Mit dem ab Sommer-Fahrplan 1962 eingesetzten "neuen" Rheingold setzte die DB Maßstäbe im internationalen Fernverkehr, sowohl was den angebotenen Komfort betraf, als auch die erreichte Reisegeschwindigkeit. Erstmals nach dem Krieg wurde wieder planmäßig eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h ausgefahren. Dafür brauchte man geeignete Lokomotiven, die zudem mit einem ansprechenden Äußeren dem repräsentativen Anspruch dieses Zuges gerecht werden sollten.
Eine Neuentwicklung kam angesichts der geringen Stückzahl nicht in Frage. Vielmehr bot es sich an, die in Serienproduktion befindliche Schnellzuglok Baureihe E10.1 entsprechend zu adaptieren. Bei ansonsten unverändertem Lokkasten bestanden die wesentlichen Änderungen in:
- Neugestaltung der Frontpartie mit leichter Pfeilung ("Bügelfalte"),
- zusätzliche kleine Führerstands-Seitenfenster,
- Pufferverkleidung und Schürze,
- durchgehendes Lüftergitterband,
- Drehgestelle Bauart Henschel mit Wiegenabstützung, wie unter E10 184 erprobt u. später in E10 (1)244 eingebaut,
- Getriebeübersetzung für vmax = 160 km/h,
- Lackierung in den neuen Rheingold-Farben kobaltblau/beige (RAL 5013/1001).
Die sechs derart modifizierten Lokomotiven wurden zur besseren betrieblichen Unterscheidung mit einer "1" vor der Betriebsnummer gekennzeichnet. Damit war die (Unter-) Baureihe E10.12 mit den Nummern E10 1265 - 1270 entstanden, aus der ab 1968 mit Einführung der neuen Nummern die Baureihe 112 wurde.
Eine kurze technische Beschreibung der Baureihe E10.12, herausgegeben vom Bundesbahn Zentralamt München, ist durch einen Klick auf das nebenstehende Vorschaubild abrufbar (Wiedergabe in der Bundesbahnzeit mit freundlicher Genehmigung durch die Deutsche Bahn AG). Auf weitere technische Einzelheiten soll hier aus Platzgründen nicht eingegangen werden. Stattdessen verweise ich auf die am Schluss der Seite aufgeführte Literatur [1] - [4]. Auch im Internet gibt es Seiten über die Baureihe 112 mit vielen Bildern und Informationen [5], [6].
Als Unterbaureihe der E10 wies die E10.12 eine Vielzahl von gleichen Bauteilen mit den Baureihen E10, E40, E41 und E50 auf, was eine kostengünstige Beschaffung und Unterhaltung ermöglichte. Zusammen mit diesen bildet sie die Familie der Einheits-Elloks. Deren Technik basiert auf den Erfahrungen und Ergebnissen, die mit den fünf Probe-Lokomotiven Baureihe E10.0 gewonnen wurden - siehe auch Galerie "E10.0 - Die Prototypen".
Da die DB eine Entscheidung über die endgültige Ausführung der E10.12 immer weiter hinauszögerte, zeichnete sich frühzeitig ab, dass die Loks nicht rechtzeitig zum Start des neuen Rheingolds fertig würden. Als Zwischenlösung erhielten deshalb die gerade in der Fertigung befindlichen Serienloks E10 239 - 244 die Rheingold-Lackierung und eine Getriebeübersetzung für vmax = 160 km/h. E10 244 erhielt bei dieser Gelegenheit auch die überarbeiteten Henschel Versuchs-Drehgestelle aus E10 184. Bereits hier erfolgte die Kennzeichnung des besonderen Verwendungszwecks durch eine "1" vor der Betriebsnummer, so dass sich die Nummern E10 1239 - 1244 ergaben. Nach Ablieferung der eigentlichen Rheingold-Loks wurden die Provisorien umgehend wieder in normale E10 zurückgebaut (incl. Lackierung in blau). E10 244 behielt allerdings ihre Henschel-Drehgestelle (siehe Bauartunterschiede BR 110, Bild 27), wobei unklar ist, ob mit oder ohne Getriebeübersetzung für vmax = 160 km/h - die zulässige Geschwindigkeit war jedenfallls auf den 110-üblichen Wert von 140 km/h begrenzt.
