Tief im Westen
Eine Gästegalerie mit Bildern von Herbert Schambach
Bildbearbeitung und Texte: Ulrich Budde

Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt,
ist es besser, viel besser, als man glaubt.
Tief im Westen.

Der Song "Tief im Westen" von Herbert Grönemeyer ist nicht nur eine Hymne auf seine Heimatstadt Bochum, sondern auf das gesamte Ruhrgebiet schlechthin. Auch Herbert Schambach ist ein Kind des Reviers und wenn er uns mitnimmt auf eine Rundreise durch das Ruhrgebiet der 60er Jahre, ist das gleichsam eine Hymne an die damalige Eisenbahn-Szenerie und Fahrzeug-Vielfalt in dieser Industrie-Region.

Die Rundreise beginnt in Hattingen, der Stadt, in der er seine Jugend verbrachte, und führt dann über Essen und Mülheim nach Duisburg. Von dort geht es via Oberhausen quasi "oben herum" über die Strecke der ehemaligen Köln-Mindener-Eisenbahn nach Wanne-Eickel und Dortmund, dem östlichen Eckpunkt dieser Tour. Letzter größerer Anlaufpunkt ist Hagen, bevor es mit einem kurzen Seitensprung nach Wattenscheid über die untere Ruhrtalbahn zurück nach Hattingen geht.

Hattingen - Essen - Mülheim - Duisburg

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Gleich am Anfang der Rundreise ein erster Höhepunkt: 03 1054 vom Bw Hagen Eck mit einem kurzen Personenzug bei der Anfahrt im Bahnhof Hattingen (Ruhr) am Abend des 24.05.60. Natürlich war solch ein Zug in der Relation Hagen - Hattingen - Essen über die untere Ruhrtalbahn für die stolze Schnellzuglok nur eine Füll-Leistung; sogar eine planmäßige, von der sonstige Bilder bisher nicht bekannt sind.
Die vierteilige VT95 Garnitur links ist nur abgestellt, während der rechts hinten sichtbare VT95 die Strecke über Sprockhövel nach Wuppertal bedient.

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Fast auf den Tag genau 2 Jahre später, am 26.05.62, wurde eine ähnliche (dieselbe?) Leistung mit 01 034, ebenfalls vom Bw Hagen Eck, bespannt. Das trübe Wetter an diesem Tag führte zu einer Aufnahme vom Bahnsteig aus - leider stark überbelichtet, was selbst mit den heutigen Möglichkeiten der elektronischen Bildbearbeitung nur bedingt korrigierbar war. Aber auf das seltene Bild vom Einsatz einer 01 auf der Ruhrtalbahn sollte nicht verzichtet werden.

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Auf einen kurzen Abstecher begeben wir uns an die Sprockhöveler Strecke, wo am 18.02.61 kurz hinter dem Bahnhof Hattingen der mittägliche Personenzug nach Wuppertal abgepasst wurde, geführt von 50 1693 und Vorspann 78 139. Die beiden Vohwinkler Maschinen legen sich zwar schön ins Zeug, aber lastbedingt war der Vorspann für vier Dreiachs-Umbauwagen sicher nicht.
Das tiefer liegende Gleis im Vordergrund ist das Ausziehgleis für den Ablaufberg im Rbf Hattingen. Genau hier verlässt heute die 500 m lange "Neubaustrecke" der S-Bahn nach Hattingen Mitte die Trasse der alten Strecke nach Wuppertal.

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Eine Garnitur mit Lok BR 78 und drei Bi-Wagen war typisch für den durchaus nicht seltenen VT95-Ersatz im Pendelverkehr zwischen Essen-Steele und Hattingen. Ein solcher Zug, mit 78 244 vom Bw Essen Hbf an der Spitze, wurde am 17.11.62 im westlichen Vorfeld des Bahnhofs Hattingen bei der Ausfahrt in Richtung Essen auf den Film gebannt.

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Gleiches Datum, die gleiche Stelle - nur jetzt mit Blick in Richtung Westen.
44 1127 vom Bw Hagen-Vorhalle ist soeben mit einem bunt gemischten Güterzug über die Ruhrbrücke gerumpelt und rollt nun vorbei am Stellwerk "Hbt" (Hauptbefehlsturm, alte Bezeichnung für Fahrdienstleiterstellwerk) in den Rangierbahnhof Hattingen.

