Ostertour 1968 nach Hamburg - Teil 1

Diese Galerie enthält Bilder einer Reise nach Hamburg, die ich als Schüler in den Osterferien 1968 und noch ganz in den Anfängen meiner Betätigung als Eisenbahn-Fotograf unternahm. Es traf sich gut, dass ein enger Freund mit seinen Eltern die Ferientage ebenfalls im Großraum Hamburg verbrachte, so dass wir uns tagsüber treffen und zusammen die Hamburger Eisenbahnszene erforschen konnten. Genauere Informationen, was uns dort erwartete, hatten wir nur in sehr dürftigem Umfang - Grundlage unserer Planungen waren das Röhr'sche Stationierungsverzeichnis von 1964 und einige frühe Ausgaben des Eisenbahn-Kuriers. Aber eine Weltstadt wie Hamburg hatte auch so für Anfänger in Sachen Eisenbahn eine geradezu überwältigende Vielfalt zu bieten.

Anfängerhaft war auch unsere Art zu fotografieren, denn zunächst stand das "Sammeln von Lokomotiven" im Vordergrund. So war es naheliegend, sich hauptsächlich auf die verschiedenen Bahnbetriebswerke zu konzentrieren, von denen es im Stadtgebiet etliche gab. Auch ohne Voranmeldung gewährte man uns stets problemlos Eintritt, und in Begleitung eines DB-Mitarbeiters, meist ein Lokführer aus der Bereitschaft, kamen wir zu unseren Fotos. Dabei wurden mehr als einmal Lokomotiven auf unseren Wunsch aus dem Schuppen gefahren und auf die Drehscheibe in Fotoposition gestellt. Die Bilder in dieser Galerie sind daher auch ein Zeugnis für das Entgegenkommen und Engagement der Eisenbahner jener Zeit, jungen Menschen einen Einblick in das Betriebsgeschehen hinter den Kulissen zu ermöglichen und sie für die Bahn zu begeistern - ein Verhalten, das unter den heutigen Bedingungen eines gnadenlosen Kosten- und Arbeitsdrucks leider nahezu unmöglich geworden ist.

Was die verfügbare Kameraausrüstung angeht, befand ich mich damals in einer Übergangsphase: Mit meiner Erst-Kamera, einer einfachen Agfa Optima, wurden weiterhin Farbdias gemacht. Parallel dazu stand mir seit gut einem Monat eine gebraucht erworbene Schraub-Leica zu Verfügung, mit der endlich auch qualitativ hochwertige Fotos möglich wurden; aus Kostengründen zunächst nur in schwarz/weiß. Dieses spiegelt sich in diesem Bildbericht wieder, der beide Sichten enthält, wobei in der Regel den Farbaufnahmen der Vorzug gegeben wurde.

Die Menge der Bilder erforderte eine Zweiteilung der Galerie; Fortsetzung siehe Ostertour 1968 nach Hamburg - Teil 2 mit weiteren 58 Bildern. Beide Galerien sind als Reisebericht konzipiert und vermitteln neben den Bildern auch einen Eindruck davon, was damals bei einer Fototour unter den geschilderten Umständen möglich war.

Hamburg Hbf, 23.04.1968

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Die erste in Hamburg entstandene Aufnahme zeigt die Osnabrücker 01 1052, die mit dem D594 nach Köln genau passend vor dem Schatten der Altmannbrücke zum Stehen gekommen ist. Plan-Abfahrt 08:30 Uhr, eine halbe Stunde vor dem Treffen mit meinem Freund im Hauptbahnhof. Noch war mir nicht bewusst, dass eine Osnabrücker 01.10 mit Lokschildern im April 68 schon eher die Ausnahme darstellte.

Hamburg-Altona, 23.04.1968

Am ersten Tag vor Ort stand ein Besuch des Bw Hamburg-Altona auf dem Programm, damals gerade für Hobby-Einsteiger sicher eines der interessantesten Bahnbetriebswerke im Bereich der Deutschen Bundesbahn und eine Hochburg der "hochhaxigen" Schnellzug-Dampfloks. Neben den hier stationierten 01.10 und 03 kamen aus Bremen und Osnabrück 01, 01.10 und 03 regelmäßig hier hin und die Interzonenzüge aus der DDR bzw. Berlin waren mit DR-03 bespannt. Dazu kamen zahlreiche Tenderloks der Baureihe 78 für den Einsatz auf der Dampf-S-Bahn ab Bergedorf Richtung Osten.

