V200 in Dänemark und Beifang
Zusammenfassung der Beiträge Teil 1, Teil 2, Teil 3,Teil 4

Diesel vor 30 Jahren – V200 in Dänemark und Beifang
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 28.08.2011

Im Frühsommer 1981 verdichteten sich die bis dahin eher gerüchteweise verbreiteten Meldungen zur Gewissheit, dass die DB V200 auf ihre alten Tage noch einmal zu einem spektakulären Auslandseinsatz kommen würden. Grund: Nicht rechtzeitige Lieferung der neuen Dieselloks mit Drehstrom-Leistungsübertragung, Baureihe ME. In der öffentlichen Darstellung waren dafür natürlich die Lieferfirmen Henschel und BBC verantwortlich, die auch die Kosten für die Leihloks zu tragen hatten. Tatsächlich wird es wohl, wie in vielen anderen vergleichbaren Fällen, so gewesen sein, dass die Vertragsparteien nicht rechtzeitig zu einem Abschluss gekommen waren, und der zuvor festgelegte Liefertermin aus Gesichtswahrungsgründen nicht entsprechend nach hinten verschoben werden konnte.

Wie dem auch sei, für die Freunde des DB-Klassikers V200 war der Einsatz in Dänemark eine willkommene Ausweitung der letzten Rückzugsgebiete rund um Lübeck und Oldenburg. Konkrete Formen nahm das Thema an, als im Eisenbahn-Kurier 4/81 die Umlaufpläne erschienen: Vier Plantage mit z.T. hochwertigen Zügen in Jütland und auf Fünen, mit den Eckpunkten Flensburg im Süden, Frederikshavn im Norden, Struer im Westen und Nyborg im Osten. Da man den altersschwachen Maschinen wohl nicht mehr recht vertraute, wurde grundsätzlich in Doppeltraktion mit festen Lok-Pärchen gefahren. Spätestens jetzt war für mich klar: "Da muss ich hin".

Aber vom Ruhrpott aus war Jütland "janz weit weg" und zudem völlig unbekanntes Terrain – Navi und Gurgel-Mappe gab es damals ja noch nicht. Da traf es sich gut, dass ich seit kurzem einen ebenfalls Eisenbahn-begeisterten Arbeits-Kollegen hatte, der meinen Vorschlag, gemeinsam einen 5-Tages-Trip über ein verlängertes Wochenende zu den V200 nach Dänemark zu machen, sofort begeistert annahm. Dass ich von meinem Freund Martin Welzel rede, dürfte hier im HiFo ein offenes Geheimnis sein ;-))


Freitag, 28.08.1981

Genau heute vor 30 Jahren, ging’s los – am 28.08.81 in aller Herrgottsfrühe, gefühlt kurz nach Mitternacht. Schließlich wollten wir möglichst noch vormittags vor Ort sein. Nach gut vier Stunden Autofahrt wurde es Zeit für eine erste Rast. Natürlich nicht irgendwo, sondern an der Strecke kurz vor Neumünster. Bei Quarnstedt wurden quasi zum Aufwärmen kurz eine Dreifachtraktion 612/613 und ein paar 218er erlegt. Nein, die Bilder zeige ich jetzt nicht, um schneller zum eigentlichen Thema zu kommen.

Kurz vor der Grenze bei Flensburg wurde noch mal der Tank voll gemacht – zu einem Rekordpreis, der bis heute auf meiner mentalen Festplatte eingebrannt ist: Super für 151,9 Pf/ltr. Heute bezahlen wir das gleiche in Euro-Cent!

Hinter der Grenze der nächste Halt am Bahnhof Padborg. Tote Hose, kein Bild gemacht, aber dänisches Kursbuch erstanden. Damit waren wir jetzt voll aktionsfähig.

Als erstes Ziel wurde die Strecke nordwestlich von Fredericia angesteuert. Dank Kursbuch wussten wir, dass aus Richtung Aarhus ein IC im Anrollen war. Bei Pjedsted an einem kleinen BÜ ein erster Blick auf Strecke – und schon kam er angerauscht …

Bild 01 01
… IC144, bespannt mit den zwei Rundnasen MX 1032 und MX 1023 (Ausschnitt aus Hochkantbild).

Na ja, dieses Motiv war nun eigentlich eher eine "Notschlachtung" und erschien uns für die kurz darauf folgende V200 ungeeignet. Da musste doch noch was Besseres zu finden sein. Viel Zeit zum Suchen blieb allerdings nicht mehr. Ein Stück zurück nach Bredstrup fanden wir schließlich eine über die Bahn führende Straßenbrücke.

Bild 02 02
Noch während wir überlegten, ob wir die V200 hier machen wollten, kam aus Richtung Fredericia ein Güterzug angebrummt. Trotz heftigen Gegenlichts blieb MV 1134 natürlich nicht unfotografiert, handelte es sich doch um eine MV und damit um eine der sechs Sonderlinge innerhalb der MY-Nummernreihe.

Bild 03 03
Und da waren sie, unsere ersten V200 in Dänemark! Das Pärchen aus 220 014 und 220 076 sieht vor dem 3-Wagen-kurzen P3718 noch etwas gewöhnungsbedürftig aus. Knapp verpasst wurde die Begegnung mit der im Hintergrund noch sichtbaren MX 1043, die Lz Richtung Vejle unterwegs ist.

Da bis zu den nächsten 220-Zügen noch genügend Zeit blieb, entschlossen wir uns, dem nahegelegenen Bw Fredericia einen kurzen Besuch abzustatten.

Bild 04 04
Empfangen wurden wir von MH 399, die wie die meisten MH noch ihre ursprüngliche grüne Farbgebung besitzt. Steht der alte Rangierhobel da nicht schön im Licht?

Bild 05 05
Auch 220 014 und 220 076 lassen nicht lange auf sich warten. Vor der nächsten Leistung kommen sie zur Nachschau (und zum Tanken?) kurz ins Bw Fredericia.

Bild 06 06
Oh je, wie sieht denn die aus? Auch MZ 1405 besitzt noch ihre ursprüngliche Farbgebung; der Zustand lässt allerdings sehr zu wünschen übrig und unterscheidet sich auffällig von dem der weitaus meisten DSB-Fahrzeuge.

