Weiden - Eslarn und zurück – Lokalbahndampf in der Oberpfalz
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 27.10.2013

Im Sommer 1972 unternahm ich zusammen mit einem Freund eine ausgedehnte Fototour kreuz und quer durch Süddeutschland, die uns nicht nur zu den bekannten Dampflok-Hochburgen führte, sondern auch zu den in Bayern ja zahlreich anzutreffenden Altbau-Elloks. Dabei wurde (mal wieder) Weiden in der Oberpfalz angesteuert, wo wir uns unter anderem die Nebenstrecke von Weiden nach Eslarn vornehmen wollten. Dieser Plan wurde am 23.08.72 umgesetzt.

Der Vormittag fiel weitgehend dem schlechten Wetter zu Opfer und so richtig los ging’s erst am Mittag auf dem Bahnhof in Weiden.

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Das erste Bild zeigt die 064 389, aber nicht etwa vor einem Zug nach Eslarn, sondern mit P4084 nach Bayreuth, Weiden ab 13:20 Uhr.

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Und noch ein Zug hatte zeitgleich Abfahrt um 13:20 Uhr: P3280, bespannt mit 001 187, einer Neubaukessel-01 vom Bw Hof.

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Für unseren Zug nach Eslarn mussten wir schon ein wenig weiter den Bahnsteig entlang laufen, denn P3817 steht, wie alle Züge nach Eslarn, am Kopfgleis des Hausbahnsteigs und damit ziemlich weit draußen. Die Lok vom Dienst an diesem Tag: 064 295-9.

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Da bis zur Abfahrt um 13:29 Uhr noch genügend Zeit vorhanden war, wurde natürlich auch ein Bild der Lok einzeln von vorn gemacht.

Die Tatsache, hier 064 295 wiederzusehen, war einigermaßen überraschend, hatten wir doch genau diese Lok drei Jahre zuvor schon einmal in einem ziemlich desolaten Zustand abgestellt "auf dem Rand" im Bw Weiden angetroffen. Damals besaß sie übrigens noch einen Leichtlaufradsatz mit Scheibenrädern als Vorläufer, der vmtl. bei der Wiederaufarbeitung gegen einen Radsatz mit Speichenrädern getauscht wurde.

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Um 13:20 Uhr dann das bekannte, sich werktäglich wiederholende Schauspiel von zwei parallel ausfahrenden Dampfzügen. Leider lässt sich 001 187 ein wenig hängen, so dass 064 389 mit deutlichem Vorsprung vom Bahnsteig wegkommt.

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Ein weiteres Bild ist fällig, als 001 187 mit P3280 unsere 064 295 passiert.

Danach ging’s für uns ohne große Eile an die Strecke, da uns das triste Wetter eh nicht geeignet für Streckenaufnahmen erschien. So fuhren wir direkt nach Floß, wo laut Kursbuch eine Zugkreuzung stattfinden sollte.

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Als wir in Floß ankamen, stand P3817 bereits im Bahnhof. Und da es eine lichtmäßig "richtige" Seite bei dem Wetter nicht gab, wurde der Zug mit 064 295 zunächst von der linken Seite her aufgenommen. So ist auch ansatzweise das kleine Bahnhofsgebäude zu sehen, wo die Reisenden brav im Eingangsbereich auf den Zug nach Weiden warten.

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Der Blick von der anderen Seite zeigt, dass die Zeit genutzt wird, um nach nur 16 km Fahrstrecke noch ein wenig Wasser nachzunehmen.

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Jetzt ist auch der kreuzende Zug aus Eslarn eingetroffen; ein Schienenbus der Baureihe 795/995, den ich leider nicht bei der Einfahrt von vorn abgelichtet habe. Warum auch einen Schienenbus ohne Sonne fotografieren …;-((

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Nächster Halt für unseren P3817 mit 064 295 war Waldthurn, wo wiederum nur eine Standaufnahme im Bahnhof gemacht wurde.

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Hinter Waldau (Oberpf.) trauten wir uns erstmals eine Streckenaufnahme zu, da sich die Lichtverhältnisse allmählich zum Besseren gewendet hatten.

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Bei Pleystein windet sich die Strecke durch den oberpfälzer Wald. Und da es hier für unseren P3817 bereits wieder bergab geht, lässt es das Personal der 064 295 leider ziemlich unspektakulär einfach nur rollen.

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Oberpfälzer Tristesse bei Lohma. Ein Eindruck, der allerdings durch das Gegenlicht verstärkt wird.

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Als P3817 die letzten paar 100 Meter nach Eslarn hinabrollt, zeigt sich zum ersten Mal an diesem Tag sogar ganz schüchtern die Sonne.

