Mit HS unterwegs – Die Werkloks des AW Schwerte
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 17.02.2011

"Oh nein, nicht schon wieder die Schwerter Schrottlok-Sammlung", mag der eine oder andere bei der Überschrift denken. Wer den Beitrag nur deshalb nicht anklickt, verpasst allerdings etwas, denn in diesem Beitrag zeigen wir durchwegs Baureihen, von denen es im HiFo bisher nur wenige oder gar keine Bilder zu sehen gab.

Es geht los mit der Werklok 08/1, die HS bei einer Führung am 11.07.59 im AW Schwerte unter Dampf aufnehmen konnte.

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Hierbei handelt es sich um eine preußische T3 nach Musterblatt MIII-4e(2), die 1899 von Humboldt unter der Fabriknummer 32 an die KPEV geliefert wurde. Bei der KPEV lief sie zuletzt unter der Nummer Elberfeld 6221, bevor sie 1924 an das AW Schwerte abgegeben wurde. Eine (endgültige) Reichsbahnnummer erhielt sie also nie. Im vorläufigen Umzeichnungsplan von 1923 war für diese Lok die Nummer 89 7511 vorgesehen; andere Quellen, z.B. Moll in seinem T3-Baureihenbuch, sprechen von 89 7512 – was ist nun richtig?

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Nach einer Neuordnung des Werklokbestands im AW Schwerte wurde diese T3 ab Anfang der 60er Jahre als Werklok 2 geführt (WL1 = V45 006, WL3 = 89 7531). Weitere Bezeichnungen, die aber nur in den Akten zu finden gewesen sein dürften, waren 89 6002 und sogar 089 002-0. Dass für die Lok überhaupt noch eine neue (EDV) Nummer vorgesehen war, verwundert insofern, als dass die Lok bereits seit 1966 abgestellt war und zum 01.01.68 ganz sicher nicht mehr als Fahrzeug des Betriebsbestands zu berücksichtigen war.

Obwohl sich die Lok schon 1967 in einem jämmerlichen Schrott-Zustand präsentierte, wurde sie erhalten und kam 1972 zunächst als Spielplatz-Lok nach Leverkusen-Lützenkirchen (siehe die kürzlich gezeigten Bilder in Dampfloks mit und ohne Dampf in Leverkusen). Verrückterweise war sie dort als 89 7077 beschildert - eine totale Fantasienummer, deren Entstehung mir bisher nicht erklärlich ist. 1986 war auch dieser "Einsatz" beendet und die T3 kam in die Obhut eines Privatmanns in Lübeck.

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Kommen wir nun zur großen Werklok des AW Schwerte: Werklok 0/12 ist zweifellos eine preußische T13, DRG Baureihe 92.5. Da anzunehmen ist, dass die Lok erst nach 1925 zum AW-Dienst abkommandiert wurde, dürfte sie noch eine Reichsbahn-Nummer getragen haben. Bloß welche??? Hier sind die HiFo Lokstatistiker gefragt.

Schon auf der letzten Aufnahme mit der T13 war im Hintergrund eine weitere Werklok zu sehen, die sicher die interessanteste von allen dieser Tour ist: Die ehemalige 89 066 ist eine preußische T8, die bei der KPEV die Nummern Posen 7003 und ab 1912 Elberfeld 7014 trug. Der Hersteller war LHW, Breslau, 513/1908.

Laut Lokomotivdatenbank von I.Hütter soll die Lok bei AW Schwerte die Inventarnummer 805.800 besessen haben. Äußerlich angeschrieben war aber nichts. Dafür trägt die Maschine am Führerhaus ein Schild mit der Inschrift "Werklok 1 – AW Mülheim Speldorf". Eben dort selbst hatte HS genau diese Lok knapp zwei Jahre zuvor schon einmal fotografiert.

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Wie so viele preußische (Tender-) Loks war die T8 nicht gerade eine Schönheit, aber offensichtlich robust und zuverlässig, so dass sie im Werkstättendienst auch noch lange nach ihrem Rückzug aus dem regulären Planverkehr nützliche Dienste leisten konnte.

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Der Besuch im AW Schwerte am 11.07.59, bei dem alle hier gezeigten Aufnahmen entstanden, war offensichtlich ganz auf die Werkloks ausgerichtet. Nur so ist es zu erklären, dass nur noch eine weitere Lok abgelichtet wurde, ...

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... und zwar die unfallbeschädigte 50 4003 vom Bw Kirchweyhe, die nach diesem AW Aufenthalt an das Bw Osnabrück Rbf weitergegeben wurde. Als erste 50.40 der DB hatte diese Lok einen vergrößerten Mischvorwärmerkasten auf dem Rauchkammerscheitel erhalten, der sich durch eine stärkere Ausrundung leicht von der späteren Serienausführung unterschied. Dahinter steht eine weitere 50.40, noch ohne Mischvorwärmerkasten.

Damit sind alle Aufnahmen vom 11.07.59 gezeigt. Wir hoffen, dass Euch der kurze Besuch im AW Schwerte gefallen hat.

Schönen Tag noch,
Herbert S. und Ulrich B.