Nach der Anmeldung in der Lokleitung ging es mit einem Lokführer aus der Bereitschaft auf einen ausgedehnten Rundgang durch das Bw-Gelände.

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Als erstes wurde die Bremer 03 090 auf den Film gebannt, die neben der Lokleitung vor dem Schuppen stand. Die hatten wir schon beim Betreten des Bws gesehen und zum Glück war sie während der etwas länger dauernden Anmeldeprozedur nicht davon gefahren.

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Hinter dem östlichen Ringlokschuppen bzw. hinter der Bekohlungsanlage gab es zwei Freiluft-Grubengleise, die für kleinere Wartungs- und Einstellarbeiten genutzt wurden. Auf dem äußeren davon stand 01 1102, bei der offensichtlich am Mittelzylinder etwas zu richten war.
Wer hätte damals auch nur im Traum daran gedacht, dass diese Lok 30 Jahre später wieder als Stromlinienlok die Blicke auf sich ziehen würde, auch wenn diese Phase leider viel zu kurz währte.

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Auf dem anderen Gleis wartete die "Treibachs-amputierte" 78 468 auf Komplettierung - momentane Achsfolge, wenn man so will, 2'1 1 2'. Bemerkenswert auch, dass die Wendezugeinrichtung bereits ausgebaut ist (Kabel und Steckdose fehlen), während die Anschlüsse für die Hauptluftbehälter-Leitung noch vorhanden sind.
Auch diese Maschine hatte noch eine Zukunft als Museumslok vor sich und ist nach mehrjähriger Abstellzeit heute (2016) wieder betriebsfähig.

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Zurück ins Allerheiligste des Bw Altona, den Bereich an der Doppeldrehscheibe vor den beiden ineinander übergehenden Ringlokschuppen. V200 051 (HAlt) stand jetzt vor dem Schuppen und sonnte sich vor ihrem nächsten Einsatz.

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Eine 01.10 ist schon eine imposante Erscheinung, selbst von hinten. Vorsichtig rollt die Altonaer 01 1084 in den Schuppen und präsentiert dabei ihren gewaltigen Tender den beiden jugendlichen Fotografen.

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Und gleich die nächste 01.10, dieses Mal 01 1101 und ebenfalls vom Bw Altona, auf der Drehscheibe von vorn und mit viel Dampf aus den Zylinderhähnen.

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Tja, und das war unverkennbar eine 01.10 aus Osnabrück. Wie bei so vielen Maschinen dieser Dienststelle waren auch bei 01 1060 die Lokschilder bereits "sichergestellt" und die Nummer nur lieblos auf die Kesseltür gepinselt.

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Breitseite geht nicht bei 01.10, oder ist zumindest schwierig. Das mussten wir erkennen, als 01 1061 in den Schuppen setzte.

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Im Eingangsbereich zur Drehscheibe neben dem östlichen Ringlokschuppen pausierte 78 426, eine Altonaer T18, der wir auf unserer Tour ständig begegnen sollten.

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Nun ging es zum Triebwagenschuppen, wo uns aber zunächst mehr die 78 509 interessierte, die soeben in den danebenliegenden Gleisen ein paar Wagen abgestellt hatte.

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Besser im Licht stand der VT12 501, der Erstling einer Baureihe, die mir hier erstmals vor die Kamera kam. Dafür wurde ein weiteres Bild des kostbaren Diafilms "geopfert".

Damit war "offizielle" Teil des Rundgangs beendet und der Lokführer verabschiedete uns; der Weg nach draußen führte aber nun einmal am Kanal im Eingangsbereich des Bws vorbei, wo uns der Betrieb derart fesselte, dass wir uns dort noch längere Zeit aufhielten, ohne dass jemand Anstoß daran nahm.

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Sogar ein Blick auf die östlich am Bw vorbeiführenden Betriebsgleise war möglich, wo die 78 509 mit einem Leerwagenpark auf die Einfahrt in den Bahnhof Hamburg Altona wartete. Leider ist das Zuglaufschild am ersten Wagen nicht eindeutig lesbar, aber es könnte sich um einen Eilzug nach Husum handeln.