Bild 07 07
Wesentlich besser gefiel mir da schon die neue, schwarz/rote Farbgebung, in der wir MV 1101 vor dem Schuppen im Bw Fredericia antrafen. Bei dieser Lok handelt es sich nicht nur um den ersten Kartoffelkäfer überhaupt, sondern zugleich auch um einen Sonderling innerhalb der Baureihe MY, äußerlich erkennbar nur an der abweichenden Kennzeichnung als Baureihe MV.

An dieser Stelle wird es Zeit, kurz auf die (Unter-) Baureihe MV einzugehen. Die Baureihe MY, der erste dänische "Kartoffelkäfer", besaß regulär einen EMD-Dieselmotor der Reihe 567-C mit einer Leistung von 1900 PS. Nur die ersten vier Loks (1101 – 1104) wurden mit dem etwas leistungsschwächeren Motor 567-B, 1750 PS, geliefert. Durch Motortausch gelangten diese 1750 PS Motoren auch in andere Loks. Wegen der betrieblichen Relevanz der verminderten Leistung zeichnete die DSB diese Loks 1968 unter Beibehaltung der Fahrzeugnummer in die Baureihe MV um. Betroffen davon waren die sechs Loks 1101, 1102, 1104, 1109, 1134 und 1144.
Drei davon, und zwar 1101, 1104 und 1134, erhielten 1984, 73 und 81 den 1900 PS Motor und wurden danach wieder als Baureihe MY bezeichnet.

Bild 08 08
Vor dem Schuppen stehen jetzt auch unsere beiden V200. In dieser Blickrichtung 220 076 vorn, die, was ihren abgewirtschafteten Zustand angeht, mit der MZ 1405 von Bild 6 locker mithalten kann. Rechts neben dem 220er Pärchen die dänische Rundnase
MX 1036. Die stilistischen Wurzeln des V200 Designs sind unübersehbar.

Bild 09 09
Von etwas weiter weg noch einmal ein Blick auf die gesamte Fahrzeugsammlung vor dem Lokschuppen des Bw Fredericia; von links (hinten) nach rechts:
MO 1835, 220 076+220 014, MX 1036 und MZ 1405 vor MV 1101.

Bild 10 10
Als erste brechen 220 014 und 220 076 wieder zu ihrem nächsten Dienst auf. Die beiden Lichtsignale zeigen unmissverständlich an, dass wir uns in Dänemark befinden.

Bild 11 11
Noch während die beiden 220 im Hintergrund durch die Bw-Ausfahrt sägen, geht auch MO 1835 auf die Reise.
Dieser dänische Altbau-VT mit der ungewöhnlichen Achsfolge 3’ Bo’ blieb übrigens erhalten und befindet sich heute in der Obhut der Angelner Dampfeisenbahn, Flensburg.

Jetzt war auch für uns höchste Zeit zum Aufbruch, denn die V200 sollten natürlich noch mit Zug auf der Strecke abgelichtet werden. Gesagt, getan…

Bild 12 12
Bei Børup, südwestlich von Fredericia, hatte man von einer Straßenbrücke einen schönen Blick auf die Strecke und in die weite Landschaft. Hier wird der P946 mit 220 014 und 220 076 erwartet. 2x 2000 PS für vier Wagen – untermotorisiert war der Zug jedenfalls nicht ;-))

Bild 13 13
Gerade, als wir wieder ins Auto steigen wollten, kam aus der Gegenrichtung, klein und unscheinbar, der Altbau-VT MO 1835 heran gebrummt. In der kurzen Zeit, die seit dem Verlassen des Bw Fredericia (siehe Bild 11) vergangen ist, kann er höchstens bis Kolding gekommen sein. Da weder für die Hinfahrt noch für die hier zu sehende Rückfahrt ein Zug im Kursbuch zu finden war, handelte es sich wohl um eine Dienstfahrt. Børup, 28.09.81.

Bild 14 14
Ein Blick in den nahe gelegenen Rangierbahnhof Fredericia brachte uns zwar keine weiteren Loks oder Züge ein, wohl aber ein Nebenfahrzeug, dass man auch damals schon nicht alle Tage zu sehen bekam: Und zwar diese skurrile Bm-Draisine, die offensichtlich unter Verwendung eines alten Automobils entstand. Sachdienliche Hinweise zu Marke und Typ werden gerne entgegen genommen.

Für die folgenden Aufnahmen ging es dann wieder zurück nach Bredstrup, wo in einer langgezogenen Außenkurve die Möglichkeit bestand, Züge in beide Richtungen zu fotografieren. Das war auch nötig, denn angesagt waren jetzt beinahe zeitgleich zwei ICs mit V200, einer von Aarhus nach Nyborg und einer in der Gegenrichtung.

Bild 15 15
Der südwärts fahrende IC160 Aarhus – Fredericia – Nyborg kommt als erster, pünktlich auf die Minute. Aber oh Schreck, musste das sein? Muss ausrechnet 220 060 im verhassten blau/beigen Farbdesign zu den Leihloks gehören; und dann noch an exponierter Position vorne, vor 220 026?

JA, sage ich heute ganz entschieden! Rote V200 haben wir oft genug vor die Linse gekriegt. Der blau/beige Farbklecks, so verunglückt das Design auch war, hat uns immerhin einen der drei 220-Exoten im Auslandseinsatz beschert.

Bild 16 16
Im Blockabstand hinter dem IC folgt ein kurzer Nahgüterzug mit MX 1029 an der Spitze. Auch dieser Zug ist mit 1450 PS üppig motorisiert.

Bild 17 17
Zeit für den Gegenzug IC147, der mit 220 051 und 220 075 bespannt ist.

Auch wenn man durch die Außenkurve nicht viel von dem Wagenpark sehen kann – das waren endlich mal "richtige" Züge für unsere V200, mit kurzen Fahrzeiten, wo die Loks zeigen konnten, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehörten.

Bild 18 18
Nach den beiden ICs war erst mal wieder eine Pause im V200-Verkehr zu überbrücken; von uns genutzt zur Streckenerkundung und begleitet von der Hoffnung auf einen Güterzug. Südlich des Bahnhofs fanden wir auch ein schönes Motiv mit Blick auf den Hafen und den kleinen Belt. Nur ein Güterzug ließ sich leider nicht blicken. Und so mussten wir uns mit MR 4051 begnügen, der damals noch mit MR 4052 gekuppelt war. Die Zugnummer lautet P2755.

