Ostertour 1971 – Mayen, Teil 1
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 20.06.2016

Wie Reinhard Gumbert war auch ich in der Osterzeit 1971 zusammen mit einem Freund auf Fototour quer durch Deutschland. Allerdings ging unsere Tour von Wuppertal aus in Richtung Süddeutschland und durch das Saarland. In Saarlouis bzw. Saarbrücken hätten sich Reinhards und unsere Wege beinahe gekreuzt – am 06. und 08.04.71 haben wir an der Mosel teilweise dieselben Züge nur wenige Kilometer voneinander entfernt aufgenommen. Auch Mayen lag bei beiden Ostertouren auf der Route, bei uns allerdings schon ein paar Tage eher, da noch ganz am Anfang der Reise.

Was zog einen damals nach Mayen? Mitte der 60er Jahr war Mayen ein aus Eisenbahnfreunde-Sicht unbedeutendes kleines Bw am Südrand der Eifel. Neben ein paar Köfs und Schienenbussen (Fahrzeuge, die man eh nicht beachtete), gab es dort eine Handvoll 50er, also auch nichts Besonderes. Das änderte sich Ende der 60er Jahr, als die Wirtschaftskonjunktur in der Bundesrepublik derart anzog, dass bei der DB ein spürbarer Fahrzeugmangel auftrat. Plötzlich wurde alles gebraucht, was noch fahren konnte. Kurzfristig wurden zahlreiche bereits abgestellte Dampfloks wieder in Dienst gestellt, teils sogar mit neuen Hauptuntersuchungen, Dabei waren auch etliche Tenderloks der Baureihen 78, 86 und 94.5, mit denen höherwertige Loks für die anspruchsvolleren Einsätze freigesetzt werden sollten. Auch für die Mayener 50er sah man anderenorts eine bessere Verwendung und so gelangten im Spätsommer 1969 zunächst die 078 303 (ex Bw Schweinfurt), 086 263 (ex Hof via Saarbrücken) und 086 809 (ex K’lautern via Saarbrücken) nach Mayen, denen 1970/71 noch eine weitere 78er und sieben 86er folgten. Damit wurde Mayen plötzlich auch wieder für die Fans interessant, wenngleich sich die neue Situation in Vor-Internet-Zeiten nicht so schnell herumsprach.

Mein erster Besuch in Mayen war denn auch eher zufällig im Rahmen der Sonderfahrt mit 082 020 durch die Eifel, in deren Verlauf ein längerer Halt in Mayen Ost zu einer Stippvisite im Bw genutzt wurde. Obwohl das natürlich nicht zur Überschrift passt, möchte ich zwei dabei entstandene Bilder hier zeigen, weil es gut zum Thema passt.

Bild 01 01
Noch keinen Monat in ihrem neuen Heimat-Bw waren 086 263 und 078 303 am 21.09.69.
Die 78er musste bereits sechs Monate später den Dienst quittieren und außer von der Sonderfahrt am 25.01.70 habe ich noch keine Bilder von Mayener T18 im Planeinsatz gesehen. Das wär‘ doch mal was für unsere Hobby-Kollegen aus dem Koblenzer Raum.

Bild 02 02
Auch der dritte Neuzugang in Gestalt von 086 809 stand am 21.09.69 beschäftigungslos im Bw Mayen. Im Hintergrund sieht man die Noch-Mayener 050 563 in Wochenendruhe.


So, nun geht es aber überschriftskonform los mit den Bildern meiner Ostertour 1971 aus Mayen und Umgebung. Alle Aufnahmen in diesem Teilbeitrag stammen vom ersten Tag der Reise, dem 30.03.1971. Nachdem wir den Vormittag noch im Westerwald bei den 82ern in und rund um Siershahn verbracht hatten, ging es weiter über den Rhein an die Strecke Andernach – Mayen. Leider war uns der Wettergott nicht wohl gesonnen und es herrschte eine trübe Suppe, die sich einfach nicht auflösen wollte. Aber das war eine Woche später bei Reinhard am 08.04. ja auch nicht anders – siehe Osterreise 1971 (7).

Bild 03 03
Gleich Im ersten Bahnhof hinter Andernach, in Miesenheim, wurde der P3626 abgepasst. Im Gegensatz zum morgendlichen Berufsverkehr (siehe Beitrag von Reinhard) besteht der Zug nur aus zwei 3x-Umbauwagen. Als Zuglok fungiert 086 521, der letzte Neuzugang in Mayen, eingetroffen am 26.02.71 vor gerade einmal fünf Wochen. Klar, dass man die 50er oder 211, die sonst den Zug befördert hätten, anderswo nutzbringender einsetzen konnte.