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Nanu, eine Güterzuglok im Personenzuglok-Bw Altona? Wie wir in den Folgetagen feststellten, war das so selten nicht. Mit 41 271 vom Bw Osnabrück Hbf trafen wir eine Maschine an, die den Osnabrücker Schilderdieben wohl bisher nicht unter die Finger gekommen war und die zudem über einen Scheibenradvorläufer verfügte, was bei dieser Baureihe nicht häufig vorkam.
Und wieder ist der Hinweis fällig, dass diese Maschine als zeitweise betriebsfähige Museumslok erhalten blieb.

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Lok ohne Schilder? Klar, mit 01 1058 verließ eine Osnabrücker Maschine das Bw.
Die am Tender eingehängte Schlussscheibe deutet darauf hin, dass es jetzt erst einmal als Lz-Fahrt zum Hbf ging, um dort einen Zug zu übernehmen - infrage dafür käme der D940 aus Aalborg, der planmäßig im Hbf umgespannt wurde.

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Schon wieder eine neue Baureihe für unsere Foto-Sammlung: V65 007 (HAlt), die aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen nur auf den schwarz/weiß-Film kam.

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Planleistungen hatten die Altonaer 03 im Frühjahr 1968 nicht mehr zu erbringen, aber als kurzfristiger Dieselersatz und im Saisonverkehr kamen sie regelmäßig zu einzelnen Einsätzen. Einen solchen hatte vmtl. 03 296 absolviert, als sie am späten Mittag ins Bw Altona zum Restaurieren einrückte. Für DB Verhältnisse präsentiert sich der Altonaer Salondampfer in einem recht guten äußeren Zustand.

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Besuch aus dem Osten: Die Reichsbahn 03 177 vom Bw Wittenberge hatte den D166 aus Berlin nach Hamburg gebracht und kam jetzt zum Restaurieren ins Bw.

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Damit kam es nun auf den Schlackengleisen zu einem deutsch-deutschen 03 Treffen, welches auch in Hamburg sicher nicht alltäglich war; zu unserer DB 03 296 gesellte sich die DR 03 177 vom Bw Wittenberge.

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Und wo 03 296 und 03 177 schon einmal so schön nebeneinander standen, war auch wieder eine Farbaufnahme fällig, wobei in dieser Ansicht die Unterschiede deutlich werden. Die Reichsbahn-03 war mit einem Mischvorwärmer ausgerüstet, besaß aber noch ihren alten Kessel (wie übrigens auch alle anderen bei dieser Reise angetroffenen DR-03).

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01 1075 im typischen Osnabrücker Design ist in dieser Galerie nur vertreten, weil wir auch hier eine 01.10 auf den Film bannen konnten, die bis heute als betriebsfähige Museumslok der Stoom Stichting Nederland unterwegs ist, und das sogar als Kohlelok.

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Auch 01 1066 wurde bekanntlich später zur Museumslok und ist bis heute mit teils hochwertigen Leistungen unterwegs in ganz Deutschland. Die Einsätze bei den Ulmer Eisenbahnfreunden (UEF) dauern mittlerweile länger als ihre Planbetriebszeit bei DRB und DB - wer hätte das damals gedacht.

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High noon am Kanal im Bw Altona: Gleich drei Osnabrücker 01.10 werden gleichzeitig behandelt - vorn 01 1071 und 01 1066, hinten 01 1075. Und verdeckt hinter 01 1066 die DR 03 177. Vier Großrädrige auf einen Schlag - wo sonst gab es das bei der DB zu sehen?
Die 1071 weist als kleine Besonderheit einen einfachen Fensterschirm am Führerhaus statt der sonst üblichen Stauschute auf - das gab's bei keiner weiteren 01.10. der DB.

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Nach all den großen Schnellzugmaschinen zum Abschluss der Bw-Aufnahmen dieses Tages noch eine einfache Personenzuglok: 78 104, mit Wendezugausrüstung wie fast alle Altonaer T18, beim Ausschlacken auf dem Kanal.

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Ein kurzer Aufenthalt auf dem Bahnhof Hamburg-Altona bescherte uns die Möglichkeit, drei weitere Dampfloks zu fotografieren, während die moderne Traktion offenbar nicht beachtet wurde.
Da war zunächst die Bremer 03 182, die pünktlich um 15.58 Uhr mit dem E751 aus Bremen ihr Ziel erreichte. Schade, dass so wenig von dem schönen Wagenpark zu sehen ist - als Anfänger in Sachen Eisenbahn-Fotografie war man halt zu sehr auf die Lokomotiven fixiert.