Bild 19 19
Die für uns letzte (fotografierbare) V200-Leistung des Tages war IC333 Köln – Frederikshavn (in Deutschland D333), Fredericia ab 18:38 Uhr. Vor diesem Zug lief ab Flensburg das vierte V200-Pärchen im Umlauf, 220 013 und 220 022. Von mehreren in der Bahnhofseinfahrt und im Bahnhof gemachten Aufnahmen habe ich dieses Bahnsteigbild ausgewählt, damit der Bahnhof Fredericia als Mittelpunkt der V200 Einsätze auch mal zu seinem Bild kommt.

Bild 20 20
Vom Bahnsteigende aus ergab sich noch dieses nette Motiv mit der rangierenden MH 310. Die tief stehende Abendsonne beleuchtet eine Szenerie, die für mich irgendwie typisch ist für die dänische Eisenbahn der damaligen Zeit.

Damit war der 28.08. für uns aber noch nicht beendet. Den nächsten Tag wollten wir in Nyborg an der Fähre nach Seeland beginnen. Und das hieß: eine weitere gute Stunde Autofahrt nach Nyborg, Übernachtungsmöglichkeit suchen, nettes und preiswertes Quartier am Hafen finden, kurz etwas essen und dann totmüde, aber hoch zufrieden ins Bett sinken.

Ich hoffe, das geschätzte HiFo-Publikum sieht es mir nach, dass ich hier nicht nur Bilder von unserer deutschen Grande Dame der Dieseltraktion gezeigt habe, sondern auch den "dänischen Beifang", der uns genau so wichtig war. Am nächsten Tag, einem Samstag mit deutlich reduziertem V200 Angebot, wird das Verhältnis sogar noch DSB-lastiger. Trotzdem hoffe ich, dass wir uns beim Folgebeitrag zum Thema V200 in Dänemark sehen ?!

Bis dahin, einen schönen Tag noch,
Ulrich B.

Diesel vor 30 Jahren – V200 in Dänemark und Beifang, Teil 2
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 01.09.2011

Zunächst der Link zum ersten Teil, in dem ich eine Auswahl der Aufnahmen vom ersten Tag der Reise gezeigt hatte.

Wir, d.h. Martin und ich, freuen uns, dass der Bildbericht über unsere Dänemark-Reise 81 letztlich doch noch auf ein breiteres Interesse gestoßen ist – trotz, oder vielleicht gerade wegen des "dänischen Beifangs". An dieser Stelle auch noch einmal ein herzlicher Dank für die diversen sachdienlichen Hinweise zur Herkunft des Schienenautos. Weiter geht’s mit dem nächsten Tag.

Samstag, 29.08.1981

Der zweite Tag begann mit strahlendem Sonnenschein von einem wolkenlosen Himmel. Vom Hotel aus in Nyborg war es nicht weit bis zum Fährhafen, der als erster in Augenschein genommen wurde. Da sich anfangs noch nicht viel tat, statteten wir dem kleinen Bw einen kurzen Besuch ab, wo eine Reihe von Loks auf ihren nächsten Einsatz wartete.

Bild 21 21
Als erste rückt MX 1033 aus. Auf der Drehscheibe steht sie optimal im warmen Morgenlicht der noch tief stehenden Sonne.

Bemerkenswert an dieser Lok ist die Lackierung der Pufferbohle in schwarz, wie es so sonst nur bei den MY zu finden war. Andere MX in dieser Ausführung sind mir nicht bekannt.

Bild 22 22
Weitere Loks waren auf den Freigleisen an der Drehscheibe abgestellt: MZ 1438, MX 1035, MY 1133.

Das direkte Nebeneinander der beiden Rundnasen zeigt ein typisches Unterscheidungsmerkmal der beiden Bauarten: Die "große" MY besitzt eine schwarze Pufferbohle, während diese bei der kleineren und leichteren Schwester MX in der Regel rot lackiert war – Ausnahmen siehe Bilder 21 und 57.


Derweil ist die Eisenbahn-Fähre "Prins Joachim" aus Korsør eingetroffen und sofort gibt es "action". Vier Gleise im Schiffsbauch wollen in kürzester Zeit leer geräumt und wieder gefüllt werden.

Bild 23 23
Sowie die Gleisbrücke in Stellung gebracht worden ist, fährt MY 1141 vorsichtig auf das Schiff, um sich Ihren Zug höchst persönlich abzuholen.

Bild 24 24
Und da kommt sie auch schon wieder heraus: MY 1141 mit IC107, der die beiden rechten Gleise in der Fähre belegt hat. Auf Gleis drei und vier der Fähre war dagegen noch Platz für einige Güterwagen, die gleichzeitig über das andere Brückengleis aus dem Schiff geholt werden.

Bild 25 25
Kaum sind die Gleise frei geräumt, werden sie auch schon wieder belegt: MH 320 schiebt die Wagen des Gegenzuges IC112 in die "Prins Joachim". Schließlich möchte die Fähre nach genau 24 Minuten Wendezeit pünktlich um 08:45 Uhr wieder ablegen. Wenn man auf die Uhr schaut, fragt man sich allerdings schon, ob sie das an dem Tag noch geschafft hat.

Bild 26 26
Nachdem die "Prins Joachim" den Hafen wieder in Richtung Korsør verlassen hat, wird’s auch im Bahnhof wieder ruhiger. Inzwischen stehen auch die Loks vor dem Hilfszug frei, MX 1022 und MX 1030. Ob wir es hier mit einer Doppelbespannung zu tun hatten, oder ob die vordere MX nur kurzzeitig vor dem Hilfszug geparkt war, kann heute leider nicht mehr gesagt werden.

Leider nicht fotografiert wurde der alte Wagen(-kasten) hinter dem Hilfszug. Was mag das wohl mal gewesen sein?


Danach ging’s an die Strecke, denn in Kürze waren neben einem 220-bespannten Güterzug auch ein Lyntog Zugpaar zu erwarten, fahrplanmäßig ausgerichtet auf die nächste Fähre in Nyborg.

Bild 27 27
Ein paar Kilometer westlich von Nyborg, genauer gesagt bei Langeskov, fand sich in erreichbarer Nähe eine halbwegs geeignete Stelle. Viel länger hätten wir auch nicht suchen dürfen, denn schon kam von hinten, d.h. von Nyborg, der Lyntog L115 "Limfjorden" angerauscht. Hinten am Zug läuft MA 468.