Bild 04 04
In Kottenheim war der Zug wieder eingeholt und konnte bei der Einfahrt in den Bahnhof fotografiert werden. Wenn doch bloß das Wetter ein wenig freundlicher gewesen wäre – seufz …

Bild 05 05
Das urige Bahnhofsgebäude von Kottenheim war natürlich ein reizvolles Motiv für eine weitere Aufnahme. 086 521 mit P3626.


Nach diesem eher mäßigen Auftakt ging es erst einmal ins Bw. Standaufnahmen erschienen uns bei diesen Lichtverhältnissen ohnehin als die bessere Alternative.

Bild 06 06
086 842 war schon einmal von 3/53 bis 2/66 in Mayen stationiert, bevor sie am 26.09.70 wieder zurückkehrte. Allerdings währte diese letzte Phase nur bis zum 25.11.70. Bei unserem Besuch am 30.03.71 stand die Maschine bereits auf Z und war damit eigentlich nicht "aufnahme-würdig". Aber 86er mit ÜK-Führerhaus hatte ich noch nicht allzu viele in meinem Archiv, da konnte man schon mal eine Ausnahme machen. Und immerhin war die Lok noch komplett mit Schildern, Lampen und Stangen ausgerüstet. Nur der Vorwärmer war ausgebaut und lag hinten im Kohlenkasten - vielleicht nahm man an, dass die Lok doch noch einmal eine Untersuchung im AW Trier erhalten könnte.

Bild 07 07
Ebenfalls mit ÜK-Führerhaus präsentierte sich 051 602 des Bw Mayen in ihrem Heimat-Bw. Eine aufgemalte Nummer war 1971 eigentlich nicht mehr üblich – möglicherweise handelte es sich auch hier um eine reaktivierte Maschine.

Bild 08 08
Das Schöne an Mayen war, dass man direkt vom Bw aus den Rangierbetrieb im Bahnhof Mayen Ost einsehen und fotografieren konnte; bei einem Bw-Aufenthalt entging einem also nichts. Auch nicht 086 200, die gerade ein paar Güterwagen verschob. Das scheint einer ihrer letzten Einsätze gewesen zu sein, denn schon am 08.04. traf Reinhard die Maschine nur noch kalt im Bw an. Die z-Stellung erfolgte am 21.04.71.

Bild 09 09
Inzwischen war auch 086 521 im Bw eingetroffen und wurde jetzt erstmal frisch mit neuen Vorräten versorgt.

Bild 10 10
Für die beiden nächsten Bilder haben wir offensichtlich kurz die Seite gewechselt, denn nun sehen wir 086 200 von der linken Seite vor dem Stellwerk Mn, dessen genaue Lage mir allerdings heute ein Rätsel ist.

Bild 11 11
Nach ein wenig Hin- und Her-Rutschen ließ sich auch der ganze Zug mit ins Bild nehmen. Ob der Turm im Hintergrund wohl ein ehemaliger Bunker ist?

Bild 12 12
Kaum zurück im Bw, kam auch schon 086 182 von einem Einsatz zurück nach Mayen und passierte dabei das direkt dem Bw gegenüber liegende Stellwerk Mo.

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Mit einmal Sägen gelangte 086 182 unmittelbar darauf ins Bw Mayen, wo zunächst eine Porträtaufnahme fällig war.

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Es folgte eine Aufnahme auf dem Kanal von hinten,

Bild 15 15
dann von vorn,

Bild 16 16
und schließlich von der Seite auf der Drehscheibe.

Bild 17 17
Selbsverständlich klickten die Kameras auch bei der Einfahrt in den Schuppen noch einige Male, aber jetzt reicht es mit den Aufnahmen von 086 182 wirklich.


Nach diesen Bw-Aufnahmen zog es uns wieder an die Strecke, auch wenn das Wetter eigentlich nach wie vor nicht "streckentauglich" war. In der Lokleitung hatten wir in Erfahrung gebracht, dass in Kruft und Plaidt eine 94 bzw. 86 mit Anschlussbedienung beschäftigt wären. Also nix wie hin.

