Mit HS unterwegs – Deutzerfeld in Farbe
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 19.01.2015

Im Dezember letzten Jahres gab es ja schon einmal zwei Beiträge von mir zum Thema Deutzerfeld im HiFo:

In diesen hatte ich einige Bilder aus dem Bw Köln Deutzerfeld zusammengestellt, die allesamt aus der Frühphase meines fotografischen Schaffens stammen und dementsprechend so manche technische und motivliche Mängel aufweisen. Trotzdem, ich bin froh, das Bw Deutzerfeld mit seinen dort immer anzutreffenden Hochhaxigen überhaupt noch mit Dampfbetrieb erlebt zu haben. Knapp verpasst habe ich damals die P10, BR 39, und auch die allgegenwärtigen 38.10 und 78 kamen mir nur noch im Auslaufbetrieb als "schäbiger Rest" vor die Flinte.

Ganz anders sieht es da bei meinem Freund Herbert Schambach aus, der Köln und das Bw Köln Deutzerfeld noch in voller Blüte zur Dampflokzeit erlebt hat. Bei zahlreichen Besuchen entstanden zunächst nur schwarz/weiß, später aber auch Farb-Aufnahmen, von denen wir heute einige hier zeigen möchten.

Los geht’s mit einem Besuch in Deutzerfeld im Mai 1960, bei dem ein eher trauriges Wetter herrschte; aber das kann man sich ja schließlich nicht aussuchen.

Bild 01 01
Graue Himmel, graue Umgebung, graue, dreckige Lok – aber wenn’s eine der letzten T9.3, 91.3, im Dienst der DB ist, muss man auch unter solchen Bedingungen zur Kamera greifen: 91 1654 vor dem Schuppen in Deutzerfeld am 14.05.60. Frage an die Stationierungsexperten: Gehe ich recht in der Annahme, dass die Lok damals in Deutzerfeld beheimatet war?

Auf die (wenigen) weiteren Schlechtwetter-Aufnahmen dieses Tages verzichten wir jetzt, da der Beitrag auch so umfänglich genug ist.

Bild 02 02
Deutlich besser war die Wetterlage am 04.06.60. Und gleich die erste Lok, der HS bei diesem Besuch in Deutzerfeld begegnete, war eine P10, auf die er es besonders abgesehen hatte: 39 015 vom Bw Jünkerath, in der Ausführung mit Witte-Windleitblechen und Einheitslok-Tender 2‘2’T34.

Bild 03 03
Nach dem Zurücksetzen versteckt sich 39 015 hinter einer "bunten Mischung" von Personenzug-Dampfloks jener Zeit: Ganz vorn die Deutzerfelder 38 3552 vor 23 043 vom Bw Mönchengladbach. Rechts neben ihr räuchert sich die Dürener 38 2617 ein, während am rechten Bildrand so gerade noch 78 241 sichtbar ist.

Bild 04 04
Kurz darauf ist die nächste P10 fällig: 39 042 (Jün). Der Heizer legt schon mal Kohlen auf, um vor dem nächsten Einsatz ordentlich Dampf zu kochen. Derweil trifft im Hintergrund eine Wannentender-P8 ein (leider nicht weiter beachtet) und vor dem Schuppen ist 03 077 zu erkennen.

Bild 05 05
Vor dem Schuppen nehmen zwei Salondampfer die gerade eingetroffene P10 (Bild 2) in die Mitte: 03 252 (KDfd), 39 015 (Jün) und 03 077 (Mög). Bw Köln Deutzerfeld, 04.06.60.

Bild 06 06
Kaum war das letzte Bild im Kasten, brach die damals noch in Deutzerfeld beheimatete 03 252 zum nächsten Einsatz auf.

Bild 07 07
Dafür kommt jetzt quasi als Ersatz 01 108 vom Bw Köln Bbf, die vermutlich einen Zug aus Aachen bespannt hatte. Schön, von dieser Lok auch mal ein Bild mit richtigen Lokschildern zu sehen.

Bild 08 08
Ei, jei, jei, was für ein Dreckspatz! Obwohl, eigentlich bietet die Deutzerfelder 78 207 mit ihrem durch Kalk/Soda beige-braun versifften Kessel ein Bild, das leider typisch war für viele 78er der damaligen Zeit. Und was da gerade aus dem Schornstein quillt, ist unter heutigen Gesichtspunkten auch eher weniger umweltverträglich.

Bild 09 09
Nach der kräftigen Durchmischung der Szenerie vor dem Schuppen ist eine weitere Sammelaufnahme fällig. Von links nach rechts:
23 079 (Kre) noch mit Heinl-MV, 39 015 (Jün), eine unbekannte 38.10, 39 225 (Jün), 01 108 (KBbf) und 23 043 (Mög). Bw Köln Deutzerfeld, immer noch der 04.06.60.

Es wäre natürlich ganz toll, wenn wir hier noch die Nummer der unbekannten P8 klären könnten: Merkmale Kastentender, Domanordnung DSD, Dach mit Aufsatz, Betriebsnummer 1.Ziffer 3 (evtl.2), letzte Ziffer 2 oder 7. Mögliche Bw: Ach, Dür, KDfd, Kre, Mög, … Die Stationierungs-Experten sind gefragt. Danke im voraus.

