Altbau-Ellok Jagd im Chiemgau
Zusammenfassung der Beiträge – Teil 1 bis 4

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Altbau-Ellok Jagd im Chiemgau
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 17.11.2014

Im August 1972 war mal wieder eine große Eisenbahntour fällig. Gemeinsam mit einem Freund aus meiner "Wuppertal Connection" ging es vier Wochen lang kreuz und quer durch Süddeutschland, bei der mein alter Käfer anstandslos mehr als 6.000 km Fahrstrecke überstand. Auch wenn bei dieser Tour natürlich sämtliche Dampf-Hochburgen angefahren wurden, war es mir daneben ein unverzichtbares Anliegen, uns auch die Altbau-Elloks intensiv vorzuknöpfen. Nach einem in dieser Hinsicht sehr erfolgreichen Auftakt rund um Bamberg / Lichtenfels waren Augsburg, Garmisch und München (eine Woche vor Beginn der olympischen Spiele) weitere Altbau-Ellok Anlaufpunkte. Und nun sollte es ins Chiemgau gehen, wo vor allem die 116, 118, 144.5 und 160 die "Objekte der Begierde" waren. Leider hatte das Wetter schon seit einiger Zeit einen Durchhänger, so dass wir uns vielfach auf Standaufnahmen im Bahnhof oder Bw beschränken mussten. Trotzdem, oder gerade deshalb, wurde eine ganze Menge Film gemetert; und davon möchte ich jetzt einiges zeigen.

Bild 01 01
Am Morgen des 20.08.72 war das Wetter in Rosenheim noch ziemlich trist, so dass wir den Tag gemütlich angehen konnten. Das erste Bild wurde auf die am Rande der Gleisanlagen kalt abgestellte 160 002 (Ros) verschossen. Um es gleich vorweg zu nehmen: DIE Lok bewegte sich an diesem und auch am nächsten Tag keinen Millimeter.

Bild 02 02
Um 5 vor 9 Uhr tat sich ‘was im Bahnhof. Aus Innsbruck kommend lief der nur während der Olympiade eingelegte D20182 mit der Freilassinger 118 048 an der Spitze und einem atemberaubenden Wagenpark ein. Jetzt kam das Stativ zum Einsatz – Blende 8, 1/8 Sekunde (bei 18 DIN), um trotz der lausigen Lichtverhältnisse noch etwas Tiefenschärfe und Zeichnung zu erzielen.
Nach der Reise wurde diese Kamera-Einstellung zum geflügelten Wort in meinem Freundeskreis - Frage: "Wie war das Wetter?", Antwort: "8/8", "okay, also beschissen".

Bild 03 03
Während wir uns noch um den Olympiazug kümmerten, rollte auf den hinteren Gleisen ein Güterzug vom Brenner in den Bahnhof.
Zuglok war die bereits modernisierte ÖBB 1020.22, die ehemalige E94 005.

Bild 04 04
Kurz darauf erschien 116 004 auf der Bildfläche, um sich vor den P2851nach Kufstein zu setzen, Rosenheim ab 9:15 Uhr.

Bild 05 05
Einen Vorteil hatte die dichte Wolkendecke ja: Man konnte von allen Seiten fotografieren.
Und so wurde auch noch ein Bild der 116 004 vor P2851 von der anderen Seite gemacht, auch wenn man dabei mitten in den Gütergleisen stand – und das ohne Warnweste ;-)

Bild 06 06
Dann ging es ganz brav wieder zurück auf den Bahnsteig, um noch eine Seitenansicht zu machen, bei der die Getriebekästen des Buchli-Antriebs schön zur Geltung kommen.

Bild 07 07
ÜBERRASCHUNG! Damit hatten wir ja nun gar nicht gerechnet. Eine E44.5 mit Güterzug fernab der Stammstrecke nach Berchtesgaden. Mit einem langen Kühlwagenzug legt 144 508 einen kurzen Betriebshalt im Bahnhof Rosenheim ein. Leider waren wir viel zu sehr mit dem Fotografieren beschäftigt, um den Lokführer nach der Zugnummer zu fragen.

Bild 08 08
Die Gelegenheit wurde natürlich genutzt, um auch noch einige Porträtaufnahmen der Lok zu machen.
Ist das nicht eine herrliche Lok, so eine E44.5 der zweiten Bauserie? Mir gefällt sie jedenfalls ausnehmend gut.

Bild 09 09
Viel Zeit zum Schwelgen blieb allerdings nicht, denn schon näherte sich auf dem Nebengleis ein weiterer Güterzug. Glücklicherweise hielt 194 138 (MüO) genau neben 144 508, so dass ein Standfoto mit entsprechend langer Belichtungszeit möglich war.
Für den ungerührt zwischen den Zügen längs laufenden DB-Mitarbeiter ist das alles überhaupt nichts Besonderes.