Bild 18 18
In Kruft trafen wir tatsächlich auf 094 720, die mit einem langen Niederbordwagenzug an der Laderampe stand. Eine Aufnahme von dort war zunächst nicht möglich, so dass wir uns über die Streckengleise hinweg auf die andere Seite begaben, von wo aus man einen freien, aber auch reichlich motivlosen Blick auf den Zug hatte. So sorgte nur der Einsatz des 135-Tele für eine gewisse Dynamik dieser Aufnahme.

Bild 19 19
Da diese Seite ohnehin besser im Licht lag, entstand auch noch ein Porträt der Lok selbst, die mir drei Jahre zuvor in Mannheim noch knapp durch die Lappen gegangen war.

Bild 20 20
Nachdem der Zug etwas nach vorn gerückt war, ließ sich auch von der Laderampe aus eine Aufnahme machen, bei der hinter 094 720 nicht nur einige Behältertragwagen, sondern auch das schöne Bahnhofsgebäude von Kruft ins Bild kommen.


Die Beladung erfolgte übrigens derart, dass ein Gabelstapler von der Laderampe aus Paletten mit Hohlblocksteinen auf die Flachwagen fuhr und sie dort zweilagig aufstapelte – Palette für Palette, jede einzeln. Ein weiterer Mitarbeiter war damit beschäftigt, die Ladung zu sichern; dazu kam der verantwortliche Lademeister und das Lokpersonal, das mit seiner 94er den Zug wagenweise nach vorne ziehen musste, wenn wieder ein Wagen voll war. Eine unglaublich zeit- und personalaufwendige Vorgehensweise, die aus heutiger Sicht völlig anachronistisch erscheint.

Bild 21 21
Dann ging es Plaidt, wo 086 809 bei unserer Ankunft gerade in ein Anschlussgleis verschwinden wollte, welches östlich des Bahnhofs in einem weiten Bogen ins Tal führte. Die dadurch aufkommende Hektik ließ eine sorgfältige Motivgestaltung leider nicht zu, so dass es nur zu diesem Notschuss reichte.

Bild 22 22
Kurze Zeit später kam 086 809 mit sechs beladenen Wagen wieder zurück. Offenbar wies das Anschlussgleis eine erhebliche Steigung auf, denn die kleine Mikado hatte mit den geschätzt 200 bis max 240 t Zuggewicht schwer zu kämpfen. Zunächst eine Aufnahme, wo die Fuhre noch weiter entfernt ist und man etwas mehr von der Umgebung sieht.

Bild 23 23
Dann der Hauptschuss - aus damaliger Sicht – mit dem Zug formatfüllend im Bild. Heute finde ich das erste Bild besser.

Wenn man sich diese Stelle heute auf der Gurgel-Mappe ansieht, ist der Gleisverlauf noch eindeutig zu erkennen, aber das Gelände ist beidseitig völlig mit Wohnhäusern bebaut.

Bild 24 24
Die Fahrt im Schritttempo ermöglichte es, rasch ein paar Schritte zurück zu laufen, womit sich ein gänzlich anderes Motiv ergab.

Bild 25 25
Oben im Bahnhof Plaidt angekommen, wurden die Wagen in ein Nebengleis zurückgedrückt und abgekuppelt. Und unsere 086 809 machte sich unverzüglich auf den Weg, weitere Wagen aus dem Anschluss zu holen.
Aber was steht jetzt völlig unpassend im Motiv? Oh je, mein alter Käfer, der mir/uns nicht nur auf dieser Tour treue Dienste leistete.


Das weitere Geschehen in Plaidt wurde von uns nicht weiter verfolgt, da wir noch nach Koblenz wollten, um dort den spät-nachmittäglichen Personenzug nach Mayen abzupassen. Davon mehr im nächsten Teil meines Berichts – jetzt mache ich erst mal Schluss, damit es nicht zu viel wird. Und wer genug von den Schlechtwetteraufnahmen der Mayener 86 und 94 hat, braucht den zweiten Teil ja nicht mehr anzuklicken ;-)

Schönen Tag noch,
Ulrich B.

