Noch’n besonderer Öl-Jumbo
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 06.02.2005

Ich hatte nicht erwartet, daß mein kurzer Beitrag über den Öl-Jumbo mit Schürze eine derart große Aufmerksamkeit erreichen würde (schon über 1100 Aufrufe). Herzlichen Dank an alle, die sich zu Wort gemeldet und zur Klärung der aufgeworfenen Fragen beigetragen haben.

Das hat mich ermutigt, noch einen weiteren Exoten unter den Öl-Jumbos in Erinnerung rufen, der zwar optisch nicht soo auffällig war wie 043 606, aber immerhin etwas Besonderes, und das bis zum Schluß.

Als einziger Öl-Jumbo nämlich besaß 043 196 große Windstauschuten am Führerhaus, wie sie sonst nur bei den Schnellzugloks der Baureihen 01, 03 usw. üblich waren. In dieser Ausführung ist mir sonst nur noch 044 193 bekannt. Da es unwahrscheinlich ist, daß die bei einer langsamfahrenden Güterzuglok kaum wirksamen großen Stauschuten absichtlich angebaut wurden, liegt die Vermutung nahe, daß sie im Rahmen eines kompletten Führerhaustausches an die Lok kamen (Einheitslok - gleiches FH wie 01).


Bild 01
Das erste Bild zeigt 043 196 am 14.12.73 auf der Drehscheibe in Bad Harzburg, wohin die Lok bei einer AW-Probefahrt gekommen war. Dazu später mehr.

Die Lok weist aber, vor allem für Statistiker und Nummernfetischisten, noch eine weitere Besonderheit auf: Die Loknummer.


Bild 02
Gebaut wurde die Lok als 44 1203. In diesem Zustand habe ich sie das erste Mal als Ottbergener Maschine am 30.12.67 im Bw Altenbeken angetroffen. Trotz miesen Wetters und dementsprechender Bildqualität gut zu sehen: Die schon damals bereits vorhandenen großen Stauschuten.

Als 1968 die neuen EDV-gerechten Nummern eingeführt wurden, standen für die Betriebsnummer nur noch 3 Stellen zur Verfügung. Bei Loks mit vierstelliger alter Betriebnummer wurde die neue dreistellige Nummer in der Regel einfach durch Weglassen der Tausenderstelle gebildet (Beispiel: 44 1067 -> 044 067).

Kam es dabei zu Dopplungen, weil die so erzeugte Nummer schon belegt war, wurde die neue Betriebsnummer um Eins erhöht oder herunter gesetzt, und zwar immer bei der Lok mit der höheren Betriebsnummer
(Beispiel: 44 096 -> 044 096, 44 1096 -> 044 095).

Einige Doppelbelegungen wurden durch die separate Baureihen-Bezeichung der Öl-Loks vermieden
(Beispiel: 44 326 -> 043 326, 44 1326 -> 044 326).


Bild 03
Zu größeren Nummerverschiebungen kam es bei der BR 44 vor allem im Nummerbereich um 1200. Da von 44 199 - 215 nahezu alle Nummern auch 1968 noch besetzt waren und es auch zahlreiche 44 mit 1200er Nummer gab, mußten “großräumig“ Lücken im weiteren Nummernumfeld gesucht werden. Und so wurde aus unserer 44 1203, damals noch eine Kohle-Lok, die 044 196. Mit dieser Nummer kam sie mir am 05.06.72 im Bw Braunschweig erneut vor die Linse.

Eine kleine Sensation war 1973 der Umbau von 3 weiteren Kohle-Jumbos auf Ölfeuerung, vermutlich mit Teilen inzwischen ausgemusterter Öl-Loks. Und das zu einer Zeit, als das Ende des Dampfbetriebs längst absehbar war. Neben 044 321 und 737 war auch 044 196 dabei. Damit wurde aus 044 196 eine 043 196, aber eben nicht, wie es historisch richtig gewesen wäre, eine 043 203.


Bild 04
Bei einem Besuch im Bw Braunschweig am 14.12.73 erfuhr ich per Zufall, daß die neue Öl-Lok auf Abnahmefahrt nach Bad Harzburg unterwegs wäre. Das warf natürlich alle weiteren Pläne für diesen Tag über den Haufen. Jetzt hieß es nur noch: Ab nach Bad Harzburg. Das Wetter war zwar besch..., aber so eine Gelegenheit darf man sich einfach nicht entgehen lassen. In Bad Harzburg habe ich den Zug dann tatsächlich noch erwischt, auch wenn die Lok schon abgekuppelt hatte und gerade dabei war, zum Wenden auf die Drehscheibe zu fahren (s. Bild 1). Die folgenden Bilder zeigen den Zug, bestehend aus Belastungswagen ex Tender 2’2’T34, fertig zur Rückfahrt im Bahnhof, ....


Bild 05
... und unter der bekannten Signalbrücke. Ach, hätte das Wetter nicht ein wenig besser sein können ...?


Bild 06
Damit der Beitrag nicht nur aus Schlechtwetterbildern besteht, füge ich noch ein Bild hinzu, das die Lok in ihrem neuen Einsatzgebiet auf der Emslandstrecke zeigt. Bei Veenhusen bringt sie am 18.09.74 den Gdg 57547 nach Emden. Immer wieder schön: Die herrliche norddeutsche Küstenlandschaft mit dem weiten Blick und den vom häufigen Westwind schief gewachsenen Bäumen.

Abschließend bleibt für mich persönlich die überraschende Erkenntnis, daß ich diese 44 zwar oft und in den verschiedensten “Lebenslagen“ fotografieren konnte, aber irgendwie immer bei nicht optimalen Lichtverhältnissen. Sei’s drum, für einen Beitrag wie diesen hier reicht es hoffentlich auch so.

Schönen Tag noch,
Ulrich B.