Bild 10 10
Nachdem die 144.5 mit ihrem Kühlzug die Weiterfahrt nach München angetreten hatte, ließ sich der Güterzug mit der 194 138 auch noch einmal von der anderen Seite aufnehmen – wie schon gesagt, wo kein Licht ist, ist auch kein Schatten.

Langsam hellte sich der Himmel ein wenig auf, und so beschlossen wir, dem Bw einen kurzen Besuch abzustatten. Die Anmeldung verlief unproblematisch, vielleicht dadurch begünstigt, dass der 20.08.72 ein Sonntag war. Anscheinend bekamen wir noch nicht einmal einen Begleiter für unseren Rundgang zugeteilt, sondern lediglich die Ermahnung, auf den Dienstwegen zu bleiben und uns vorsichtig zu verhalten.

Bild 11 11
Ein Fahrzeug, was ich unbedingt in Rosenheim erwischen wollte, war der ET90 – die Baureihe hatte ich bis dahin noch gar nicht vor die Linse gekriegt. Leider war der zuletzt auf der Nebenstrecke Bad Aibling – Feilnbach eingesetzte Altbau-ET 490 003 (ex ET85 16) als letzter seiner Art kurz vor unserem Besuch am 01.06.72 z-gestellt worden. Aber wenigstens stand er einigermaßen fotografierbar im Bw.

Bild 12 12
Bei einer weiteren Aufnahme mehr von vorn kommt auch der zugehörige Steuerwagen 885 640 ins Bild, der 1949 aus einem speziell für die Strecke Altenberg – Heidenau im Erzgebirge entwickelten Wagen umgebaut wurde (C4i 73525). Natürlich habe ich den Wagen auch noch mal einzeln von hinten aufgenommen, aber diese Aufnahmen sind leider einem Filmanfangsfehler zum Opfer gefallen.
Ganz hinten unter den Bäumen ein weiterer, schon länger abgestellter ET90 (490 001?); leider total unfotografierbar.

Bild 13 13
Bevor es im Bw weiterging, wurde unsere Aufmerksamkeit von dem nur Sa und So verkehrenden D781 Nürnberg – Innsbruck beansprucht, der mit 112 498 bespannt war.
Nun ja, eine Altbau-Ellok war das natürlich nicht, aber eine 112 im Lieferzustand war mir immer ein Foto wert.

Bild 14 14
Jetzt aber stand ein richtig altes Schätzchen vor uns, und auch das hatten wir hier nicht erwartet. Die Münchener 132 103 war zu Heizlokdiensten nach Rosenheim abkommandiert. Obwohl die Lok seit genau 20 Tagen ausgemustert war (01.08.72), befand sie sich in einem hervorragenden äußeren Zustand, war noch komplett mit Lampen, Stangen, Stromabnehmern usw. ausgestattet, und vermittelte so den Eindruck einer nur kalt abgestellten Betriebslok.

Bild 15 15
Die herrliche Lampenbestückung reizte mich denn auch zu einer Frontal-Aufnahme, auch wenn die nicht gerade Monitor-geeignet ist. Aber DAS Problem hatte ich damals noch nicht …;-)

Bild 16 16
Vor dem Reparaturschuppen standen 116 015 und 144 086 abgestellt.
Bemerkenswert finde ich das ausklappbare Zeichen EL6 – Halt für Fahrzeuge mit Stromabnehmern – vor dem letzten Fahrleitungsabschnitt vor der Halle.

Bild 17 17
Auch wenn die linke Lokseite mit den Getriebekästen bei der E16 die interessantere ist, von der rechten Seite war noch ein Bild mit "ohne Mast vor der Lok" möglich. Jetzt erkennt man besser, dass es sich bei der dahinter stehenden 144 086 um eine Lok mit Wendezugsteuerung handelt.

Da man vom Bw aus einen freien Blick auf die Strecke hatte, konnte man jederzeit auch die vorbeifahrenden Züge aufs Celluloid bannen. Und jetzt waren erst einmal wieder zwei Züge mit E18 angesagt:

Bild 18 18
Zuerst aus München die noch mit großen Lampen bestückte 118 017 mit dem E1853 nach Salzburg.

Bild 19 19
Dann, nur wenig später, in der Gegenrichtung 118 045 mit dem verspäteten D410 "Hellas-Express" auf den Weg nach München. Leider besitzt diese Maschine bereits die neuen, hässlichen Stilaugen.

Bild 20 20
Nun kamen die an der Drehscheibe abgestellten Loks an die Reihe: Zuerst 144 183, ein Nachkriegs Fertigbau, bei dem sehr schön die Dachlüftungshutzen für die elektrische Bremse zu sehen sind, die bei dieser Lok jedoch schon lange stillgelegt ist.

