Anfang des letzten Jahrhunderts benötigte die preußische Staatsbahn zur Bewältigung der ständig ansteigenden Zuglasten auf ihren steigungsreichen Mittelgebirgs-Nebenstrecken – vornehmlich in Thüringen und Schlesien – neue, kräftigere Lokomotiven. Gleichzeitig sollte auf vielen Strecken der altertümliche und aufwendige Betrieb mit Zahnradloks auf reinen Reibungsbetrieb umgestellt werden. Das führte zur Entwicklung der Baureihe T16, mit der auch in Preußen der Schritt zur fünffach gekuppelten Tenderlok vollzogen wurde.
Um eine gute Kurvenläufigkeit zu gewährleisten, griff die mit der Entwicklung beauftragte Firma BMAG vorm. L. Schwartzkopff auf eine Fahrwerksauslegung nach Gölsdorf zurück, bei der die Radsätze zwei und vier in Querrichtung fest im Rahmen gelagert sind, während der erste, dritte und fünfte Radsatz seitenverschiebbar ausgeführt sind. Die klassische Gölsdorf-Anordnung mit Antrieb auf der vierten Achse (und dadurch sehr langen Treib- und Kolbenstangen) wurde ab der 95. Lok (DR 94 263) dahingehend modifiziert, dass der Antrieb auf die nunmehr ebenfalls fest im Rahmen gelagerten dritte Kuppelachse verlegt wurde.
Die T16 entsprach den Erwartungen voll und ganz und so wurden zwischen 1905 und 1913 insgesamt 355 Loks beschafft. Von diesen gelangten 288 zur Deutschen Reichsbahn, die sie als 94 201 – 464, 468 – 490 und 501 einreihte.
Ab 1913 erschien als weiterentwickelte und verbesserte Version die T16.1, von der dann bis 1924 – ab 1920 auf Bestellung der Deutschen Reichsbahn – noch 1236 Maschinen gebaut wurden. Die DR übernahm davon 1155 Loks und gab ihnen die Nummern 94 502 - 1416 und 1501 – 1740 (letztere für die DR-Nachbauten ab 1920).
Neben dem schweren Nebenbahn- und Rangierdienst etablierte sich die T16.1/94.5 sehr bald als DIE Universal-Lok für den Steilstreckenbetrieb. Dafür wurden zahlreiche Maschinen mit einer Riggenbach’schen Gegendruckbremse ausgestattet.
Bei der Deutschen Bundesbahn verblieben nach dem 2. Weltkrieg fast 800 T16.1/94.5 (früheste konkrete Angabe 679 Loks am 1.7.50), von denen immerhin noch 198 in den Umzeichnungsplan für die ab 1968 geltenden neuen Nummern aufgenommen wurden. Im Streckendienst wurden die Loks nur noch auf den Steilstrecken im Schwarzwald und im oberhessischen Bergland sowie am Mittelrhein eingesetzt. Das Haupteinsatzgebiet war der schwere Rangierdienst, wo die alten Preußen erst durch die Serienlieferungen der Baureihe V90 ersetzt werden konnten.
Die lange Beschaffungs- und Einsatzzeit führte zu einer Vielzahl von Bauartunterschieden, von denen hier wie üblich nur die äußerlich sichtbaren behandelt werden. In der folgenden Übersicht sind zunächst alle betrachteten Bauartmerkmale aufgelistet. Angegeben sind dort neben der zu diesem Merkmal gezeigten Lok auch alle weiteren Maschinen (soweit bekannt), auf die dieses Merkmal zutrifft (nur DB, ab 1968).
