Mit HS unterwegs – Rätsel für Dampflok-Technik Fans
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn" vom 13.11.2009

Seit je her war und ist HS an der Technik der Dampflokomotiven interessiert. So ist es kein Wunder, dass er bei seinen Fototouren immer auch einen wachen Blick für besondere technische Lösungen und Bauartabweichungen hatte, die dann auch in Detail-Aufnahmen festgehalten wurden.

Das ermöglicht es uns, heute mal wieder eine kleine Rätselfrage zu stellen. Zunächst das Bild:


Rätsel-Bild

Die üblichen Fragen "Was", "Wo", "Wann" möchten wir in diesem Fall etwas ausführlicher formulieren. Also

- WAS ist die technische Besonderheit, die hier zu sehen ist ?
- WELCHE auch westlich des eisernen Vorhangs verkehrende Loktype kommt damit in Betracht ?
- WO und bei welcher Bahngesellschaft wurden Lokomotiven dieses Typs eingesetzt ?
- Bis WANN wurden diese Lokomotiven eingesetzt ?

Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere aus unserem Kreis diese Loks selber noch gesehen oder sogar fotografiert hat (ich selbst gehöre leider nicht dazu). Und wer sich für Dampflok-Technik interessiert, wird vielleicht von dieser besonderen Konstruktion schon einmal etwas gelesen oder Bilder gesehen haben.

Also, nichts wie ran, das Rätsel ist gar nicht so schwer.

Vorinformierte und "Alles-Wisser" werden wie üblich gebeten, sich zunächst zurück zu halten. Gebt den anderen bitte auch eine Chance, sich an die Lösung heranzuarbeiten.

Schönen Tag noch,
Ulrich B.

PS: Dieses Rätsel ist als Auftakt einer kleinen Beitragsfolge gedacht, wo wir ein paar Bilder der Bahn, wo diese Lokomotiven einst eingesetzt wurden, zeigen könnten - falls Interesse daran besteht.

Des Rätsels Lösung

Ein Tusch ist fällig. Nach 2 Stunden und 39 Minuten hat Detlef, der Schwarzfahrer2, die richtige Lösung präsentiert. Und das bei seinem ersten Auftritt im HiFo. Da ist noch ein extra Tusch fällig. Gratulation!

Aber der ICE Helmut war auch nah dran, zumindest GySEV war richtig.

Also, wie Detlef richtig herausgefunden hat, zeigt das Bild das Triebwerk einer ungarischen 1’C1’-Tenderlok, und zwar der GySEV 124. Diese Lok entspricht weitgehend der MAV Baureihe 375.


Bild 2:
Zunächst einmal ein Bild dieser Lok in ganzer Schönheit, aufgenommen am 12.06.70 in Mönchhof an der Neusiedler-See Strecke, die östlich des Sees durch den sog. Seewinkel führt.


Bild 3:
Steuerschema MAV 375 bzw. GySEV 121 ff

Es schadet sicher nichts, noch ein paar technische Details nachzureichen.

Die technische Besonderheit dieser Lokomotiven ist die Steuerung. Die Einstellung der Schieberschubstange in der Schwinge erfolgt bei dieser Konstruktion nicht von oben durch ein hängendes Pendel (wie bei der klassischen Hängeeisen-Steuerung), sondern von unten her über ein stehendes Pendel. Dieses erkennt man am besten aus der folgenden Zeichnung des Triebwerks der MAV 375.

Die Zeichnung ist ein Ausschnitt aus einer Gesamtzeichnung der MAV 375, die im Metzeltin, "Die Entwicklung der Lokomotive, II. Band 1880 - 1920", wiedergegeben ist.

Zur Verdeutlichung der Funktionsweise habe ich die Glieder des Verstellmechanismus’ gelb hinterlegt. So ist besser zu erkennen, wie die Verstellbewegung der Steuerstange über den Kniehebel und eine dreifache Umlenkung auf die Schieberschubstange übertragen wird.

Der Konstruktion lag der Gedanke zugrunde, den sonst bei Tenderlokomotiven üblichen Ausschnitt im Wasserkasten zu vermeiden oder zumindest deutlich zu verkleinern. Allerdings bedingte diese Bauweise einen erheblichen "Klapperatismus" und eine recht massive Stützkonsole für die Lagerung des unteren Gelenkhebels, wie das auf dem Rätselbild (Bild 1 im Ausgangsbeitrag) sehr schön zu sehen ist. Gegenüber der etwa zeitgleich entwickelten Kuhnschen Schleife konnte sich diese Steuerungs-Bauart nicht durchsetzen und blieb auf wenige Lokomotivbauarten beschränkt.

Und eben davon liefen die wohl letzten Exemplare noch bis in die 80er Jahre bei der GySEV, der Györ – Sopron – Ebenfurti Vasút (oder auf Deutsch: Raab – Ödenburg – Ebenfurter Eisenbahn). Die Lokomotiven trugen bei der GySEV die Betriebnummern 121 – 124. Davon waren die Loks 121 und 122 ursprünglich Nassdampf-Verbundmaschinen, während die beiden anderen (moderneren) als Heißdampfloks mit einfacher Dampfdehnung ausgeführt waren.

Die in Bild 1 u. 2 gezeigte Lok 124 wurde erst 1950 von der Lokomotivfabrik Budapest unter der Fabriknummer 6169 gebaut und als 375.675 an die MAV geliefert. 1953 wurde sie an die GySEV abgegeben, wo sie bis 2001 (!) im Einsatz war, zuletzt allerdings wohl nur noch als betriebsfähige Museumslok. In 5/2002 erwarb das Eisenbahnmuseum Groß Schwechat (VEF) die Maschine, die nach wie vor betriebsfähig ist.

Drei Urlaubsreisen haben HS 1968, ’70 und ’72 an den Neusiedlersee geführt und selbstverständlich hat er dort auch den höchst interessanten Betrieb bei der GySEV fotografisch dokumentiert. Dabei kamen ihm nicht nur die kleinen Prärie-Tenderloks 121 – 124 vor die Linse, sondern auch weitere GySEV und ÖBB Dampfer sowie höchst reizvolle Dieseltriebwagen jeder Altersstufe. Auch wenn wir in der letzten Zeit zahlreiche schöne Bilder von Rolf-311 zum Thema GySEV gesehen haben, es besteht doch sicher Interesse, diese Bilder vom Planbetrieb demnächst in weiteren Beiträgen zu zeigen?

Schönen Tag noch,
Ulrich B.