Ostertour 1971 – Mayen, Teil 2
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 26.06.2016

Der erste Teil meines Berichts über meine Ostertour nach Mayen endete am 30.03.71 in Plaidt, wo wir 086 809 bei einer Anschlussbedienung erlebt hatten. Aber damit war der Tag noch nicht zu Ende, denn laut Info der Lokleitung in Mayen sollte der frühabendliche P4294 von Koblenz nach Mayen mit einer 86er fahren. Abfahrt Koblenz Hbf um 17:13 Uhr. Das passte zeitlich gut zu P2450 nach Trier, Koblenz ab 17:10 Uhr, der planmäßig mit einer Ehranger 01 verkehrte. Das Wetter war nach wie vor traurig. Aber das hatte wenigstens den Vorteil, dass man ungeniert von allen Seiten fotografieren konnte, ohne auf unschöne Schattenwürfe achten zu müssen.

Bild 26 26
Als wir in Koblenz Hbf auf den Bahnsteig kamen, stand 086 182 bereits vor dem Zug. Bilder von der Bahnsteigseite aus entsprechen zwar nicht der reinen Lehre, aber in diesem Fall blieb uns erst einmal nichts anderes übrig, weil der Blick vom gegenüberliegenden Bahnsteig noch durch einen Zug verstellt war. Und so kommt noch etwas von der Bahnhofsatmosphäre rüber, was ich aus heutiger Sicht durchaus begrüße.

Bild 27 27
Und hier sehen wir, was da im Weg stand: 001 199 vor dem P2450 nach Trier, im Hintergrund unsere 086 182 mit ihrem P4294 nach Mayen.
(Die Aufnahme der 01 vom 86er-Bahnsteig aus findet sich übrigens als Bild 1 in der Galerie Dampf an der Mosel auf meiner Seite)

Bild 28 28
Als die 01 pünktlich mit ihrem Zug nach Trier abgedampft war, ließen sich jetzt auch Bilder der 086 182 vom gegenüberliegenden Bahnsteig machen. Aber so richtig toll war das auch nicht, hinter dem Signal und mit dem Ausleger des Wasserkrans vor dem Schornstein. Aber was soll’s, bei DEM Wetter war uns langsam eh alles egal.


Damit war für uns erst einmal Schicht. Ab nach Mayen, Anmeldung in der Jugendherberge, Essen fassen und hoffen, dass das Wetter am nächsten Tag besser würde.

Leider ging unsere Hoffnung auf besseres Wetter nicht in Erfüllung, auch der 31.03.71 startete wieder trüb und wolkenverhangen. Dafür gab’s gleich zu Beginn ein betriebliches Highlight, denn der morgendliche Nahgüterzug von Andernach nach Mayen wurde (ausnahmsweise?) mit zwei Loks gefahren.

Bild 29 29
Durch den Bahnhof Kottenheim dampfen 086 521 und 086 809 mit einem Zügelchen gen Mayen, für das ganz sicher keine Doppeltraktion aus Lastgründen erforderlich war.
Nachtrag: Dank dem von Olaf beigesteuerten Altpapier wissen wir jetzt, dass es sich um den Ng16354 Andernach - Mayen handelte.

Bild 30 30
Kurze Zeit später waren nicht nur wir im Bw Mayen, sondern auch die beiden soeben im Doppelpack fotografierten 86er:
Zuerst 086 521 von hinten auf dem Kanal,

Bild 31 31
und dann 086 809 von vorn.

Eine Nachfrage in der Lokleitung ergab, dass 094 712 zu Bauzugdiensten an der Moselstrecke eingeteilt sei und vermutlich in Hatzenport anzutreffen wäre. Und da in Mayen keine Aussicht auf Wetterbesserung bestand, brachen wir unverzüglich auf - schlechter konnte es an der Mosel auch nicht sein.

Bild 32 32
In diesem Punkt hatten wir uns allerdings getäuscht – denn an der Mosel herrschte zusätzlich auch noch leichter Nebel.
Immerhin, 094 712 trieb sich tatsächlich mit einem Bauzug in Hatzenport herum. Und zwar in dem alten Bahnhof am westlichen Ortsrand, nicht zu verwechseln mit dem heutigen, neu angelegten Haltepunkt in Ortsmitte.

Bild 33 33
Mit ein bisschen Dampf aus den Zylindern kommt sogar ein wenig Leben ins triste Bild. 094 712 mit Bauzug in Hatzenport am 31.03.71.


Also doch wieder rauf auf die Höhen über dem vernebelten Moseltal. Auf dem Weg nach Mayen kamen wir mehr oder weniger zufällig am Bahnhof Polch vorbei, gelegen an der Strecke von Koblenz nach Mayen, wo eine kurze Stichstrecke nach Münstermaifeld abzweigt. Und was stand da wie auf dem Präsentierteller?