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Vom gegenüberliegenden Ruhrufer hatte man einen herrlichen Blick auf das gesamte Bahnhofsareal in Hattingen. Im Vordergrund die vierfeldrige, doppelgleisige Ruhrbrücke und dahinter die weitläufigen Gleisanlagen dieses einst bedeutenden Industriestandorts. Ganz hinten der Personenbahnhof in Keil-Lage und das Bw mit Ringlokschuppen. Und unübersehbar am Horizont die Henrichshütte mit Hochofen und Gasometer sowie etlichen rauchenden Schloten.
Am 25.02.61 dampft die Essener 38 3649 mit einem kurzen Personenzug am Stellwerk Hbt vorbei auf die Ruhrbrücke zu.

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Noch einmal die Ruhrbrücke in Hattingen, jetzt direkt von der Nähe aus gesehen.
Am 24.10.59 entstand am östlichen Brückenkopf in Hattingen-Winz eines der ersten Farbdias des Fotografen, und zwar von der Essener 38 3424, die hier ebenfalls mit einen Personenzug in Richtung Essen unterwegs war.

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Das Bw Bochum-Dahlhausen kennt heute fast jeder als Eisenbahnmuseum, aber wer war dort schon zu Planbetriebszeiten? Für Herbert Schambach war das quasi sein Heimat-Bw und so entstanden hier etliche Bilder. U.a. von der Bismarcker 44 1025, die am 24.08.68 einen Güterzug nach Hattingen gebracht hatte und nun zum Restaurieren nach Dahlhausen kam.

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Von Essen-Steele her fuhren Wuppertaler T18 planmäßig das Bw Dahlhausen zum Restaurieren an. Am 27.07.63 konnte so eine schöne Porträtaufnahme der Vohwinkler 78 027 (mit rundem Dach) auf den Film gebannt werden.

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An dieser Stelle werden auch heute noch die Museumsloks im Bw Bochum-Dahlhausen bekohlt, wenn auch nur "just for show". Am 27.07.63 war das jedoch Alltag, hier zu sehen bei 94 837 in ihrem Heimat-Bw.

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Auf allen mir bekannten Aufnahmen stehen die Loks im Bw Essen Hbf mit dem Rücken zur Drehscheibe, leider auch auf den Freigleisen. Insofern war es das übliche Bild, wie hier die drei Tenderloks 78 509, 65 013 und 65 018 am 19.05.66 angetroffen wurden.

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65 012 gehörte zu den Maschinen mit Oberflächenvorwärmer und besaß, wie alle 65 des Bw Essen, eine Wendezugeinrichtung. Am 27.07.63 fuhr sie dem Fotografen im Bereich der Bekohlungsanlage ihres Heimat-Bws vor die Linse.

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Kurze Zeit später konnte auf der Drehscheibe auch 65 017 abgelichtet werden, eine Maschine aus der letzten Bauserie mit Mischvorwärmer und rundem Führerhausdach.

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Leider nur ansatzweise konnte das stark überbelichtete Dia der 65 017 in Essen Hbf in einen ansehnlichen Zustand versetzt werden. Aber auf das Bild einer 65 im Wendezugeinsatz und dazu noch an einem Bahnsteig mit den letzten Resten der alten Holz-Überdachung sollte trotz der nicht ganz behebbaren Farbverschiebungen nicht verzichtet werden. Aufnahme vom Feb. 1965.

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Auch früher schon war Schnee im Revier eine eher seltene Wetterlage. Am 29.12.62 nutzte der Fotograf diese Gelegenheit für eine Winteraufnahme der Gladbacher 03 055, die mit einem Eilzug in Richtung Duisburg den Essener Hbf verlässt.

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Von Essen über Gelsenkirchen, Wanne-Eickel, Recklinghausen und Münster verkehrte vormittags ein Personenzug nach Diepholz, der über viele Fahrplanperioden hinweg eine Füll-Leistung einer Osnabrücker 01.10 war, die zuvor einen Schnellzug ins Revier gebracht hatte.
Am 13.04.63 kam die Kohle-Lok 01 1069 vor diesem Zug zum Einsatz.

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Ein klassisches Lokporträt im Essener Hbf: 78 243 (Esn) am 12.03.60.

Bevor es mit der nächsten Dampflok-Baureihe im Essener Hbf weitergeht, sei auf die Galerie Essen Hbf 1956 - 63 hingewiesen, wo in zahlreichen schwarz/weiß Bildern des Fotografen Herbert Schambach die schier unglaubliche Baureihenvielfalt dokumentiert ist, die hier in dem betrachteten Zeitraum anzutreffen war.

