Weihnachtsdampf Bebra – Hönebach vor 45 Jahren
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 22.12.2017

Vor fünf Tagen hatte Reinhard G. hier einen sehens- und lesenswerten Beitrag über seine Tour nach Bebra am 23.12.67 eingestellt - Bebra-Hönebach vor 50 Jahren: Sauwetter und viel Dampf. Fünf Jahre später war ich ebenfalls zur Weihnachtszeit dort; und wie ich inzwischen weiß, etliche andere auch, u.a. Reinhard.
Das brachte mich auf die Idee, meinen Beitrag vom 22.12.2004 noch einmal zu zeigen – nach 13 Jahren ist das sicher zulässig, zumal der Beitrag für sich selbst damit schon die Zehn-Jahres-Regel für das HiFo erfüllt ;-))

Der Text wurde weitgehend unverändert gelassen, nur ergänzt um die zwischenzeitlich geklärten offenen Punkte im ursprünglichen Beitrag. Die Bilder dagegen wurden alle überarbeitet und in der Größe angepasst (so werden sie jetzt auch in dem alten Beitrag angezeigt).

Auf den Tag genau 45 Jahre ist es nun her, dass ich bei herrlichstem Winterwetter zusammen mit einem Kollegen von der TU Hannover noch einmal vor-weihnachtlichen Dampf an der Hönebacher Rampe schnuppern konnte. Als wir uns damals immer hart an der Grenze zur DDR bewegten, ahnten wir noch nicht, welche Bedeutung der am Tag zuvor, also am 21.12.1972 unterzeichnete Grundlagenvertrag einmal haben würde. Dieser zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR geschlossene Vertrag bildete den vorläufigen Abschluss der Brandt’schen Ostpolitik. Mit den diversen Ostverträgen wurde der eiserne Vorhang durchlässiger für Menschen und Ideen und damit ein Grundstein dafür gelegt, dass wir 18 Jahre später die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands feiern konnten. Einen Interzonenverkehr mit menschenverachtenden Grenzkontrollen gibt es seitdem zum Glück nicht mehr (Dank an Reinhard für den Hinweis auf das geschichtsträchtige Datum).

Doch zurück zu unserer Tour und meinem Beitrag von vor 13 Jahren:

Nachdem ich fast vier Jahre lang kostenbedingt das Fotografieren in Farbe nahezu ganz eingestellt hatte und nur noch schwarz/weiß unterwegs war, konnte ich mir gegen Ende des Jahres 1972 dank eines glücklich ergatterten HiWi Jobs an der Uni endlich eine zweite Kamera und in der Folgezeit auch wieder Diafilme leisten. Meine erste Tour in der neuen Farb-Ära führte mich genau heute vor 45 Jahren, also am 22.12.72, an die Strecke Bebra - Hönebach.

Diese Strecke war unter den Fans dafür bekannt, dass hier im grenzüberschreitenden Verkehr mit der DDR die ölgefeuerten Rekoloks der Baureihe 01.5 vom Bw Erfurt eingesetzt wurden. Und so kurz vor Weihnachten verkehrten zusätzlich einige Extrazüge, so dass eine höhere Foto-Ausbeute zu erwarten war.

Früh am Morgen bei winterlichen Straßenverhältnissen in Hannover gestartet, erreichten wir die Strecke gerade noch rechtzeitig zum ersten fotografierbaren Zug. Die feuchte Kälte hatte alles mit einer weißen Reifschicht überzogen.

Bild 01 

Noch bevor das Licht so richtig da war, kachelte 01 0533 mit dem Vorzug D10207 die Rampe zum Hönebacher Tunnel hinauf.

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Bild 02 

Kurze Zeit später und mit den ersten Sonnenstrahlen folgt 01 0529 mit dem Planzug D207. Inzwischen hatten wir uns am einschlägig bekannten "Belloblick" kurz vor dem Tunnel postiert.

