Wehrmachtsdiesel in der Bundesbahnzeit
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 12.05.2014

Na, wer hat das tuckernde Motorgeräusch der kleinen Schwarzen noch im Ohr? Für mich hörte sich das immer an wie ein Rhein-Schiff – kein Wunder, waren diese damals doch noch überwiegend mit langsamlaufenden Motoren, meist derselben Hersteller, bestückt.

Die Rede ist hier natürlich von den V36 und V20, oder mit neuer Nummer 236 und 270 – DEN Altbau-Dieselloks der DB. Bis weit in die 70er Jahre waren die ehemaligen Wehrmachtsloks für den Betrieb unverzichtbar, auch wenn sie in den letzten Jahr(zehnt)en nicht mehr im Personenverkehr und nur noch selten im regulären Rangierdienst eingesetzt wurden. Aber als Betriebs-Reserve und zur Bespannung von Arbeits- und Bauzügen waren sie immer noch bestens geeignet – einfach, robust und, wie man heute sagt, unkaputtbar.

Anzutreffen waren die kleinen Schwarzen im gesamten Bundesgebiet, wobei die Schwerpunkte in den letzten Jahren im Westen und Norden in den (ehem.) Direktionen Wuppertal, Hannover und Hamburg lagen. Und wie es der Zufall wollte, deckte sich das weitgehend mit meinen Wohnorten in den 60er und 70er Jahren. Auch wenn ich den Maschinen nur in Einzelfällen gezielt hinterher gefahren bin – im Laufe der Jahre haben sich doch so viele Aufnahmen ergeben, dass eine Bilder-Galerie zu diesem Thema in der Bundesbahnzeit längst überfällig war. Und jetzt ist es endlich geschafft, die neue Galerie ist ab sofort online; Titel und Link, kurz und knapp: Wehrmachtsdiesel.

Und da mir weit mehr Aufnahmen zur Verfügung stehen, als ich dort zeigen kann, bleibt für die Ankündigung hier im HiFo noch nahezu unbegrenzt Material übrig. Ich fange einfach mal mit ein paar Bildern an.

Bild 01 01
Was macht eine V36 aus Fulda im Bw Altenbeken? Nun, 236 107-9 ist am 18.08.74 entweder auf Durchreise zum oder vom AW Bremen oder leihweise zu einem Arbeitszugeinsatz hierhin abkommandiert.

Bild 02 02
Die Dachkanzel zeigt an, dass die Münchener 236 115-2 mit einer Einmannbedienung Bauart Nürnberg ausgerüstet ist.
AW Bremen, 14.08.73.

Bild 03 03
Bauzüge waren das tägliche Brot der 236 in den 70er Jahren. Die Hannoveraner 236 203-6 war am 27.02.75 bei den Arbeiten zur Elektrifizierung der Strecke Lehrte – Braunschweig bei Vechelde im Einsatz. Die primitiven Blechkästen auf dem Vorbau vor dem Führerhaus sind übrigens zusätzliche Kraftstofftanks, mit denen einst die im Bremer Vorortverkehr eingesetzten V36 bestückt wurden.

Bild 04 04
Als einzige 236 war 236 212-7 mit einem Geländer am Umlauf ausgestattet. Am 30.05.75 konnte ich den Sonderling im Heimat-Bw Hannover ablichten.

Bild 05 05
Während die Einmannbedienung Bauart Nürnberg bei den V36.1 sehr häufig vertreten war, kam sie bei den V36.2 nur selten vor. Zu den wenigen Loks zählte 236 213-5 vom Bw Husum, die am 29.09.72 Dienst in Itzehoe hatte. Die Lok besaß zu diesem Zeitpunkt nicht nur noch ihr schönes BMAG-Fabrikschild, sondern am Führerhaus auch noch ein Gussschild mit der Typenbezeichnung WR360C14.

Bild 05a 05a
Das Typenschild ist auf der Gesamtansicht nur schwach zu erkennen; deshalb hier noch einmal ein Ausschnitt in Vollauflösung.

Bild 06 06
Aus Finnentrop hatte es 236 221-8 am 28.05.72 mit einem Bauzug nach Remscheid Lennep verschlagen, wo sich an diesem Tag noch zwei weitere 236 aus Steinbeck "herumtrieben" – Bild davon siehe neue Galerie. Offensichtlich standen hier damals größere Gleisbauarbeiten an.

Bild 07 07
Der Rangierdienst am Bahnpostamt neben dem Hauptbahnhof gehörte zu den Aufgaben der Hannoveraner 236. Das Besondere an dieser Aufnahme ist also nicht die 236 222-6 mit dem Postwagen im Vorfeld des Hbfs, sondern Schnee in Hannover. Dieses seltene Naturschauspiel war mir in vier Wintern in Hannover nur ein einziges Mal vergönnt. 14.02.76.