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Angekommen in Eslarn, wird 064 295 sofort abhängt und bis ganz ans Ende des Gleises vorgezogen, wo eine Möglichkeit zum Wasserfassen bestand.

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Die etwas ungewöhnliche Form des Wasserfassens muss natürlich auch von etwas näher auf den Film gebannt werden. Jetzt ist schön zu sehen, dass das Gleis ohne Prellbock direkt hinter der Lok endet; danach kommt nur noch die Straße und dann steht man im Bauernhof. Ob da wohl schon mal ein Güterwagen in der Scheune gelandet ist ??

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Der letzte Akt der Hinfahrt ist das Bekohlen in der kleinen Lokstation in Eslarn. Ähnliche Bilder hat wohl jeder gemacht, den es hierhin verschlagen hat.

Der Kohlenhunt besitzt unten eine Aufsetzvorrichtung, die genau auf die Ränder des Kohlenkastens der BR 64 zugeschnitten ist. Der Heizer muss den Hunt nur richtig positionieren, und schon fällt die Kohle vollständig in die Lok, ohne dass irgendetwas daneben geht.

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Und noch einmal aus einer geringfügig anderen Perspektive, bei der das ganze Ensemble ins Bild kommt.

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Nach dem Bekohlen und Abschmieren der Lok ist erst mal kurze Pause für das Personal, bevor es um 15:29 Uhr zurück nach Weiden geht.

064 295 schmaucht derweil vor dem Schuppen vor sich hin. Hineinfahren kann sie nicht, denn da steht noch ein weiterer Bubikopf, der planmäßig um 17:38 Uhr einen Nahgüterzug nach Weiden zu bringen hat.


Davon, und auch von der Rückfahrt der 064 295 nach Weiden, berichte ich dann in einem Folgebreitrag, damit das jetzt hier nicht zu lang wird.

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.

Weiden - Eslarn u.z. – Lokalbahndampf in der Oberpfalz – Forts.
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 31.10.2013

Im ersten Teil meines kleinen Reiseberichts über unsere Tour vom 23.08.72 in die oberste Oberpfalz hatten wir den Bubikopf 64 295 mit dem P3817 nach Eslarn begleitet. Nachdem die Wasser- und Kohlevorräte ergänzt und die Lok noch einmal rundum abgeschmiert worden war, zog sich das Personal in die wohlverdiente Ruhepause zurück; die Rückfahrt nach Weiden übernahm das Personal, das morgens den Nahgüterzug nach Eslarn gefahren hatte.

Bevor es nun wieder zurück nach Weiden geht, noch ein kurzes Wort zum Umsetzen in Eslarn: Anders als im Kommentar des Köpperners zu Teil 1 dargestellt, wurden die Wagen bei meinen Besuchen 1969 und 1972 in Eslarn keineswegs "heftig in die Strecke abgestoßen", sondern von der Lok ganz manierlich in die Steigung zurückgedrückt, festgebremst und abgekuppelt. Nachdem die Lok das Gleis vor den Wagen geräumt hatte, wurden die Wagen dann vom Zugpersonal vorsichtig in den Bahnhof hinab rollen gelassen. Das war eine geregelte und sichere Betriebsabwicklung, so sich denn alle Beteiligten an die Vorschriften hielten. Ob das allerdings immer so der Fall war, entzieht sich meiner Kenntnis. Das Abrollen in ein nicht durch Prellbock gesichertes Gleis war aber auf jeden Fall ein sehenswerter Vorgang.

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Rechtzeitig hat sich 064 295 wieder vor die Wagen gestellt, um pünktlich um 15:49 Uhr mit P3824 die Heimfahrt nach Weiden antreten zu können.

Jetzt, wo die Lok "richtig herum", d.h. vorwärts vorm Zug stand, wurde natürlich die Chance genutzt, weitere Ansichten auszuprobieren, von denen ich die hier die langweiligen Standardmotive mit Lok allein und groß im Bild weglasse.

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Zunächst der Blick oben von der Laderampe, der zugleich einen schönen Überblick über das Bahnhofsareal mit Empfangsgebäude und Güterschuppen bietet. Ganz hinten ist auch die Sh2-Tafel zu sehen, die das Ende des Bahnsteiggleises und der Strecke generell markiert.

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Dann ein weiteres Bild nur mit Lok und erstem Wagen, dafür aber mit der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt im Hintergrund. Auch der hölzerne Güterschuppen macht sich gut hinter der Lok.