Bild 21 21
Als nächste war 144 179 an der Reihe, bei der mich die großen alten Lampen so faszinierten, dass ich nicht darauf achtete, den schönen alten Wasserturm hinter der Lok ganz ins Bild zu nehmen. Auch diese Lok ist ein Nachkriegs Fertigbau, genau genommen sogar der erste von 1946.

Damit mache ich für heute Schluss, schließlich soll ja noch Material für weitere Folgen übrigbleiben. Die rhetorische Frage, ob eine Fortsetzung erwünscht ist, brauche ich ja wohl nicht zu stellen, oder ??

Altbau-Ellok Jagd im Chiemgau - Teil 2
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 21.11.2014



Im ersten Teil meines Beitrags hatte ich bereits erwähnt, dass die Altbau-Elloks bei der großen Sommertour 1972 ein absolut gleichberechtigtes Thema neben den Dampfloks waren. Und so waren auch einige Tage im Chiemgau eingeplant, an denen uns der Wettergott nur leider nicht besonders gnädig gesonnen war. Aber was soll’s, durch die notwendige Beschränkung auf Standaufnahmen in Bahnhof und Bw kamen wenigstens viele Loks zusammen und man selbst dem Ziel näher, von möglichst jeder noch fahrenden Altbau-Elloks wenigstens ein Bild zu erhaschen. Vor diesem Hintergrund enthält der heutige Beitrag auch mehr Masse als Klasse.

Weiter geht’s mit den Loks an der Drehscheibe im Bw Rosenheim, und wir schreiben immer noch den 20.08.72.

Bild 22 22
An der Drehscheibe kam nun Bewegung in die Sonntagsruhe: Zuerst fährt die Ingolstädter 194 053 auf die Scheibe.
Und wie es sich gehört, ist die Maschine noch mit alten Lampen bestückt.

Bild 23 23
Direkt hinterher folgte 194 080 vom Bw Augsburg, ebenfalls mit alten Lampen.

Bild 24 24
Nachdem 194 080 in die richtige Richtung gedreht worden war, gelang auch noch ein Bild mit gehobenen Stromabnehmern.

Bild 25 25
Die Fahrt mit eigener Kraft von der Drehscheibe war allerdings nur kurz, sehr kurz. Denn nach schätzungsweise 5m hatte 194 080 zu der in der Ausfahrt wartenden 194 053 aufgeschlossen. Andrücken, Ankuppeln, Stromabnehmer runter – das ging alles blitzschnell. Danach verschwand das Gespann als Doppel-Lz in Richtung Innsbruck / Brenner.

Bild 26 26
Und wo wir gerade in der Ausfahrt standen, wurde auch noch einmal 160 002 aufs Korn genommen, dieses Mal mit dem dahinter abgestellten Wagenpark. So ein Zug auf der Strecke wäre auch nicht schlecht gewesen.

Bild 27 27
Aber damit waren die in Rosenheim anwesenden 194 noch längst nicht abgehandelt. Neben der auf Bild 25 zu sehenden 194 131 waren noch zwei weitere Krokodile vor Ort. Eines davon 194 048 vom Bw München Ost, bereits mit Keks und neuen Lampen. Wozu wohl der seltsame Blechkasten vor der Lok diente?

Bild 28 28
Zur Abwechslung mal wieder eine E44, und zwar 144 098 mit "dicken" Lampen und "dicken" Fabrikschildern. Und ein Hauch von Sonne taucht das Ganze gleich in ein freundlicheres Licht.

Bild 29 29
Für die Aufnahme der Nürnberger 194 575 kam das Licht allerdings zur Unzeit, denn die freie Seite war leider auch die Schatten-seite. Diese Begegnung in Rosenheim am 20.08.72 sollte übrigens meine einzige mit einer 194.5 südlich von München bleiben.

Bild 30 30
Dafür konnte man die beiden E94 Unterbaureihen jetzt noch einmal schön nebeneinander auf den Film bannen:
194 575 und 194 048, die jetzt erfreulicherweise die Stromabnehmer am Draht hat.

Bild 31 31
Der sich aufhellende Himmel machte uns Hoffnung, es jetzt auch mal mit einer Streckenaufnahme zu versuchen. Aber als wir uns für den P2823 eine Fotostelle bei Ostermünchen gesucht hatten, war‘s mit der Herrlichkeit auch schon wieder zu Ende. Aber der Zug, den die 116 003 hier am Haken hatte, ist schon ein Hingucker.

Bild 32 32
Also, zurück nach Rosenheim und den Zug noch einmal im Bahnhof erlegen, wo ein planmäßiger Aufenthalt von 9 Minuten vor der Weiterfahrt nach Übersee vorgesehen war.

