Zusammenfassung der Beiträge
Stockholm 1967 – erste Eindrücke von der schwedischen Eisenbahn – Teil 1 und 2
Stockholm 1967 – erste Eindrücke von der schwedischen Eisenbahn
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 01.10.2012

Vor einigen Tagen hatte ich in zwei Beiträgen über meine Reise nach Finnland im Jahr 1967 berichtet. Dieser Urlaubsaufenthalt im Rahmen einer Jugendfreizeit war zwar alles andere als eine Eisenbahntour, aber am Rande fielen doch eine Reihe von Eisenbahnfotos ab, die hier zu sehen waren:

- Diesel & Dampf in Finnland vor 45 Jahren - Teil 1
- Diesel & Dampf in Finnland vor 45 Jahren - Teil 2

Im Gegensatz zur Hinfahrt führte die Heimreise nicht auf dem direkten Seeweg über die Ostsee nach Travemünde, sondern über Stockholm, das von Helsinki aus mit einer vergleichsweise kurzen Schiffsreise erreicht wurde. Dort ein Tag Aufenthalt mit kurzer Stadtbesichtung, Übernachtung und Weiterfahrt mit dem Zug nach Hause. Und auch dieses Mal nutzte ich die Gelegenheit, bei meinem ersten Besuch in Schweden auch ein paar Eisenbahn-Bilder zu machen.

Während die finnische Eisenbahn damals ein gänzlich unbeschriebenes Blatt für mich war, kannte ich wenigstens einige schwedische Lokomotiven und Triebwagen von Bildern. Zuallererst natürlich die Baureihe Da aus dem Märklin Katalog, die schwedischen Wellblech-Schnellzugwagen, sowie die Erzbahnloks und weitere Baureihen aus Büchern und Firmenprospekten.

Am Nachmittag des 20.08.67 konnte ich mich für gut zwei Stunden von der Gruppe absetzen und mich ein wenig auf dem Stockholmer Hauptbahnhof - Stockholm Centralstation – umsehen.

Bild 01 01
Als erste schwedische Ellok (und Lok überhaupt) kam mir die 1’Do1’ Altbau-Ellok F 698 vor die Linse. Unter der dunklen Straßenbrücke und ohne Sonne waren die Lichtverhältnisse mehr als bescheiden und ich kann froh sein, dass die Aufnahme wenigstens als Beweisbild taugt.

Von der Baureihe F wurden zwischen 1942 und 1949 insgesamt 20 Maschinen gebaut, die mit 2580 kW Stundenleistung und einer Höchsgeschwindigkeit von 135 km/h knapp unter den Daten der deutschen E18 liegt.

Bild 02 02
Schon die zweite Lok, die sich sehen ließ, war eine Da wie aus dem Märklin Katalog. Auch Da 802 stand ungünstig unter der Brücke über den Südkopf des Hauptbahnhofs, aber irgendwie scheint es insgesamt schon etwas heller geworden zu sein.

Die Reihe Da war ein Vertreter der nächsten Ellok-Generation nach der der legendären Baureihe D bzw. Du2, und wurde zwischen 1952 und ’57 in einer Stückzahl von 90 Exemplaren gebaut. Sie war sicherlich weltweit eine der letzten Beschaffungen von Streckenloks mit Stangenantrieb.

Danach begab ich mich auf die andere, nordwestliche Seite der Centralstation, wo sich günstigere Fotomöglichkeiten boten. Zusätzlich zu den Durchfahrgleisen gab es hier noch einige Stumpfgleise, in denen das Rangieraufkommen naturgemäß höher war.

Bild 03 03
Und hier gab es denn auch mit Öc 393 gleich eine elektrische Rangierlok zu fotografieren, mit der ich offensichtlich einen echten Sonderling erwischt habe.

Bei der Reihe Öc handelt es sich nämlich um eine elektrische Rangierlok mit zusätzlichen Akkumulatoren (wie die deutsche E80), von der nur 12 Maschinen gebaut wurden. 1979 waren noch zwei Maschinen im Einsatz. Zusätzliche Infos erwünscht.

