DB-Alltag in Hamburg vor 25 Jahren
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 24.10.2016

Anfang der 90er Jahre führten mich zahlreiche Dienstreisen nach Hamburg: Zum ICE-Betriebswerk in Eidelstedt und/oder nach Kiel zu unserem Schwesterwerk MaK im Krupp-Konzern. Die Fahrt von Essen dorthin erfolgte fast immer mit dem Zug, da am schnellsten und bequemsten. Und wenn man dann in Altona den Bahnhof hinter sich gelassen hatte und "um die Ecke" in Richtung Norden kurvte, reizten mich zunehmend die zwischen der Pz-Strecke und der S-Bahn Station Hmb.-Diebsteich liegenden Zufahrtsgleise zum Betriebsbahnhof Hamburg-Langenfelde. Das schien ein brauchbares Motiv zu sein und abwechslungsreicher Betrieb herrschte dort offensichtlich auch, wie man bei der Vorbeifahrt regelmäßig feststellen konnte. Allein der Zugang dorthin erschien ein wenig problematisch, aber man müsste es halt mal ausprobieren.

Diese Gelegenheit bot sich im Mai 1991, als ein mehrtägiger Termin in Kiel auf dem Programm stand, der am Vormittag des 24.05.91 endete. Nachdem ich meine amerikanischen Gäste in Altona in den Anschlusszug zum Flughafen Frankfurt verfrachtet hatte, stand mir der restliche Tag zur freien Verfügung. Das Wetter war gut, also ab nach Diebsteich. Da das Licht für diese Fotostelle aber noch ein wenig drehen musste, ging es vorher kurz nach Eidelstedt, wofür ich einen von Altona aus ins ICE-Werk einrückenden 401 als superbequeme und schnelle Direktverbindung nutzten wollte.

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Beim Warten auf meinen "Bw-Shuttle" entstand im Bf. Altona die Aufnahme des einfahrenden IC787 "Max Planck" aus Kiel, bespannt mit dem Flensburger 218er-Pärchen 218 168 und 218 167.
Doppeltraktion 218 vor einem relativ kurzen Zug – hauptsächlich zur Energieversorgung der klimatisierten Wagen, weniger aus Traktionsgründen – erschien mir damals noch etwas ungewöhnlich, sollte jedoch später zur Regel werden.

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Das ICE-Taxi fuhr ausnahmsweise nicht direkt in die Halle, sondern wurde erst einmal in der vorgelagerten Abstellgruppe zwischengeparkt. Und wo ich nun schon einmal hier war, wurden auch die dort abgestellten Züge auf’s Korn genommen. U.a. die beiden Köpfe 401 506 und 401 056, ersterer vermutlich von dem Zug, mit dem ich gekommen war. Zufällig kommt auch ein Dienstfahrrad ins Bild, welches dem Werkstattpersonal dazu diente, die langen Wege im ICE-Werk (von z.T. deutlich mehr als 1000m) schnell und kräfteschonend zurückzulegen.

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Auf dem Fußmarsch zur ICE-Halle (Hintergrund links) und dem alten Teil (Hintergrund rechts) des Bw Eidelstedt kam mir ein Zug mit 401 504 an der Spitze entgegen.
Die grüne 140 850 rechts im Bild ist eigentlich kaum erwähnenswert, aber was machen die beiden DR 143 da?

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Bevor ich das näher in Augenschein nehmen konnte zunächst der Nachschuss auf den ausrückenden ICE, der am anderen Ende mit 401 511 und damit nicht nummernrein gekuppelt war.
Die offenen Türen deuten darauf hin, dass der Zug nicht in den Einsatz ging, sondern nur in die Abstellgruppe vor dem Bw. Und auch hier kommt eine DR-Lok ins Bild …

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Offensichtlich zu Personalschulungszwecken waren die beiden mittlerweile in Dortmund Bbf beheimateten 143 928 und 143 900 in Hamburg.
1991 waren diese Maschinen im Westen ja noch etwas Besonderes und keiner ahnte, dass daraus bald eine Plage werden würde.