Der große Erfolg des neuen "Rheingold" veranlasste die DB, ein Jahr später auch den Korrespondenz-Zug "Rheinpfeil" auf das neue Wagenmaterial umzustellen. Hierfür wurden fünf weitere Loks eingeplant. Aber wieder erfolgte die endgültige Entscheidung so spät, dass eine rechtzeitige Lieferung nicht mehr möglich war. So mussten erneut fünf Loks aus der laufenden Serie als Provisorium herhalten, und zwar E10 250 - 254. Neben einer Lackierung in den Rheingold-Farben und einer Getriebeübersetzung für vmax = 160 km/h erhielten dieses Mal alle 5 Loks die Henschel Drehgestelle. Im Gegensatz zu den provisorischen Rheingold-Loks behielten die Loks allerdings ihre dreistellige Betriebsnummer. Noch während der Auslieferung der E10.13 begann man mit dem Rückbau der Loks in die Normalversion.
Rückblickend drängt sich der Eindruck auf, dass damals etwas planlos (um nicht zu sagen chaotisch) agiert und entschieden wurde. Wie sonst ist es erklärlich, dass E10 254 am 03.05.63 als erste provisorische Rheinpfeil-Lok abgenommen wurde, nachdem nur sechs (!) Wochen zuvor der Rückbau der letzten vorläufigen Rheingold-Lok abgeschlossen worden war (E10 244 am 25.02.63) ?
Im Oktober 1963 begann die Auslieferung der Loks für den Rheinpfeil, E10 1308 - 1312. Der einzige, aber optisch durchaus markante Unterschied zur E10.12 bestand in der umlaufenden Griffstange unter den Frontfenstern und dem zugehörigen Trittrost an der Rahmenoberkante. In diesem Detail entsprachen sie damit der E10.1 Regelausführung, für die ab E10 288 ebenfalls der "Bügelfalten"-Kasten übernommen worden war.
Um den sich ständig ausweitenden Bedarf an schnellfahrenden Lokomotiven für den TEE- und F-Zug Verkehr abdecken zu können, wurden in einer 3. Serie noch einmal 20 Loks bestellt; Auslieferung ab Februar 1968, alle Loks bereits in TEE-Farben rot/beige und mit neuer Nummer als 112 485 - 504. Im Unterschied zu den E10.12/13 wurden die 112.4 zwar mit einer Getriebeübersetzung für vmax = 160 km/h, aber ansonsten normalen Drehgestellen ausgerüstet. Diese Sparsamkeit bei der Beschaffung sollte Folgen haben.
Die einfachen Drehgestelle waren den hohen Belastungen infolge größerer Fahrgeschwindigkeiten (als bei der BR 110) dauerhaft nicht gewachsen. Schon nach rund 15 Einsatz-Jahren zeigten sich solche Verschleißerscheinungen, speziell an den Antrieben, dass sich die DB im Oktober 1985 gezwungen sah, die zulässige Höchstgeschwindigkeit der 112.4 auf 140 km/h abzusenken. Um eine eindeutige betriebliche Unterscheidung zu den anderen, nach wie vor für vmax = 160 km/h zugelassenen Loks der BR 112.2/3 zu gewährleisten, erfolgte zum 01.01.88 die Umzeichnung in die neue Baureihe 114 unter Beibehaltung der Betriebsnummern.
Doch damit waren die Probleme nicht gelöst. Trotz nochmaliger Herabsetzung der vmax auf 120 km/h im November '92 nahmen die Schäden weiter zu und führten schließlich zur Abstellung der gesamten Baureihe 114 am 12.03.93. Da gleichzeitig ein Bedarf an Güterzug-Elloks mit elektrischer Bremse bestand, wurde unter Ausnutzung der weitgehenden Baugleichheit der Einheits-Elloks 110, 114, 139 und 140 ein geschickter Ringtausch von Komponenten vorgenommen: Die 114 erhielten "gebrauchte" Drehgestelle von Loks der BR 110 (2 Unfall-110.3, sonst nur Kastenloks) und wurden somit selbst zu Loks der Baureihe 110. Die Spenderloks der BR 110 wiederum erhielten ersatzweise Drehgestelle von Loks der BR 140, deren Kästen wegen Korrosions- und/oder Unfallschäden nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand reparabel gewesen wären. Da sie wie alle 110.1 mit elektrischer Bremse ausgerüstet waren, wurden sie mit dem Drehgestell-Tausch zur Baureihe 139 (unter Beibehaltung der Betriebsnummern). Verschrottet wurden letztlich die Drehgestelle der 114 und die Lokkästen der 140.
Eine Aufstellung sämtlicher Abnahme- und Umbaudaten der BR E10.12/112/113/114 findet sich in der nebenstehenden Übersicht, wobei die Daten der einschlägigen Literatur entnommen sind.
Bei einer Gegenüberstellung der Rückbautermine der E10 1239 ff mit den Indienststellungsterminen der E10 1265 ff stellt man fest, dass im Zeitraum zwischen dem 05.10.62 (Beginn Rückbau E10 1240) und dem 29.10.62 (Abnahme E10 1265) nur vier Loks dem Betrieb zur Verfügung standen; zwischen dem 26.10 und 29.10.62 waren es sogar nur 3 Loks!
