Baureihen-Exot 150 038 mit hydraulischer Drehgestell-Anlenkung
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 13.10.2014

Innerhalb der Baureihe 150 war die 150 038 ein ganz besonderes Exemplar.

Zunächst wurde sie zusammen mit der 150 042 dazu auserkoren, eine weiterentwickelte Bauart der Drehgestelle zu erproben: Statt der üblichen Gleitplattenabstützung im Ölbad zwischen Sekundärfeder und Lokkasten erhielten diese beiden Loks Drehgestelle mit Flexicoilfedern. Äußerlich erkennbar war das nur an den kleinen Vertikaldämpfern zwischen Kasten und Drehgestell, wie dieses auf dem folgenden Bild zu erkennen ist, wenn man weiß, wo man hingucken muss. Wann der Umbau erfolgte, ist leider nicht bekannt. Eine derartige Ausrüstung ab Werk ist höchst unwahrscheinlich, da die beiden Loks von verschiedenen Herstellern gebaut wurden. Die neue Art der Sekundärfederung erwies sich als sehr gut geeignet, um die Spurführungskräfte der dreiachsigen Drehgestelle zu reduzieren; in Serie angewendet wurde diese Bauart allerdings erst beim letzten Baulos ab 150 165.

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150 042-0 (NüR), Bw Nürnberg Rbf, 22.05.70.

Zusätzlich zu der geänderten Lokkasten-Abstützung erhielt 150 038 im Jahr 1972 versuchsweise eine geänderte Drehgestell-Anlenkung, bei der Zugkraftübertragung in Längsrichtung mit Hilfe von hydraulischen Zylindern erfolgte – siehe Pkt. 18 bei Bauartunterschiede bei der Baureihe 150 auf meiner Homepage.

Seit einiger Zeit liegt mir nun schon eine etwas ausführlichere technische Beschreibung dieser Versuchsbauart aus dem Krupp’schen Unterlagenbestand vor, die mein lieber Freund und Kollege Martin Welzel glücklicherweise vor dem Schredder bewahren konnte. Mit seiner Zustimmung – danke Martin – möchte ich diese heute im HiFo zum Besten geben:

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Soweit die in der "blauen Mappe" abgehefteten Blätter in der dortigen Reihenfolge.

Bemerkenswert die zeittypische Form dieser Unterlagen: Die Mappe ein Standard Plastikhefter, mit Tesa befestigter Titel, Inhalt maschinengeschrieben mit eingeklebten Originalfotos, und Zeichnungen aus der Lichtpauserei.

Von den eingeklebten Fotos habe ich die Abbildungen 1, 2 und 6 noch einmal separat gescannt, so dass sie hier auch etwas größer gezeigt werden können:

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150 038-8 neben dem Anheizschuppen bei Krupp, Essen, Werksteil M1. Aufnahmedatum vmtl. 2. Halbjahr 1972.
Was hier natürlich gar nicht passt: Eine Krauss-Maffei Maschine auf Krupp’schem Gelände – igittigit ;-))

Bild 15 15
Detailaufnahme der umgebauten Zugkraftanlenkung mit hydraulischen Zylindern.

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Führertisch der 150 038 mit zusätzlichem Schalt- und Kontrollkästchen für die Drehgestell-Hydraulik (über den Leuchtmeldern).
Beachtenswert auch der archaisch anmutende Lautsprecher für den Schiebefunk auf der Spessartrampe.

Bild 17 17
Am 01.11.76 kam mir die 150 038-8 im Bw Braunschweig vor die Kamera, wo mir sogleich die "komischen Stangen" an den Drehgestellen ins Auge stachen. Drehdämpfer waren das sicher nicht, dafür waren die Teile ein paar Nummern zu groß. Aber was es genau war, konnte ich damals nicht in Erfahrung bringen. Erst Jahre später wurden mir im Rahmen meiner Tätigkeit im Krupp’schen Lokomotivbau die Hintergründe bekannt.

Bild 18 18
Die seltsame Drehgestellanlenkung war mir immerhin eine weitere Detailaufnahme wert.

Soweit ich das in meiner Zeit bei Krupp noch in Erfahrung bringen konnte, hat die hydraulische Zugkraftanlenkug problemlos und einigermaßen störungsfrei funktioniert. Die Spurführungskräfte konnten hiermit noch einmal deutlich reduziert werden. Aber insgesamt war die Bauart zu aufwändig und das Langzeitverhalten wurde von der DB skeptisch beurteilt. Daher wurde dieses Konzept nicht weiter verfolgt.

Bild 19 19
Das nächste Wiedersehen mit 150 038-8 gab es am 02.11.79 im Bw Nürnberg Rbf. Die hydraulische Zugkraftanlenkung war inzwischen wieder ausgebaut, aber dafür besaß die Lok jetzt Stromabnehmer DBS54 mit Wanischwippe, vermutlich ex 103. Bei dem trüben Herbstwetter verzichtete ich auf ein Farbfoto und begnügte mich mit einer schwarz/weiß-Aufnahme

Bild 20 20
Und noch ein weiteres Mal begegnete ich dem Baureihen-Exoten, und zwar auf meiner Tour mit Martin W. an die Strecke Nürnberg – Regensburg: Am 18.07.82 stand 150 038-8 vor 194 145-9 "kalt" abgestellt auf den Gleisen hinter dem Parkplatz. Puh, abgebügelte Lok und tristes Licht, das war mir keine Aufnahme wert. Aber Martin hat wie immer draufgehalten, und so gibt es wenigstens ein Beweisbild, dass die Lok auch im Sommer 82 noch die Stromabnehmer mit Wanischwippe besaß.

Die besonderen Bauartmerkmale der 150 038-8 sind selbstverständlich auch bei der Behandlung der Bauartunterschiede bei der Baureihe 150 auf meiner Homepage erfasst. Eine so ausführliche Darstellung wie hier im Forum war dort allerdings nicht möglich; ein Link auf diesen Beitrag wird dem zukünftig abhelfen.

Ich hoffe, dieser arg Technik-lastige Beitrag war jetzt nicht zu ermüdend.

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.