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Die Dresdener 50 3694 hatte ich schon bei der feierlichen Eröffnung des ICE-Bws am 26.04.91 hier angetroffen. Damals Repräsentant der alten Eisenbahn und auf den Betriebsgleisen an der früheren Bekohlungsanlage ausgestellt, hatte sie nun ihren endgültigen Standplatz im Eingangsbereich des neuen ICE-Bws eingenommen.

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In den alten Bw-Teil mit Drehscheibe und Ringlokschuppen zog es mich nun auch. Dampfer, wie ich sie 1968 hier fotografieren konnte – siehe Galerie Ostertour 1968 nach Hamburg - Teil 2 – waren hier jetzt natürlich nicht mehr anzutreffen, aber die 114 498 war mir ebenfalls sehr willkommen.

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Eine 218 war schon immer ein MUSS für mich, selbst in einem schon etwas angegammelten Ozeanblau/beige.
Soeben bricht 218 244 auf zu neuen Taten.

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Während sich die 218 zügig entfernt, rollt eine ganz normale Bügelfalten-110 heran. Ganz normal? Jetzt ja, aber zeitweise war das eine der beiden Schnellfahr-E10 für 200 km/h – siehe Pkt. 29 bei den Bauartunterschieden Baureihe 110 auf meiner Seite.

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Der Weg zur S-Bahn Station Elbgaustraße führte entlang der ausgedehnten Gleisanlagen des Rbf Eidelstedt, wo so ganz nebenbei das Bild der 364 562 entstand, meine erste 364 in orientrot.

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Bevor ich mich der S-Bahn zuwandte ein letzter Blick in die Abstellgruppe, wo der Einser 401 001 (mit hochgestellter Nummer) meine Aufmerksam erregte.
Der Triebkopf ist bereits heftig verschmutzt, und das noch vor Aufnahme des ICE-Planbetriebs am 02.06.91.

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Gleich zwei Ganzreklame-Züge für die "Hamburger Volksbanken" stehen am S-Bahnhof Elbgaustraße bereit für die Fahrt als S3 nach Neugraben.
Auch wenn es mehrere Volksbankzüge gab (8 Stück?), eine artreine Doppeleinheit dürfte so häufig nicht unterwegs gewesen sein.

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Und gleich hinterher ein weiterer Zug mit (Fast-)Ganzreklame: 470 107 "Coce" und ein werbefreier 472 als S21 nach Aumühle.

Für den Weg zur anvisierten Fotostelle gegenüber der S-Bahn Station Hmb.-Diebsteich erschien es mir nach einem Blick in den Stadtplan (Google-maps & Co gab es ja damals noch nicht) am günstigsten, bis Langenfelde mit der S-Bahn zu fahren, und mich von dort durch die Kleingartenanlage Sandkuhle bis zu der Streckenverschlingung unterhalb der Holstenkampbrücke vorzukämpfen. Von dort aus würde es dann schon irgendwie weitergehen, ohne dabei S-Bahngleise (Stromschiene!) überqueren zu müssen.

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Kurz vor der Holstenkampbrücke hatte ich mich gerade zu den Gleisen hochgearbeitet, als eine S21 mit dem frisch blau/beige lackierten 470 429 an der Spitze um die Kurve heulte. Wegducken oder aufnehmen? Das Bild gibt die Antwort.

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Auf den altfarbenen 470 433 gab es "pflichtschuldig" auch einen Nachschuss, obwohl mir eine derartige Ansicht eigentlich nie sonderlich gefiel.

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Kaum hatte ich die Holstenkampbrücke unterquert, kam die nächste S-Bahn herangerauscht. Vorn 472 539 mit kleiner "Handelsblatt" Reklame, während der folgende Mittel-ET 473 039 eine "Handelsblatt"-Ganzreklame trägt. Ähnliche Kombinationen gab es übrigens auch bei einigen 420 und x-Wagen im Ruhrgebiet.

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Die spontane Überlegung, mein Foto-Archiv um einige S-Bahn-Aufnahmen bereichern zu können, ließ mich etwas länger als geplant an dieser Fotostelle verweilen.
Zur Abwechslung ein ganz normaler Hamburger S-Bahnzug in der klassischen Farbgebung war 470 423 auf der S21. Genauso hätte man das vor 20, 30 Jahren auch aufnehmen können.