Bild 04 04
Auch wenn ich damals noch nichts von der Besonderheit der Öc 393 ahnte, war mir eine elektrische Rangierlok allemal ein weiteres Bild wert.
Beachtenswert der für meine Begriffe auffallend "fein" gekleidete Lokführer.

Bild 05 05
Vom äußersten Bahnsteigende fiel mein Blick dann auf eine E-Triebwagen Doppeleinheit der schwedischen Privatbahn TGOJ, die im Vorfeld des Hauptbahnhofs auf ihren nächsten Einsatz wartete. Erst später fand ich heraus, dass es sich dabei um einen ET der Baureihe X20 handelte, vom die TGOJ überhaupt nur drei Stück besaß – 2/3 des Bestands hatte ich also vor mir.

Bild 06 06
Diese Lok kam mir doch sehr vertraut vor! Und tatsächlich, bei der T21 81 handelt es sich um eine Lieferung von MaK für die Schwedische Staatbahn (SJ), die weitgehend mit der deutschen V65 übereinstimmt.

Bild 07 07
Da sich der TGOJ X20 so gar nicht von der Stelle rühren wollte und sich das Wetter inzwischen merklich gebessert hatte, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und marschierte auf den ausgetretenen Dienstwegen mitten ins Bahnhofsvorfeld, um den ET noch einmal von der lichtmäßig besseren Innenkurven-Seite aufzunehmen.

War es das wert, sich für einen relativ modernen ET, der aussah wie eine vierteilige Dattel-Schachtel mit Stromabnehmer, möglicherweise großen Ärger einzuhandelt? Im Nachhinein: JA! Denn von hier aus hatte man freien Blick auf die ein- und ausfahrenden Züge und keiner nahm daran Anstoß, dass sich ein Jugendlicher mit Kamera zunehmend ungehemmter mitten in den Gleisen herumtrieb. Was waren das noch für goldene Zeiten …

Bild 08 08
Noch auf dem falschen Fuß erwischt wurde ich von einer Doppel-Einheit Yoa2, die bei gerade wieder "Licht-aus" in den Bahnhof Stockholm C einfährt.

Von den Fernverkehrstriebwagen der Baureihe Yoa2 (ab 1970 Reihe X9) gab es 23 vierteilige Einheiten, von denen beide Kopfwagen jeweils zwei angetriebene Achsen besaßen – Achsfolge (1 A)’ (A 1)’. Auch der Endwagen ohne Stromabnehmer war also ein Triebwagen!

Bild 09 09
Recht klein und amerikanisch wirkt die Reihe Ra, von der mir hier die achte von insgesamt zehn Loks vor die Kamera fuhr.
Rapid 8 = Ra 992, Stockholm C, 20.08.67.

Bild 10 10
Ein recht ausgefallenes Design kennzeichnet die Dieseltriebzüge der Reihe Y3. Im Unterdeck des doppelstöckigen Motorwagens ist die Antriebsanlage untergebracht, während sich darüber auf ganzer Länge ein Passagierraum wie bei einem Dome-car erstreckt. Sechs dieser 140 km/h schnellen Diesel-Triebköpfe lieferte LHB 1966/67 an die SJ; zusammen mit zwei ebenfalls doppelstöckigen Steuerwagen konnten so vier Triebzüge gebildet werden.

Bild 11 11
Das Neueste vom Neuen war die noch kein Jahr alte Rc 1011.

Mit der Entwicklung der Rc gelang der schwedischen ASEA der Durchbruch der Thyristor-Technik im Ellokbau. In Schweden und vielen anderen Ländern (außer Deutschland) wurde diese Antriebstechnik für zwei Jahrzehnte zum Standard, bis die Drehstrom-Leistungsübertragung in den achtziger Jahren ihren Siegeszug antrat.

Bild 12 12
Auch die zweite F an diesem Tag ging leider fotografisch in die Hose. Beim Heranrollen der F 622 riss der Himmel kurz vorher auf, was die Belichtungsautomatik meiner einfachen Kamera schlicht überforderte und zu einem stark überbelichteten Dia führte. Mit den heutigen Möglichkeiten der elektronischen Bildbearbeitung konnte ich jetzt zwar noch einiges retten, aber nicht vorhandene bzw. überstrahlte Farben bringt auch das beste Programm nicht zurück.

