Shit happens – Stellwerkabsturz in Essen Nord am 26.03.1986
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 30.03.2026

An diesem Tag kam mein Freund und Kollege Martin Welzel im Büro mit der Nachricht zu mir, er hätte über den "Buschfunk" erfahren,
dass es im Bahnhof Essen Nord einen Unfall gegeben hätte, bei dem das dortige Reiterstellwerk abgestürzt sei. Das hörte sich dramatisch an. Es war klar: Da müssen wir hin, selbst wenn man dafür die Mittagspause etwas überziehen müsste. Zum Glück hatten wir beide wegen potentieller Fototouren nach der Arbeit unsere Kameras dabei, so dass einer bildlichen Dokumentation des Ereignisses nichts im Wege stand.

Der Weg zum Stellwerk "Eno“ führte durch den Güterbahnhof Essen Nord, wo eine 221 gerade ein paar Güterwagen umrangierte.

Bild 01 

Erfreulicherweise präsentierte sich 221 127 noch in roter Farbgebung.
Bemerkenswert auch der Kühlwagenzug, mit dem die 221 offenbar soeben angekommen war.

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Bild 02 

Beim Umsetzen kommt im Hintergrund erstmals das havarierte Stellwerk "Eno" ins Bild.

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Bild 03 

Hier ist das ganze Schlamassel besser zu sehen.
Vorn der 75t Kran "David", Nr. 80 80 579 0 010-0, der seinen Einsatz anscheinend bereits abgeschlossen hatte.

Was war passiert? Bei der Einfahrt eines aus Richtung Kray Nord kommenden Güterzuges wurde unter dem Zug eine Weiche gestellt, so dass der hintere Zugteil auf das Nachbargleis geleitet wurde. Nur stand dummerweise genau zwischen diesen beiden Gleisen die Stütze für das Reiterstellwerk, die dadurch weggerissen wurde. Zum Glück fiel das Stellwerk nur wenige Meter tief auf einen Güterwagen, der dadurch zwar zerstört wurde, aber einen völligen Absturz des Stellwerkraums verhinderte. Soweit ich mich erinnere, gab es keine Personenschäden und der Stellwerker kam mit dem Schrecken davon.

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Bild 04 

Nun trauten wir uns etwas näher heran, auch wenn das Licht gerade etwas schwächelte. Zunächst der Blick von der Westseite.

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Bild 05 

Sodann von der Blick von Osten.
Wenn ich sehe, wie knapp der Brückenträger noch auf dem Mauerwerk aufliegt, erscheint es mir gänzlich unverständlich, wie viele Personen sich nahe und sogar unter dem abgeknickten Gebäudeteil aufhielten.

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Bild 06 

Wir hatten jedenfalls unsre Bilder im Kasten und machten uns wieder auf den Weg zurück ins Büro.
Ein letztes Mal kam dabei 221 127 auf den Film, die gerade ihren Zug direkt an der Unfallstelle vorbei nach hinten drückte.
Eine Gefahr, dass die Stellwerksbrücke infolge der Erschütterungen durch die Zugfahrt noch völlig abstürzen könnte, wurde offenbar nicht gesehen.

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Bild 07 

Der Hilfszug war mit 221 115 gekommen, die allerdings ziemlich ungünstig im Licht stand. Aber was soll's, es war ja nur eine blau/beige 221.

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Bild 08 

Daneben zwei stark "zerdöschte" Fc Wagen, die zum Abtransport bereits auf vierachsige Tiefladewagen geladen worden waren.

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Bild 09 

Weiter vorne im Westkopf des Bahnhofs Essen Nord stand 216 027 mit zwei Flachwagen.

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Bild 10 

Als diese dann zurück zur Unfallstelle geschoben wurden, war ein weiteres Foto fällig.

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Bild 11 

Und an der roten 216 032 kamen wir natürlich auch nicht ohne eine letzte Aufnahme vorbei.
Die Fc Wagen hinter der Lok lassen die Vermutung zu, dass es sich hier um den Zug handelt, der zu dem Unglück geführt hatte.

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Bild 12 

Für heutige Verhältnisse unglaublich schnell wurde das Stellwerk Eno wieder instand gesetzt. Trotzdem dauerte es bis zum 06.10.89, bis ich das schöne Reiterstellwerk wieder ins Bild setzen konnte.
Anlass war die Überführung des ersten bei Krupp gefertigten ICE1 Serientriebkopfs 401 002 zur Inbetriebsetzung nach Opladen. Die Zuglok 140 683 stellte das Bw Dortmund Bbf.

Soweit mein kurzer Bericht über dieses zumindest für mich denkwürdige Ereignis, welches jetzt fast auf den Tag genau 40 Jahre her ist.

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.

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