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Mit 472 016 folgte wenig später der nächste Ganzreklame-Zug mit der farbenfrohen Tabak-Werbung für "Javaanse Jongens".

Bild 19 19
Wieder ein Nachschuss, der mir aber wichtig erschien, da 470 445 ein rotes (altes) DB-Logo trägt, was ich bisher an keinem anderen umlackierten Zug gesehen hatte.

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Ich befand mich bereits auf der anderen Seite der Pz-Strecke, als ein weiterer Nachschuss auf eine S-Bahn unvermeidlich wurde:
Am Zugschluss einer S21 nach Pinneberg hing der 472 048 mit "Adler"-Werbung in diesem grässlichen, aber sicher gewollt auffälligen pink-rosa.Farbton.

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Nun wurde es aber langsam Zeit, sich um den normalen Zugverkehr zu kümmern, schließlich war ich deshalb hierhergekommen.
Den Auftakt machte die Lübecker 218 486 mit dem P4640 nach Elmshorn; leider ein Schieber mit Steuerwagen nach Norden, so dass wieder nur ein Nachschuss dabei herauskam.

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Es folgte E3566 nach Kiel mit der altroten 218 175, dieses Mal richtig herum.

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Ein kurzes Stück die Strecke entlang und endlich war ich genau da, wo ich hingewollt hatte.
Direkt gegenüber der S-Bahn Station Diebsteich (i. Hintergrund) sehen wir 103 240, die soeben den Wagenpark für den IC639(?) "Kommodore" in den Bahnhof Altona schiebt.

An dieser Stelle eine kurze Erläuterung zur Betriebsabwicklung in Altona für die "Nicht-Hamburg-Kundigen"; Die im Kopfbahnhof Altona endenden Züge werden, nachdem alle Fahrgäste ausgestiegen sind, i.d.R. von der Zuglok in den Bbf Langenfelde geschoben. Der letzte Wagen, jetzt die Zugspitze, ist dabei mit einem Rangierer besetzt, der die geschobene Fahrt von der Spitze aus beobachtet und dem Lokführer per Funk die notwendigen Fahranweisungen gibt. Ein einfaches, mobiles, an den Bremsschlauch des letzten Wagens angeschlossenes Handventil ermöglicht ihm, auch selber direkt die Bremse zu bedienen.
Das gleiche Prozedere in umgekehrter Richtung erfolgt bei den in Altona beginnenden Zügen, wie hier bei dem IC mit 103 240.

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Die Eidelstedter 114 498 ist als Lz auf dem Weg in Richtung Altona.

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Nanu, mit einem sechsachsigen Kraftprotz hatte ich hier gar nicht gerechnet: Mit einem gemischten Güterzug rumpelt die Nürnberger 150 064 gen Süden.
Der vorn eingereihte, frisch lackierte Hilfszugwagen und die folgenden Bauzugwagen könnten aus dem AW Neumünster kommen und sich auf Überführung in ihre Heimat-Dienststellen befinden.

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Während der Güterzug noch langsam vorbeirollt, schiebt von hinten 103 169 einen Leerpark nach Langenfelde, bei dem es sich um den IC639 "Roland" gehandelt haben dürfte.

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Quer über alle Gleise ließ sich auch die S-Bahn ablichten, wenn auch nur hinter einer reichen Auswahl an Masten aller Größe und Art. Deshalb blieb es bei dieser einen Aufnahme einer Doppeleinheit auf der S21 mit führendem 470 422.

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Daran musste man sich so langsam gewöhnen: Orientrot mit Lätzchen: 218 125, die hier den Leerzug aus E3747 nach Langefelde schiebt, trägt diese Farbgebung bereits seit gut einem Jahr.

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Auch die Eidelstedter 140 748 ist bereits orientrot. Ausnahmsweise wird hier die Leergarnitur von einer separaten Lok in den Bahnhof Altona geschleppt und die eigentliche Zuglok setzt sich erst dort vor die Wagen. Nachträglich rekonstruiert handelt es sich den Lr für D2787 nach München.