Bild 33 33
Selbst von der anderen Seite war noch ein weiteres Bild der 116 003 mit P2823 drin. So niedrige Bahnsteige wie in Rosenheim waren zwar unkomfortabel für die Reisenden, aber in jeder Beziehung optimal für uns Fotografen.

Bild 34 34
Es blieb sogar noch Zeit, in das östliche Bahnhofsvorfeld vorzulaufen und den P2823 ein letztes Mal bei der Ausfahrt abzulichten.

Bild 35 35
Direkt unterhalb der bekannten Fußgängerbrücke über der Bahnhof Rosenheim kam 118 021 mit dem D1360 nach München zu stehen. Ob die etwas unpassende Zugbildung mit Silberlingen wohl der angespannten Fahrzeuglage während der Olympischen Spiele geschuldet war?

Bild 36 36
Am Hausbahnsteig wartete derweil 116 005 vor dem P2810 darauf, dem D1360 mit vier Minuten Abstand hinterher zu fahren. Auch diese Wagengarnitur ist wieder eine Zusammenstellung zum Verlieben.

Bild 37 37
Der Gegenzug P2809 aus München war mit 116 007 bespannt. Und wieder eine neue 116.

Bild 38 38
So langsam reichte es uns in Rosenheim. Streckenaufnahmen erschienen uns zwar weiterhin nicht möglich, aber man kann ja mal einen anderen Bahnhof aufsuchen. Zum Beispiel Endorf, wo auch Eilzüge hielten. E1661 nach Salzburg war allerdings so lang, dass der gesamte Zug beim besten Willen nicht ganz aufs Bild zu bekommen war.

Bild 39 39
118 013 mit großen Lampen musste natürlich auch noch einmal einzeln auf den Film gebannt werden.

Bild 40 40
us Übersee zurück kam dann 116 003 mit dem P2824 – vergleiche Bild 32. Leider ist das Bild durch einen Lichteinfall am Filmanfang etwas in Mitleidenschaft gezogen.

Bild 41 41
Die Einzelaufnahme von 116 003 vor P2824 ist dagegen wieder okay. Lieber wär’s mir andersherum.

Bild 42 42
Die auf den P2824 folgende Leerfahrt mit 110 164 vom Bw Frankfurt(M)-1 legte ebenfalls einen kurzen Zwischenstopp im Bahnhof Endorf ein. So, wie die Lok glänzt, handelte es sich vermutlich um eine Probefahrt des AW Freimann, die häufig auf der Stracke nach Freilassing unternommen wurden.

Bild 43 43
Nächster Fotohalt Bernau. 118 017 hat den E1856 am Haken und führt hinter der Lok zwei DSG-Wagen mit. Ob das wohl planmäßig war? Ich vermute eher einen Zusammenhang mit dem Olympiaverkehr.

Bild 44 44
Als nächster Altbau-Ellok bespannter Zug stand der D1383 nach Berchtesgaden auf dem Programm. Der hielt aber natürlich nicht in Bernau und deshalb fuhren wir weiter nach Prien. Zuglok war die Freilassinger 118 021 mit kleinen Lampen. Und das Wetter? Ich sag‘ nur: 8/8.

Bild 45 45
Wo wir nun schon mal in Prien waren, mussten wir auch kurz nach der Chiemseebahn gucken.

Bild 46 46
Zurück zum DB Bahnhof Prien, wo 116 018 mit dem P2821 soeben zum Stehen gekommen war.

Bild 47 47
Vom anderen Bahnsteig und mit Stativ ließ sich sogar noch ein ganz nettes Bahnhofs-Bild machen.
In dieser Ansicht sieht man auch besser, dass 116 018 mit SBS39/54 Stromabnehmern ausgerüstet ist (längsliegende Isolatoren). Das gab es nur bei zwei Loks und war damit schon etwas Besonderes.

Bild 48 48
Tja, Güterzug mit 118. Da hilft alles nichts, trotz widriger Lichtverhältnisse muss ein Foto des zum Glück nur langsam durch den Bahnhof rauschenden Zuges gemacht werden. Ich erinnere mich nicht mehr an die Kameraeinstellung, aber mehr als 1:1,8/250 dürften es nicht gewesen sein. Trotzdem ist 118 020 sogar noch einigermaßen scharf geworden. Die alte Regel, mindestens eine Blendenstufe von der maximalen Öffnung (1:1,2) entfernt zu bleiben, hatte sich also wieder einmal bewährt.

