Oberfranken-Dampf vor 40 Jahren
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 16.10.2008

Nein, das hier ist kein Ersatzbeitrag für Helmuts (alias 03 1008) unvergleichliche Serie "Dampf vor 40 Jahren“ – auch wenn der Zeitpunkt meines Beitrags bewusst gerade heute gewählt wurde. Zwar kann ich inzwischen auf eigene Bilder zurückgreifen, die 40 Jahre und älter sind (mein Gott, wie die Zeit vergeht) – aber mit Betriebsaufnahmen von Zügen auf der Strecke oder im Bahnhof, wie sie Helmut schon vor 40 Jahren konsequent durchgezogen hat, kann ich leider noch nicht dienen. Meine damalige Motivgestaltung war im zweiten Jahr als Eisenbahnfotograf noch sehr Lok-bezogen. Auf den Geschmack von Zugaufnahmen bin ich erst im Laufe des Jahres 1968 gekommen, nicht zuletzt auf der Urlaubsfahrt nach Oberfranken, von der ich jetzt einige Bilder zeigen möchte.

Erster Fotostopp auf dem Weg ins Urlaubsquartier in Fichtelberg war Schweinfurt. Am 24.07.68 stehen im Hbf die beiden T18
078 158 und 078 211 abfahrbereit vor P1961 nach Mellrichstadt bzw. P4815 nach Würzburg.

Bild 01 01
Bei 78 158 handelt es sich übrigens um eine württembergische T18 (Nr. 1133), während 78 211 damals die letzte T18 bei der DB mit rundem Führerhausdach war. Bemerkenswert auch, dass beide 78er, wie alle Loks des Bw Schweinfurt, bereits die neue EDV-Nummer tragen, lieblos mit Schablone einfach auf die Lok gepinselt, was mir nun überhaupt nicht gefiel.

Im Bw Schweinfurt gab es dann die üblichen Vertreter zu besichten, u.a. 098 886, die gerade auf die Drehscheibe fuhr. Auch die bayrische Lokalbahnlok ist bereits umgezeichnet – grrr :-((
Und so belasse ich es denn auch nur bei einer Porträtaufnahme von vorn.

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Die ehemalige GtL4/4 2636 der Bayerischen Staatsbahn hielt noch über ein Jahr durch, wurde am 25.10.69 Z-gestellt und am 04.03.70 als vorletzte Lok der Baureihe 98.8 ausgemustert.

Hof – hier war die Welt im Sommer 68 noch in Ordnung. Keine durch neue Nummern verunzierten Dampfloks weit und breit; dazu "hochrädrige" Pacifics im Überfluss.

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Gleich am ersten Besuchstag, dem 27.07.68, präsentiert sich 01 150 vor D146 auf dem Mittelgleis im Hofer Hbf. Das Schauspiel mit zwei 01 und einer V180 in den Hauptrollen, das sich hier alltäglich abspielte, habe ich auf meiner Homepage in der Galerie
"Hof – in Bayern ganz oben" mit Bild und Text ausführlich beschrieben.

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Nach den ersten Aufnahmen im Bahnhof ging’s ins Bw, wo 01 131 gerade in den Schuppen fährt. Die Lok besitzt seit dem 25.01.66, also erst seit gut 2½ Jahren, einen Neubaukessel, den sie als "Nachzügler" von der verunfallten 01 122 erhielt.

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Draußen, auf dem Kanal, ist derweil 01 008 eingetroffen, eine der zehn 01-Prototypen. Die Maschine ist erst seit dem 01.06.68 in Hof, und soll hier eigentlich nur noch bis zur im Dezember fälligen Frist abgefahren werden. Tatsächlich wurde sie auch am 05.12.68 z-gestellt, erhielt dann jedoch überraschend noch einmal eine Hauptuntersuchung und kehrte im Juli 70 wieder in den Einsatzbestand zurück.

Am 28.07.68 konnte ich meine Mutter überreden, mit mir an die Schiefe Ebene zu fahren – schließlich braucht man als 17-jähriger führerscheinloser Schüler noch einen Fahrdienst ;-))

Bild 06 06
Während ich meine ersten Erfahrungen mit Streckenaufnahmen mit meiner neuen Kamera sammelte, wurde die alte, mit Diafilm bestückte Kamera, von eben meiner Frau Mama bedient. Hat sie doch gar nicht so schlecht hingekriegt? Meine schwarz/weiß Aufnahme siehe Galerie "Hofer 01 – 1968/69“, Bild 15. Zu sehen ist die Neubaukessel-Lok 01 131 vor E575 am Block Streitmühle.