So wie in den ersten zwanzig Minuten ging es die nächsten zwei Stunden weiter – Zugfahrt auf Zugfahrt im Minutentakt. Neben weiteren Baureihen waren auch etliche interessante Züge dabei – davon ggfs. später mehr.

Die Tatsache, dass ich mich fast drei Stunden lang völlig ungehindert auf nichtöffentlichem Gelände an den Gleisen aufhalten konnte, war damals so ungewöhnlich nicht. Während dieser Zeit haben mich zig Lokführer, Zugpersonale, Stellwerker u.a. gesehen und z.T. sogar freundlich zurück gegrüßt. Und keiner hielt es für nötig, die Bahnpolizei zu alarmieren, was ich durchaus in Betracht ziehen musste. Aber selbst wenn: die hätte mir im schlimmsten Fall 20 DM abgeknöpft und mich des Feldes verwiesen.
Heute dagegen stellt sich die Situation völlig anders dar: Spätestens der zweite Tf (oder irgendein Depp/Wichtigtuer auf dem S-Bahnsteig) würde sein Handy zücken und eine "Person im Gleis" melden. Das hätte zur Folge, dass sofort der komplette Zugverkehr eingestellt, die BuPo alarmiert und das Gelände gründlich abgesucht würde. An DER Stelle hätte das möglicherweise bundesweite Auswirkungen auf den Zugverkehr und würde für den Verursacher, falls er denn erwischt wird, extrem teuer.

Ich warne deshalb dringend vor Nachahmung und bitte darum, das damalige Vorgehen nicht mit heutigen Maßstäben zu beurteilen.

Manchmal waren die alten Zeiten tatsächlich auch gute Zeiten …

Bis die Tage,
Ulrich B.

Hamburg-Diebsteich vor 25 Jahren – Fortsetzung
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 31.10.2016

Im ersten Teil meines Beitrags über den DB-Alltag in Hamburg vor 25 Jahren hatte ich davon berichtet, dass mich die Bahnanlagen an der S-Bahn Station Hamburg-Diebsteich schon seit längerer Zeit gereizt hatten und ich dort unbedingt einmal fotografieren wollte. Die Gelegenheit dazu ergab sich am 24.05.91. Nach einem Kurzbesuch im Bw Eidelstedt war ich tatsächlich in Diebsteich auf der richtigen, sprich westlichen Seite, angelangt. Das war gar nicht so "verwegen", wie von einigen vermutet. Denn um zu dem schmalen Geländestreifen zwischen der Fernbahn Altona – Elmshorn und den tieferliegenden Betriebsgleisen zu gelangen, brauchte man auf dem von mir gewählten Weg von Norden her nicht ein einziges Gleis zu überschreiten! Die Überquerung der Gleise nach Langenfelde erfolge nämlich über die Brücke der Fernbahn, an der es einen genau dafür vorgesehenen, gesicherten Fußgängersteg als Dienstweg gab.

Von meinem Standpunkt am Hang der Fernbahn behielt ich stets auch das Hauptsignal direkt vor der Brücke im Auge, so dass ich bei nordwärts fahrenden Zügen rechtzeitig vorgewarnt war.

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Deshalb entging mir auch nicht der E3768 nach Kiel, bespannt mit der orientroten 218 110.
Im Hintergrund die S-Bahn Station Diebsteich und das Stellwerk "An" (Altona Nord), dessen Personal mich die ganz Zeit im Blickfeld hatte, ohne sich an meinem Aufenthalt zwischen den Strecken weiter zu stören.

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Nur Freitags verkehrte der D2826 von Hamburg Hbf nach Westerland, der Altona im Sinne des Wortes links liegen ließ und gleich nach Norden abbog. Zuglok am 24.05.91 war 218 109.

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Lz 120 127 Richtung Altona – ist das vielleicht die Lok für den kurz zuvor von 140 748 in den Bahnhof überstellten IC-Wagenpark (Bild 29. Teil1)?

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Endlich eine 103 in den richtigen Farben: 103 192 mit Schieber nach Langenfelde, vmtl. aus EC78 "Helvetia".

