AW Schwerte 1967
Zusammenfassung der Beiträge Teil 1 bis 3
AW Schwerte 1967 - Teil 1
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 09.05.2004

Der Beitrag von Domino zum AW Schwerte hat mich veranlasst, mal einige Dias aus der Zeit einzuscannen, als das AW zum Sammelplatz zahlreicher Schrottloks avancierte, darunter mehrere seltene Einzelstücke. Um die Ladezeiten nicht zu lang werden zu lassen, stelle ich meinen Beitrag in 3 Teilen ins Forum.

Am 27.10.67, nach der Schule, stattete ich zusammen mit einigen Freunden dem AW einen (unangekündigten) Besuch ab. Das AW war damals noch in der Dampflokausbesserung aktiv, wenngleich die baldige Schließung absehbar war. Die Anmeldung bereitete keine Probleme (und kostete auch nichts) und schon bald führte uns ein freundlicher Werkmeister zu den begehrten Stücken.

Bild 01 01
Der Star (in meinen Augen) war die 62 003, die zusammen mit 17 218 und E71 22 in der Lokführerschule Troisdorf als Anschauungsobjekte gedient hatte. Nach Schließung der Schule wurden die Loks für kurze Zeit im Bw Gremberg abgestellt, bevor die beiden Dampfloks weiter nach Schwerte gebracht wurden. Die 62 003 stand perfekt im Licht und befand sich in einem sehr guten Zustand - sogar die Treib- und Steuerstangen waren noch vorhanden und lagen auf dem Umlauf.

Bild 02 02
Ganz anders die 89 801: Die war total verrostet und muss vorher im AW Weiden bereits lange im Eck gestanden haben, bevor sie nach Schwerte kam. Kaum vorstellbar, dass daraus die schmucke Museumslok wurde, wie wir sie heute kennen. Als besonderer Gag für die JuFus wurde in der Rauchkammer ein alter Putzlappen angezündet. Damals fanden wir das natürlich ganz toll, aber heute wirkt der Anblick eines qualmenden Schrotthaufens doch etwas befremdlich.

Bild 03 03
Und dann lief unser Begleiter zur Hochform auf. Aus dem Schuppen wurde die letzte aktive Werklok des AW geholt, die T3-ähnliche ex 89 7531. In Schwerte wurde die ehemalige Lok 13 „Rhueden“ der Braunschweigischen Landeseisenbahn als Lok 3 geführt, in offiziellen DB-Listen unter der Phantasienummer 89 6003 und im Umzeichnungsplan von 1968 taucht sie sogar als 089 003-8 auf!

Bild 04 04
Und die alte Dame war noch rüstig. Mit kräftigem Auspuffschlag zieht sie los, bevor ich noch richtig in Stellung gehen konnte. Deswegen ist die 62 leider nicht ganz im Bild - typischer Anfängerfehler.

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Da stehen sie nun nebeneinander, bayrische R3/3 und preußische T3.

Bild 06 06
Von vorne gesehen drängt sich auch noch 62 003 ins Bild. Ist das nicht ein einmaliges Ensemble?

Bild 07 07
Mittlerweile ist auch eine "richtige" Betriebslok dazu gekommen: 44 1051 vom Bw Gelsenkirchen Bismarck, die nach einer Zwischenuntersuchung für die Probefahrt vorbereitet wird. Noch hat die Lok ihre Schürze - bei der nächsten Begegnung im Mai 70 war sie bereits entfernt.

Bild 08 08
So eine schöne Lok ist natürlich auch eine Einzelaufnahme wert. Gut zu sehen sind diverse neu verlegten Leitungen. Die Endlackierung, vmtl. nur eine Anstrichausbesserung, findet erst nach der Probefahrt statt.

AW Schwerte 1967 - Teil 2
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 09.05.2004

und jetzt geht's weiter mit den Bildern aus dem AW Schwerte vom 23.10.67.

Bild 09 09
Schon erwähnt hatte ich im ersten Teil die 17 218, die ebenfalls von Troisdorf über Gremberg nach Schwerte gelangte. In illustrer Gesellschaft von 01 177 (Bw Nür Hbf) und 03 1056 (Bw Hagen Eck) steht sie in der nachmittäglichen Oktober-Sonne vor dem Abnahmeschuppen des AW Schwerte. Nur, hier gibt's keine Abnahme mehr, es wartet nur noch der Schneidbrenner.

Bild 10 10
Leider ist der Kessel zu Anschauungszwecken aufgeschnitten und der Umlauf mit einem Geländer versehen. Auch sonst ist die Lok in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand. Aber immerhin - die letzte preußische S10.2.

Bild 11 11
01 und 03.10 waren als Schrottloks in Schwerte zahlreich vertreten, aber eine 03.10 war und ist in meinen Augen die schönste aller DB Loks mit Neubaukessel. Dafür wurde sogar ein extra mitgebrachtes "Dummy-Lokschild" an der Lok angebracht - wie ich heute weiß, mit falschen Ziffern. Denn ein echtes Lokschild der 03 1056 mit Spitzziffern hängt heute bei mir zu Hause an der Wand.

