Wer kennt denn schon Walpertshofen – eine kleine 100-Seelen-Gemeinde nördlich von Dachau an der Strecke von München nach Ingolstadt. Walpertshofen hatte sogar eine eigene S-Bahn Station an der S2 nach Petershausen, die 2003(?) beim Ausbau und Neutrassierung der Strecke in Hebertshausen umbenannt wurde.

Hier verbrachte ich am 04.05.1990 einen unvergesslichen und fotografisch sehr ergiebigen Nachmittag an der Strecke.

Die Gelegenheit dazu ergab sich durch eine Dienstreise nach München, die am 03.05. mit einem Vorgespräch zum Thema ICE-M im Industriekreis begann. Am nächsten Tag dann das eigentliche Meeting im BZA München, Beginn 8:00 Uhr. Und wie immer, wenn sich der BZA-Präsident Theophil Rahn persönlich einschaltete, lief das Ganze kurz und knackig ab. Schon nach drei Stunden war alles vorbei und die meisten Teilnehmer eilten schnell von dannen, denn es war Freitag und das Wochenende stand vor der Tür.

Ich dagegen hatte meinen Rückflug bereits auf eine spätere Maschine umgebucht, um das schöne Wetter für ein paar Aufnahmen zu nutzen. In München selbst fiel mir nach gefühlt "unendlich" vielen Dienstreise hierhin nichts mehr ein, deshalb sollte es diesmal ins Umland gehen. Vom Licht her erschien mir die Streckenführung bei Walpertshofen aussichtsreich zu sein, ohne dass ich genau wusste, was mich dort erwarten würde – Internet und die Gurgelmappe standen einem ja damals nicht zur Verfügung. Aber einen Versuch war’s wert.

Um 11:59 Uhr traf ich mit der S2 in Walpertshofen ein. Und dort lief es so gut, dass ich hier ganze fünf Stunden blieb. In dieser Zeit entstanden etwas mehr als 50 Aufnahmen, von denen ich 48 für diesen Bericht ausgewählt habe. An Zügen nichts wirklich Besonderes, aber sicher ein repräsentativer Querschnitt des damaligen Betriebsgeschehens auf dieser Strecke. Wegen der großen Zahl an Bildern stelle ich diesen Beitrag ins Forum Bildberichte ein.

Bild 01 

Ich stand noch auf dem Bahnsteig in Walpertshofen, als von Petershausen her eine S-Bahn mit 420 174 an der Spitze eintraf.

Heute geht die um zwei Gleise erweiterte und für vmax = 200 km/h ausgebaute Strecke genau ab hier geradeaus weiter, östlich am Ortsteil Unterwellbach vorbei, um nach etwa 3 km Neutrassierung wieder auf die alte Linienführung zu stoßen – siehe Karte.

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Bild 00 

Streckenführung bei Walpertshofen, alt (gestrichelt) und neu (orange).

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Bild 02 

Dass es seit einiger Zeit eine "Rollende Landstraße" zwischen Ingolstadt und dem Brenner gab, war mir ja bekannt. Aber einen solchen Zug vor die Flinte zu bekommen, damit hatte ich nicht gerechnet. Und schon gar nicht damit, dass diese Züge mit 110 vom Bw Stuttgart bespannt waren. Hinter 110 236 herrschte leider totale Leere; erst ganz hinten sind ein paar Trailer auszumachen. Dieses Angebot wurde offensichtlich noch nicht so richtig angenommen.

Das schon sehr spitz von vorn kommende Licht veranlasste mich zu einem Stellungswechsel auf die andere Seite der Strecke.

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Bild 03 

Okay, selbst hinter der Kurve war das Licht noch nicht ganz "rum" und die Seite von 150 021 ziemlich verschattet.
Schade, diese "einäugige" 50er wäre besser mal eine Stunde später gekommen.

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Bild 04 

Beim Nachschuss auf den E3272 mit 111 070 als Schieber ist die seitliche Verschattung schon etwas erträglicher.

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Bild 05 

Beim nächsten Güterzug mit 140 383, Bw Seelze, sieht man deutlich, dass der Eindruck einer dunklen Seitenwand stark von der Farbe und Struktur dieser abhängt.

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Bild 06 

Darauf hatte ich eigentlich gesetzt: Die Serien-120 im Güterzugdienst. Diesen Gefallen tat mir 120 105, die zweite bei uns (Krupp) gefertigte Maschine dieser Baureihe. Wie alle 120.1 in der Anfangszeit war auch diese beim Bw Nürnberg 2 (=Rbf) beheimatet.

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Bild 07 

Trotz des heftigen Frontschattens blieb 111 102 (F-1) mit dem IC682 "Albrecht Dürer" nicht unfotografiert. 111er im IC-Einsatz gab es bei uns im Westen ja schließlich nicht zu sehen.

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Bild 08 

Außerhalb der Hauptverkehrszeiten verkehrten einzelne Kurse auf der S2 auch mit nur einer 420-Garnitur. So wie hier 420 045 im klassisch bajuwarischen blau/kieselgrau.