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Zur Aufnahme der 114 499 habe ich mir leider keine genaueren Notizen gemacht. Die nicht eingeschalteten Rotlichter und die Fahrt auf dem vorletzten Gleis deuten allerdings darauf hin, dass die Zugfahrt an Altona vorbei direkt in Richtung Hauptbahnhof geht. Infrage käme etwa der in Dammtor beginnende E3320 nach Osnabrück.

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Nanu, wieder eine Zugfahrt auf der Pz-Strecke, da war doch um diese Zeit eigentlich gar nichts zu erwarten. Vorsichtshalber in Stellung gegangen und richtig:
Ein ICE, an der Spitze 401 507, fährt zum ICE-Bw. Unmittelbar vor der Betriebsaufnahme der NBS (am 02.06.91) fanden zahlreiche Fahrten über die Gesamtstrecke im Vorlaufbetrieb zur Personalschulung statt, m.W. ohne Fahrgäste.

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Über die Verbindungsbahn direkt nach Eidelstedt (und weiter?) geführt wurde dieser mit 218 102 bespannte Güterzug.

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132 in Überstelldiensten zwischen Kopfbahnhof und Wagenwerk gab es auch in München. Die 132 in Hamburg waren jedoch ein ganz anderes Kaliber.
Die Reichsbahn 132 230 schiebt hier einen Zug nach Altona, mit dem sie um 17:18 Uhr als D337 nach Berlin dieseln wird.

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Ab Frankfurt hatte 103 201 den IR1776 aus Konstanz am Haken, den sie nach vollendeter Fahrt nun rückwärts nach Langenfelde drückt.

Bild 39 39
Mit einem Ganzzug aus H-Wagen bollert ein weiterer, mit 218 104 bespannter Güterzug nach Süden; logischerweise an Altona vorbei direkt in Richtung Sternschanze / Hauptbahnhof.

Bild 40 40
Schade, dass dieser schöne Zug auf dem vorderen Gleis kam: 110 304 schiebenderweise mit TUI-Zug nach Langenfelde.

Bild 41 41
Eine recht kurzlebige Zuggattung war der GEP. Das waren spezielle, relativ schnelle Güterzüge für den Expressgutverkehr.
Ein solcher fuhr mir erstmals in Diebsteich mit der blau/beigen 218 261 vor die Kamera.

Bild 42 42
Hier ist (dank der DSB-Wagen) alles klar: 218 281 mit dem Leerpark für D435. Für diese Aufnahme wurde auch das Formsignal ins Bild genommen – Beleg dafür, dass die Überstellfahrten betrieblich als Zugfahrt und nicht als Rangierfahrt abgewickelt wurden.

Bild 43 43
Mit zwei "Dreibeinen" ist der einzelne Autotransportwagen sicher ausreichend motorisiert. Vorn 360 136

Bild 44 44
… und hinten 360 374. Meine Vermutung, dass es sich hier um die Zuführung der Ladung zu einem Autoreisezug handelt, kollidiert allerdings mit der Beobachtung aus früheren Jahren, dass die Autoverladung in Altona direkt am Bahnsteig erfolgte. Wurde das vielleicht irgendwann mal geändert?

Bild 45 45
Weit konnte der GEP-Zug von Bild 41 nicht gefahren sein, denn schon nach kurzer Zeit kam 218 261 als Lz wieder zurück.
Nachdem sich Orientrot bei den 218 rasend schnell auszubreiten schien, wurde auch bei einer Lz draufgehalten.

Bild 46 46
So langsam hatte sich das Licht soweit gedreht, dass auch bei einem Blick in Richtung Süden (Altona) die Lokfront nicht mehr total verschattet war. Man sieht’s hier bei 218 125 und der Leergarnitur für den E3574 nach Kiel.

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132 425 hatte den D336 nach Altona gebracht und brummt jetzt Lz Richtung Langenfelde/Eidelstedt.