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Auch die preußische T14.1, Baureihe 93.5, war Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre noch regelmäßig im Essener Hauptbahnhof anzutreffen - zum Beispiel 93 874 vom Bw Essen Hbf während einer kurzen Rangierpause am 17.10.59.

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Im westlichen Vorfeld des Hauptbahnhofs wurde 93 723 (Esn) am 18.02.61 bei der Überstellung eines Güterwagens abgelichtet.

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Direkt neben dem Essener Hauptbahnhof befindet sich die Abstellanlage West, in der 38 4016 für Heizlokdienste abgestellt war. Obwohl die Lok bereits seit 10/63 aus dem Betriebsbestand ausgeschieden ist, macht sie einen recht vollständigen und gepflegten Eindruck. Daneben an der Ladestation eine ETA150 Einheit mit ESA150 153 an der Spitze. Essen, 21.03.64.

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In der Abstellanlage West fand im Mai 1967 anlässlich der BdEF-Jahrestagung eine sehenswerte Fahrzeugausstellung statt. Leider waren die Exponate dicht gedrängt aufgestellt, was das Fotografieren ziemlich erschwerte - siehe 10 001 und 38 3479 im Hintergrund. So fielen bei einem ersten Rundgang am Vormittag des 04.05.67 nur wenige Aufnahmen ab; u.a. von 01 105 des Bw Hannover Hgbf.

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Im Laufe des Tages wurden die Maschinen noch einmal leicht verschoben, so dass jetzt auch 10 001 frei stand. Nur kam das Licht jetzt eigentlich von der anderen Seite, wobei sich die Sonne allerdings schon weitgehend hinter eine geschlossene Wolkendecke zurückgezogen hatte.
Die dahinter stehende, brandneue V160 149 wurde unter diesen Umständen leider keines Fotos für würdig befunden.

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Zwischen Essen Hbf und Essen West wurde am 09.08.61 diese sehr spezielle Fuhre aufgenommen: Schon die Zugbildung mit der Krefelder 38 2721 an der Spitze plus zwei Waggons - jeder für sich ein Schmankerl - und hinten angehängter VT36.5-Einheit ist sensationell. Noch außergewöhnlicher ist der Laufweg des sog. "Grenzland-Express" von Mönchengladbach über Neuß nach Düsseldorf als N867, ab hier weiter als Eilzug über Kettwig, Essen, Oberhausen und Dorsten nach Bentheim, wobei zwischen Borken und Ahaus eine Strecke der WLE, sowie zwischen Gronau und Bentheim eine Strecke der Bentheimer Eisenbahn mitbenutzt wurde.

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Über die sog. "Milchkurve", das Verbindungsgleis vom Rbf Mülheim-Heißen zur Pz-Strecke Duisburg - Essen, dampft eine der letzten 52er der DB mit einem gemischten Güterzug in Richtung Essen West. Der Fotograf stand am 12.03.60 etwa da, wo sich heute die S-Bahn Station Essen-Frohnhausen befindet.
52 884 vom Bw Wedau gehört zu den erst nach dem Krieg fertiggestellten Nachbau-52, bei denen im Hinblick auf das Neubaulok-Programm diverse neue Komponenten erprobt wurde, insbesondere verschiedene Bauarten von Mischvorwärmen. Bei 52 884 war es ein Henschel-MV Typ MVR.

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Schon auf dem letzten Bild konnte man sehen, dass die Strecke zwischen Essen und Duisburg damals nur zwei Gleise besaß. Östlich des Rbfs Mülheim-Heißen ging es im spitzen Winkel über die schon damals nur noch im Güterverkehr genutzte Strecke Dui.Wedau - MH Heißen - Esn.Nord - Esn.Kray - Bo.Präsident geführt, die auch als (Essener-) Nordbahn oder Rheinische Strecke bezeichnet wird. Hier wurde am 12.03.60 die Neubaukessellok 01 229 (DoB) abgepasst, als sie mit einem Schnellzug in Richtung Duisburg über die Brücke donnerte.

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Bei gleicher Gelegenheit, also am 12.03.60 in Mülheim-Heißen, wurde auch dieser "Kunstschuss" durch die Brücke versucht: Zu sehen ist 38 3389 mit einem Eilzug, den Wagen nach zu urteilen.

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Ebenfalls am 12.03.60, jetzt aber unter der Brücke, wurde zu guter Letzt auch 50 204 auf den Film gebannt. Soeben hat sie mit ihrem Güterzug den Rbf Mülheim-Heißen verlassen und dampft nun in Richtung Rbf Essen Nord. Das Gleis (in Fahrtrichtung) rechts neben dem Zug ist die oben erwähnte Milchkurve.