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Die 78 426 hatten wir schon im Bw ablichten können. Jetzt war sie mit Zustellfahrten zwischen Altona und Langenfelde beschäftigt, von denen sie gerade eine erledigt hatte und nun zurückfährt, um den nächsten Zug bereitzustellen.

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78 021, die mir sofort wegen ihrer niedrigen Betriebsnummer auffiel, hatte diesen Dienst offenbar gerade hinter sich gebracht.
Der Heizer scheint sich schon auf den Feierabend vorzubereiten und bringt dafür die Frisur in Ordnung. Dass er dabei von zwei Leuten beobachtet und sogar fotografiert wird, scheint ihn allerdings nicht sehr zu erfreuen ...

Hamburg-Altona, 24.04.1968

Der zweite Tag in Hamburg war wolkenverhangen und diesig, so dass nur wenig Vorzeigenswertes dabei herauskam. Nach einigen wenigen Schlechtwetter-Beweisaufnahmen im Bw Altona ging es ziemlich frustriert zurück zum Bahnhof.

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Ohne richtiges Licht war immerhin eine Aufnahme der ausfahrenden 03 114 mit dem E754 nach Bremen möglich.
Die Bremer Maschine weist als Besonderheit einen Scheibenradsatz im Vorlauf-Drehgestell auf, den sie bis zur Ausmusterung am 22.09.70 in Braunschweig behalten sollte.

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Kurz vor 16 Uhr gaben sich die Bremer Schnellzugloks in Altona sozusagen die Klinke in die Hand: Kaum hatte 03 114 mit dem E754 nach Bremen den Bahnhof verlassen, traf der E751 aus Bremen ein, bespannt an diesem Tag mit der Altbaukessel-Maschine 01 198.

Hamburg Hbf, 24.04.1968

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Standortwechsel zum Hauptbahnhof, wo auf Nordseite der großen Bahnhofshalle die Reichsbahn 03 135 mit dem D264 aus Dresden aufs Korn genommen wurde.

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Ganz zum Schluss dieses wetterbedingt verlorenen Tages schien dann doch noch einmal kurz die Sonne: Vor dem D395 gab sich die Osnabrücker 01 1057 die Ehre - erfreulicherweise eine weitere Osnabrücker Maschinen mit Lokschildern.

Hamburg Hbf, 25.04.1968

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Vor dem morgendlichen Treffen mit meinem Freund und Begleiter machte ich wie üblich erst einmal ein paar Aufnahmen allein im Hauptbahnhof. Nach zwei Tagen war ein Foto vom D594 schon fast Routine. Planlok an diesem Tag war 01 1089, die letzte 01.10 der DB mit provisorischer Führerhaus-Entlüftung mittels einfacher Dachhutze.

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Die Anfahrt des D594 wurde wieder in Farbe festgehalten, wobei die Fotostelle an die äußerste Bahnsteigspitze bis hinter die Altmannbrücke verlegt wurde. Mit hartem Auspuffschlag und geöffneten Zylinderhähnen setzt die Osnabrücker 01 1089 den schweren Zug in Bewegung.

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Ich war gerade rechtzeitig auf einen der hinteren Bahnsteige gewechselt, als 78 426 durch den Bahnhof dampfte.

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Der eigentliche Grund für den Bahnsteigwechsel war die Absicht, den D163 nach Berlin bei der Einfahrt in den Bahnhof aufzunehmen, wozu ich mich auf die Nordseite der Halle begeben musste. Bespannt war der Zug mit der Wittenberger 03 135, die mit einem Niettender 2'2'T32 alter Bauart gekuppelt war.

Aumühle, 25.04.1968

Mit dem Zug ging es nach Aumühle, einem Einsatzschwerpunkt der Altonaer 78er, die hier im Wendezugdienst als Dampf-S-Bahn zwischen Bergedorf und Aumühle (z.T. auch bis Friedrichsruh) eingesetzt wurden. Dementsprechend waren alle hier angetroffenen Loks mit einer Einrichtung zur indirekten Steuerung versehen, äußerlich erkennbar an der Steuerleitung mit Stecker und Dose, sowie der zusätzlichen Hauptluftbehälterleitung (vier Bremsluftschläuche statt normalerweise zwei).

