Bildserie 012 077 und ’ne Schaufel Sand
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 29.03.2004

Die ölgefeuerten Dampfloks der DB wurden mit Schweröl betrieben, das als Abfall- bzw. Restprodukt bei der Rohöl- veredelung anfällt. Dieses sog. „Bunkeröl C“ ist ein schwarzer, nur im erhitzten Zustand dünnflüssiger Stoff, ähnlich wie Teer. Durch den geringen Reinheitsgrad entsteht bei der Verbrennung viel Ruß, der sich im Laufe der Zeit auch an den Innenseiten der Rauchrohre ablagert und die Verdampfungsleistung des Kessels mindert. Regelmäßiges Rohrblasen im Bw war deshalb unerlässlich. Und wenn die Werkstatt mal geschlampt hatte, wussten sich die Lokpersonale eben anders zu helfen:

Eine Schaufel Sand in die Feuerbüchse, Bläser an und den Dreck durch den Schornstein gejagt. Durch den starken Saugzug wurde der Sand durch die Rauchrohre gerissen und wirkte dort wie ein Sandstrahlgebläse. Das was natürlich gegen alle Dienstvorschriften und wurde deshalb vorzugsweise bei Nacht und/oder in unbewohntem Gebiet praktiziert. Oder auf offener See .......

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E2109 mit 012 077 an der Spitze hat am 28.9.72 auf seiner Fahrt von Westerland nach Hamburg gerade die Insel Sylt verlassen und beginnt seine 11 km lange Fahrt über den Hindenburgdamm. Noch sieht alles nach einer ganz normalen, wenig spektakulären Aufnahme vom Typ „Zug auf Damm“ aus.

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Aber da kommt die berüchtigte Schaufel Sand. Und sofort quillt rabenschwarzer Qualm aus dem Schornstein.

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Wie ein schwarzer Balken legt sich die Rußwolke über dem Zug. Jetzt sollten die Reisenden besser nicht ihren Kopf aus dem geöffneten Fenster strecken. Der Fotograf ist natürlich begeistert. Aber in die Umwelt geht schon wirklich eine enorme Ladung an Dreck und schmierigem Ruß nieder.

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Ist es nicht geradezu majestätisch, wie die 012 hier vorbeizieht?

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Dieses Schauspiel ist sogar einen „Nachschuss“ wert, auch wenn der Rußausstoß so langsam nachlässt.

Das waren jetzt sechs von neun Bildern, die damals entstanden. Der Autor schwelgt in Erinnerungen. Aber der unbeteiligte Betrachter mit 30 Jahren Abstand sieht vielleicht nur sechsmal ein und denselben Zug an ein und derselben Stelle?

Ich bedanke mich schon mal im voraus für eure Kommentare.

Schönen Abend noch,
Ulrich B.