Um ein wenig Ordnung in die Vielzahl der Varianten zu bringen, beginne ich mit einer Übersicht der betrachteten Bauartmerkmale. Angegeben sind neben der als Beispiel gezeigten Lok auch alle weiteren bekannten Loks, auf die dieses Merkmal zutrifft. Auf die Präsentation aller im Laufe der Betriebszeit zu beobachteten Kombinationen von Merkmalen wird weitgehend verzichtet, um den Umfang dieser Seite in Grenzen zu halten.
Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, dass auf dieser Seite nur die Loks der Baureihen 112, 113 und 114 betrachtet werden. Die durch Umbau der 114 entstandenen Loks der BR 110 sind bei den Bauartunterschieden Baureihe 110 erfasst.
Grundsätzlich basiert diese Seite auf der Darstellung der Bauartunterschiede bei der Baureihe 110.1. Gleiche Reihenfolge der Merkmale und z.T. dieselben Formulierungen sind beabsichtigt, um Quervergleiche zu erleichtern.
Übersicht - Bauartmerkmale bei der Baureihe 112 / 113 / 114:
Bild
Merkmal
Beispiel
Bemerkung / nachgewiesen bei
Lieferzustand
1
Provisorium I
E10 1242
1239 - 1244
2
E10.12
E10 1270
1265 - 1270
3
Provisorium II
E10 253
250
- 254
4
E10.13
E10 1308
1308 - 1312
5,6
112.4
112 485
485 - 504
Umbauten, Umzeichnungen
7
Umzeichnung in BR 113
113 266
265 - 270; 308 -
312
8
Umzeichnung in BR 114
114 491
485 - 504
9
Umbau in BR 110
110 493
485 - 504
Farbgebung und Beschriftung
10
rot/beige, Farbschema 1969 (r/b1)
E10 1266
alle 112.2/3/4
11
rot/beige, Farbschema 1969 (r/b1), o.Schürze
112 487
alle 112.2/3/4, 113 311 (als
einzige 113)
12
rot/beige, Farbschema 1976 (r/b2)
112 502
alle 112.2/3/4 außer 311,
alle 113, alle 114
13
rot/beige, Farbschema 1976 (r/b2), rote
Puffer
114 487
487 (Einzelstück)
14
orientrot (r/w), reguläre Ausführung
113 269
114268, 269, 310
498
15
orientrot (r/w), mit grauem Dach
113 308
270, 308, 312
16
verkehrsrot (vr)
113 267
267, 268, 270, 309
17
neue Nummer mit spitzen Ziffern
112 499
490, 493, 494, 495, 499
Drehgestelle
18
Flexicoilfeder-Drehgestelle
112 486
486, 490
Stromabnehmer
19
DBS 54 m. Wanischwippe B15
112 497
497, 498
20
DBS 54 m. ETK-Wippe u. Oberscherendämpfung
112 499
496, 499, 500, 504
Lüftungsgitter
21
Bauart Klatte, 1.Bauform verlängert,
mit Lücken
112 499
497, 499
22
Bauart Klatte, lang
114 498
r/b1: 3 Loks; r/b2: 25 Loks; vr: 113 267
23
Bauart Klatte, kurz
112 491
r/b2: 8 Loks; r/w: 7 Loks; vr: 3 Loks
24
Doppel-Düsen-Lüftungsgitter
113 311
112 311; 113 311
Maschinenraumfenster
25
feststehendes Fenster, nicht zu öffnen
113 309
309 (Einzelstück)
26
Bauart Klatte
114 502
Dachrinne
27
r/b1, Blech-Dachrinne, ohne Griffstange
112 268
268, 270
28
r/b1, ohne Dachrinne, mit kurzer Gummileiste
112 308
308
29
r/b1, seitlich Dachrinne, v+h kurze Gummileiste
112 311
268, 311
Griffstangen und Sprechverbindung
30
Griffstange und UIC-Steckdose/-Auftritt
112 311
308, 311 (nur hi.), 487, 490,
491
31
ohne Griffstange, mit UIC-Steckdose/-Auftritt
112 489
32
unterer UIC-Griff horizontal
112 496
113
114266, 268, 270, 309, 310, 489,
493, 495, 496, 500
dito
dito
Front-Logo
33
r/b2 mit DB-Gussschild
112 492
486, 490, 492
34
aufgeklebtes, rotes DB-Logo
114 503
35
aufgeklebtes, schwarzes DB-Logo
112 308
308 (Einzelstück)
36
DBAG-Logo
113 309
alle ab 01.04.1994
sonstige Änderungen im Frontbereich
37
weiße Fensterrahmen aus Kunststoff
114 488
38
ohne ZEV-Kabel (2x Steckdose)
112 266
alle 112.2/3, 112 494; alle 113; 114 487, 494, 495
39
Vorbereitung Einbau automatische Kupplung
112 494
112 494; 113 269; 114 494
40
ohne Pufferverkleidung, mit Schürze
112 312
312, 501
41
ohne Pufferverkleidung, ohne Schürze
114 504
Nicht als eigenständiges Merkmal berücksichtigt, aber nicht unerwähnt bleiben sollen
- Aufkleber mit den Logos der Hersteller anstelle der ursprünglichen Fabrikschilder,
- diverse, manchmal nur kurzzeitig angebrachte Aufkleber/Werbefolien (IVA 65, 150 Jahre dt.Eisenbahn, etc.),
- Zugbahnfunk-Antenne (auf allen Bildern neueren Datums vorhanden).