Mit dieser Aufnahme ging ein Sonntag zu Ende, der uns zwar nicht die eigentlich erhofften Streckenaufnahmen ermöglichte, aber unterm Strich doch noch ganz erfolgreich war.
Viele neue Loks fürs Archiv bekommen und einige schöne Bahnhofs- und Bw-Aufnahmen dazu.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Freilassing, aber darüber berichte ich das nächste Mal. Ich hoffe, man sieht sich, auch wenn es im heutigen Beitrag baureihenmäßig etwas eintöniger zuging.

Altbau-Ellok Jagd im Chiemgau - Teil 3
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 25.11.2014

In den beiden vorangegangenen Beiträgen hatte ich über den ersten Tag meiner Fototour in den Chiemgau berichtet, wo wir uns, wetterbedingt, überwiegend in und um Rosenheim aufgehalten hatten. Hier noch mal die Links:

Nach Übernachtung in der JH Prien empfing uns auch der nächste Tag, der 21.08.72, mit einer geschlossenen Wolkendecke. Das bedeutete: Zunächst wieder nur Standaufnahmen. Also zurück nach Rosenheim, wo einem das vielfältigste Programm geboten wurde – siehe Vortag.

Bild 49 49
Die erste Aufnahme des Tages wurde auf den D1181, München – Ancona, verschossen, bespannt mit der Dortmunder 112 308.

Bild 50 50
Eine Bügelfalten E10.12, mit Pufferverkleidung, Schürze und Dachrinne, ist doch einfach nur schön! Dafür konnte ich mich damals schon begeistern. Deshalb war natürlich auch noch eine Nahaufnahme der schönen Dortmunderin fällig.

Bild 51 51
Nun sollte aber endlich auch eine Streckenaufnahme ausprobiert werden. Für den um 10:06 Uhr aus Freilassing eintreffenden P2808 wurde die Innbrücke in Rosenheim ausgeguckt; ein Motiv, das in dieser Blickrichtung nur ohne Sonne möglich war, da ansonsten voll gegen das Licht. Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Zug mit einer 116 gefahren, und zwar 116 019.

Bild 52 52
Da P2808 erst um 10:58 Uhr weiter nach Grafing fahren sollte, war keine besondere Eile nötig, um den Zug ein weiteres Mal im Bahnhof Rosenheim abzulichten.

Bild 53 53
Mit 116 019 bekamen wir jetzt auch die zweite E16 mit Reko-Stromabnehmern der Bauart SBS39/54 vor die Linse (die andere war 116 018 am Vortag, siehe Bild 47).

Bild 54 54
"E16 hightime" in Rosenheim: Während 116 019 noch am Hausbahnsteig vor dem 2808 nach München auf die Weiterfahrt wartet, machen sich in den hinteren Gleisen zwei weitere 116 für die Fahrt in die Gegenrichtung bereit. 116 015 setzt sich gerade vor den P2853 nach Kufstein (links), während 116 005, rechts, den P2807 nach Freilassing bringen wird.

Bild 55 55
Nach dem Ankuppeln war ein Stromabnehmerwechsel fällig, bei dem 116 015 kurzzeitig beide SA am Fahrdraht hatte.
Da guckt sogar der Mann ohne Unterleib ;-)

Bild 56 56
116 005 war dagegen mit dem P2807 bereits aus München gekommen und hatte eine gute halbe Stunde Aufenthalt bis zur Weiterfahrt nach Freilassing. Während dieser Zeit kam es zur Überholung durch E1853, vor dem sich wieder einmal die großäugige 118 013 die Ehre gab.

Bild 57 57
Endlich ließ sich auch einmal die Sonne sehen, und so gab es noch eine Porträtaufnahme der eleganten alten Dame, 118 013.

Bild 58 58
Mit Sonne wurde jetzt auch der P2807 mit 116 005 an der Spitze noch einmal aufs Korn genommen.

Bild 59 59
Klar, und auch hier folgte eine Porträtaufnahme. 116 005 vor P2807 in Rosenheim am 21.08.72.

Bild 60 60
Bei diesen Wetterbedingungen war jetzt eine Streckenaufnahme ein MUSS! Dazu fuhren wir nach Bergham, kurz vor Endorf, wo endlich mal eine schöne Zugaufnahme mit 116 005 gelang.

Bild 61 61
Kurz darauf war’s mit der Wetter-Herrlichkeit auch schon wieder vorbei. Deshalb wurde der nächste Personenzug aus Freilassing im Bahnhof Bergen abgepasst. Zuglok des P2810 war 116 008. Und über die Wagengarnitur brauche ich inzwischen wohl nichts mehr zu sagen, außer, dass sie in diesem Fall genau um einen Verstärkungswagen zu lang war.

Bild 62 62
Für den D1360 ging’s weiter nach Traunstein, wo schon wieder typisches Chiemgauwetter herrschte. Mit Stativ und Kamera-Einstellung 8/8 wurde 118 014 vor diesem Zug verewigt.

