allgemein in Zeitschriften zu finden – auch der EK und ähnliche Hobby-Blätter schwiegen sich da aus. Was blieb einem anderes üblich, als die Heimat-Bws anzuschreiben (telefonieren war zu teuer) und um Auskunft zu bitten. Und – heute kaum noch vorstellbar – in den meisten Fällen erhielt ich auch eine Antwort.

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Hier als Beispiel die freundliche Auskunft des Bw Nürnberg Hbf, mit der ich meinen Aufenthalt in München Hbf am 01.09.67 so planen konnte, dass ich dort gleich zwei E19 antreffen würde.

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Eine davon war E19 01, die allerdings ihren Zug (oder nur den Postwagen?) selbst zurück drücken musste, so dass nur ein Bild mit teilweise verdeckter Front möglich war; den "Nachschuss" mit heftigem Frontschatten hab’ ich erst gar nicht versucht.

Was ich mir damals, im Herbst 1967, beim besten Willen nicht hätte vorstellen können, wurde nur wenig mehr als ein halbes Jahr später sensationelle Wirklichkeit: Die E19 wurde zum Bw Hagen Eckesey versetzt und verkehrten damit quasi vor meiner Haustür. Leider habe ich das fotografisch nur unzureichend genutzt, denn schneller als gedacht wurde das Hagener Exil nach ca. zwei Jahren wieder beendet und die Loks zurück in ihre fränkische Heimat zurück beordert. Der Fleischmann-Kurier berichtete damals in seiner Ausgabe 39-III/70 groß darüber und prägte mit der Schlagzeile "Unsere Edelhirsche sind wieder da" einen Begriff, den die E19 in den Folgejahren nicht mehr loswurden. Das einzige Heft der Zeitschrift Fleischmann-Kurier, das ich mir je gekauft habe, war genau dieses, und es befindet sich noch heute in meiner Sammlung.

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Erst jetzt, nachdem die E19 wieder "ganz weit weg" waren, rückten die Loks verstärkt in den Mittelpunkt meines Interesses. Jede Gelegenheit wurde genutzt, um die edlen Renner abzulichten.

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Am 09.05.71 traf ich die 119 002 im Vorfeld des Münchener Hauptbahnhofs an. Der fehlende Zierstreifen an der Rahmen-Oberkante zeigt an, dass die Lok noch ihre grüne Farbgebung besitzt. Immer schön auch die großen Lampen.

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Abfahrbereit vor D559 nach München steht 119 001 am 03.06.73 in Nürnberg Hbf. Die Lok ist zwar bereits blau lackiert, besitzt aber ebenfalls noch die alten Lampen.

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Die Bespannung des D303 von Probstzella nach Nürnberg gehört über mehrere Fahrplanperioden zu den Leistungen der "Nürnberger Edelhirsche". Am 18.09.76 legt 119 001 im Bahnhof Kronach einen kurzen Zwischenhalt ein. Inzwischen ist Lok leider wie auch die meisten E18 durch hässliche Stielaugen verunziert.

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Auch Coburg wurde planmäßig angefahren. Im letzten Abendlicht des 19.09.76 geben sich 119 002 vor E3011 und 144 034 im Bahnhof Coburg ein Stell-Dich-Ein.

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Früher am gleichen Tag hatte ich 119 002 bereits vor dem D303 bei Neukenroth abgelichtet – bei etwas tristen Lichtverhältnissen, wie sie leider meistens bei meinen Besuchen an der Frankenwaldbahn herrschten.

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Weiter Main-abwärts bei Ebing fuhr mir am nächsten Tag, dem 20.09.76, erneut die großäugige 119 002 über den Weg, dieses mal mit P5705 allerdings mit einer wenig standesgemäßen Füll-Leistung im Umlaufplan. Und das Wetter ist noch "frankenwald-typischer" als am Vortag.

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Damit in diesem Beitrag auch einmal die nach meinem Geschmack schönere Siemens-Variante zu einem Bild kommt, hier zum Abschluss und Krönung der E19 Vorschau die 119 012 in ihrem Heimat-Bw Nürnberg Hbf, aufgenommen am 25.09.76.

Die gleiche Aufnahme in Farbe ist übrigens in der neuen Galerie auf meiner Seite zu finden. Ich hoffe, der eine oder andere schaut dort auch einmal vorbei.

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.