Aber auch so erhebt diese Aufstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Korrekturen und Ergänzungen sind jederzeit willkommen und werden zu gegebener Zeit eingepflegt.
Wie bei den anderen Einheits-Elloks habe ich auch für die Baureihe 112 ff in einer weiteren Übersicht sämtliche bekannten und bildlich belegbaren Varianten zusammengestellt, die sich aus der Kombinationen der Merkmalen Bauform, Farbgebung, Lüftungsgitter und Seitenfenster ergeben.
Insgesamt kommt diese Seite auf 73 Bilder, in denen jede der 31 Loks der Baureihe E10.12/112 ff unter mindestens einer der verschiedenen Baureihennummern ihrer Betriebszeit zu sehen ist.
Weitere Seiten zum Thema E10 auf dieser Homepage:
Lieferzustand
Umzeichnungen und Umbauten
Farbgebung und Beschriftung
Drehgestelle
Stromabnehmer
Lüftungsgitter
Maschinenraumfenster
Eine Zusammenstellung sämtlicher Kombinationen von Unterbaureihe, Farbe, Lüftungsgitter und Maschinenraumfenster gibt es auf einer Extraseite, auf die am Schluss dieser Übersicht noch einmal verlinkt wird.
Dachrinne
Griffstangen und Sprechverbindung
Frontlogo
sonstige Änderungen im Frontbereich
Noch mehr VARIANTEN: Bauform / Farbgebung / Lüftungsgitter / Seitenfenster
Alle bekannten Kombinationen dieser vier Merkmale, mit Bildern hinterlegt. Weitere 34 Aufnahmen.
Abschließend möchte ich noch einmal ausdrücklich den Fremd-Bildautoren danken, die mit der Bereitstellung ihrer Aufnahmen zur Vervollständigung dieser Seite beigetragen haben (in alphabetischer Reihenfolge):
- Stefan Donnerhack
- Michael Fuhry
- Helge Hufschläger
- Carl-Ulrich Huhn
- Rolf Köstner
- Udo Plischewski
- Wieland Proske
- Norbert Schmitz, Nobbis Lokfotos
- Wilfried Sieberg
- voba medien, Voba Medien
- Martin Welzel
Ein besonderes Dankeschön geht an Herrn Michael Fuhry, der mit seinen umfangreichen Aufzeichnungen über die verschiedenen Ausrüstungszustände der BR 112 wertvolle Zuarbeit bei den Recherchen leistete.
Literaturquellen
| [1] | R. Hertwig Die Einheitselloks der DB, E10, E40, E41, E50 Band 1 und 2 Eisenbahn-Kurier Verlag, Freiburg, 1995 |
| [2] | H.J. Obermayer, G.Scheingraber Die E10 Eisenbahn-Journal, Sonderausgabe III/96 H. Merker Verlag, Fürstenfeldbruck, 1996 |
| [3] | R. Hertwig Die Baureihe E10 - Entstehung, Technik und Einsatzgeschichte Eisenbahn-Kurier Verlag, Freiburg, 2006 |
| [4] | K. Koschinski Baureihe E10 Eisenbahn-Journal, Spezial-Ausgabe 2/2006 H. Merker Verlag, Fürstenfeldbruck, 2006 |
| [5] | K. Pagels Die Einheitsschnellzugloks der Baureihe 110 www.baureihe110.de |
| [6] | H. Sölch Alles über Elloks - Kurzporträt E10.12 / 112 www.elektrolok.de Xyania Internet Verlag, Rosenheim |









































