Mit HS unterwegs – Kleve 1959
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 27.04.08

Als Eisenbahnfotograf, der über sensationell altes Bildmaterial aus der frühen Bundesbahnzeit verfügt, ist Herbert Schambach ja schon in diversen Büchern und Zeitschriften in Erscheinung getreten. Und als aktives Mitglied bei den Eisenbahnfreunden Witten hat er dort wiederholt mit seinen Diavorträgen für Begeisterung gesorgt. Nur im Internet und speziell im HiFo war er bislang nicht aktiv, da ihm die Möglichkeiten zum Scannen und Bildeinstellen fehlen. Vor einiger Zeit hat er mir nun einige Filme zum Scannen zur Verfügung gestellt und von diesen Bildern möchten wir, wenn’s meine Zeit erlaubt, hier gelegentlich ein paar "Schmankerln" zum Besten geben.

Ein erster Test war das kürzlich von mir eingestellte Rätsel mit der P8 und 23 in Wuppertal Vohwinkel.

Heute begleiten wir HS auf einer kleinen Eisenbahntour am 13.06.59 nach Kleve. Natürlich ging es ihm speziell um "Steppenpferde" der BR 24, aber auch sonst hatte das kleine Städtchen am Niederrhein einiges zu bieten.

Bild 01 01
Die Anreise erfolgte, damals selbstverständlich, mit dem Zug. Und zwar wahrscheinlich in so einem Zug, wie er hier in Rheinhausen Ost zu sehen ist. Dieses Bild entstand zwar erst gut einen Monat später am 18.07.59 bei einer anderen Tour, passt aber inhaltlich gut in diesen Beitrag. Bei dem Zug, den 24 054 am Haken hat, handelt es sich nämlich um einen Personenzug in der Relation Duisburg – Xanten – Kleve; genauere Angaben fehlen leider. Ist die Wagengarnitur nicht göttlich?

Wenn ich mir vorstelle, wie oft ich im letzten Jahr Rheinhausen Ost gestanden habe, um nach Feierabend noch ein paar Güterzüge aufzunehmen. Und alle halbe Stunde ein dreckiger 643 nach Xanten. Da wär’ mir ein Steppenpferd mit solchen Zügen ja tausendmal lieber gewesen …

Bild 02 02
Bleiben wir besser im Jahr 1959. Angekommen in Kleve, konnte HS im Vorfeld des Bahnhofs gleich die erste 24er auf den Film bannen. 24 066 wartet vor einem ebenfalls sehenswerten Wagenpark auf ihre nächste Leistung Richtung Süden.

Bild 03 03
Offensichtlich war die Bebauung im Bahnhofsumfeld zu der Zeit noch so dünn, dass man nur einige 100m nach Süden an der Bahn entlang (und am Bw vorbei) laufen musste, um an die freie Strecke zu gelangen. Vermutlich in Höhe der heutigen B9 Überführung wurde der nächste Personenzug nach Kleve abgepasst, der mit der schon in Bild gezeigten 24 054 bespannt war. Frage in die Runde: Waren die 24er damals nur in Richtung Duisburg (über Xanten, Moers) unterwegs, oder kamen sie auch auf der Hauptstrecke nach Krefeld zum Einsatz?

Bild 04 04
Danach ging’s ab in’s Bw, wo einige dicke Überraschungen auf HS warteten, die er aber wahrscheinlich schon vorher im Vorbeilaufen gesehen hatte. An der Bekohlungsanlage wird gerade 01 073 vom Bw Wiesbaden behandelt (lt. Wenzel, "Die Baureihe 01", EK-Verlag). Wie und womit kam DIE bitte schön nach Kleve ? Vielleicht mit E 295 - siehe hier ?
Was an der 01 noch auffällt: Das Behelfs-Führerhausdach (welches sie übrigens bis zu ihrer Ausmusterung am 02.06.71 behielt) und das noch fehlende 3. Spitzenlicht.

Bild 05 05
Bei der nächsten Lok schlägt MEIN Herz natürlich höher: Eine schöne Mikado, und dann noch mit altem Tender – die Schönste der Schönen!
41 359 vom Bw Hamm P. Gleiche Frage wie oben: Wie ist die wohl nach Kleve gekommen? Etwa mit dem Militär-Zug nach Holland über Kranenburg, der gelegentlich auch mit 05 vom gleichen Bw bespannt war? Es gab dazu mal diesen Bericht im HiFo.

Bild 06 06
Nachdem das Geschehen an der Bekohlungsanlage abfotografiert war, widmete sich HS den im Bw abgestellten Maschinen. Neben dem Schuppen stand 24 069, eine in zweierlei Hinsicht bemerkenswerte Maschine: Erstens, weil sie noch mit großen Windleitblechen ausgerüstet war, und zweitens, weil es sich dabei um eine der beiden Mitteldruckloks mit 25 at Kesseldruck handelte. In diesem Versuchszustand war sie mit einem 2-Zylinder-Verbundtriebwerk ausgestattet. Eine Umzeichnung in M02 1006 war vorgesehen, wurde aber nicht vollzogen. Die Ausführung bewährte sich zwar grundsätzlich (niedrigerer Kohleverbrauch bei erhöhter Leistung), aber sie blieb natürlich ein Sonderling im Betriebsbestand und wurde deshalb 1952 in den Serienzustand umgebaut.

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Und was kommt nach 069? Klar, 070! Genauer gesagt 24 070, die andere ehemalige Mitteldruck-Versuchslok. Vorgesehene Nummer M02 1007, aber ebenfalls nicht realisiert. Das ursprüngliche Gleichstrom-Triebwerk befriedigte überhaupt nicht, so dass bereits 1935 ein Umbau in eine 2hv Lok wie 24 069 erfolgte. Letztlich wurde auch sie dem Serienzustand angeglichen (ebenfalls 1952). Das ermöglichte ihr noch ein längeres Leben und so das Foto-Shooting am 13.06.59 im Bw Kleve.

Bild 08 08
Und weil die 24er so eine schöne, kleine, man könnte fast sagen "niedliche" Lokomotive ist, schiebe ich gleich noch eine weitere Ansicht hinterher. Ich weiß nicht, ob ich von mir auf andere schließen kann, aber bei mir war es so: Lok nie im Betrieb erlebt und doch irgendwie total vertraut. Ich glaube, das Märklin-Modell hat viele von uns nachhaltig beeindruckt, egal ob wir es nun besaßen oder nur davon träumten.

Damit möchte ich den ersten Ausflug mit HS schließen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Euch die Bilder genauso begeistern wie mich. Wenn das so ist, könnte ich die Serie gelegentlich fortsetzen. Ich bin gespannt auf die Kommentare – und ihr solltet wissen: HS liest mit!

Schönen Tag noch,
Ulrich B.