Der Diesel-Beifang vom Ausflug an die Süderelbe
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 03.12.2012

Vor einigen Tagen hatte ich über meine Tour vom 30.11.75 nach Hamburg berichtet, die hauptsächlich der Belastungsprobe der neuen Süderelbbrücke in Hamburg Harburg galt.

Nachdem dieses seltene Ereignis gebührend fotografisch dokumentiert worden war, machte ich mich zusammen mit meinen drei Begleitern aus Hannover auf den Weg nach Altona. Besonderer Anziehungspunkt dort waren die Rangierdiesel der Baureihe 265. Auch wenn der 30.11.75 ein Sonntag war, hofften wir doch, die eine oder andere Maschine im aktiven Dienst anzutreffen. Als potentielle Einsatzstelle fiel uns zunächst nichts Besseres ein als das große Reisezug-Wagenwerk Hamburg Langenfelde. Dank Wochenendruhe gelangten wir ohne große Formalitäten ins Werksgelände.

Bild 01 01
Vor der Wagenhalle stand denn auch tatsächlich einer der gesuchten MaK-Vierkuppler, und zwar 265 012 in Gesellschaft von 260 269.

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Das diffuse Schleierlicht an diesem trüben Novembertag ermöglichte auch ein Bild von der anderen, vom Sonnenstand her eigentlich falschen Seite.
265 012, Bww Hmb. Langenfelde, 30.11.75, dahinter 260 269.

Aktiv von den beiden Loks war aber leider nur die V60, die kurze Zeit später davon rollte.

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Nun ja, so konnte ich noch ein weiteres Bild der 265 012 von der linken Seite machen.

Nachdem der Besuch in Langenfelde nicht das erhoffte Ergebnis – eine 265 im Einsatz – gebracht hatte, wurde als nächster Versuch das Bahnpostamt in Altona angesteuert..

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Vom Osteingang des S-Bahnhofs Diebsteich ließen sich die Bahnanlagen der Bahnpost gut einsehen und, na endlich, direkt vor unserer Nase verschob 265 014 gerade einen Postwagen.

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Irgendwie gelangten wir dann auch auf das Bahnpostgelände, wo weitere Aufnahmen der 265 014 entstanden. Zunächst noch einmal die Lok von vorn …

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… und dann von wenig schräg hinten, in dieser Blickrichtung richtig im (Schleier-)Licht.

Mehr an Betriebsaufnahmen von der BR 265 war an einem Sonntag anscheinend nicht drin. Aber sicherheitshalber konnte man im Bw Altona in der Lokleitung ja noch einmal nachfragen. Also nichts wie hin.

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Empfangen wurden wir in der Bw-Einfahrt von einem 218er-Pärchen.
Vorn die Lübecker 218 324, eine Lok mit Pielstick-Motor und blauem Dach.
Und sofort kam die Erinnerung hoch: Was waren das noch für Zeiten, als sich hier die hochhaxigen Schnellzugdampfer tummelten.

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Einschub, Zeitmaschine eingeschaltet und das Datum um 7 Jahre und 7 Monate zurückgedreht: 01 1068 und 01 1077, beide unverkennbar ob ihrer aufgemalten Nummer vom Bw Osnabrück Hbf, auf dem Kanal in Altona am 26.04.68. Im Hintergrund die Wittenberger 03 121.

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Auf dem vorletzten Bild schon im Hintergrund zu sehen: Gleich vier MaK-Diesel halten ihre Sonntags-Ruhe in ihrem Heimat-Bw Hamburg Altona.
Von vorn: 265 013 vor 265 015, 265 001 und 265 002.

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Diese Loks wollten jetzt natürlich auch alle einzeln abgelichtet werden. Den Anfang macht 265 013.

Die nächste 265, die 265 015, stand so ungünstig eingekeilt zwischen ihren Kolleginnen und hinter der Besandungsanlage, dass nur eine "Beweisaufnahme" möglich war, die es nicht wert ist, gezeigt zu werden.