Die direkte Verwandtschaft des dänischen Lyntogs (=Blitzzug) der zweiten Generation mit dem deutschen Diesel-TEE VT11.5 (601) ist unverkennbar. Damit die Züge für den Fährbetrieb leicht getrennt werden konnten, waren in Zugmitte zwei Steuerwagen (Baureihe BS) eingereiht, die im gekuppelten Zustand einen bequemen Durchgang von einem Zugteil zum anderen ermöglichten. Außerdem ermöglichte diese Ausführung eine Flügelung der Zugläufe, wovon die DSB auch konsequent Gebrauch machte.

Bild 28 28
Unmittelbar darauf kommt aus der anderen Richtung und etwas vor Plan der besagte Güterzug, der nur samstags im Umlaufplan der V200 enthalten war. 220 075 und 220 051 haben den G7236 um 6:24 Uhr in Aarhus übernommen, um ihn in ziemlich genau vier Stunden Fahrzeit nach Nyborg zu bringen. Leider ist das Licht noch nicht weit genug herum, so dass die Seite etwas dunkel ist.

Bild 29 29
Die Zeit reicht so gerade für einen kleinen Stellungswechsel einen halben Kilometer weiter Richtung Nyborg, wo das Licht etwas besser steht. Denn direkt hinter dem Güterzug folgt der IC126 mit der altfarbenen MZ 1410. In dieser Zusammenstellung repräsentiert dieser Zug den klassischen DSB Inlands-Schnellzug der 80er-Jahre

Bild 30 30
Der nächste und letzte Zug im Bilderblock Langeskov ist der Lyntog L134 "Nordjyden" mit MA 467 an der Spitze.

Dass der schnellste und hochwertigste Zug als letzter kam, hatte seinen guten Grund: Die Fahrplanlage der Blitzzüge war so angelegt, dass der Zug in Nyborg mit nur einem kurzen Betriebshalt zum Entkuppeln der beiden Zugteile quasi direkt auf die Fähre fahren konnte. Vom Eintreffen im Fährbahnhof bis zum Ablegen der Fähre waren im Fahrplan gerade einmal sechs Minuten vorgesehen – eine mehrmals am Tag, das ganze Jahr über bei jedem Wetter zu erbringende logistisch/betriebliche Meisterleistung. Chapeau DSB!


Nach diesen Aufnahmen vollzogen wir einen großräumigen Stellungswechsel an Fredericia und Kolding vorbei nach Tinglev, wo die Stichstrecke nach Sønderborg abzweigt.

Bild 31 31
Beim Eintreffen in Tinglev und einem ersten Sondierungsblick von der Straßenbrücke hinunter in den Bahnhof sehen wir in der Ferne das Spitzenlicht eines sich nähernden Zuges. Also Auto rechts ran, Kamera in Stellung gebracht und Zug kommen lassen. Dieser erwies sich als ein stattlicher Güterzug mit MY 1106 an der Spitze.

Bild 32 32
Im Bahnhof Tinglev war derweil das bunte 220er-Pärchen mit P957 aus Sønderborg eingetroffen. Nach Kopfmachen fuhr dieselbe Garnitur als P934 weiter nach Padborg. Damit stehen 220 060 und 220 026 jetzt auf der lichtmäßig richtigen Seite und ermöglichen uns noch eine klassische Bahnhofsaufnahme.

Bild 33 33
Und noch ein Güterzug gibt uns die Ehre: Etwas nördlich von Tinglev begegnet uns MZ 1438, eine Lok der zweiten Bauform (= 3. Bauserie), erkennbar an den geteilten Frontfenstern mit Alu-Rahmen. Links hinter den Büschen ist noch – wenn man es weiß – die abzweigende Strecke nach Tønder schwach zu erkennen.

Bild 34 34
Jetzt ist es passiert. Der blaue Himmel vom frühen Morgen ist inzwischen heftig zugequellt und zum ersten Mal auf dieser Tour vermasseln uns die Wolken eine V200 Aufnahme. Trotzdem bleiben 220 076 und 220 014 natürlich nicht unfotografiert, als sie mit IC156, von Sønderborg kommend, nach Tinglev einbiegen.

Bild 35 35
Als wenig später MR 4031 mit P967 folgt, sorgt ein kleines Wolkenloch für bessere Stimmung.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Triebwagen der Baureihe MR direkte Abkömmlinge der deutschen 628 Entwicklung sind. Basierend auf dem 628.0 lieferte die Duewag 1978 dreißig Einzelfahrzeuge, die anfangs jeweils paarweise gekuppelte wurden, also MR 4001 + MR 4002 usw. Danach folgten noch 69 weitere Lizenzbauten von Scandia, Randers, auch diese zunächst in der Zusammenstellung MR+MR. Ab 1981 wurden als Ergänzung 99 Triebwagen mit Gepäckabteil (MRD 4201 ff) beschafft, die dann jeweils mit dem nummernmäßig korrespondierenden MR-Fahrzeug einen Zug bildeten – also MR 4001 + MRD 4201 usw. Die MR wiederum standen Pate für die deutschen 628.1 ff.

Bild 36 36
Beim nächsten Zug aus Sønderborg hatten wir gar nicht mehr mit Sonne gerechnet. Sonst wären wir P965 ein wenig weiter entgegengefahren, und hätten 220 013 und 220 022 unter günstigeren Lichtverhältnissen fotografieren können, als hier bei der Einfahrt in den Bahnhof Tinglev.

Die mittlerweile recht starke Bewölkung ließ es ratsam erscheinen, sich auf Standaufnahmen zu konzentrieren, bei denen man abwarten konnte, bis sich die Sonne mal wieder zeigte. Auf dem Weg nach Flensburg wurde deshalb noch einmal das Bw Padborg angesteuert.

Bild 37 37
Im Außenbereich fanden wir als Einzellok das "blaue Monster" 220 060 vor, während die bisher als Partner dienende 220 026 im Schuppen stand. Hatte da eine der Maschinen technische Probleme oder bahnte sich hier ein Lokwechsel an?

Bild 38 38
In Fotoposition vor dem Lokschuppen stand ferner MX 1031.

Auch in der neuen schwarz/roten Farbgebung macht die alte Rundnase eine glänzende Figur. Ach, was hab’ ich die Dänen damals für dieses gelungene Farbdesign beneidet, verglichen mit unserem missratenen Ozeanblau/Beige.