Bild 08 08
236 236-6, die Steinbecker Lok mit übereinstimmender Baureihen- und Betriebsnummer, bespannte am 04.09.75 einen Arbeitszug in Wuppertal Rauental, wo eine Weiche ausgetauscht werden musste.

Bild 09 09
Der größte Exot unter den DB V36 war sicher die seinerzeit in Eigenregie des Bw Wuppertal Steinbeck auf Einmannbedienung umgebaute V36 238. Das auf ganzer Breite nach oben verlängerte Führerhaus machte die Lok zwar nicht unbedingt schöner, bot aber dem Personal die beste Streckensicht. Allerdings war diese Form des Umbaus auch sehr aufwendig und konnte sich daher nicht durchsetzen.
Am 01.11.76 war 236 238-2 schon lange nicht mehr im Streckendienst unterwegs, sondern verrichtete als Lok des Bw Hannover Bauzugdienst im Rbf Han. Wülfel und im Messebahnhof.

Bild 10 10
Wenn das Wetter trübe war und Streckenaufnahmen unmöglich machte, ging‘s halt ins nächstgelegene Bw, um wenigstens ein paar Standaufnahmen auf den Film zu kriegen. So kam ich am 23.07.74 in Emden unverhofft zu einer Aufnahme von 236 252-1, die mitsamt einem Güterwagen locker auf die Drehscheibe ihres Heimat-Bws passt. Wenn man bedenkt, wie genau eine 042 oder gar 012 hier positioniert werden musste ...

Bild 11 11
236 253-1 war ein Hannoveraner "Urgestein". Am 03.12.75 kreuzt sie durch das Weichenvorfeld des Hauptbahnhofs, auf dem Weg zum Dienst im Bahnpostamt.

Bild 12 12
Vier V36, einst alle im Bw Hannover beheimatet, besaßen einen großen Zusatz-Luftbehälter an der Führerhaus-Rückwand, der das Erscheinungsbild dieser Loks nachhaltig prägte. Eine davon war die gerade schon gezeigte 236 253-1, mittlerweile in Oldenburg stationiert und eben dort am 31.03.81 aufgenommen.

Bild 13 13
Kommen wir zur V20, der kleinen Schwester der V36. Unter den Betriebsnummern V20 002 und 005 bis 008 waren die etwas leichteren WR200B13 zusammengefasst.
In dieser Nummerngruppe fiel 270 008-6 durch ihr flaches Führerhausdach etwas aus dem gewohnten Rahmen. Am 01.08.73 besuchte sie wieder einmal ihr Heimat-Bw Hannover.

Bild 14 14
Die Regel-Bauart WR200B14 repräsentiert dagegen die Bremer 270 031-8, die ich am 10.05.75 neben dem Schuppen im Bw Bremen Rbf antraf.

Bild 15 15
Der Versuchsanstalt Minden (VersA) stand für den internen Verschub stets eine Hannoveraner 270 zur Verfügung. Am 12.06.72 war dies 270 033-4, die hier gerade die fünf Tage zuvor abgenommene 103 207-7 vor die Fahrzeug-Prüfhalle rangiert.

Bild 16 16
Aus V22 004 entstand 1953 durch Einbau eines hydraulischen Getriebes die V20 059. Inzwischen mit neuer Nummer 270 059-9 versehen, rangiert die kleine Lok am 11.09.69 ein paar Wagen am Rande des Harburger Hafens. Am Führerhaus glänzt blank poliert das alte Firmenlogo der DWK.

Bild 17 17
Eine spezielle Vergangenheit hat die V20 060, denn sie entstand aus der ehemaligen V20 015, einer DWK D200. Als ich diese Maschine am 14.08.73 im AW Bremen vor die Linse bekam, hatte sie ihre aktive Zeit bereits beendet (Z: 24.05.73). Wie man sieht, sind Kühler, Motor und wahrscheinlich auch alle sonstigen noch verwertbaren Teile bereits ausgebaut und der Rest fertig für die letzte Fahrt zur Verschrottung.

So könnte es jetzt noch viele zig Bilder weitergehen, aber das wird dann irgendwann auch langweilig. Und die meiner Meinung nach besten und interessantesten Aufnahmen sind ohnehin in der neuen Galerie enthalten. Dort fehlen natürlich auch nicht die V36.3 und die V188.

Ich freu‘ mich über jeden Besucher, und Anregungen und Kritik werden selbstverständlich gerne entgegengenommen.


Schönen Tag noch,
Ulrich B.