Bild 10 10
Auch 01.10 ließen sich im Sommer 1960 noch in Deutzerfeld sehen. Die Tatsache, dass die Lok in Deutzerfeld (statt in Bbf) auftaucht, lässt die Vermutung zu, dass sie eine Zugleistung auf der Strecke von/nach Aachen zu fahren hatte. 01 1080 vom Bw Osnabrück Hbf, noch mit der alten Anordnung der Sandkästen auf dem Umlauf, die später aus Unfallschutzgründen in die Lücke zwischen Umlauf und Kessel verlegt wurden.

Bild 11 11
Ja, saubere 78er gab es auch, aber nur, wenn sie gerade aus dem AW kamen. So wie hier 78 371 (KDfd), die zwei Tage zuvor eine HU abgeschlossen hatte und nicht nur durch ihren optisch hervorragenden Zustand auffällt, sondern besonders durch den fehlenden Kohlenkasten-Aufbau. Letzte Aufnahme vom 04.06.60.
Dieses Bild war zwar schon einmal im Beitrag "Mit HS unterwegs – Streifzug durch die Siebziger" zu sehen, aber hier steht es zeitlich im richtigen Kontext.

Bild 12 12
Beim nächsten Besuch am 04.03.61 wurde HS gleich zu Beginn wieder von einer der begehrten P10 empfangen. 39 042 vom Bw Jünkerath ist gerade dabei, über die Drehscheibe ins Ausfahrgleis umzusetzen.

Bild 13 13
Und gleich noch eine P10, sogar eine mit großen Windleitblechen: 39 236 in Deutzerfeld, 04.03.61. Wenn die Lok jetzt noch einen alten preußischen Tender besessen hätte, dann wär‘ das Glück vollkommen gewesen, aber diese Variante war in Jünkerath ohnehin nur spärlich vertreten.

Bild 14 14
78 227 und 78 241, beide vom Bw Deutzerfeld, sind zweifellos ganz heiße Kandidaten für den Titel "Deutschlands dreckigste Lok".

Bild 15 15
Am 04.03.61 traf HS auch 91 1654 wieder in Deutzerfeld an, dieses Mal allerdings im Schuppen. Trotz widriger Licht- und Platzverhältnisse wurde eine Aufnahme mit Blitzicht versucht, die die Situation im dunklen Lokschuppen eigentlich ganz passabel wiedergibt.

Bild 16 16
In den Strahlengleisen zwischen Lokschuppen und Drehscheibe wurde 38 1479 (KDfd) aufgenommen.

Bild 17 17
Zwei Generationen von Personenzugloks repräsentieren die Deutzerfelder 38 1646 mit Wannentender und die Gladbacher 23 040.
(@Martin: Die Untersuchungsdaten der 38 sind selbstverständlich bereits eingetragen.)

Bild 18 18
Und noch eine dritte P10 gab HS am 04.03.61 im Bw Köln Deutzerfeld die Ehre: 39 057, wie alle P10 hier eine Lok des Bw Jünkerath, das mit dieser Baureihe alle höherwertigen und auch einige einfache Züge auf der Eifelbahn bespannte.

Bild 19 19
Mehr als fünf Jahre vergingen bis zum nächsten Besuch am 23.04.66. Das Ende der 39 bei Bw Jünkerath stand unmittelbar bevor und Trier 01 hatten bereits die meisten Züge übernommen. Das führte dazu, dass HS an diesem Tag keine P10 mehr zu Gesicht bekam. Aber eine Altbaukessel-01 ist ja nun so übel auch nicht. 01 111 (Tri), Bw Köln Deutzerfeld, 23.04.66.

Bild 20 20
Am Ostersamstag, dem 13.04.68, veranstaltete der Freundeskreis Eisenbahn Köln die denkwürdige Sonderfahrt mit 41 352 und DB-Doppelstockwagen von Köln über die Eifel nach Trier und via Mosel und Rhein zurück nach Köln. HS war dabei und vor der Fahrt führte ihn ein weiterer kurzer Besuch ins Bw Deutzerfeld. Zunächst wurde die Trierer 01 123 mit dem Leerzug für den D152 nach Saabrücken auf den Film gebannt. Pünktlich um 7:55 Uhr dampft der Zug die Rampe hoch am Bw vorbei zum Bahnhof Köln Deutz, wo der Zuglauf um 8:00 Uhr beginnt.

Bild 21 21
ls nächstes war die Gladbacher 03 248 dran, die gerade auf dem Kanal restauriert wurde und dabei gleichzeitig Wasser nahm. Dahinter, unter der eher selten fotografierten Bekohlungsanlage, eine weitere 01.

Bild 22 22
Das letzte Bild vor der Fahrt wurde an die letzte Kölner P8 unter Dampf, 38 1889, ver(sch)wendet, die noch für einige Monate nützliche Dienste vor dem Hilfszug verrichtete.

Dieser eher beiläufige Besuch im Bw Köln Deutzerfeld war für HS auch gleichzeitig sein letzter in dieser einst so bedeutenden und für Eisenbahnfreunde hochinteressanten Dienststelle. Wenn man bedenkt, was er bis dahin in Deutzerfeld schon alles vor die Flinte bekommen hatte, war da auch nichts Neues mehr zu erwarten. Ich denke, die Bilder dieses Beitrags belegen das eindrücklich und ich hoffe, dass unsere kurze Zeitreise in die 60er Jahre Gefallen gefunden hat.

Schönen Tag noch,
Ulrich B. und Herbert S.