Übersicht - Bauartmerkmale bei der Baureihe 94.5
Bild
Merkmal
Be
merkung / nachgewiesen bei
Dom-Anordnung und Vorwärmer
1
SD_S, Vorwärmer auf Kesselscheitel
094 149
Bauart 1913
2
DSDS, Vorwärmer seitlich links
94 1638
Bauart 1921
3
ohne Vorwärmer (späte DB-Zeit)
094 592
94
1308, 1315, 1373, 1592, 1596
4
abgeflachte Dome
94 891
94
891, 1307, 1373
5
flache Dome
94 1588
94
1041, 1588, 1651
6
Speise-Dom mit glatten "Kragen"
94 1184
94
770, 980, 1046, 1184, 1188, 1213, 1280, 1361, 1413, 1581,
1649, 1661, 1681, 1705
Speise-Dom mit Nietring
94
1268
Rauchkammer- / Frontgestaltung
7
Schornstein ohne Aufsatz
094 712
Regelausführung
8
Schornstein mit Aufsatz
094 567
Regelausführung
9
Zentralverschluss (> 1968)
94 1206
94
512, 869, 990, 1025, 1188, 1206, 1243, 1254, 1522
10
Zentralverschluss entfernt, tiefe Nummer
94 1268
94
834, 1043, 1153, 1268, 1344, 1638
Rk-Tür mit Stange, Nummer mittig
94 373
94
1001, 1163, 1373
11
gerader Rangierer-Griff, mit Ring
094 640
viele
12
einfacher Rangierer-Griff, mit Knauf
094 538
94
1522, 1538
zusätzlicher Rangierer-Griff a.Pufferbohle
094 639
94
585, 852, 931, 1150, 1250, 1638, 1639
Führerhaus
13
rundes Dach ohne Lüfteraufsatz
094 150
Bauart 1913
14
rundes Dach mit kleinem Lüfteraufsatz
94 512
94
512, 526, 587, 593, 980, 1199, 1545
15
rundes Dach mit großem Lüfteraufsatz
94 834
94
659, 834
16
Dach mit eingebauten Lüftungsklappen
94 937
Bauart 1921
17
gleich hohe Seitenfenster
94 526
94
526, 560, 566, 585, 586, 587, 659, 754, 591, 1308
1378, 1545
Kohlen- und Wasserkasten
18
ohne Kohlenkasten-Aufbau
094 112
659, 1001, 1041, 1064, 1112, 1149, 1150, 1152, 1153, 1250,
1360, 1536, 1543, 1582, 1594, 1597, 1614, 1615, 1616, 1642,
1654,
1668, 1697
19
KK-Aufbau aus Holz, trichterförmig
94 1213
94
1001, 1213, 1214
20
Kohlenkasten-Aufbau aus Holz
94 700
94
700, 587, 1199
21
geschweißter KK-Aufbau ohne Aufsatz
094 186
Regelausführung
22
geschweißter KK-Aufbau mit Brett
094 652
94
1533, 1652
23
geschweißter KK-Aufbau mit Aufsatz
94 734
Regelausführung
24
ohne Laufbrett hinter KK-Aufbau
94 560
94
560 (Einzelstück?)
25
Kohlenkasten-Unterbau ähnlich T14
094 584
94
587, 852, 1153, 1584, 1614, 1640, 1692
26
genieteter Wasserkasten (> 1968)
94 990
94
560, 990, 1025, 1522
27
Wasserkasten mit breiter Trittnische
094 559
94
1557, 1583, 1651, 1653, 1730
28
neuer, geschweißter Wasserkasten
094 041
94
585, 937, 1041, 1280, 1648
Beschilderung u. Beschriftung
29
alte Nummer, spitze Ziffern
94 931
94
852, 882, 931, 955, 980
30
alte Nummer, Nietschilder
94 1089
Regelausführung
31
falsche neue Nr., Nietschilder
94 373
94
041, 373, 545, 614
32
neue Nummer, aufgemalt
094 720
094
025, 062, 184, 536, 561, 562, 712, 720, 937
33
neue Nummer, Siebdruckschilder
094 583
Regelausführung ab 1969
34
ohne DB-Schriftzug oder Logo
094 581
Sonstiges
35
genieteter Steuerungsträger
94 1001
94
990, 1001, 1043, 1046
36
Gegendruckbremse
094 025
94
817, 1025, 1080, 1249, 1268, 1377, 1533, 1538, 1539, 1639,
1652
37
Rangierfunk auf Führerhaus-Dach
094 138
Regelausführung
38
Rangierfunk auf Podest vor Führerhaus
94 1378
94
882, 1361, 1378, 1557, 1567, 1588, 1614, 1644, 1737
39
ohne Glocke / Läutewerk
94 1360
94
882, 931, 1055, 1207, 1360, 1567, 1598, 1640, 1697, 1730
40
Turbogenerator rechts
94 1250
viele
41
Funkenflug-Schutzvorrichtung
94 1280
94
1280, 1378
Baureihe 94 in Farbe
42
rechte Seite
094 207
Regelausführung
43
linke Seite
94 1522
Regelausführung
Die zu den einzelnen Bauartmerkmalen genannten Betriebsnummern sind durch eigene Bilder und vertrauenswürdige Quellen sicher belegt; vor allem bei häufiger verbreiteten Merkmalen sind weitere Loks durchaus möglich. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Loks das betreffende Bauartmerkmal manchmal nur zeitweise aufwiesen - es ist also kein Widerspruch, wenn andere Bilder die jeweilige Lok in einem anderen Zustand zeigen!