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Nur wenig besser präsentierte sich als dritte im Bund die 265 001, die als Einser natürlich einen besonderen Status hat und hier auf jeden Fall gezeigt werden muss.

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Ganz hinten, schon fast an der Drehscheibe neben dem Schuppen, stand dann noch 265 002.

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Wir brauchten uns nur einmal umzudrehen, und schon kamen zwei weitere Maker in Sicht: Vor dem Schuppen standen 265 004 und 265 008, allerdings so ungünstig im Licht, dass nur ein paar s/w-Aufnahmen verschossen wurden.

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Ganz im Schuppen, aber durch das tief stehende Licht noch so einigermaßen ausgeleuchtet, standen etliche 218 – noch nicht einmal zehn Jahre zuvor waren das noch 03 !
Die Nummern von links nach rechts: 218 330, 218 326, 218 325, 218 195 und 218 187.

Die Nachfrage bei der Lokleitung nach weiteren 265-Einsätzen brachte erwartungsgemäß nichts außer der leicht vorwurfsvollen Frage, warum wir uns denn nicht gleich angemeldet hätten – aber an einem Sonntag sah man das letztlich doch ziemlich entspannt. Also trollten wir uns wieder, nicht ohne auf dem Rückweg noch mal kurz hinter den Triebwagenschuppen zu schauen.

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Dort erwartete uns das Turbo-Warzenschwein 602 002. Diese Titulierung zielt darauf ab, dass das Erscheinungsbild des einst so eleganten Diesel TEEs durch die zusätzlichen Luftansaugöffnungen für die Gasturbine stark verunstaltet wurde.

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Da gefiel mir der etwas weiter hinten stehende Eierkopf 612 510 mit seiner nostalgischen, 50er-Jahre Frontpartie doch deutlich besser. Warum ich für diesen kein Dia mehr übrig hatte, vermag ich heute nicht mehr zu sagen.

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Da die Fotografierrichtung bei diesem Licht eh egal war, wurde der 602 002, der ja nun doch eine gewisse Besonderheit darstellte, auch noch einmal von der anderen Seite aufgenommen. Dabei kommt im Hintergrund noch 110 409 und eine unbekannte 332 in Bild.

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Bei einem leichten Schwenk nach rechts kommt hinten rechts noch ein normaler 601 ins Bild, dessen Nummer ich mir unverständlicherweise nicht notiert habe (und einfach eine Nummer zu erfinden, wie das andere, berühmtere Fotografen vor mir gemacht haben, geht mir denn auch gegen den Strich).

Danach war Abflug angesagt, wobei wir auf dem Nach-Hause-Weg noch einmal an der Süderelbbrücke vorbeischauen (s. Bild 14, 15, letzter Beitrag) und auch das Bw Harburg kurz aufsuchen wollten.

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Im Bw Hamburg Harburg war es sonntäglich ruhig, draußen standen nur einige nagelneue 291, die mir wegen der verhassten blau/beigen Farbgebung nicht wirklich fotografierwürdig erschienen. Nur die vorderste Maschine, 291 029, wurde aufs Celluloid gebannt, die dahinter stehenden 291 045, 025 und 042 wurden verschmäht – aus heutiger Sicht ein Fehler.

Bild 20 20
Aber EINE schöne Maschine stand doch noch einigermaßen fotogen im Bw Harburg: Die Lübecker 220 042, die sogar noch ihre ursprünglichen Alu-Zierleisten besaß. Mit dem dahinter sichtbaren Bauzug hatte die V200 nichts zu schaffen, aber für das Bild waren die Wagen auf jeden Fall eine Bereicherung.

Damit endete die Advents-Tour der etwas anderen Art nach Hamburg am 30.11.75. Unterm Strich war es trotz des anfangs recht tristen Wetters doch ganz erfolgreich – Brückenbelastungsprobe und ein Diesel Beifang, der sich mit acht 265, einem 602 und der für mich neuen Baureihe 291 sehen lassen konnte.

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.