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Schrottloks sind ja eigentlich nicht mein Ding, aber wann sieht man schon eine Lok der Baureihe 87 in Farbe? Deshalb mache ich eine Ausnahme für 87 014, ausgemustert am 25.01.54 beim Bw Hamburg-Wilhelmsburg. Fotografiert wurde sie fünfeinhalb Jahre später im AW Mülheim-Speldorf am 17.10.59.
Das spezielle Fahrwerk mit zahnrad-gekuppelten Endradsätzen (Bauart Luttermöller) erkennt man daran, dass die äußeren Radsätze keine Kuppelzapfen und keine Gegengewichte besitzen.

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Eine interessante Vergangenheit hatte die EMM 2 der Eisenwerke Mülheim/Meiderich AG, der heutigen Friedrich-Wilhelm Hütte in Mülheim-Styrum. Denn dabei handelte es sich um die ehemalige DRB 92 230 ex bad Xb 790. Trotz einiger Umbauten ist der badische Ursprung noch gut zu erkennen.
Am 17.10.59 sonnte sich die alte Dame im Werkhof vor dem Lokschuppen des Mülheimer Werks.

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Nur eine (Doppel-) Lz, aber was für eine: Vorne 01 009 vom Bw Dortmund Bbf, einer der zehn Prototypen der Baureihe 01, dahinter 41 268 vom Bw Wanne-Eickel, eine 41 mit Neubaukessel (Kohle) und altem Tender 2'2'T32 neue Bauart. Am Nachmittag des 04.06.60 rollte das illustre Gespann durch den Duisburger Hauptbahnhof.

Duisburg - Oberhausen - Wanne - Dortmund

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Am 18.02.61 wurde das Bw Duisburg-Ruhrort Hafen besucht, das in erster Linie die Loks für den schweren Rangierdienst im Rbf und Hafen sowie für Nahgüter- und Übergabezüge im Hafen und zu den diversen Anschließern zu stellen hatte. Für solche Dienste war 55 4203 bestens geeignet - eine Maschine ohne Speisewasservorwärmer, was zu dieser Zeit schon recht selten war.

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1961 wurden die preußischen G8.2, von denen die letzten der DB im Bw Ruhrort Hafen beheimatet waren, so langsam rar. 56 2783 hatte sogar bis zum Schluss nur eine einfache Behelfs-Rauchkammertür. 18.02.61.

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Im Außenbereich des Bws machte sich, ebenfalls am 18.02.61, der G8.1-Umbau 56 582 (ex 55 4921) nützlich.

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Die jüngste Aufnahme dieser Galerie zeigt die Wedauer 55 5632, bereits mit neuer Nummer als 055 632, die soeben mit einer Übergabe aus Duisburg-Hochfeld Nord die Rheinbrücke der Strecke nach Rheinhausen unterquert hat und jetzt in den Rbf Hochfeld Süd einbiegt. Die ex SAAR G 8.1 war zu diesem Zeitpunkt eine der letzten 55.25 im Einsatz bei der DB und Anlass genug, am 27.03.69 wieder einmal eine Fototour nach Duisburg zu unternehmen.

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Am 23.09.67 rollt 41 197 vom Bw Dui.Wedau in ihrem Heimat-Bw auf die Drehscheibe. Der Zustand der Neubaukessel-41 zeigt schon deutlich, dass ihre Zeit abgelaufen ist; und tatsächlich, nur sechs Tage später erfolgte die Z-Stellung. Da kam das Foto gerade noch rechtzeitig.
Schön auch hier wieder die Kupplung mit einem alten Tender 2'2'T32 neue Bauform.

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Hätte es am Windleitblech nicht den Aufkleber "125 Jahre Deutsche Eisenbahnen 1835 - 1960" gegeben, wäre 38 1766 am 18.02.61 vermutlich gar nicht auf den Film gekommen, dazu stand sie in Duisburg-Meiderich Süd einfach zu unglücklich am Bahnsteig. Aber "im Jahr danach" war es an der Zeit, diesen Lokomotivschmuck auch einmal aus der Nähe zu dokumentieren