Bild 39 39
Im Schuppen in Padborg dann noch eine kleine Überraschung in Form einer Baureihe, die uns bisher noch nicht über den Weg gelaufen war: MT 162.

Die Baureihe MT war eine in nur 17 Exemplaren zwischen 1958 und 1960 beschaffte Maschine, die 1981 nur noch im Rangierdienst eingesetzt wurde. Sie sollte uns auch dieser Reise kein weiteres Mal begegnen.


Die letzten Aufnahmen des Tages entstanden in Flensburg, genauer gesagt am Abzweig Flensburg Weiche, wo wir allerdings nur noch ein paar Bilder unter einem wolkenverhangenem Himmel zustande brachten.


Sonntag, 30.08.1981

Da die V200 Leistungen sonntags (bei Tageslicht) recht spärlich waren, hatten wir uns für diesen Tag als Ersatzprogramm die Diesel-Eierköpfe der Baureihen 612/613 vorgenommen, die Flensburg sowohl von Neumünster als auch von Kiel her anliefen. Was da an einem Sonntag alles zusammen kam, war gar nicht so schlecht; aber auch so viel, dass es einen eigenen Beitrag wert ist.

Ich zeige hier deshalb von diesem Tag nur drei Aufnahmen, die direkt zu dem Thema dieses Beitrags passen.

Bild 40 40
Da hätten wir zunächst den E127 unter dem markanten Stellwerk in Flensburg Hbf. Zuglok ist die bereits von Bild 23,24 bekannte MY 1141. Die Zugnummer E127 gilt übrigens nur für den kurzen Abschnitt bis Padborg, in DK wird daraus der IC127. Bis Abfahrt bleibt noch ein wenig Zeit, die der Lokführer (im blauen Kittel) für einen Klönschnack mit einem Reisenden nutzt.

Bild 41 41
Die zweite DSB-Lok an diesem Sonntag war MZ 1401, die südlich von Harrislee die Kurswagen für D334 nach Flensburg bringt. Bis Padborg hatte der Zug noch ein paar Wagen mehr und hieß IC334. Auffällig das übergroße DSB Logo auf der Lokfront, wie ich es so nur bei der 1401 kenne.

Bild 42 42
Ein fester Programmpunkt für den Sonntag war eine Aufnahme der V200 vor/unter dem Reiterstellwerk im Hbf. Vom Licht her optimal geeignet war dafür der Lr14586, Flensburg Hbf ab 12:35 Uhr. Ja wenn denn Licht da gewesen wäre …;-((
Leider schlug der Wettergott unerbittlich zu und verdarb uns so das Bild der 220 013 und 220 022 vor besagtem Zug an besagtem Ort.

Soweit die Bilder vom zweiten und dritten Tag unserer Dänemark-Tour 1981. Wer daran interessiert ist, wie es am nächsten Tag weiterging und sich angesichts eines nach wie vor hohen DSB-Anteils nicht abwendet, sollte sich den dritten Teil meines Beitrags nicht entgehen lassen.

Ich denke, man sieht sich. Schönen Tag noch,
Ulrich B.

Diesel vor 30 Jahren – V200 in Dänemark und Beifang, Teil 3
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 05.09.2011

Und weiter geht's mit dem Bild-Bericht über die Reise, die Martin Welzel und ich im Spätsommer 1981 zu den Altbau-Dieselloks nach Dänemark unternommen hatten. Doch zunächst die Links zu den vorangegangenen Beiträgen:
Diesel vor 30 Jahren – V200 in Dänemark und Beifang, Teil 1 über Freitag, den 28.08.1981 und
Diesel vor 30 Jahren – V200 in Dänemark und Beifang, Teil 2 über Samstag, den 29.08. und Sonntag, den 30.08.1981.


Nachdem wir den Sonntag umlaufplan-bedingt mit einem durchaus respektablen Ersatzprogramm in Deutschland verbracht hatten, widmeten wir uns am

Montag, 31.08.1981

wieder dem eigentlichen Anliegen unser Dänemark-Reise, den V200 in Dänemark. Nach einigen 612ern zum Frühstück ging es schnurstracks nach Padborg, wo ein kurzer Blick ins Bw nicht schaden konnte.

Bild 43 43
Empfangen wurden wir von 220 075, die solo im Bw Vorfeld steht. Das sah nach einem weiteren Loktausch aus.

Bild 44 44
Im Rangierbahnhof stand schon, wie im Umlaufplan vorgesehen, G7447 abfahrbereit Richtung Aarhus. An der Spitze das Pärchen 220 076 und 220 014. Und wie es der Zufall will, rollt just in dem Moment MV 1109 vorbei, die dritte von sechs MV bisher auf dieser Tour.

Eine Fotostelle für diesen Zug hatten wir auch schon vorgemerkt, und zwar Tinglev, wohin wir uns nun schleunigst auf den Weg machten.

Bild 45 45
Beim Blick in die Südausfahrt des Bahnhofs Tinglev drängte sich erst einmal MX 1028 ins Bild, die mit P920 durch die Weichenstraßen gen Sønderborg kreuzt.

Bild 46 46
Dieses Motiv ist schon von Bild 31 bekannt. Morgens um 9 Uhr kommt das Licht allerdings noch etwas besser, wenngleich ein leichter Frontschatten nicht zu vermeiden ist. Das tut dem Augen- und Ohrenschmaus aber keinen Abbruch, als wenig später die beiden 220 unter Volllast mit G7447 durch Tinglev röhren.

Bild 47 47
Nächste Station war Kolding. In dem sehr gepflegten Bahnhof präsentiert sich zunächst MZ 1437, der dickste Diesel-Brummer der damaligen DSB-Flotte, hinter einem ausgedehnten Blumenbeet auf dem Bahnsteig. Die Lok gehört zur 2. Bauform (= 3. Bauserie) mit geteilten und alu-gerahmten Frontfenstern.

Bild 48 48
Natürlich kommt der IC332 nach Hamburg auch noch einmal in ganzer Schönheit ins Bild. Man beachte auch den Laternenmast vorn rechts, für dessen Schieflage wir jede Verantwortung kategorisch ablehnen ;-))

Bild 49 49
Im nördlichen Bahnhofsvorfeld von Kolding entstand das Bild der MX 1032 vor P3626 nach Fredericia. Die Nohabs waren damals in Jütland wirklich noch allgegenwärtig und wir sind heute froh, dass wir keine davon ausgelassen haben.