Bild 07 07
Zurück ins Bw Hof, wohin ich am nächsten Tag, dem 29.07.68, fuhr, jetzt wieder mit dem Zug. Auf der Drehscheibe konnte dort noch einmal 01 008 abgelichtet werden, die als Prototyp natürlich meine besondere Aufmerksamkeit auf sich zog.

Bild 08 08
Das von der Serien-Ausführung abweichende Führerhaus der Prototyp-Lokomotiven veranlasste mich zu einem weiteren Foto von 01 008, nicht nur in schwarz/weiß, sondern auch in Farbe.

Bild 09 09
Der nächste "Farb-Kandidat" am 29.07.68 war die Hofer 86 346, die hier soeben auf die Drehscheibe fährt.

Bild 10 10
Und noch einmal eine 01, dieses Mal an der "Paradestelle" hinter den Ausschlackgleisen im Bw. Die Ehre gibt sich 01 088, eine Lok der ersten Bauserie mit kleinen Vorlaufradsätzen (850 mm).

Bild 11 11
Die Freistände der Drehscheibe am "Haus 2", der vom Eingang aus gesehen vorderen Drehscheibe, wurde hauptsächlich von den Tenderloks des Bw Hof bevölkert. Am 30.07.68 steht hier 86 705 direkt neben den Resten des Schuppens 2, in dem damals die (wenigen) Hofer Dieselloks werkstattmäßig betreut wurden.

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Am 31.07.68 stand eine Fahrt (mit dem Auto) nach Weiden auf dem Programm. Im dortigen Bahnhof fuhr mir als erste die Weidener 50 1425 vor die Linse. Das war immerhin die erste Schürzen-50er, die ich aufnehmen konnte.

Bild 13 13
Nachdem der kurze Aufenthalt in Weiden nicht mit allzu vielen Aufnahmen der hier zahlreich stationierten Bubiköpfe gesegnet war, ging es weiter nach Kirchenlaibach. Auf dem Weg dorthin wurde noch P1752 von Bayreuth nach K’laibach nahe Seybothenreuth abgepasst. Und, welch freudige Überraschung, dieser Personenzug ist gleich mit zwei Bubiköpfen bespannt, nämlich mit 64 206 und 64 248.

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Wenn ich damals schon selbst hätte fahren dürfen, hätten wir den Zug sicher noch ein zweites Mal erwischt. So aber trafen wir nach dem Zug in Kirchenlaibach ein, wo die Vorspannlok 64 206 bereits abgekuppelt hatte und gerade auf der Drehscheibe im Bw ins rechte Licht gedreht wurde.

Bild 15 15
Die Rückreise ins heimische Wuppertal führte über Nürnberg, wo sich die unterschiedlichen Interessen von Eltern (Kultur) und Nachwuchs (Eisenbahn) mühelos unter einen Hut bringen ließen. Bei einem Besuch im Bw Nürnberg Hbf gelang es mir, den mich begleitenden Eisenbahner davon zu überzeugen, dass die gut versteckt in einem Nebenschuppen hinterstellte 98 307 unbedingt wieder einmal etwas Sonnenlicht bräuchte. Und so wurde kurzerhand eine vor dem Schuppen stehende Köf gechartert, um den bayerischen Glaskasten nach draußen zu ziehen. Was waren das noch für Zeiten …

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Leider kam das Licht ziemlich genau von hinten, so dass eigentlich nur Aufnahmen von der Heckpartie des Glaskastens möglich erschienen. Aber ein Versuch von schräg-vorn wurde doch gemacht – damit war die Belichtungsautomatik allerdings völlig überfordert und heraus kam ein Ergebnis vom Typ Schwarzafrika. Erst die heutige Digitaltechnik zaubert daraus wieder ein (gerade noch) vorzeigbares Bild.

Soweit ein Großteil der bei der Tour vom Sommer ’68 entstandenen Farbaufnahmen. Ein Teil der Bilder sind einigen sicher als schwarz/weiß Aufnahmen von meiner Seite aus den Galerien "Hof, in Bayern ganz oben" und "Hofer 01 – 1968/69" bekannt. Bei der Bildauswahl für diese Galerien stand ich damals vor der Frage, ob ich in einer Galerie Farbe und Schwarz/weiß mischen sollte. Ich habe mich dagegen entschieden, weil mir das einerseits zu unruhig erschien und zudem die Qualität der Farbaufnahmen nicht die beste ist. Immerhin sind die Bilder 1, 2, 3, 5, 9, 10, 14, 15, und 16 dieses Beitrags Dias aus der "Schrottkiste", die erst mit Hilfe der Digitaltechnik wieder zu neuem Leben erweckt werden mussten. Ich würde mich freuen, hierzu mal ein paar Meinungsäußerungen der geschätzten HiFo-Kollegen zu hören.

Schönen Tag noch,
Ulrich B.