KEIN Dampf vor 40 Jahren
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 27.09.2007

Tja, da unser Helmut alias 03 1008 z.Zt. mal wieder die Welt nach den letzten noch irgendwo herum kreuchenden Dampfloks absucht, um so Material für’s HiFo 2047 zu erschießen, gibt es heute leider keine Fortsetzung seiner absolut grandiosen Serie. Ich glaube, das vermissen nicht wenige hier.

Nun könnte ich zwar selber einige Dampflok-Bilder aus dem Jahr 1967 unter dieser Überschrift hier einstellen. Aber abgesehen davon, dass ich als damals blutiger Anfänger mit Helmuts Aufnahmen ohnehin nicht mithalten kann, hielte ich es auch geradezu für einen Frevel, unter dieser "heiligen" Überschrift eigene Bilder ins HiFo zu stellen.

Aber es gab vor 40 Jahren ja auch noch anderes als Dampf. Und da ich von je her auch an den modernen Traktionsarten interessiert war, bedeutete ein Ort wie München so etwas wie ein Mekka für mich. Und so setzte ich alles daran, im Spätsommer 1967, im Anschluss an einen Urlaub am Bodensee, einen kurzen Abstecher in die bayrische Landeshauptstadt zu unternehmen.

Nach einer sehr abwechslungsreichen Zugfahrt über Kempten, Reutte und Garmisch (leider jeweils ohne größere Zwischenstationen) war ich am 01.09.67 endlich am Ziel meiner Träume: München. Am Anfang stand ein Besuch im Bw München Ost.

Bild 01 01
Vorrangiges Ziel dort waren natürlich die urigen Stangen-Dreiteiler der Baureihe E91, die hauptsächlich in den Münchner Rangierbahnhöfen Laim und Berg-am-Laim (= Mü.Ost) eingesetzt wurden. Im Bw stand denn auch mit E91 88 ein Vertreter der preußischen Bauart.

Dass diese Lok nur ein knappes halbes Jahr später nach Oberhausen Osterfeld, also quasi vor meine Haustür, umstationiert werden sollte, konnte ich damals nun wirklich nicht ahnen. Leider ist sie mir aber dort nicht mehr vor die Linse gefahren.

Bild 02 02
Hinter der E91, auch nicht zu verachten, ET85 22, ebenfalls ein "Urviech" aus den Anfängen der elektrischen Traktion in Bayern. 1967 wurden die Münchener ET85 allerdings nur noch im Werksverkehr zu den AW Neuaubing und Freimann eingesetzt.

Bild 03 03
So ganz dampffrei war München damals allerdings noch nicht. Nicht nur, dass 50er aus Mühldorf noch regelmäßig hierhin kamen, am Berg in Berg am Laim (daher der Name? ;-) ) wurden auch noch die unverwüstlichen 94.5 gebraucht. Gerade rückt 94 1522 zum Dienst aus. Ihr Top-Zustand entsprach so gar nicht dem gewohnten Erscheinungsbild der durchwegs "versifften" T16.1 des heimatlichen Bw Vohwinkel.

Auf ein Bild der 70 083, die als vorgesehene Museumslok im Schuppen hinterstellt war, und die mir freundlicherweise kurz ans Tageslicht gezogen wurde, verzichte ich hier, denn schließlich soll das ja eigentlich ein Beitrag ohne Dampf sein. Auch einige weitere, im Bw abgestellte, sprich abgebügelte Elloks sind nicht unbedingt zeigenswert.

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Nach dem Bw-Besuch stand als nächstes der Münchner Hbf auf dem Programm. Es begann gleich mit einer für mich neuen Baureihe, der E04, die wie die E91 nur kurze Zeit später ebenfalls in den Westen versetzt werden sollte. Am 01.09.67 jedoch steht für E04 19 erstmal ein Eilzug mit Ziel Garmisch (?) auf dem Dienstplan.

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Jetzt ging’s Schlag auf Schlag. Ein Nürnberger "Edelhirsch" – damals in München täglich zu sehen, aber für mich die Krönung der Altbau-Elloks. Die für meinen Geschmack schönere Siemens-Variante (wegen des hohen Dachaufbaus) war mit D556 nach München gekommen. Ich hatte E19 12 schon am Prellbock in der Bf.-Halle gesehen und mich rechtzeitig an der Bahnsteigspitze postiert, um sie bei der Ausfahrt abzulichten.

Die Lok zeichnete sich übrigens bis zum Schluss durch den zusätzlichen weißen Zierstreifen in Höhe Fensterunterkante aus. Dass es auch die Baureihe E19 noch in den Westen nach Hagen Eck verschlug, haben wir in den letzten Tagen ja in mehreren Bildern von und Helmut Philipp gesehen. Weitere Bilder der E04, 19 und 91 in ihrem westlichen Exil gibt es bekannterweise (?) auf meiner Seite in der Galerie "Altbau-Elloks im Revier".

Bild 06 06
Nur knapp eine halbe Stunde nach E19 12 war auch E19 01 mit D384 in München eingetroffen. Hatte ich ein Jahr zuvor in Nürnberg noch die beiden grünen E19 02 und E19 11 vor die Flinte gekriegt, gaben sich jetzt also die beiden blauen Loks die Ehre. Leider wurde in diesem Fall nicht der ganze Zug hinter der Lok abgezogen; den Postwagen musste unsere E19 noch selber wegrangieren, bevor sie für eine kurze Pause ins Bw München Hbf einrücken konnte.