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Und dann wurde es spannend. Mein Begleiter, ein an die Uni abgeordneter Bundesbahner, wollte den nächsten Zug bei der Einfahrt in den Tunnel filmen. Gesagt, getan. In der ersten Nische hinter dem Tunneleingang erwarteten wir D1099 im Tunnel. War das ein Erlebnis! Wie die Lok in den Tunnel hinein stampfte, das Brüllen des Auspuffschlags, der Rauch, der einem im ersten Augenblick fast den Atem nahm und dann noch minutenlang jegliche Sicht. Sicher nicht ganz legal, aber einfach phantastisch.

Bild 03 

01 0519 mit D1099 kurz vor dem Tunnel – und …

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Bild 03a 

… unmittelbar im Tunnelportal (Bild ergänzt, Nummer seinerzeit von Reinhard beigesteuert).

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Als wir dann irgendwann wieder etwas sehen konnten und aus dem Tunnel heraus waren, blieb keine Zeit mehr für einen Ortswechsel, auch wenn das Licht nicht richtig in den Einschnitt vor dem Tunnel hinein kam. Doch bevor der erste Zug aus dem Osten kam, schickte die DB noch schnell zwei Güterzüge über die Strecke.

Bild 04 

Der erste bergwärts mit 216 104 vom Bw Kassel. Kaum war der Zug im Tunnel verschwunden, ...

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Bild 05 

... rollte aus der Gegenrichtung 216 101 mit einem Kalizug aus Gerstungen zu Tal.

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Bild 06 

Dann aber endlich wieder eine 01 – und was für eine. 01 0507 war eine der letzten 01.5 mit Boxpok Treibrädern. Mit D2100 hat sie soeben den Tunnel verlassen und rollt nun ohne weitere Kraftanstrengung die Rampe hinunter bis an den Bahnsteig in Bebra.

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Bild 07 

Der nächste Zug aus dem Osten war D1098, bespannt mit 01 0526, den wir in der Nähe des Haltepunkts Obersuhl ablichteten.

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Bild 08 

Etwas westlich davon, ebenfalls bei Obersuhl, begegnete uns als nächster Zug der D198 mit 01 0528 an der Spitze. Das kalte Wetter zaubert eine wunderschöne Dampffahne über den Zug, auch ohne dass die Lok wirklich arbeiten muss.

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Bild 09 

Manchmal sind auch Nachschüsse reizvoll, besonders bei solchen Witterungsverhältnissen. Noch einmal D198 mit 01 0528.

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Letzter fotografierbarer Zug aus Bebra war der Gegenzug D199, für den wir uns wegen meines filmenden Begleiters in einer lang gestreckten Kurve bei Obersuhl postiert hatten.

Bild 10a 

Überraschend war der Zug mit 2 Loks bespannt, vorn unverkennbar die 01 0507, dahinter als Zuglok 01 0533.
Die Aufnahme des ganzen Zuges verliert sich ein wenig in der Weite der Landschaft und im Dunst der untergehenden Sonne. Deshalb hatte ich das Bild im Ursprungs-Beitrag weggelassen, zumal die Aufnahme einen schweren Makel aufweist.
Die kleine Hütte ganz rechts wurde bewusst als Bildbegrenzung ins Un-Motiv genommen, aber musste denn im letzten Moment noch ein kleiner Busch vor den Vorläufer der Vorspann-Lok springen ;-(

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Bild 10 

Da das Licht für den Zug ohnehin von hinten kam, erschien mir eine Seitenansicht der beiden Loks reizvoller - 01 0533 mit Vorspann 01 0507.

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Bild 11 

Im allerletzten Büchsenlicht gelang dann noch dieses Bild der 01 0530, die wir hier vor D1097 bei Obersuhl sehen.

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Nachdem ich meinen Begleiter in Bebra am Bahnhof abgesetzt hatte, ging’s nach Hause nach Wuppertal. Der Umweg hatte sich gelohnt und ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Frohe Weihnachten allerseits und auf ein gutes und friedliches neues Jahr,
Ulrich B.