Bild 34 34
086 201, in klassischer Bellingrodt-Perspektive (einschließlich Stangenstellung), wartet im Bahnhof Polch auf neue Aufgaben.
Ist so eine 86 nicht eine wunderschöne Maschine? Universell einsetzbar und dazu noch stilistisch perfekt gestaltet, eine Mikado eben.

Bild 35 35
Auch von hinten macht 086 201 eine gute Figur. Diese Lok war übrigens die einzige Mayener 86 mit neuen geschweißten Wasserkästen.

Bild 36 36
Jetzt kam Leben in die Bude, sprich in den Bahnhof Polch. Aus Koblenz kam 050 108 mit einem kurzen Güterzug (Nachtrag: Ng16396) mit Volldampf in den Bahnhof gerauscht. Anders als kürzlich von Reinhard vermutet, zählte 050 108 seit dem 01.08.70 zum Bestand des Mayen.
Und wer sieht auf den ersten Blick, was mit dieser Maschine nicht stimmt?

Bild 37 37
Kaum zum Stehen gekommen, wurde 050 108 abgekuppelt und vorgezogen, wobei mit viel Dampf an der richtigen Stelle wieder das Entscheidende verborgen bleibt. Fast so, als gäbe es da etwas zu verstecken.

Bild 38 38
Nachdem sich der Dampf verzogen hat, wird das ganze Maleur sichtbar: Der linke Puffer ist ab! Der Puffer und auch das abgebrochene Stück der Pufferbohle liegen vorn unter der Rauchkammer auf dem Rahmen. Erstaunlich, dass man in diesem Zustand noch eine Zugleistung gefahren hat.

Bild 39 39
Nun ja, weiter ging’s jedenfalls mit der 50er nicht mehr, denn jetzt übernahm 086 201 den Zug, von uns noch einmal abgelichtet bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Polch.
Zu unserer Überraschung bog Ng16396 in Richtung Münstermaifeld ab; damit hatten wir ja nun gar nicht gerechnet.

Bild 40 40
Und so gönnten wir uns trotz der lausigen Lichtverhältnisse noch eine Streckenaufnahme des Zuges, um wenigstens EIN Bild von einem Zug auf dieser Stichstrecke zu haben. Die letzte Aufnahme am 31.03.71 entstand hinter Mertloch, wo offensichtlich der Tds Schüttgutwagen ausgesetzt worden war.


Mit den Bildern aus Polch und von der Strecke nach Münstermaifeld war auch dieser Tag gelaufen. Übernachtet wurde erneut in der JH Mayen. Und endlich, am nächsten Morgen, dem 01.04.71, wurden wir von einem schon fast nicht mehr für möglich gehaltenen Naturereignis überrascht: Sonnenschein. Hätten wir das am Abend vorher geahnt, hätten wir uns ja auch mal die Frühzüge P3604 und P3607 vornehmen können, so wie Reinhard am 08.04. (trotz mäßigen Wetters). Aber wie sagte doch einst ein Kanzlerkandidat: "Hätte, hätte, Fahrradkette …"

Bild 41 41
So passten wir erst den nächsten Zug aus Andernach am Steinwerk in Mayen Ost ab: P3612, Mayen an 8:55 Uhr, war mit 211 240 bespannt.
Ich verkneife mir bewusst ein "leider", denn über eine schöne 211-Aufnahme freue ich mich heute fast mehr, als über die zigste 86er.

Bild 42 42
Aber wir wussten ja vom Vortag, dass danach noch ein Ng von Andernach folgte, der am 01.04. mit 086 182 bespannt war. Heute ohne Vorspann, aber dafür mit Sonne. Leider (und hier ist das leider berechtigt) verdeckt der Dampf das alte Steinwerk im Hintergrund fast vollständig.
Nachdem ich es im ersten Teil versäumt habe, ist jetzt der Hinweis fällig, dass die 086 182 noch den großen genieteten Wasserkasten der ersten Bauserien besitzt, mit kleinem Triebwerksausschnitt.

Bild 43 43
Auch im Bw gibt es etwas Neues, denn die bislang noch nicht gesichtete 086 543 steht perfekt im Licht neben dem Lokschuppen. Erstaunlicherweise liegt auch hier ein einzelner Puffer vorn auf der Pufferbohle. Wo der wohl herstammt? Bei 86 543 sind jedenfalls an allen drei sichtbaren Ecken die Puffer noch vorhanden.