Bild 50 50
Der eigentliche Grund, warum wir uns hierhin begeben hatten, lag allerdings darin, dass wir dort einen "Traktor" (= Kleinlok) entdeckt hatten, der natürlich auch aufs Celluloid musste. Zunächst eine Porträtaufnahme von T 127.

Bild 51 51
Traktor 127 stand aber nicht nur untätig herum, sondern machte sich vor ein paar Güterwagen im Rangierdienst nützlich.

Bild 52 52
Für die nun anstehende Lyntog-Zeit begaben wir uns nach Ejstrup, westlich von Kolding. Die Stelle war mit Bedacht gewählt, denn in Kolding wurde der von København kommende Lyntog-Doppelzug geflügelt. Der vordere Zugteil fährt unter der bisherigen Zugnummer L123 "Kongeåen" weiter nach Esbjerg (-Struer). Es führt MA 469.

Bild 53 53
Im Nachschuss kommt nun auch einmal der Steuerwagen BS 484 ins Bild.

Bild 54 54
Im Blockabstand folgt der zweite Zugteil, bei dem jetzt natürlich der Steuerwagen vorn ist. Auf das Bild des BS 488 verzichte ich wegen des unschönen Frontschattens und zeige stattdessen den Nachschuss auf den hinten laufenden MA 464. Der Name des Zuges lautet immer noch "Kongeåen", aber die Zugnummer für den Streckenast nach Sønderborg hat sich in L923 geändert.

Bild 55 55
Und wo wir schon mal hier sind, wird selbstverständlich auch die Rundnase MX 1031 mit ihrem P3637 mitgenommen, Frontschatten hin, Frontschatten her.

Für die nächste V200-Leistung galt es eine Stelle zu finden, wo man um die Mittagszeit nordwärts fahrende Züge im Licht aufnehmen konnte. Dazu fuhren wir nach Brejning, wo die Strecke am Südufer des Vejle-Fjords abschnittsweise genau in Ost-West Richtung verläuft. Obwohl die Küste hier zum Greifen nah ist und direkt hinter den Bäumen jenseits der Strecke liegt, ließ sich leider kein Motiv mit Meerblick finden. Stattdessen glaubt man, sich mitten im tiefen Wald zu befinden.

Bild 56 56
Ein erster "Motiv-Test" erfolgte mit IC148. Wie alle MZ in alter Farbgebung präsentiert sich auch MZ 1407 in einem erbärmlichen Zustand.

Bild 57 57
Direkt hinter dem IC folgt P3718, bespannt mit 220 037 und 220 026.

Und welch’ angenehme Überraschung: Mit 220 037 ist eine neue V200 im Umlauf, an Stelle der 220 060, die am Freitag ja schon solo im Bw Padborg stand (siehe Teil 2 / Bild 37)

Bild 58 58
Weil uns die Stelle gefiel, warteten wir noch den nächsten IC ab. Und das war auch gut so, denn vor IC152 kommt das gemischte Doppel MY 1107 und MX 1027 zum Einsatz.

Bemerkenswert ist hier nicht nur die Rundnasen-Doppeltraktion (damals selten zu sehen!), sondern auch die rote Pufferbohle bei der führenden MY 1107, was regulär ein typisches Merkmal der Baureihe MX war, während die MY schwarze Pufferbohlen besaßen.

Bild 59 59
Für die nächste Aufnahme ging es zurück nach Bredstrup, wo wir IC143 mit 220 051 und 220 060 erwarteten.

Auch dieses V200-Pärchen steht für einen Partnertausch: Was den Abzug der 060 angeht, hatten wir uns wohl zu früh gefreut. Denn die hat jetzt im Pärchen 051+075 (siehe Teil 2, Bild 28) die 075 ersetzt, die wir bereits morgens im Bw Padborg solo angetroffen hatten (Bild 43).

Das V200-Programm war damit für diesen Montag erledigt und wir machten uns so langsam auf den Weg nach Odense, wo die nächste Übernachtung vorgesehen war. Unterwegs sollte natürlich so viel wie möglich DSB mitgenommen, oder sollte ich sagen: "beigefangen", werden. Am Weg lag als erstes (mal wieder) das Bw Fredericia.

Bild 60 60
Im Bw Fredericia war es allerdings ziemlich leer. Vorm Schuppen nur eine einzige Lok, eine "langweilige" MX, die aber natürlich trotzdem fotografiert wurde. Aber hinter dem Schuppen stand etwas Interessantes: Der Dienst-Triebwagen Tjenestevogn 489, ehem. MO 1997. In dieser Blickrichtung ist die Front zwar heftig verschattet, aber dafür sieht der Himmel noch ganz freundlich aus.

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In der Seitenansicht von Tjenestevogn 489 blickt man dagegen auf eine rabenschwarze Wolkenwand, die sich rasch von Nord-West näherte.

Das war es dann mit dem Fotografieren für den Montag. Nach einem heftigen Wolkenbruch wurde es zwar wieder etwas besser, aber nicht gut genug für mich. Martin war da etwas schmerzfreier und hat auf dem Weg nach Odense noch einige "Nachtaufnahmen" fabriziert.

Im nächsten und letzten Beitrag geht es dann weiter mit den Bildern vom Dienstag, wo uns die Sonne noch mal schien (auch im übertragenen Sinne). So konnten wir unser V200-Dänemark Konto noch mal kräftig um ein paar schöne Aufnahmen aufstocken – und DSB-Diesel sowieso.

In der Hoffnung, Euch jetzt den Mund genügend wässerig gemacht zu haben, wünsche ich noch einen schönen Tag,
Ulrich B.

Diesel vor 30 Jahren – V200 in Dänemark und Beifang, Teil 4
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 08.09.2011

Wie üblich zunächst die Links zu den vorangegangenen Teil-Beiträgen:
Diesel vor 30 Jahren – V200 in Dänemark und Beifang, Teil 1 über Freitag, den 28.08.1981,
Diesel vor 30 Jahren – V200 in Dänemark und Beifang, Teil 2 über Samstag, den 29.08. und Sonntag, den 30.08.1981,
Diesel vor 30 Jahren – V200 in Dänemark und Beifang, Teil 3 über Montag, den 31.08.191.