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Der Ringlokschuppen im Bw Oberhausen-Osterfeld Süd bot mit seiner Ausrichtung nach Norden nicht gerade günstige Voraussetzungen zum Fotografieren. Aber eine solche 50er-Parade wie am Sonntag, dem 04.06.67, reizte denn doch zu einer Aufnahme, auch unter ungünstigen Lichtverhältnissen. Gleich 6 Loks schmauchten vor dem Schuppen vor sich hin; v.l.n.r.: 50 1423, 50 2704, 50 2635, 50 1300, 50 107 und 50 1085

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Die letzten preußischen G7 in Westdeutschland (alte BRD) liefen bei den Hüttenwerken Oberhausen AG im Werksverkehr, u.a. zwischen dem Stahlwerk in Oberhausen und dem Rhein-Hafen in Walsum. Bei einem solchen Einsatz wurde am 06.05.61 die Lok 12 (Zweitbesetzung, ex 55 550, ex pr G7.1 Esn 5847) in Obh.-Sterkrade abgelichtet.

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Ebenfalls am 06.05.61 in Sterkrade entstand die Aufnahme der HOAG 41 (ex 55 367, ex pr G7.1 Esn 4567).

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Ein Blick ins Bw Wanne-Eickel im Februar 1967 zeigt mal wieder "Full House" - und damit den Normalfall in dieser zentralen Dienststelle im mittleren Ruhrgebiet. Gerade bricht 94 1697 (mit Blumenkasten) auf zu neuen Taten.

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Der 28.01.61 war ein leicht diesiger Wintertag, der für eine kurze Foto-Tour nach Wanne-Eickel genutzt wurde. Zunächst gab sich 01 176 vom Bw Dortmund Bbf die Ehre mit einem Eilzug(?) in Richtung Westen.

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Der Höhepunkt des Tages, jedenfalls aus heutiger Sicht, war sicher der Auftritt der Krauss-Maffei Versuchslok ML3000 CC. Die Lok präsentiert sich hier bereits in der auf 2x 1500 PS verstärkten Version, in der sie 1963 von der DB als V300 001 übernommen wurde. Auf der anderen Seite des Bahnsteigs musste die Recklinghauser 78 523 derweil erst einmal an die Seite.
Der Kilometerstein 0,1 zeigt an, dass genau hier im Bahnhof Wanne-Eickel die auch als "Rollbahn" bezeichnete Strecke über Recklinghausen, Münster und Osnabrück nach Hamburg beginnt.

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Möglicherweise in Zusammenhang mit der Behebung von Bergschäden leistet die Hibernia Shamrock V der nahe gelegenen Zeche Schamrock 3/4/11 am 28.01.61 "Arbeitsdienst" im Rbf Wanne-Eickel. Die D-n2t Zechenbahnlok vom Typ "600 PS" wurde 1923 von O&K unter der Fabriknummer 10298 gebaut.

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Von dem östlich des Personenbahnhofs auf der Nordseite der Bahn gelegenen früheren Bw Wanne P aus wurde im warmen Abendlicht des 27.07.63 die Osnabrücker Kohlelok 01 1053 bei der Einfahrt in den Bahnhof eingefangen.

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Aus der Gegenrichtung kämpft sich kurz darauf 41 046 mit Altbaukessel und Tender 2'2'T32 alte Bauform durch die weitläufigen Gleisanlagen. Die "schöne Mikado" gehörte am 27.07.63 zum Bestand des Bw Wanne-Eickel.

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Mit dem Dortmunder Hbf erreichen wir unseren östlichen Eckpunkt unserer Bilderreise durch den tiefen Westen. Dort war dem Fotografen die Gronauer 38 4003 ein Dia wert, während die E41 im Hintergrund leider verschmäht wurde. Dortmund Hbf, 08.64.

Hagen - Wattenscheid / Hattingen

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Hagen war schon immer eine Hochburg der preußischen G10, Baureihe 57.10 der DB. Vor der typischen Hinterhof-Kulisse östlich des Güterbahnhofs wurde am 06.04.60 die 57 3008 bei der Arbeit beobachtet.

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Von der Brücke der Eckeseyer Straße über die Bahn hatte man einen weiten Blick über die Bahnanlagen nördlich des Hauptbahnhofs. Und bevor die Elektrifizierung der Hagener Strecken für ein dichtes Drahtverhau über den Gleisen sorgte, ließen sich von hier auch ganz ordentliche Fotos machen.
Am 06.04.60 waren gleich zwei G10 im Zustelldienst zum Hbf tätig: Links 57 1629 und rechts 57 1636. Bevor letztere ihre vier Umbauwagen in den Bahnhof bringen kann, muss allerdings die vor ihr stehende 01 den Weg freimachen.