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Für die erste Streckenaufnahme hatten wir uns direkt hinter Eslarn bei Zankltrad postiert, wo sich die Strecke in einer weiten S-Kurve den Berg hinauf schlängelt. Noch ist der Zug weit weg, aber solche "Vorschüsse", früher eher nebenbei gemacht, empfinde ich heute als durchaus reizvoll wegen des weiten Blicks in die Landschaft. Sehr gut ist hier die Streckenentwicklung aus Eslarn heraus nachvollziehbar. Typisch bayrisch auch das Kruzifx am Straßenrand.

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Natürlich gibt’s auch noch ein Bild aus der Nähe. Nur ist jetzt die Seite im Schatten, da das Licht noch nicht weit genug "herum" war. Aber was soll's, Hauptsache Sonne.

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Bei Lohma ist der Zug wieder eingeholt. Mit schöner Dampfentwicklung überquert unsere 064 295 mit ihrem P3824 soeben eine kleine Steinbogenbrücke irgendwo mitten im Wald. Kann vielleicht noch jemand die Fotostelle etwas genauer angeben?

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Auch die Nahaufnahme am gleichen Fotostandpunkt ist zeigenswert.

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Bei Pleystein wird zur Abwechslung ein Hochkant-Motiv gewählt – schließlich konnte damals noch keiner ahnen, dass solche Bilder 40 Jahre später nur schlecht für eine Wiedergabe auf einem Monitor geeignet sind.

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Bei Vohenstrauß bestand einmal mehr die Möglichkeit, von ein und demselben Standpunkt aus zwei völlig unterschiedliche Ansichten einzufangen: Zuerst mit Tele (f=135 mm) über einen Holzlagerplatz hinweg in die Innenkurve, wo der Zug gerade das Einfahrsignal passiert.

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Bei der geringen Geschwindigkeit des Zuges blieb nun ausreichend Zeit für einen Objektivwechsel, um den Zug ein weiteres Mal aus der Nähe in der Außenkurve zu fotografieren.

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Das letzte Bild des P3824 mit 064 295 an der Spitze entstand bei Albersrieth, wo der Zug planmäßig um 16:48 Uhr sein sollte.

Danach wurde es Zeit, wieder nach Eslarn zurückzukehren, da für den Abend ja noch der Nahgüterzug nach Weiden auf dem Programm stand; planmäßige Abfahrt um 17:38 Uhr. Und das Timing klappte perfekt: Als wir um kurz vor halb sechs wieder in Eslarn eintrafen, stand der Güterzug bereits abfahrbereit im Bahnhof.

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Vor dem Zug eine alte Bekannte aus Aalen, 064 415, deren ganzes Tagesprogramm aus einem Nahgüterzug Weiden - Eslarn und zurück bestand. Die Zugnummer für die Rückfahrt lautete Ng16196 – den "Dampfgeführten Reisezügen" sei Dank.

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Neben der obligatorischen Standaufnahme von unten reichte die Zeit noch für einige weitere Bilder, u.a. von dem etwas höher gelegenen Holzlagerplatz.

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Für die Ausfahrt begaben wir uns wieder in die Kurven bei Zankltrad, dieses Mal jedoch auf die Innenkurvenseite. Mit den fünf Wagen des Ng16196 hat 064 415 keine große Mühe, trotz der beachtlichen Steigung an dieser Stelle.

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Und da ich mich entscheiden kann, welches Bild ich hier zeigen soll, kommt nun auch noch die Nahaufnahme; nach damaligen Gesichtspunkten die Hauptaufnahme, was ich heute ein wenig anders sehe.

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In Waidhaus kreuzte Ng16196 den P3819 Weiden-Eslarn, wiederum eine Schienenbus Leistung, die wir leider völlig übergangen haben, was ich heute sehr bedaure. Wir hatten seinerzeit nur Augen für den Bubikopf 064 415, der mit seinem Ng neben dem Güterschuppen auf die Weiterfahrt wartete.

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Die gute Ausleuchtung des Triebwerks durch die tiefstehende Sonne veranlasste mich zu einer weiteren Aufnahme genau von der Seite, obwohl der Allgemeinzustand der Lok schon stark zu wünschen übrig ließ.

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Als letzte Aufnahme dieses Tages entstand bei Lohma noch ein weiteres "Landschafts-Suchbild" mit 064 415 und Ng16196.

Warum wir den Zug nicht weiter verfolgt haben, ist mir heute nicht mehr erinnerlich. Vermutlich war einfach "Licht aus", schließlich gab es noch keine Sommerzeit und der Himmel zog sich nach nachmittäglicher Aufklarung auch wieder zu. Aber wie dem auch gewesen sein mag, aus heutiger Sicht bin ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden.

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.