Der fünfte und letzte Tag unserer Reise und der vierte in Dänemark war

Dienstag, der 01.09.1981

In der Nacht hatten sich die dunklen Wolken über Jütland verzogen und am nächsten Morgen herrschte wieder eitel Sonnenschein.

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Beim Blick in den Rangierbahnhof von Odense entdecken wir die altfarbene MZ 1404, die dort gerade mit drei Post-/Packwagen an einen Güterzug setzt, der wohl wenig später in Richtung Nyborg (- København) auf die Reise gehen sollte.

Das war ja schon mal ein gelungener Auftakt. Zumal wir jetzt ohnehin an die Strecke nach Nyborg fahren wollten, um uns die erste V200-Leistung des Tages vorzunehmen.

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Bei Kærby, etwa sechs Kilometer östlich von Odense, fanden wir eine Stelle, die mit dem typisch dänischen Lichtsignal wenigsten ein bisschen Motiv hergab. Pünktlich auf die Minute kommt IC112 mit dem V200-Pärchen 220 051 und 220 053 angebraust.

Und wieder hat es einen Partnertausch gegeben: 220 053 ist neu im Umlauf und hat jetzt wohl endgültig das blaue Monster 220 060 verdrängt.

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Nach dem IC war die Strecke frei für den Güterzug mit MZ 1404, den wir morgens in Odense gesehen hatten. Da wir aber auf keinen Fall die Ankunft der nächsten Fähre mit dem ersten Lyntog aus København verpassen wollten, wagten wir einen Stellungswechsel bis an den Ortsrand von Nyborg. Und es passte perfekt: Kaum hatten wir eine passende Stelle gefunden, kam der Güterzug auch schon angebrummt.

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In Nyborg blieb sogar noch Zeit, das dort schön in der Morgensonne glänzende V200 Pärchen 220 051 + 220 053 aus IC112 aufzunehmen.

Bild 66 66
Nyborg, Lyntog Zeit! Leicht verspätet (Plan an 9:21 Uhr) hat die "Kronprins Frederik" aus Korsør angelegt. Uns sofort beginnt wie ein Uhrwerk der übliche Fahrzeugwechsel. Auf der rechten Seite (vom Schiff aus gesehen) holt sich MZ 1437 ihren IC113 vom Schiff, während auf der anderen Seite der erste Teil des Lyntogs L115 "Limfjorden" auf festen Boden rollt.

Abweichend von allen anderen auf dieser Fahrt gesichteten MAs trägt MA 462 an der Front noch das alte DSB-Logo, aber dafür keinen Schneepflug.

Ein Blick auf die Uhr im Vordergrund zeigt: Es ist 09:31 Uhr.

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Quasi im Sichtabstand folgt weniger als eine Minute später der zweite Teil des L115, mit BS 481 an der Spitze.

Bild 68 68
Beim Nachschuss auf den zweiten Teil des "Limfjorden" kommt nicht nur MA 468 schön ins Bild, sondern auch die Häuserkulisse des kleinen Hafenstädtchens Nyborg.

Praktisch im Moment der Aufnahme hat der zweite Teilzug den im Vorfeld des Fährbahnhofs wartenden ersten Teil erreicht. Kuppeln dank Schaku kein Problem, automatisierte Bremsprobe (?) und ab geht’s, Planmäßige Abfahrt 9:29 Uhr, acht Minuten nach Ankunft der Fähre. Auch wenn’s an diesem Tag nicht ganz geklappt hat – eine solche Betriebsführung muss erst mal einer nachmachen.

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Im Fährbahnhof hat heute MH 334 Dienst, eine der wenigen damals schon schwarz/roten MH. Und, was soll ich sagen, auch einer Lok mit Vorbauten steht diese Farbgebung nicht schlecht (okay, Geschmackssache).

Beim nächsten Fährtakt, eine Stunde später, gibt es sogar eine Lyntog-Kreuzung in Nyborg. Allerdings kommt das Licht um diese Zeit (10:30 Uhr) bereits so ungünstig, dass wir es vorzogen, die Züge auf der Strecke zu fotografieren.

Bild 70 70
Bei Rønninge, westlich von Langeskov, wird zunächst der Lyntog L134 "Nordjyden" mit MA 467 an der Spitze erwartet. Zwecks Monitoreignung habe ich die eigentliche Hochkantaufnahme zu einem Querformat zurechtgeschnitten, daher der etwas unproportionierte Bildaufbau.

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An derselben Stelle, aber dieses Mal nicht von der Brücke, sondern ebenerdig "von unter der Brücke" wird eine Viertelstunde später auch der Lyntog aus der Gegenrichtung abgelichtet, L123 "Kongeåen". Auch wenn dabei nur ein Nachschuss auf den hinten laufenden MA 469 herauskommen ist, halte ich diese Aufnahme für eines meiner schönsten MA-Fotos.

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Für die nächsten Aufnahmen wurde wieder ein größerer Stellungswechsel vollzogen, und zwar nach Brøndsted, nordwestlich von Fredericia gelegen. Zum Einüben wird erst mal MR 4020 mit P3714 verewigt.

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Der nächste Zug in Brøndsted ist der IC144, zwischen Aarhus und Nyborg bespannt mit dem V200-Pärchen 220 022 und 220 013. Endlich erwischen wir auch mal 220 022 vorn laufend und mit Sonne; die 022 mit dem charakteristischen MaK-V und Alu-Zierleisten.

Danach ging’s noch ein wenig weiter nach Nordwesten bis an den Stadtrand von Vejle.

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Gleich der erste Zug dort ist gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes: Mit MV 1144 bekommen wir hier auf unserer Tour bereits die vierte von insgesamt sechs Maschinen der Baureihe MV geboten.

Um was für einen Zug es sich hier handelt, ist leider unbekannt – Leerreisezug, Wagenüberführung (heute würde man sagen Pbz), wer weiß? Besonders interessant sind die an 3. und 4. Stelle eingereihten Wagen, bei denen es sich um offensichtlich fabrikneue Steuerwagen der Bauart Bfs handelt.

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Im Gegensatz zu mir war mein Begleiter Martin geistesgegenwärtig genug, die beiden Wagen auch noch einmal im Zugverband aufzunehmen. Auf dem Bild ist sogar die Wagennnummer des ersten Wagens zu erkennen: 50 86 29-74 103-6.