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Bild 09 

Bei den im 40-Minuten-Takt vorbeirauschen S-Bahnen wurden ganz gegen meine sonstigen Gewohnheiten immer wieder auch Nachschüsse getätigt. So wie hier auf (in Blickrichtung) 420 059 und 420 172.

Bemerkenswert erscheint mir, dass der 420 059 ursprünglich die blau/kieselgraue Farbgebung besaß, die bei der E3.0 in 1/86 in die für S-Bahn Fahrzeuge generell anzuwendende Farbgebung orange/kieselgrau geändert wurde. Einen solchen Farbwechsel gab es m.W. nur bei wenigen 420.
Der (in Fahrtrichtung) vordere Tz 172 besitzt schon das neue S-Bahn Design: nach wie vor mit orangem Fensterband, jedoch ohne die schmalen orangen Zierstreifen oberhalb des Rahmens und an der Dachkante, dafür aber mit gelbem Streifen unter dem Fensterband.

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Bild 10 

Die Stuttgarter 150 148 kam leider wieder aus dem Rücken. Grrr …;-(

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Bild 11 

Genau so auch 120 134 mit dem FD1980 "Königssee".

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Bild 12 

Und endlich der erste "goldene Schuss" (trotz Hochlicht): 120 152 mit Güterzug, gut ausgeleuchtet und mit gelbem Rapsfeld im Hintergrund.
Etwa am rechten Rand des Rapsfeldes dürfte heute die neu trassierte Strecke verlaufen.

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Bild 13 

Gleiche Randbedingungen auch bei 151 148, aber der schon etwas ausgebleichte Lack macht sich halt einfach nicht so gut wie ein frisches Orientrot.

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Bild 14 

Dann wieder eine S-Bahn nach Petershausen: Eine Dreifach Garnitur mit 420 556 + 420 143 und 420 625 (= Nummern des jeweils führenden Kopfwagens).

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Bild 15 

Derselbe Zug im Nachschuss, jetzt also logischerweise 420 125 + 420 643 + 420 056.

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Bild 16 

Aus Petershausen zurück kommt die schon in Bild 9 gezeigte Doppeleinheit aus 420 059 und 420 172.

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Bild 17 

Alltag, nichts als Alltag: 111 047 mit E3477.

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Bild 18 

Ein erster kleiner Wolkenschaden beim nur freitags unter dieser Zugnummer verkehrenden (Pz) 4217 mit 111 070. Die Fahrt in den Schatten veranlasste mich, früher abzudrücken als geplant, wodurch der Stromabnehmer jetzt leider "im Mast hängt".

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Bild 19 

Wieder mit Licht und damit auch mit Frontschatten: 420 674 + 420 507.

Die Häuser im Hintergrund gehören zur (Ober-) Gemeinde Hebertshausen, während der Ortsteil Walpertshofen westlich der Bahn, also im Bild rechts außerhalb des Blickwinkels liegt. Die spätere Umbenennung der S-Bahn Station ist also absolut nachvollziehbar.

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Bild 20 

Nachschuss mit 420 007 hinter 420 174.

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Bild 21 

Einen fotogenen Autozug (mit VW) hatte die Seelzer 140 780 am Haken.

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Bild 22 

Dann wieder von hinten 111 081 mit dem E3274.

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Bild 23 

Und auch 150 088 kam mal wieder von der falschen Seite. Mit den dicken Sechsachsern hatte ich irgendwie kein Glück.

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Bild 24 

Aber wieder sehr schön der 4 Wagen kurze IC885 "Lucas Cranach" mit 103 166.

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Bild 25 

Na nu, was führte denn die Mühldorfer 212 017 hier hin?

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Bild 26 

Jetzt mal etwas mehr von unten: 111 220 mit E3255.

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Bild 27 

Stellenwechsel ca. 200m weiter nach vorn in Richtung Petershausen, wo ein leichter Einschnitt für eine Motivvariation sorgte.
Und schon zum dritten Mal kam nun wieder 111 070 auf den Diafilm, diesmal mit (Pz) 4216.
So ein Hin- und Her-Rutschen über kurze Distanzen im Regionalverkehr war eigentlich nicht der Auslegungsfall für eine Schnellzuglok.

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Bild 28 

Da passte schon besser der FD1923 "Berchtesgadener Land" hinter eine 111, in diesem Fall 111 075.

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Bild 29 

S-Bahn Zeit mit 420 545 + 420 642 + 420 524 als Dreiereinheit blau/orange/blau.

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Bild 30 

Im Nachschuss lautet die Reihenfolge dann so: 420 024 + 420 142 + 420 045.

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Bild 31 

Auch 111 047 hatte ich an diesem Tag schon einmal aufgenommen (Bild 17). Als Folgeleistung war sie nun mit dem E3276 wieder auf dem Weg gen Norden, der sie diesmal bis nach Treuchtlingen führte.