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Im Starnberger Flügelbahnhof entstand das nächste Bild, das zwei damals ganz alltägliche Loks zeigt, zu denen man aber noch etwas sagen muss: E44 094G war eine der wenigen E44 mit Wendezugsteuerung, deshalb auch der Zusatz "G" (für "geschobenen Zug") hinter der Nummer. Und E10 343 sehen wir hier noch im Lieferzustand mit "normalem" Bügelfalten-Kasten. Nach einem schweren Unfall in Mü.Pasing am 01.07.71 erhielt sie bekanntlich einen neuen Kasten mit integrierter Verschleißpufferbohle, wie das auf meiner Seite bei den Bauartunterschieden BR 110 zu sehen ist.

Bild 08 08
Die letzten planmäßigen Einsätze der Baureihe E32 waren gelegentliche Überstellfahrten zwischen München Pasing und Hbf bzw. umgekehrt. E32 12 hat einen Zug in den Hbf geschleppt und kommt jetzt etwas überraschend für mich hinter dem ausfahrenden Zug "hinterher geschossen". Da war nicht nur der Finger zu spät am Abzug, sondern auch noch ein weiterer Jung-Fotograf im Bild. Vielleicht erkennt sich ja sogar jemand wieder? Die Lampen an der Lok: Sind die nicht sehenswert?

Bild 09 09
Ebenfalls nur im Überstell-Dienst eingeteilt war E16 09, die hier den Leerzug aus TEE22 "Rheinpfeil" am Haken hat. Ich hoffe, man sieht es mir nach, dass ich das Bild hier noch einmal zeige, nachdem ich es vor einiger Zeit schon in meinem Beitrag "50 Jahre TEE" gezeigt habe. Aber die Lok steht hier so schön im Abendlicht, die blanken Kupferleitungen an den Buchli-Antrieben glänzen, die feudale Wagengarnitur - und überhaupt, es ist einfach eine meiner schönsten E16 Aufnahmen.

Bild 10 10
München Hbf war aber nicht nur für alte Elloks gut, auch die modernsten Triebfahrzeuge waren hier regelmäßig anzutreffen. Beheimatet im Bw München Hbf, waren die Vorserien-E03 natürlich hier häufiger zu sehen. Am 01.09.67 gibt sich E03 002 die Ehre. In dieser Perspektive sehr gut zu sehen ist der Stromabnehmer der Bauart DBS54 mit Wanischwippe. Als erste abgenommene E03.0 war diese Lok während der IVA 65 als "E03 001" unterwegs.

Bild 11 11
Im allerletzten Büchsenlicht des 01.09.67 kam mir noch ein weiterer moderner Exot vor die Linse: Die Kemptener Gasturbinenlok V169 001, die hier abfahrbereit vor D102 nach Lindau steht. Auch diese Maschine verschlug es später in den tiefen Westen nach Gelsenkirchen Bismarck, wo sie ihr Altenteil verbrachte.

Bild 12 12
Neuer Tag, neues Glück – leider anfangs bei noch etwas trübem Wetter. Vom 02.09.67 zeige ich zunächst die Freilassinger E18 055, die vmtl. einen Balkanzug am Haken hat. Grüne Lok mit Glubschaugen und Reko-Stromabnehmer, das gab es auch nur übergangsweise.

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Als sich dann V320 001 vor D94 nach Lindau setzt, scheint die Sonne zum Glück wieder. Auch dieses Bild dürfte bekannt sein, steht hier aber im passenden zeitlichen Kontext.

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Beim anschließenden Besuch im Bw München Hbf entstanden, heute überhaupt nicht mehr nachvollziehbar, nur ganze 5 Aufnahmen. Und dabei muss doch hier wirklich alles voll gestanden haben – aber vmtl. war "Filmsparen" angesagt, war doch das knappe Schüler-Budget nach der Rundreise durch Süddeutschland ohnehin mehr als angefressen. Nun denn, wenigstens den schönen Sechsachser aus Österreich habe ich nicht verschmäht: 1010.12 von der Zfl Wien West.

Bild 15 15
Zum Schluss noch einmal Überschrifts-widrig eine Dampflok. Die vor dem Krauss-Maffei Verwaltungsgebäude aufgestellte 18 528 war mir einen Abstecher nach Allach wert, war es doch zum damaligen Zeitpunkt die einzige erhaltene und fotografierbare S3/6. Noch zeigt der Tender zur Straße, so dass nur eine Seitenansicht möglich war. Als ich der Lok 11 Jahre später erneut einen Besuch abstattete, stand sie andersherum auf dem Denkmalgleis mit der Rauchkammer zur Strasse.

Damit ist mein kurzer Streifzug durch die Münchener Eisenbahnszenerie vor 40 Jahren beendet. Man sieht den Aufnahmen an, dass ich als Anfänger noch sehr lokbetont fotografiert habe – motivlich kann ich da mit den alten Hasen (die ja meist auch nur wenige Jahre länger im Geschäft sind, als ich) nicht mithalten. Aus heutiger Sicht ist es zudem absolut nicht nachvollziehbar, wie wenige Aufnahmen man damals gemacht hat: Insgesamt gerade mal 31 Bilder an 2 Tagen! Aber sei’s drum, wenigstens DIE hab’ ich im Kasten.

Was gab es damals in München nicht alles zu sehen. Nach meinen Aufzeichnungen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
E-Traktion (ohne AW Freimann): E03.0, E04, E10.1, E10.12, E16, E17, E18, E19, E32, E40, E41, E44, E50, E75, E91, E94, ET85, ET91.
Diesel: Köf II, Köf 11, V36, V60, V100, V160, V162, V169, V200.1, V320, VT11.5.
Dienstfahrzeuge: Mü5015 (ex ET11), Mü6202/05 (TVTalt), VT55 (TVTneu).
Allein bei der Aufzählung wird mir der Mund noch wässrig.

Schönen Tag noch,
Ulrich B.