Bild 12 12
Eigentlich nichts Besonderes zu jener Zeit war eine 64, fuhren doch von dieser Baureihe noch zahlreiche Exemplare in Süddeutschland. Aber es ist halt die Nummer: 64 001 vom Bw Ulm, die hierhin ihre letzte Reise gemacht hat

Bild 13 13
Beim Verlassen des AW wurden dann auch noch die beiden VT33 215 und 225 abgelichtet, die an der ehemaligen Schiebebühne abgestellt waren. Was waren das doch für formschöne Triebwagen, vor allem in der Ausführung mit alten Lampen, wie der VT33 225 rechts vorn.

Bild 14 14
Der VT33 215 hat dagegen "Stilaugen", also umgebaute Scheinwerfer, die das Erscheinungsbild, genauso wie bei der E18, nicht gerade verbessern.

AW Schwerte 1967 - Teil 3
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 13.05.2004

Nachdem meine Bilder vom AW Schwerte so gut angekommen sind, heute noch ein kleiner Nachtrag. Eigentlich ist es eher ein Prolog zu den beiden vorangegangenen Teilen, denn die folgenden Bilder entstanden bei meinem ersten Besuch im AW Schwerte am 17.04.67. Von irgendwo her hatte ich die Information aufgeschnappt, im AW Schwerte gäbe es noch 2 aktive T3. Also AW angeschrieben, ob das stimmt, um Besuchserlaubnis angefragt, Auskunft und Genehmigung erhalten und nichts wie hin.

Bei den T3 handelte sich um folgende Loks:

  • Werklok 2, ex KPEV T3 Elberfeld 1744 bzw. 6221 (ab 1906), 1924 an AW SRT (also nie DRG Nr.), von "Experten" gelegentlich als 89 7077 bezeichnet (falsch, abgeleitet aus Baureihe 89.70-77), Inventar-Nr. 89 6002, im Umz.-Plan von 1968 als 089 002-0 vorgesehen.
  • Werklok 3, ex DB/DRG 89 7531, ex Braunschweigische Landes Eisenbahn 13 "Rhueden“, wie KPEV T3 Musterblatt MIII-4e, '68 an AW SRT, Inventar-Nr. 89 6003, vorgesehen als 089 003-8.


Bild 15 15
Der erste Weg im AW führte denn auch gleich zu Werklok 3, die zwar angeheizt, aber untätig zwischen den Werkhallen stand.

Bild 16 16
Die nächste Station war Werklok 2, die aber alles andere als betriebsfähig oder gar aktiv war. Ihrem Zustand nach muss sie schon mindestens 2 Jahre abgestellt gewesen sein. Immerhin hat sie noch ihre Lampen.

Bild 17 17
Dann ging die Besichtigungstour weiter zu den zur Verschrottung abgestellten Loks:
Der 2'A1' Torso war einmal 01 080, die bereits gründlich ausgeschlachtet ist.

Bild 18 18
Die daneben stehende 03 1076 ist dagegen noch weitgehend vollständig. Hinter der Lok eine unbekannte 57.10.

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Ein Gleis daneben gleich 5 Lok der Reihe 03.10, vorne die 03 1021. Wenn man den vollständigen und guten Zustand der Loks betrachtet, kommt schon eine gewisse Traurigkeit auf, dass von den Loks nicht wenigstens eine erhalten geblieben ist (KDH hat dazu ja schon einiges gepostet). Wenigstens die Kessel hätte man ja noch ohne weiteres für die BR 41 verwenden können (nur bei 41 105 so geschehen).

Bild 20 20
Beim weiteren Gang durch das AW begegnete uns dann noch eine wirklich aktive Werklok, V45 006. Dieser Diesel- Exot französischen Ursprungs rangiert gerade einige O-Wagen, die vermutlich mit Dampflok-Schrott beladen sind.

Bild 21 21
Als wir bereits den Heimweg angetreten hatten und im Bf Schwerte Ost auf unseren Zug warteten, ließ sich
V45 006 noch einmal sehen. Mit einem Zug leerer O-Wagen fährt sie gerade aus dem Rbf zurück ins AW.



Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte, die in dieser Form typisch ist für die damalige Zeit.

Beim Gang durch die Reihen der Schrottloks war mir aufgefallen, dass am Führerhaus der 01 079 noch ein Nummernschild vorhanden war. Der Ziffern 1 und 7 waren zwar ein wenig beschädigt (nur deshalb hing es wohl noch an der Lok), aber immerhin, es war ein Lokschild der berühmten Baureihe 01. Der Wunsch, Werkzeug zu holen und das Schild sofort für mich abzuschrauben, konnte leider nicht erfüllt werden. Aber ich könnte ja das AW anzuschreiben; man würde mir dann das Schild zuschicken. Das tat ich noch am selben Abend.

Tage des Hoffens und Bangens vergingen und schon am 26.05.67 kam die ersehnte Antwort: Man hätte das Schild gefunden und abgebaut, ich könnte es für 15 DM erwerben. 1½ Monate Taschengeld, das war’s mir wert. Und nach 2 Wochen kam das gute Stück dann endlich. Ordentlich in Packpapier eingeschlagen und mit Bindfaden verschnürt, ein richtiges Postpacket eben. Restauriert - und später unter Verwendung einer Originalziffer, die ich im AW Braunschweig abgestaubt hatte, repariert - schmückt es seitdem meine Lokschildersammlung.

Bild 22 22
Auch wenn 15 DM damals natürlich viel mehr wert waren als im Jahr 2004 - heute ist es einfach unvorstellbar, dass eine börsenorientierte Bahn auch nur ansatzweise so viel Aufwand zu treiben bereit wäre, um einen kleinen Jungen glücklich zu machen.