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Bei der Ankunft in Aumühle gleich "volles Programm": Auf dem vorderen Gleis 78 252 mit dem P2853, mit dem wir gekommen waren, und hinten 78 133 mit dem Gegenzug P2858. Als Anfänger in Sachen Eisenbahnfotografie haben wir es leider versäumt, den Wendezug mit schiebender 78 133 ein weiteres Mal bei der Ausfahrt aufzunehmen und damit eine damals schon seltene Betriebsart zu dokumentieren.

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Gleichzeitig mit uns war auch 78 252 in der kleinen Lokstation eingetroffen und sogleich wurde mit den Restaurierungsarbeiten begonnen.

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Nach der Anmeldung kamen wir gerade rechtzeitig wieder aufs Gelände (ohne Begleitung!), um dort noch 78 190 zu erwischen, die gerade mit viel Dampf aus dem Schuppen kam.
Da die Wendezüge anscheinend grundsätzlich mit Lok Richtung Aumühle gefahren wurden und Tenderloks wie üblich stets mit der Rauchkammer zum Zug gekuppelt waren, präsentierte sich die T18 wie alle anderen hier leider nur von hinten. Aber ein schöner Rücken kann auch entzücken ...

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Im Bw-Vorfeld der Lokbehandlungsanlagen trafen wir auch 78 252 wieder, bei der jetzt erst einmal die Vorräte an Wasser und Kohle aufgefüllt werden mussten.
Im Hintergrund sind 78 521 (links, vor dem Güterwagen) und eine weitere 78 zu sehen.

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Kurz darauf folgte 78 235, die wohl gerade mit der nächsten Dampf-S-Bahn in Aumühle eingetroffen war.

Dieses Bild ist übrigens ein im Original heftig fehlbelichtetes Dia, welches erst durch Digitalisierung und elektronische Nachbearbeitung "wiederbelebt" werden konnte.

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Am Kohlengleis köchelte 78 521 vor sich hin, während im Hintergrund (und leider nicht fotografierbar) 78 235 bekohlt wird.

Damit waren uns in Aumühle innerhalb einer knappen Stunde gleich vier 78er ins Netz gegangen. Solange vor Ort bleiben, bis die Lichtverhältnisse auch Aufnahmen von vorn ermöglichten, wollten wir nicht, denn es standen ja noch andere Bws auf dem Tagesprogramm. Und zwar zunächst Rothenburgsort, wo neben weiteren alten Preußen vor allem die Neubauloks der Baureihe 82 auf unserer Wunschliste standen.

Hamburg-Rothenburgsort, 25.04.1968

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Die nächste Station war Rothenburgsort, wo wir gleich im Eingangsbereich des Bws einen Exoten innerhalb der Baureihe 94.5 antrafen: 94 1378 hat nicht nur eine Kamin-Klappe (Funkensieb), mit der einst einige Hamburger Loks ausgerüstet waren, um auch feuergefährdete Bereiche im Hafen befahren zu können, sondern auch eine spezielle Herkunft: 1913 unter der Nummer 8113 an die Reichseisenbahnen Elsaß-Lothringen geliefert, gelangte die Lok 1918 als "8113 Baden" an die Badische Staatsbahn, wurde 1925 zunächst falsch in 94 465 umgezeichnet, bis sie schließlich 1927 die endgültige (und richtige) Nummer 94 1378 erhielt.

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Auf den Freigleisen an der Drehscheibe streckte uns 94 1649 ihr prägnantes Hinterteil entgegen. Immer ein Blickfang: die alten Lampen.

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Alte Lampen waren auch bei 94 734 aufgesteckt.

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Loks der Baureihe 50 waren 1968 wirklich allgegenwärtig. Aber eine Maschine mit so niedriger Betriebsnummer wie die Rothenburgsorter 50 020 nahm man natürlich immer gerne auf.

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Sogar eine 78 fand sich im Bw Rothenburgsort, wie man schon auf dem letzten Bild sehen konnte - aber was macht eine Personenzuglok in einem reinen Güterzug-Bw? Möglicherweise hatte eine der "Rund-um-den-Kirchturm" Leistungen, die ebenfalls zum Einsatzspektrum der Altonaer T18 zählten, die 78 204 hierhin verschlagen.