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Bild 32 

Inzwischen hatte sich das Licht soweit gedreht, dass der Frontschatten nicht mehr so hart ausfiel. Und das war auch gut so, denn jetzt kam die Stuttgarter 110 227 mit einer weiteren "Rollenden Landstraße" in Richtung Norden, also nach Ingolstadt. Der Hintergrund ist zwar gerade etwas verdunkelt ist, aber der gut ausgelastete Zug ist wenigstens noch (oder schon wieder?) gut im Licht.

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Bild 33 

Und jetzt war klar, wofür 212 017 soeben als Lz nach Norden gefahren war. Mit einem prächtigen Holzzug am Haken war sie zum Glück schnell genug, um nicht vollends in die von hinten heranziehenden Schatten hineinzufahren.

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Bild 34 

Die kurz darauf folgende 151 053 (N-2) erlitt dagegen einen Wolken-Totalschaden.

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Bild 35 

Aber schon beim nächsten S-Bahn Takt herrschte wieder eitel Sonnenschein.
Der orange Dreier war gebildet aus 420 548 + 420 550 + 420 625.

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Bild 36 

Aus Petershausen in Gegenrichtung dann 420 024 + 420 142 + 420 045, wie schon in Bild 30 auf der Hinfahrt zu sehen.

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Bild 37 

Alles im Licht bei diesem ausschließlich aus gedeckten und Schiebewandwagen bestehenden Güterzug, traktioniert von der Nürnberger 151 111.
Durch die Länge des Zuges wird hinten die Kurve sichtbar, die durch die Neutrassierung beseitigt wurde.

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Bild 38 

Ja, sooo gefiel mir das, auch wenn der Wagenpark bereits eine Fehlfarbe aufwies: 103 112 mit IC622 "Glückauf".

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Bild 39 

Nach einer orientroten und einer blau/beigen 110 nun auch noch eine blaue 110 vor der RoLa: 110 173, ebenfalls vom Bw Stuttgart.
Und wieder herrscht hinter dem Begleitwagen gähnende Leere.

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Bild 40 

Alle drei 1990 aktuellen Farbgebungen in einem Zug (den roten Tz 003 unterschlage ich mal):
420 658 orange + 420 652 orange, neu und 420 515 blau.

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Bild 41 

Eine meiner schönsten Aufnahmen von einer 120.1 im Güterzugdienst: 120 152, die schon bei Bild 12 im Gz-Einsatz zu sehen war.

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Bild 42 

Trotz Frontschattens natürlich fotografiert: 140 270 vom Bw Köln 1 (Deutzerfeld).

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Bild 43 

Und dann wieder die unvermeidliche S-Bahn – sorry, ich habe halt jeden Zug fotografiert:
420 513 + 420 xxx + 420 528.

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Bild 44 

Der Mittelwagen mit "Handelsblatt"-Ganzreklame in der dritten Einheit erforderte natürlich auch einen Nachschuss.
Die Fahrzeugreihung in dieser Blickrichtung: 420 028 + 420 xxx + 420 013.

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Bild 45 

Zu dumm auch: Die einzige 141, die sich in den fünf Stunden hier sehen ließ, erlitt leider einen fatalen Wolkenschaden. Aber was soll’s, 141 017 als Zuglok des (Pz) 4218 hatte ich früher schon mehrfach vor die Kamera bekommen.

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Bild 46 

Als letzte Aufnahme an der Strecke noch ein schöner Abschluss: Die "einäugige" 140 036 (M-1) mit einem leeren Autotransportzug und wieder voll im Licht.

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Bild 47 

So langsam wurde es Zeit, sich auf den Weg zum Flughafen zu machen. Ich war schon auf dem Bahnsteig der S-Bahn Station Walpertshofen, als 111 220 mit dem E3280 durch Kurve gen Norden rauschte ...

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Bild 48 

... direkt gefolgt von einer S2 mit 420 127 am Zugschluss.
Für die Fotoliste wurde natürlich auch die komplette Fahrzeugreihung notiert: 420 127 + 420 550 + 420 643. .

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Mit der S2, Walpertsfofen ab 17:05 Uhr, Umsteigen in die S6 nach Riem und Bustransfer zum Flughafen war ich so rechtzeitig dort, um noch auf einen früheren Flug umbuchen zu können, so dass ich gegen 20:00 Uhr bereits wieder zu Hause war.

Aus heutiger Sicht war dieser "After Work Fuzz" ein überaus gelungener Beifang einer zweitägigen Dienstreise, an die ich bis heute gerne zurückdenke:
- in 5 Stunden entstanden rund 50 (brauchbare) Aufnahmen. Macht durchschnittlich alle 6 Minuten ein Foto
- 45 fotografierte Züge in 5 Stunden ergeben eine durchschnittliche Zugfolge von 6,7 Minuten
- 10 Baureihen gaben mir die Ehre: 103, 110, 111, 120, 140, 141, 150, 151, 211 und 420
- 4 Züge mit 120, davon drei Güterzüge
- 3 "Rollende Landstraßen" mit 110
- viele 420, in allen damaligen Farbgebungen und Zugkonfigurationen
- einziger Wermutstropfen: 3 Güterzüge mit 150, nur leider alle suboptimal im Licht

Was will man mehr!

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.