Mit diesen Wagen sollte eigentlich eine neue Generation von Lyntog-Zügen in Dänemark eingeführt werden: Lokbespannt mit der neuen Diesellok Baureihe ME, vor einem beidseitig mit Steuerwagen versehen Wagenpark in der Reihung Bfs+Afm+Bfm+Cfm+Bfs. Ein solcher 5-Wagenzug hätte wohl so gerade auf die neuen Fähren über den großen Belt gepasst. Warum diese Entwicklung nicht über zwei Prototyp-Wagensätze hinaus gekommen ist, ist mir nicht bekannt.

Nun wurde es so langsam Zeit für die nächsten V200-Leistungen:

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Aus Nyborg kommt zunächst IC131 mit 220 053 und 220 051. Damit hatten wir von der "Neuen" (053), die wir morgens in Nyborg nur abgestellt ablichten konnten, jetzt auch eine schöne Betriebs-Aufnahme.

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Kurze Zeit später kommt aus der Gegenrichtung P3718 mit 220 014 und 220 076. Bemerkenswerterweise ist das genau derselbe Zug mit denselben Loks, mit denen unsere V200-Session vor vier Tagen begann (siehe Teil 1, Bild 3).

Spätestens ab hier begann nun auch unausweichlich unsere Rückreise, 630 km bis Essen, die noch an diesem Tag bewältigt werden mussten. Aber auf dem Weg dorthin war noch ein Pflichtprogrammpunkt zu erledigen: Die 220 im Blumenbahnhof Kolding. Also ab nach Kolding.

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Angekommen in Kolding, blieb noch reichlich Zeit bis zum Eintreffen der 220er. Da traf es sich günstig, dass sich in den Gütergleisen neben dem Personenbahnhof Traktor 131 nützlich machte. Nach einigen Rangiermanövern setzte er sich vor ein paar Güterwagen, die in den nahe gelegenen Hafen gebracht werden sollten, wie uns das freundliche Personal (auf deutsch) erzählte. Und der Bahnhofschef hat extra für uns die Fahne gehisst ;-))

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Im Hafen von Kolding gelang uns noch diese nette Aufnahme von Traktor 131. Es gibt doch bestimmt Sprachkundige hier im Forum, die uns verraten können, was für ein Geschäft in dem schmucken Fachwerkhaus betrieben wird.

Bild 80 80
Wir waren sogar so gut in der Zeit, dass auch noch der Personenzug im Takt vor der V200-Leistung fotografiert werden konnte. Vor dem über die Toppen geflaggten Bahnhof präsentiert sich die erstgebaute leichte Nohab, MX 1001, vor P944 den Fotografen.

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Ja, so hatten wir uns das vorgestellt: 220 014 und 220 076 mit P946 im Blumen-Bahnhof Kolding.
Wenn jetzt noch das saubere Paarchen 051+053 mit 051 vorn am Zug gewesen wäre … – aber man kann ja nicht alles haben.

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Um das ganze Bahnhofsgebäude mit Fahne ins Bild zu bekommen, mussten wir erst die Abfahrt des kurzen Zuges abwarten. Neben 220 014 und 220 076 kommt jetzt auch wieder der schon von Bild 47/Teil 3 bekannte schiefe Laternenmast ins Bild.

Bild 83 83
Die letzte Station unserer Dänemarktour 1981 war das Bw Padborg, wo sich gerade zwei V200-Pärchen "die Klinke in die Hand geben". Während für 220 014 und 220 076 (rechts im Bild) nach dem P946 der Tag beendet ist, brechen 220 037 und 220 026 überhaupt erst zu ihrer ersten Leistung des Tages auf: G7357, Padborg Rbf ab 17:10 Uhr.

Bild 84 84
Auf den bis Fredericia immer mit Licht im Rücken fahrenden Güterzug konnten wir gerne verzichten. Aber das V200-Doppel 220 026 + 220 037 muss trotz Frontschattens aufs Celluloid gebannt werden, um endlich auch einmal die 220 026 als führende Lok im Dänemark-Einsatz dokumentiert zu haben. Zustand: na ja, aber immerhin eine der wenigen Loks, die noch ihre ursprünglichen Alu-Zierleisten besitzt.

Das waren unsere letzten Aufnahmen in Dänemark 1981. Unter dem Eindruck der Erlebnisse der letzten fünf Tage und mit dem guten Gefühl, eine erfolgreiche Fotoausbeute "im Sack" zu haben, ließen sich auch die 525 Autobahnkilometer bis nach Hause bewältigen; schließlich wollten wir am nächsten Morgen pünktlich um 8:00 Uhr wieder im Büro erscheinen.


Zum Abschluss noch ein paar Worte in eigener Sache:
Die etwas enttäuschende Resonanz auf meinen letzten Teilbeitrag zeigt mir, dass eine Bilderflut von zusammen 84 Aufnahmen die Aufnahmefähigkeit der geschätzten HiFo-User doch wohl etwas überfordert. Ich ziehe daraus für mich den Schluss, mich zukünftig etwas mehr zurückzunehmen – weniger ist manchmal mehr.

Ich muss gestehen, dass mich beim Scannen der Bilder eine gewisse Euphorie überkam, die natürlich in erster Linie aus dem Erinnern der eigenen Erlebnisse gespeist war, die andere nur schwer nachempfinden können. Dänemark 81, das war ja nicht nur eine schnuckelige, kleine, heile Staatsbahn, bei der die V200 im Leiheinsatz nur das Tüpfelchen auf dem i waren. Dänemark, das war, das ist ein wunderschönes, sympathisches Land, in dem ich noch oft und gerne meine Familienurlaube verbracht habe. Deswegen haben mir auch die schon beinahe lyrischen Worte des Zeugen Desiros in seinem Kommentar zu Teil 2 so gut gefallen: "Steigen wir ein in die kurzen roten Abteilwagen, lassen uns in die endlos weichen, grau-gestreiften Polster fallen und entsorgen unser Butterbrotpapier in die kleinen bunten Plastiktütchen unter der Gepäckablage. Durch das offene Fenster hört man den markanten Singsang des Nohabs an der Zugspitze, es zieht der Geruch von Sommerfeldern hinein. Und in der Ferne grüßt das Meer! Schön!"

In diesem Sinne, einen schönen Tag noch,
Ulrich B.