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Für 94 1514 wurde sogar ein wertvolles Farbdia "geopfert", obwohl sie sich in nichts von den gewohnten T16.1 aus dem heimatlichen Wuppertal unterschied. Sogar nummern-mäßig gab es eine enge Verwandtschaft zu "unserer" 94 1516 - siehe Galerie Heimat-Bw Wuppertal Vohwinkel - Teil 2, Bild 22.

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Nicht mehr zum Einsatz beim Bw Rothenburgsort kam die ex Flensburger 41 167, die aber auch als abgestellte Lok einen recht vollständigen Eindruck macht. In der Ansicht von hinten sticht einem natürlich besonders der schöne Niettender 2'2'T32 alter Bauart ins Auge.

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94 1004 in der Reihe der vorübergehend kalt abgestellten Lok gefiel uns/mir wegen der 1000er Nummer und dem runden Führerhausdach, das wir damals noch als kleine Besonderheit ansahen. Als Wuppertaler Jungs waren wir halt nur 94er mit Lüftungs-Aufsatz gewohnt.

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Bei 94 869 ging es einfach nur darum, eine weitere T16.1 in die Foto-Sammlung zu bekommen.

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Mast hin, Mast her - diese T16.1 musste selbst als kalte Lok auf jeden Fall abgelichtet werden. Denn die 94 1413 hatte nicht nur ein rundes Führerhausdach, sondern auch eine interessante Vergangenheit aufzuweisen: Bei ihr handelt es ich um die ehemals polnische TKw1-50, ex KPEV T16 Münster 8121, was zumindest ab 1964 zu der einzigen 1400er Betriebsnummer bei der DB führte.

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Auch die nur vorübergehend kalt abgestellte 94 1280 hatte etwas Besonderes zu bieten: Nämlich ein Funkensieb am Schornstein, wie wir es schon bei 94 1378 (Bild 42) gesehen hatten.

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Versetzt von Bayern an die Elbe: Erst vor wenigen Tagen aus Mühldorf nach Hamburg gekommen waren 50 2983 und 50 2914. Möglicherweise waren die Loks zum Zeitpunkt der Aufnahme noch gar nicht wieder in Betrieb genommen worden. Der relativ gute Farbzustand und der Umstand, dass beide Loks mit einem Normaltender gekuppelt waren (wir kannten bis dahin eigentlich nur 50er mit Kabinentender), waren uns eine weitere Farbaufnahme wert.

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Auch 78 426, die sich durch ihr besonders schlechtes Äußeres "auszeichnete", und uns zum wiederholten Male über den Weg lief, gab ein Gastspiel im Bw Rothenburgsort.

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Für die Fotografen gab's eine Extra-Runde auf der Drehscheibe, wodurch sich die Möglichkeit für eine Aufnahme von vorn ergab.

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Nach den vielen, z.T. kalt abgestellten 94ern freuten wir uns über jede Lok im Einsatz, wie hier 94 1240, die gerade vom Dienst zurückkehrte.

Die einzige Baureihe, die sich partout nicht "freiwillig" außerhalb des Schuppens sehen ließ, war die Neubaulok Baureihe 82, wegen der wir doch hauptsächlich hierhergekommen waren. Aber der uns für den Bw-Rundgang zugeteilte Lokführer ließ sich nicht lumpen und fuhr eine der schönen Neubauloks für eine Fotorunde auf die Drehscheibe.

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Mit 82 017 hatten wir endlich nicht nur unsere erste 82er im Kasten, sondern zugleich auch eine der wenigen Maschinen dieser Baureihe mit Oberflächenvorwärmer. Zu beachten sind auch die auf der Pufferbohle angebrachten Lampen, eine Hamburger Spezialität.
Zunächst eine Ansicht von rechts ...

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... dann von links vorn und in Farbe, ...

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... und natürlich auch von hinten.
Die Bilder der 82 017 zeigen meines Erachtens sehr schön, dass die Neubaulok unter allen Blickwinkeln eine gute Figur macht.


Die Fortsetzung gibt es in der Galerie Ostertour 1968 nach Hamburg - Teil 2.

Weitere Aufnahmen zum Thema siehe begleitenden DSo-Beitrag Ostertour nach Hamburg – 1968 vom 19.09.2016.

Galerie online seit 19.09.2016