Bild 63 63
Die Strecke von Traunstein nach Ruhpolding war bekanntlich ein Einsatzgebiet, wo man einigermaßen sicher die 144 im Wendezugbetrieb erleben konnte. Und da kam auch schon ein Wendezug: P3562 mit schiebender 144 187, bei der sich der Tf nicht die Mühe gemacht hatte, den Stromabnehmer zu wechseln.
Frage an die Wagen-Experten: Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich bei dem Steuerwagen um einen BDnf 738 handelt?

Bild 64 64
Nachschuss auf die schiebende 144 187 am P3562, Traundorf, 21.08.72.

Bild 65 65
Logisch, dass wir warteten, bis der Zug wieder zurückkam. Bei Höpfling ergab sich ein schöner Blick über eine Flussbiegung der weißen Traun, wo 144 187 mit dem P3563 gen Ruhpolding kurvt.

Bild 66 66
Nahaufnahme an derselben Stelle: 144 187 mit P3563 bei Höpfling. Fast wie bei einer Straßenbahn ist die Fahrleitung quer abgespannt. Ein Anzeichen dafür, wie eng die Kurve hier ist.

Bild 67 67
Danach ging’s im Eiltempo an die Berchtesgadener Bahn. Gerade noch rechtzeitig, um 144 502 in Piding beim Überqueren der Saalach zu erwischen. Am Haken hatte sie den E2056.

Bild 68 68
Bevor wir uns jetzt den 144.5 und der Berchtesgadener Bahn widmeten, wurden noch zwei E18-Züge auf der Chiemgau Hauptstrecke mitgenommen. Zunächst der E1661 mit der Freilassinger 118 020 bei Teisendorf, …

Bild 69 69
... und dann, kurz darauf und ebenfalls bei Teisendorf, nur in der Gegenrichtung, E1858 mit der großäugigen 118 017.

Für den weiteren Nachmittag und den nächsten Tag stand dann Freilassing auf dem Programm, wo uns noch einige Überraschungen erwarteten. Aber davon berichte ich dann im nächsten Teil.

Altbau-Ellok Jagd im Chiemgau - Teil 4
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 28.11.2014

Bei meiner großen Sommer-Eisenbahntour 1972 standen neben den Dampfloks auch die Altbau-Elloks bereits gleichberechtigt auf dem Programm. Für die Strecken rund um Rosenheim und nach Freilassing waren drei Tage ab dem 20.08.72 eingeplant. Wetterbedingt mussten wir uns entgegen unserer ursprünglichen Planung überwiegend auf Standaufnahmen im Bahnhof und Bw beschränken. Über die ersten eineinhalb Tage habe ich in den ersten Teilbeiträgen berichtet. Hier noch mal die Links:

Mit den letzten Bildern des vorangegangenen Beitrags waren wir schon ganz in die Nähe von Freilassing gekommen, und hier geht es jetzt am Nachmittag des 21.08.72 auch weiter:

Bild 70 70
Im Bahnhof empfing uns der Rangierbock 160 004, eine von vier Loks dieses Typs beim Bw Freilassing.
Zunächst die Ansicht von schräg hinten, die ich stets als die "Schokoladenseite" dieser urigen Maschinen ansah.

Bild 71 71
Offensichtlich standen gerade keine Rangieraufgaben an, und 160 004 pausierte auf dem Mittelgleis wie auf dem Präsentierteller.
Also eine gute Gelegenheit, die Lok von allen Seiten abzulichten. Hier die Ansicht "rechts-schräg-vorn".

Bild 72 72
Und auch die volle Breitseite möchte ich noch zeigen, kommt doch in dieser Perspektive sehr schön der stark asymmetrische Aufbau der E60 zum Ausdruck.

Bild 73 73
Auf dem letzten Bahnsteiggleis hatte sich derweil 116 003 vor den P2814 nach Rosenheim gesetzt. Für die Aufnahme wurde beim Stromabnehmerwechsel wieder der Moment abgepasst, wo kurzzeitig beide SA am Fahrdraht waren.

Bild 74 74
Für eine Zugaufnahme ging‘s danach einige 100m hinter das Bw an die Strecke. 116 003 mit P2814, Freilassing, 21.08.72.

Da uns das Wetter für weitere Streckenaufnahmen nicht geeignet erschien, wurde nun das Bw Freilassing aufgesucht. Anmeldung und Fotogenehmigung kein Problem.

Bild 75 75
Ihre Nase, oder genauer gesagt ihr Hinterteil, streckt 116 009 aus dem Schuppen. Schön, diese E16 hatten wir bis dahin noch nicht vor die Flinte gekriegt.

Bild 76 76
Als 118 008 auf die Scheibe fuhr, fiel uns natürlich sogleich das blöde Schild auf, das genau die Fahrzeugnummer verdeckte.