Nicht als Bauartunterschiede erfasst sind die vielfach sehr individuell vorgenommene Leitungsverlegung am Kessel und die gerade bei dieser Baureihe häufigen "selbstgestrickten" Loknummernschilder (alte und neue Nummer).
Korrekturen und Ergänzungen sind wie immer jederzeit gerne willkommen.
Um die starke Verbreitung der Baureihe 94 über das gesamte Netz der DB zu dokumentieren, wurde bei der Bildauswahl bewusst darauf geachtet, möglichst viele Einsatz-Dienststellen zu berücksichtigen. Zu sehen sind so Loks von folgenden Bahnbetriebswerken: Braunschweig, Crailsheim, Dillenburg, Dortmund Rbf, Emden, Goslar, Hamm G, Heilbronn, Hohenbudberg, Hamburg Rothenburgsort, Hannover Hgbf, Köln Eifeltor, Kaiserslautern, Koblenz Mosel, Lehrte, Mannheim, Mayen, München Ost, Ottbergen, Saarbrücken, Stolberg, Wanne-Eickel und Wuppertal Vohwinkel.
Bilder aus dem Betriebseinsatz der Baureihe 94.5 bei der DB finden sich in
- der Galerie Das Bw Dillenburg und seine Steilstrecken-94 und
- im DSo-Beitrag Rbf Wuppertal Vohwinkel – 94.5 am Berg
Dom-Anordnung und Vorwärmer
Rauchkammer und Frontpartie
Fuehrerhaus
Kohlen- und Wasserkasten
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22
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Mit einem kleinen Brett an der Rückwand des Kohlenkasten-Aufbaus konnten schon wieder ein paar Schaufeln Kohle mehr geladen werden. Aufnahme: 094 652-5 (ex 94 1652, Dil), Breidenbach, 20.09.69. |
Beschilderung und Beschriftung
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31
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Das neue, EDV-gerechte Nummernsystem galt bei der DB offiziell ab 01.01.68. Bis die Dampfloks tatsächlich umgezeichnet waren, dauerte es jedoch bis weit ins Jahr 1969. Besonders "kreativ" zeigte sich das Bw Hannover Hgbf bei der vorgezogenen Umzeichnung seiner Lokomotiven: Man verzichtete auf die vorgestellte "Null" bei der Baureihe und auf die Kontrollziffer, und verstümmelte bei vierstelligen Betriebsnummern die Nummer durch Entfernen der Tausenderziffer (s.a. DSo-Beitrag "Eine 94.0 in Hannover". Aufnahme: 94 373 (richtig 094 373-8, ex 94 1373, HvG), Bw Hannover Hgbf, 09.05.69. |
Sonstiges
die Baureihe 94.5 in Farbe
Abschließend möchte ich noch einmal ausdrücklich den Fremd-Bildautoren danken, die mit der Bereitstellung ihrer Aufnahmen zur Vervollständigung dieser Seite beigetragen haben (in alphabetischer Reihenfolge):
- Helmut Philipp
- Herbert Schambach
Literaturquellen
| [1] | Hansjürgen Wenzel Die Baureihe 94 2. Auflage Eisenbahn-Kurier Verlag, Freiburg, 1980 |










