Bild 48 48
Volle Dröhnung: Mit geballter Diesel-Power beschleunigen 218 182 und 218 281 den schweren D435 nach Åarhus aus Altona heraus in Richtung Norden. Sehr schön, dass sich noch eine zweite und zudem altrote 218 vor den Zug gesetzt hatte (vgl. Bild 42).
Erst jetzt beim Schreiben fällt mir das Ziffern-Palindrom bei den Betriebsnummern auf (1-8-2 bzw rückwärts 2-8-1) – aber das ist wohl nur etwas für Nummern-Fetischisten ;-))

Bild 49 49
Ein Bm und ein Bpmz ergeben keinen vollständigen Zug. Aber wenn es nur eine Einzelwagen-Überstellung ist, wie erklärt sich dann die Fahrt auf dem vorderen Gleis mit schiebender 110 321?

Bild 50 50
Schon wieder ein GEP, dieses Mal mit der altroten 218 158, deren Farb-Zustand allerdings schon ziemlich unansehnlich ist.
Die beiden GEP-Züge von Bild 41 und 50 kamen mit ziemlicher Sicherheit aus Westerland bzw. Kiel, Aber who is who?.

Bild 51 51
An diesem Tag waren erfreulich viele blaue Bügelfalten unterwegs. Dazu gehörte auch die 110 304, als Lz in Richtung Hbf unterwegs.

Bild 52 52
Angesichts der dunklen Wolken, die sich über den Nachbau-112 zusammenzogen, waren mir diese jetzt als Baureihe 114 eingegliederten Loks fast noch lieber als blaue 110.
Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als 114 492 mit dem Lr aus E3228 vorbei schob.

Bild 53 53
Mit so vielen Güterzügen hatte ich an dieser Stelle gar nicht gerechnet: Die Osnabrücker 140 698 mit einem "Gemischten" auf dem Weg nach Eidelstedt.

Bild 54 54
Nach 110 299 (im Bw Eidelstedt, Bild 9/Teil 1) gab sich auch die zweite ex-Schnellfahr-E10 die Ehre: 110 300 mit dem Lr für E3233, bereit zum Einrücken nach Altona.

Bild 55 55
Weniger häufig als erwartet ließen sich die damals beim Bw Nürnberg Rbf beheimateten 120 sehen, so dass die 120 104 mit ihrem Lr aus IC784 "Wetterstein" eine willkommene Abwechslung war.

Bild 56 56
Zum Abschluss noch eine orientrote Bügelfalte. Ich hätte das Bild gar nicht gezeigt, hätte 110 371 nicht einen der auffälligen TUI-Züge am Haken, den sie gerade zur Abfahrt in den Bahnhof Altona schiebt.

Für mich war jetzt die Zeit zum Abflug gekommen. Ein letzter Gruß hinüber zum Stellwerk, dann durch den Fußgängertunnel zur S-Bahnstation Diebsteich, kurze S-Bahn Fahrt nach Altona, Koffer aus dem Schließfach geholt und ab nach Hause.

Mehr als 30 Bilder von derselben Fotostelle waren jetzt hoffentlich nicht zu viel des Guten. Und dabei habe ich noch nicht einmal alle Bilder gezeigt, die in den gut zweieinhalb Stunden in Diebsteich entstanden. Aber mir ging es in diesem Beitrag auch darum, die Menge und Vielfalt des hier erlebbaren Bahnbetriebs zu zeigen. Vom Güterzug über TUI und DR bis zum ICE war alles vertreten. Und dabei sind mir (inclusive des Bw-Kurzbesuchs in Eidelstedt) immerhin 15 verschiedene Baureihen vor die Flinte gekommen, ganz zu schweigen von den verschiedenen Farbgebungen und Ganzreklamen. Alles in allem ein wirklich sehr ergiebiger "after-work-fuzz", wie es heute in den aktuellen Foren heißt.

Abschließend ist eigentlich nur noch zu bemerken, dass genau hier, an "meiner" Fotostelle in Diebsteich, der neue Durchgangsbahnhof Hamburg-Altona entstehen soll. Ob ich den noch erlebe, weiß ich nicht, aber vorher wieder hierkommen: bestimmt nicht.

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.

PS: Korrekturen und Ergänzungen zu den allesamt erst nachträglich ermittelten Zugnummern sind jederzeit willkommen.