Bild 76a 76a
Eine Ausschnitts-Vergrößerung zeigt, dass hierauf die Zugläufe für den 26. Und 27.08. angegeben waren. Dabei handelte es sich höchstwahrscheinlich um Olympiazüge, von denen ich allerding nur den D20191 nach Belgrad im Kursbuch wiederfinden konnte.

Bild 77 77
Als nächste Lok brach 144 505 zum Dienst auf, eine Lok der ersten Bauserie. Noch ist sie mit den alten Stromabnehmern SBS10 ausgestattet.

Bild 78 78
Beim Verlassen des Bws wurde im Vorbeigehen auch noch 132 024 mitgenommen, die im hinteren Teil des Geländes vor einem Hilfszugwagen abgestellt stand. Auch diese E32 tutto completto mit Lampen, Stromabnehmern und Stangen, und in einem für eine ausgemusterte Lok erstaunlich gutem Zustand.

Bild 79 79
Das letzte Bild des Tages wurde auf 144 505 verschossen, die sich inzwischen im Bahnhof Freilassing vor den E1823 nach Berchtesgaden gesetzt hatte. Der Vergleich mit Bild 77 zeigt, dass die E44.5 beidseitig über ein über dem Führerstand angeordnetes Läutewerk (Glocke) verfügten.

Auch am nächsten Tag, dem 22.08.72, zeigte sich der Himmel über Freilassing immer noch grau in grau.

Bild 80 80
Im Bahnhof erwartete uns ein mit 194 183 bespannter Güterzug, bei dem noch einige Formalitäten zu erledigen waren, bevor es auf die Weiterfahrt nach München ging. Als einzige der AEG-Nachbau Loks (E94 178 – 196) war diese Maschine damals in München Ost beheimatet und nicht wie alle anderen in Mannheim.

Bild 81 81
Neben 194 183 stand mit einem weiteren Güterzug die Mühldorfer 216 097. Durch die stetige Auslieferung von 215 wurden die 216 in Mühldorf bald darauf ersetzt und in nördlichere Dienststellen abgeschoben.

Bild 82 82
Nur zwischen Freilassing und Salzburg verkehrte der P2541, vor dem sich an diesem Tag, dem 22.08.72, die 116 020 nützlich machte.

Bild 83 83
Auf Gleis 4 des Bahnhofs Freilassing hatte sich 118 024 hinter einen Zug gestellt, der wohl die für den D1382 vorgesehenen Verstärkungswagen umfasste. Vorne am Zug ist mit etwas Fantasie (grauenvoll, die neue Rechtschreibung) eine Bügelfalten-E10 zu erkennen, die den Zug nach München bringen wird. Erst musste aber noch E1382 abgewartet werden, mit dem der Hauptstamm für D1382 aus Berchtesgaden kam.
Keine schlüssige Erklärung habe ich für die Stromabnehmerstellung und Schlussscheibe bei der 118; erst recht nicht, wenn man das nächste Bild anschaut.

Bild 84 84
Darüber habe ich mir damals allerdings noch keine Gedanken gemacht; stattdessen ein weiteres Bild von 118 024 mit Bahnhofsschild. Hier sieht man deutlich, dass die Lok nicht angekuppelt ist. Will die Lok dem Zug als Lz folgen? Mit dem vorderen Stromabnehmer?

Bild 85 85
Währenddessen war auf dem Nebengleis auch der E1832 aus Berchtesgaden eingetroffen. Zuglok 144 507. Und ich wiederhole mich gerne: Was für eine schöne Lok, im Design viel moderner als die E44.0. Schade, dass die nicht in größerer Stückzahl in Serie ging.

Bild 86 86
Bei einem neuerlichen Besuch im Bw Freilassing wartete eine kleine Überraschung auf uns: Hinter dem Lokschuppen war die Hilfszugtruppe dabei, 132 107 seitlich auf ein ganz am Rande des Geländes liegendes Gleisstück zu verschieben. Dort soll die Lok zukünftig Heizlokdienste verrichten. Auch diese Lok, wie alle 132 auf dieser Tour, komplett mit allen Anbauteilen.

Bild 87 87
In der Nahaufnahme erkennt man recht gut die Funktionsweise des sog. Deutschlandgeräts, also der Gerätschaft zum Anheben und Querverschieben (Eingleisen) von Eisenbahnfahrzeugen: Die quer zum Gleis liegende Verschiebebahn, den kräftigen, hier unter der Pufferbohle angesetzten Hydraulikzylinder zum Anheben des Fahrzeugs und das dazwischen befindliche Rollwägelchen. Außerdem springt einem der wirklich erbärmliche Lackzustand der E32 geradezu ins Auge; aber dazu später mehr.