Bild 13 13
Und noch einmal einer dieser kuriosen Y3-Triebwagen. Auf diesem Bild ist sogar die Nummer lesbar - Y3 1263. Ob es dieselbe Einheit wie in Bild 10 ist, vermag ich nicht zu sagen. Falls ja, müsste diese Aufnahme ein Nachschuss sein, aber rote Schlusslichter sind nicht auszumachen. Allerdings sind auch keine Passagiere im Oberdeck zu erkennen – vielleicht nur ein Zurückdrücken in die Abstellgruppe?

Bild 14 14
Da ich gesehen hatte, dass im Bahnhof eine Ra mit einem Zug aus der Gegenrichtung eingetroffen war, ging es zurück in den "legalen Bereich" der Stockholmer Centralstation. Dort konnte dann in aller Ruhe und mit der Sonne im Rücken Ra 994 aufs Celluloid gebannt werden.

Mit diesem Bild möchte ich den heutigen Beitrag beenden. In Kürze geht’s dann weiter mit den restlichen Bildern meines ersten Kontakts mit der schwedischen Eisenbahn.

Bis dahin einen schönen Tag noch,
Ulrich B.

Stockholm 1967 – erste Eindrücke von der schwedischen Eisenbahn - Fortsetzung
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 03.10.2012

Zuerst noch eine kurze Anmerkung zum ersten Teil: Ich habe mich sehr über die zusätzlichen Informationen und Korrekturvorschläge gefreut, die auch für mich einiges Neues gebracht haben. Dank der Erläuterungen von Frank58 habe ich auch begriffen, was die runden rot/gelben Schilder an den Lok-Ecken bedeuten (der Begriff Stangerllutscher ist für "Außer-Bayrische" aber auch nicht zu verstehen ;-) , gell, Wolfgang). Ich werde die Anregungen bei der Übernahme des Beitrags auf meine Seite berücksichtigen, im HiFo aber nicht mehr ändern, damit die folgenden Einträge verständlich bleiben. Doch nun weiter mit meinem Reisebericht.

Bei recht durchwachsenem Wetter hatte ich mich am Nachmittag des 20.08.67 auf dem Hauptbahnhof der schwedischen Hauptstadt – Stockholm Centralstation – herumgetrieben und war dabei nicht davor zurückgeschreckt, mich zum Fotografieren sogar in das (nördliche) Gleisvorfeld zu begeben. Nach einiger Zeit wurde es aber auch im Bahnhof selbst wieder interessant.

Denn schon wieder tauchte eine (für mich) neue Baureihe auf, die mich als Sechsachser per se in den Bann zog.

Bild 15 15
Ma 877 macht auf mich eher den Eindruck einer schweren Güterzug-Maschine, aber hier war sie mit einem langen Reisezug eingetroffen.

Bild 16 16
Im südlichen Bahnhofsvorfeld, jetzt aber ganz legal vom Rand des Bahngeländes, wird Ma 877 ein weiteres mal beim Umsetzen auf den Film gebannt.

Bild 17 17
Südlich der Centralstation überquert die Bahn den Riddarfjord und tangiert dabei auch die darin gelegene Insel Riddarholmen mit Altstadt und Königspalast. Beim Austesten der dortigen Fotomöglichkeiten kam vom Hauptbahnhof her dieses urige Gespann angebrummt: Eine Lok der Baureihe Hg schleppt eine kalte Du2 und ein Sammelsurium aus Reisezug- und Güterwagen.

Bild 18 18
Weit kann die Fuhre nicht gegangen sein, denn schon nach kurzer Zeit kam die Hg als Lz wieder zurück. Auch ich hatte mich inzwischen zur Centralstation zurück begeben und diese Aufnahme entstand schon wieder in der südlichen Bahnhofseinfahrt.

Bild 19 19
Das nördliche Bahnhofsvorfeld erschien mir aber interessanter und so wanderte ich erneut dorthin. Hier konnte ich endlich auch DEN schwedischen Ellok-Klassiker schlechthin ablichten: Dk 557 mit einem Nahverkehrszug bei der Einfahrt in den Hbf.