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Bei diesem Bild geht es weniger um den Güterzug, der hier auf der Ostseite des Hauptbahnhofs rangiert, und auch nicht um 50 1498 (mit Schürze), sondern vielmehr um den Blick auf das damalige Bahnhofs-Umfeld und besonders um die alte Brücke im Verlauf der Eckeseyer Straße mit den charakteristischen Türmchen am Brückenkopf. Die Aufnahme entstand ebenfalls am 06.04.60.

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Auf dem mitten durch das Bw Hagen-Eckesey hindurch führende Verbindungsgleis vom Rbf Eckesey an der Rheinischen Strecke zum Hauptbahnhof legte wenig später am 06.04.60 die 57 1636 eine kurze Rast ein. Durch die für eine G10 ungewöhnliche Kesselausrüstung ohne Speisedom und das runde Führerhausdach ergibt sich in der Ansicht spitz von vorn eine überraschende Ähnlichkeit zur preußischen G8.1, BR 55.25.

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Trotz der tristen Lichtverhältnisse, die am 12.03.61 im Bw Hagen-Eckesey herrschten, musste die Kasseler 01 1095 natürlich unbedingt auf den Film, handelte es sich doch um letzte mit altem Kessel ausgestattete 01.10 der DB. Der Grund für die späte Neubekesselung war, dass die 1095 erst 1953 den Kessel der 01 193 erhalten hatte (nach Adaption auf die Einbausituation bei der BR 01.10), und daher keine Eile wie bei den 01.10-Kesseln aus nicht-alterungsbeständigem Stahl ST47K bestand.

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Ein Besuch im Bw Hagen Eck ohne 03.10 - das geht natürlich nicht!
Die 03 1043 zeigt uns zwar nur ihren schönen Rücken, aber der außergewöhnlich gute Zustand der Lok und die geschlossenen Tenderklappen ziehen sicher nicht nur die Aufmerksamkeit von 03.10-Fans auf sich. Etwas rätselhaft sind die hellen horizontalen Streifen auf der Tenderseitenwand, die auch auf dem parallel entstandenen s/w-Bild zu sehen sind. 12.03.61.
Der Baureihe 03.10 ist in der Bundesbahnzeit eine eigene Galerie gewidmet, in der sämtliche DB-03.10 vertreten sind: 03.10 - Die Legende lebt.

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Als die 57 2559 am 05.08.67 in ihrem Heimat-Bw Hagen Gbf aufgenommen wurde, war dieses neben Haltingen eines der beiden letzten, wo die G10 noch eingesetzt wurden. Der ungewöhnlich gute Zustand dürfte auf die Sonderfahrt mit dieser Lok am 25.03.67 durch das niederbergische Land zurückzuführen sein.

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Vor dem Hintergrund der großen Bekohlungsanlage des Bw Hagen Gbf köchelte am 23.05.63 ein echter Exot unter den Hagener 57ern vor sich hin: Denn 57 2501 war zu diesem Zeitpunkt mit einem vierachsigen Tender der Bauart 2'2'T16pr gekuppelt (nicht zu verwechseln mit Kastentender 2'2'T21,5pr der P8), der jedoch später gegen den üblichen dreiachsigen Tender 3T16pr getauscht wurde.

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Noch waren in Wattenscheid nicht alle Gleise überspannt, als 78 439(?) im August 1963 mit dem E549 ostwärts durch den Bahnhof rauschte.

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Ende der 50er Jahre benötigte die Hattinger Henrichshütte zusätzliches Gelände für den Bau einer neuen Sinteranlage. Dafür wurde der vor dem Werkgelände liegende Ruhrbogen begradigt und auch die Eisenbahnstrecke nach Hagen in diesem Bereich verlegt. Über diese zum 18.03.61 in Betrieb genommene "Neubaustrecke" dampft hier die Essener 78 243 am 23.02.63 mit einem Personenzug nach Essen.

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Mit dem Bild der aus Hagen kommenden 78 442 bei der Einfahrt in den Bahnhof Hattingen haben wir das Ende unserer Tour de Ruhr erreicht. Hinter dem Stellwerk "Ot" (für Ostturm) befand sich zum Aufnahme-Zeitpunkt in 03/63 das Bw Hattingen, das aber bereits dem Bw Bochum-Dahlhausen angegliedert war.

Weitere Aufnahmen zum Thema siehe begleitenden DSo-Beitrag Mit HS unterwegs – Rundreise durchs Revier.