Bild 88 88
Da sich die Arbeiten an der 132 in die Länge zogen, unternahmen wir zur Überbrückung der Wartezeit einen kurzen Rundgang durch’s Bw. Auf der Drehscheibe konnte zunächst 160 003 abgelichtet werden.

Bild 89 89
Es folgte ein Blick in den Reparaturschuppen, wo als Gast aus Augsburg die 117 118 auf der Unterflur-Radsatzdrehbank stand. Links daneben 118 020. Eine 117 in Freilassing hatten wir nun gar nicht auf der Rechnung.

Bild 90 90
Rechts neben der 117 stand 160 011 auf der Achssenke, mit ausgebautem dritten Treibradsatz.

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Ein weiterer Blick auf das Pärchen 118 020 und 117 118 in der Freilassinger Werkstatt. Und die 118 glänzt wie "frisch aus der Packung".

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Inzwischen hatte sich auch die 132 107 bewegt, und zwar gut einen Meter quer zum Gleis. Hinten am Zaun ist auch das Gleis zu sehen, das zum endgültigen Stellplatz der E32 werden sollte. Bis dahin war es allerdings noch ein weiter Weg, auf dem die Verschiebebahn noch etliche Male verlängert werden musste.

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Leider wollte uns keiner der Leute einen Trennschleifer ausleihen, um den störenden Mast vor der Lok umzulegen ;-))
So blieb nichts anderes übrig, als die Situation noch einmal spitz von vorn und hochkant aufzunehmen.

Auf allen Aufnahmen der 132 107 ist der stark verwitterte, rissige und teilweise abgeblätterte Lack deutlich zu erkennen. Aber das sollte nicht so bleiben. In seiner Zuschrift zum ersten Teil meines Beitrags erinnerte Mikadofreund Walter an den DSo-Beitrag Frage zu 132 107 als Heizlok im Bw Freilassing, in dem sich die Lok in einem tadellosen Zustand präsentiert. Die äußere Aufarbeitung der Lok ist also erst nach der Aufstellung als Heizlok erfolgt. Das entspricht der vielfach berichteten Arbeitsweise des Bw Freilassing, seine Maschinen stets in einem Top-Zustand zu halten. Und offensichtlich galt diese Maxime nicht nur für Betriebsloks, sondern auch für Heizloks.

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Jetzt stand auch endlich ein Fahrzeug frei, um das wir schon am Vortag herumgeschlichen waren, ohne es fotografieren zu können, da es total zugestellt war: Der Klimaschneepflug München 6451 wurde unter Verwendung des Fahrzeugteils der E73 02, bayrische EG1 20202, aufgebaut. In der Ansicht von hinten sieht man, dass die ursprüngliche Gestalt dieses Ellok-Urgesteins bei diesem Umbau weitgehend unverändert blieb.

Eigentlich hatten wir für den Nachmittag geplant, uns noch ein wenig die Strecke nach Berchtesgaden vorzunehmen. Aber der Blick nach Süden ließ nichts Gutes erahnen – dick und zäh lag die Suppe vor den Bergen. So langsam machte sich der Frust über das einfach nicht besser werdende Wetter breit. Deshalb beschlossen wir, direkt weiter nach Regensburg (118, 194, 426 und 485) und Plattling zu fahren, wo dann tatsächlich an diesem Tag noch einige Aufnahmen entstanden.

Auch wenn wir damals alles andere als zufrieden über unseren Abstecher in den Chiemgau waren (ich bitte über die geografische Unschärfe des Begriffs hinwegzusehen), rückblickend waren die zweieinhalb Tage doch durchaus erfolgreich. Zwar kamen weniger Streckenaufnahmen dabei herum, als erwünscht, aber trotzdem konnten zahlreiche Altbau-Elloks auf den Film gebannt werden: 10 Loks BR 116, 1x 117, 9x 118, 1x 132, 2x 132.1, 4x 144, 4x 144.5, 4x 160, 5x 194, 1x 194.5, 1x ÖBB 1020, 1x 490 und ein Klimaschneepflug ex E73. Eine solche Ausbeute erreiche ich auf meinen heutigen Touren selten bis nie.

Abschließend möchte ich noch einmal daran erinnern, dass alle meine DSO-Beiträge auch auf meiner Homepage abgelegt sind (Link siehe Signatur). Dort sind die vier Teilbeiträge zu einem Bericht zusammengefasst, was das Lesen im Gesamtkontext etwas vereinfacht.

Damit genug der grauen Bilder von Altbau-Elloks. Ich danke für das bisher geäußerte Interesse.
Und, kleine Vorankündigung: Weiteres zu dem Thema gibt’s demnächst auf meiner Seite zu sehen.

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.