Bild 20 20
In der Gegenrichtung verlässt kurz danach einer der eleganten E-Triebwagen Yoa2 (alte Baureihenbezeichnung, ab 1970 X9) den Bahnhof. Es führt der Kopfwagen ohne Stromabnehmer, also ein Yoa2-B. Im Bahnhof und rechts abgestellt zwei weitere Dk.

Bild 21 21
Den nächsten Triebwagen habe ich damals für einen ganz normalen S-Bahn (ähnlichen) ET gehalten, wie er in Großstädten überall auf der Welt in Massen auftritt. Erst beim Verfassen dieses Beitrags stieß ich darauf, dass von der Reihe Xoa6 (ab 1970 X6) überhaupt nur drei Züge gebaut wurden.

Bild 22 22
Auch die Öc 393, die ich bereits ganz am Anfang im ersten Teilbetrag gezeigt hatte, konnte jetzt in der tief stehenden Sonne noch einmal schön ausgeleuchtet verewigt werden.

Bild 23 23
Die letzte Aufnahme am 20.08.67 zeigt die Ra 994, die sich in den Kopfgleisen vor einen Zug Richtung Norden gestellt hatte.

Einen halben Meter kürzer als die deutsche E41 und leistungsmäßig nur knapp darüber war diese kleine Lok in Schweden ursprünglich als Schnellzuglok vorgesehen und deshalb für eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h ausgelegt.

Bild 24 24
Die Übernachtung in Stockholm erfolgte in einer preiswerten Unterkunft in Hafen-Nähe, wo ich beim Aufbruch am nächsten Morgen schnell noch T21 108 ablichten konnte.

Die Zugfahrt Richtung Heimat erfolgte wohl mit dem Schnellzug S127, 10:50 Uhr ab Stockholm, der einen Schlafwagen nach Paris mitführte. Schlafwagen war für uns natürlich zu teuer, weswegen in Kopenhagen (an 20:25 Uhr) vermutlich ein Umsteigen in den E/D376 "Skandinavien-Express" angesagt war, der uns bis Münster brachte, wo ein nochmaliges Umsteigen für die Reststrecke bis Wuppertal notwendig war. Ankunft in Oberbarmen 8:27 Uhr, nach insgesamt 21½ Stunden Reisezeit – das würde wohl heute kein "normaler" Mensch mehr auf sich nehmen.

Die restlichen Bilder entstanden bei dieser Fahrt von Stockholm nach Helsingborg aus dem Zug heraus. Leider habe ich mir damals keinerlei Notizen zu den einzelnen Aufnahmen gemacht, so dass die angegebenen Aufnahmeorte mit Vorsicht zu genießen sind – Bestätigungen und/oder Korrekturen sind deshalb sehr erwünscht.

Bild 25 25
Einen Schienenbus-ET – das gab’s wohl nur in Schweden. YBoa6 971 in Norrköping, 21.08.67.

Bild 26 26
In Linköping gab es die Kleinlok Z65 574 zu sehen.

Bild 27 27
Bei der Ausfahrt aus Linköping kamen wir an einigen abgestellten Schienenbussen der Baureihe YBo6 vorbei (oder waren es YBo7 – sind die beiden Baureihen eigentlich äußerlich zu unterscheiden?).

Bild 28 28
Ein weiterer Schweden-Klassiker waren die dreiachsigen Rangier-Elloks Reihe Ub, von der sich hier die Ub 278 im besten Licht präsentiert. Als Aufnahmeort habe ich Alvesta (inzwischen bestätigt) rekonstruiert, aber es könnte natürlich überall sein. Einzige Eingrenzungsmöglichkeit ist die Randbedingung, dass unser Zug dort gehalten haben muss, da meine einfache Kamera für schnelle Bewegungsaufnahmen nicht geeignet war.

Auf der restlichen Fahrstrecke entstanden keine Fotos mehr. Auch an die beiden Fährstrecken über den Öresund und Großen Belt habe ich leider keinerlei Erinnerungen mehr.

Dafür, dass die Reise KEINE Eisenbahntour war und ich eigentlich nur so nebenbei ein paar Aufnahmen machen konnte, war das Ergebnis, rückblickend betrachtet, sicher recht ordentlich. Ich bin jedenfalls froh, wenigstens diese Aufnahmen "im Kasten" zu haben.

Schönen Tag noch,
Ulrich B.