Bild 44 44
Deutlicher zu sehen ist der einzelne Puffer in einer Ansicht etwas spitzer von vorn. Vielleicht handelt es sich auch um den Puffer von 50 108 (Bild 36 ff), der auf dem kleinen Dienstweg irgendwohin gebracht werden soll?

Bild 45 45
Und noch eine Lok stand neu in fotografierbarer Position auf einem Abstellgleis im Bw: Die offensichtlich kalte 052 442 vom Bw Mayen, die offiziell erst am 14.07.71 Z-gestellt wurde. Bemerkenswert sind die bis ganz nach vorn reichenden seitlichen Umlaufbleche, wobei es sich in diesem Fall nicht um die lange Ausführung dieser Umlaufbleche handelt, mit der einige 50er ab Werk ausgestattet waren – siehe Punkt 42 bei den Bauartunterschieden Baureihe 50 auf meiner Seite. Vielmehr ist deutlich zu sehen, dass hier einfach nur die ursprüngliche Schürze abgetrennt wurde.


Die lang ersehnte Wetterbesserung veranlasste uns, jetzt erst einmal an die Mosel zu fahren, wo es noch so viel zu erledigen galt. Das Ergebnis sieht man u.a. in der Galerie Dampf an der Mosel auf meiner Seite, wo zahlreiche Bilder vom 01.04.71 zu finden sind.

Bild 46 46
Nicht unterschlagen, weil passend zum Thema Mayen, möchte ich aber noch zwei Aufnahmen der Mayener 094 712, die nach wie vor Bauzugdienst im Bahnhof Hatzenport leistete. Nun endlich war auch ein Bild mit guter Ausleuchtung möglich.

Bild 47 47
Die Schlammspuren an Schornstein und Rauchkammer lassen den Schluss zu, das 094 712 kürzlich einmal schwer Wasser gerissen hat. Aber das scheint bei dem unverwüstlichen alten preußischen Hobel Niemanden zu stören – die Kiste läuft und läuft und läuft


Damit der Beitrag überschriftskonform in Mayen endet, schiebe ich noch ein Bild nach, das bei meinem einzigen weiteren Besuch in Mayen kurz vor dem Ende der dortigen Dampfzeit entstand. Auf einer Nicht-Eisenbahn-Tour nach Luxemburg konnte ich während einer kurzen Rast in Mayen auch einen Blick ins Bw werfen. Mehr war auch nicht wünschenswert, denn das Wetter war mal wieder Mayen-typisch: wolkenverhangen und trübe.

Bild 48 48
Vor der Lokleitung stehen sich am 27.03.75 die 050 185 und 050 592 die Räder platt. Bei 50 592 war das für mich ein Wiedersehen nach sieben Jahren, denn diese Lok war mir Ostern 1968 noch mit alter Nummer in Hamburg Wilhelmsburg erstmals vor die Kamera gefahren. Die 050 185 sollte ich dagegen später noch in Lehrte wiedersehen.

Résumé – was bleibt nach 45 Jahren?
- Das Tenderlok-Revival in Mayen war eine kurze, aber recht interessante Phase im ausklingenden Dampfbetrieb bei der DB. Ich bin froh, damals die Gelegenheit genutzt zu haben, hier gerade noch rechtzeitig vorbeizuschauen. Denn Ostern 71 war wirklich kurz vor 12: Die 94er wurden noch im April nach Hamburg abgegeben und auch die 86er hielten sich nur noch bis zum Sommer.
- Die 86er bewiesen sich in Mayen als echte Universallok: Personenzüge, Güterzüge, Rangierdienst – alles war mit dieser Maschine machbar.
- Das "suboptimale" Wetter hat es leider weitgehend verhindert, vernünftige Streckenaufnahmen zu machen – da hilft auch kein Schönreden. Landschaftsaufnahmen, wo die Landschaft im Dunst verschwindet, sind nun mal Mist. Andererseits ermöglichte das diffuse Licht Perspektiven, die mit Sonne nicht möglich gewesen wären.
- Dafür war der Trip nach Mayen in puncto "erwischte" Loks sehr erfolgreich: 4 Loks BR 50, 7 Loks BR 86 (von neun) und 2 Loks BR 94 (von drei) – da kann man nicht meckern.

Mit diesem versöhnlichen Fazit mache ich Schluss und hoffe, es hat euch gefallen.

Einen schönen Tag noch,
Ulrich B.