Facelifting in der Bundesbahnzeit
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 04.10.2011

Facelifting – das ist nicht nur ein Thema für alternde Damen und zunehmend auch Herren (z.B, wenn sie hohe italienische Staatsämter bekleiden und auf kleine Mädchen stehen). Nein, regelmäßiges Facelifting betreiben im übertragenen Sinne auch Unternehmen und Institutionen, wenn es um ihr Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit geht. Sogar bei Lokomotiven kann man hin und wieder so etwas wie Facelifting beobachten.

Zu Beginn der Bundesbahnzeit ging es bei den Lokomotiven allerdings noch vornehmlich um technische Verbesserungen und weniger um das äußere Erscheinungsbild. So diente zum Beispiel die Ausrüstung der Baureihe 01 mit neuen Kesseln in erster Linie einer Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Dampfmaschine. Schauen wir uns zum Beispiel mal die 01 180 an:

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Am 25.07.59 traf HS die 01 180 (KBbf) noch mit altem Kessel im Bw Köln Deutzerfeld an.

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Dieselbe Lok, fast auf den Tag genau 11 Jahre später, am 29.07.68 im Bw Hof. Inzwischen ist 01 180 mit einem Neubaukessel ausgerüstet, der ihr ein völlig anderes Aussehen verleiht. Das liegt nicht nur an dem Kessel selbst (ohne Sandkästen, MV statt OV), sondern vor allem an der Neugestaltung des Frontbereichs.

Statt die herkömmliche Frontschürze beizubehalten, sorgt ein über die ganze Breite reichendes Trittblech nicht nur für verbesserte Arbeitsbedingungen des Personals, sondern auch für ein modernes Aussehen. Dieses Stilelement findet sich auch bei den 03.10 NbK, 23, 41 NbK und 66 wieder, und war damit kennzeichnend für neuzeitliche DB-Dampfloktechnik.


Auch bei der nächsten Lok, deren äußere Veränderungen ich beispielhaft betrachten möchte, sind diese zunächst technischer Natur.

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Am 19.09.76 ist die Frankfurter 110 211 zusammen mit 194 023 per Lz nach Pressig-Rothenkichen gekommen. Bis auf die neue Nummer und das kleine Dachlicht befindet sich die 110 noch weitgehend im Lieferzustand.

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Wahrscheinlich seit ihrer E2.0 in Opladen (27.09.83 lt. revisionsdaten.de) präsentiert sich 110 211 am 28.04.86 in einem deutlich anderen Äußeren:

Technisch begründet sind: Entfall der Blechregenrinne und der umlaufenden Griffstange samt Trittrost an der Front, Ersatz des ZEV-Kabels durch eine zweite Steckdose, neue UIC-Steckdose und zugehöriger Aufstieg mit zwei kleinen Handgriffen und Trittstufen.

Einer moderneren Optik geschuldet sind die Lackierung der Dachkante in blau, das DB-Logo auf der Front und die tief gesetzte Führerstandsziffer.

Die kleine Delle auf der Front unter dem oberen Handgriff ist allerdings weder Technik noch Optik ;-))

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Ausschließlich optische Gründe und damit ein klassischer Fall von Facelifting hatte die Einführung eines neuen Farbkonzepts im Jahr 1976. Bei ihrer E3 in 12/87 (Abnahme 02.01.88) fiel auch 110 211 in den blau/beigen Farbtopf.

Als ich sie am 07.09.88 im Bw München Hbf antraf, befand sie sich in illustrer Gesellschaft von 150 124, 120 143 und 120 156.

Die brandneuen 120er im Hintergrund künden davon, dass oceanblau/beige bereits wieder passé ist. Denn mit dem nächsten Vorstandsvorsitzenden kam auch das nächste Farbkonzept.


Die in immer schnellerer Folge wechselnden Farbkonzepte hatten zur Folge, dass man als Fotograf ein und dieselbe Lok in immer neuen Farbvarianten vor die Linse bekam. Mehr als drei waren allerdings in der Regel nicht erreichbar. Eine von den wenigen, die ich in vier Varianten ablichten konnte, war der Diesel-Brummer 215 125.

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Noch ganz im Lieferzustand präsentierte sich 215 125 vom Bw Köln-Nippes, als ich sie am 27.09.83 mit P6538 südlich von Gerolstein das erste Mal vor die Flinte kriegte.

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Eine Nahaufnahme vom gleichen Tag im Bahnhof Gerolstein zeigt, dass sogar noch das ursprüngliche DB-Logo ohne dünne äußere Umrandung vorhanden ist. Der allgemeine Lackzustand lässt stark zu wünschen übrig und eine Erneuerung ist fällig;
215 125 (KNi), 27.09.83.

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Tatsächlich erhielt 215 125 dann auch keine zwei Monate später eine Neulackierung im aktuellen ozeanblau/beigen Farbdesign (B3.0 am 22.11.83). Noch relativ frisch im Lack präsentiert sie sich damit am 28.04.84 mit P6415 auf der Aggertalbahn bei Engelskirchen.

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Mit der B3.0 am 24.01.92 fiel 215 125 in orientroten Farbtopf; vorzeitig, allein dem "Corporate Design" geschuldet, denn nach etwas mehr als acht Jahren kann der Anstrich noch nicht erneuerungsbedürftig gewesen sein. Am 11.09.99 kurvt die inzwischen beim Bw Trier beheimatete Lok mit RE 11405 bei Scheven durch die Eifel.

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Das letzte Mal begegnete mir 215 125 (als 215) am 17.05.02 an der Lahn, jetzt im aktuellen und für die Lok sicher letzten Farbdesign in verkehrsrot. Die Aufnahme zeigt die Maschine als Schieber mit RB 22434 bei Lahnstein ganz am unteren Ende des Lahntals.



"Was will uns der Dichter damit sagen?", wird sich sicher der eine oder andere jetzt fragen.

Richtig, natürlich will ich hier nicht nur einige mehr oder weniger willkürlich unter ein Thema gezwungene Bilder zeigen, sondern mit diesem Beitrag gleichermaßen bekannt geben, dass ich auch meine Seite "Die Bundesbahnzeit" einem Facelifting unterzogen habe. Nach knapp 7 Jahren und fast 500.000 Aufrufen war eine Runderneuerung einfach mal fällig.

Das war mit erheblichem Zeitaufwand verbunden und auch der Grund dafür, dass ich mich hier im HiFo in der letzten Zeit etwas rar gemacht habe und auch die alte Bundesbahnzeit in diesem Jahr keinen Zuwachs mehr erhalten hat.

Zunächst präsentiert sich die neue Bundesbahnzeit in der Version 2.0 erst einmal nur in einem neuen Layout, ohne neue Inhalte. Die Umstellung auf eine php-basierte Seitenstruktur macht es aber in Zukunft einfacher, meine Seite um neue Galerien und andere Themen zu ergänzen – da ist Etliches bereits in Vorbereitung.

Die übergeordnete Seitenadresse wurde unverändert auch für die Version 2.0 übernommen. Direkt-Links auf einzelne Unterseiten funktionieren dagegen durch die php-Programmierung nicht mehr. Trotz sorgfältiger Prüfung sind Funktionsfehler und sonstige Bugs natürlich nicht auszuschließen – ich bitte in diesem Fall um eine kurze Nachricht per Mail oder PN.

Ich hoffe, ihr seht mir die Eigenwerbung nach und gebt mir ein paar Rückmeldungen zur gelifteten Bundesbahnzeit 2.0, auf welchem Wege auch immer.

Schönen Tag noch,
Ulrich B.