Mit HS unterwegs – GySEV 1970

Trotz der vergleichsweise verhaltenen Annahme unseres Beitrags über die GySEV im Jahr 1968 möchten wir das werte HiFo-Publikum noch mit einem weiteren Beitrag zum Thema GySEV "nerven" - die ganze Vorbereitungsarbeit soll doch schließlich nicht umsonst gewesen sein.

Nur zwei Jahre nach seinem ersten Urlaub im Burgenland zog es HS im Juni 1970 erneut dorthin. Wieder wurde Quartier auf der östlichen Seite des Neusiedler Sees im sog. Seewinkel bezogen, wo mit einem weitgehend Schilf-freien Zugang in das flache Wasser des Neusiedler Sees beste Voraussetzungen für einen entspannenden Urlaub mit kleinen Kindern gegeben waren.

Und auch dieses Mal nutzte HS die Gelegenheit, hin und wieder mal bei der GySEV und den umliegenden Strecken nach dem Rechten zu schauen – so wie der eine oder andere von uns das in vergleichbaren Situationen ja sicher auch gemacht hat.

Verglichen mit 1968 hatte sich die Betriebslage nicht wesentlich verändert, wohl aber die Sichtweise des Fotografen. Neben den Dampfern rückten jetzt auch die nicht minder sehenswerten Dieseltriebwagen in den Vordergrund.

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Und so geht es auch gleich los mit einem Triebwagen, den es nur als Einzelstück bei der GySEV gab: Aamot 23 wurde 1958 unter Beibehaltung seiner MAV-Nummer von der Staatsbahn übernommen und ist einer der berühmten Árpád-Triebwagen, die 1935 von der MAV für den Schnellverkehr Wien - Budapest beschafft wurden. Bei der GySEV erhielt der Triebwagen Seitenpuffer und war so in der Lage, auch zusätzliche Wagen mitzuführen, wie auf dieser Aufnahme, die am 03.06.70 im Bahnhof Frauenkirchen entstand.

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Autoverfolgung eines Triebwagens war damals noch nicht angesagt. Aber Aamot 23 kam ja ohnehin nach einiger Zeit wieder zurück und konnte so am gleichen Tag noch einmal in Pamhagen abgelichtet werden.

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Am nächsten Tag, dem 09.06.70, steht die nachmittägliche Güterzugleistung von Neusiedl nach Pamhagen/Grenze auf dem Programm. Bei der Einfahrt nach Wallern sehen wir die GySEV 124, die auch schon vor zwei Jahren Stammlok für diese Leistung war. Leider ist das Wetter noch genauso diesig wie am Vortag, so dass HS auf weitere Aufnahmen an diesem Tag verzichtet.

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Endlich, am 09.06.70 hat sich das Wetter gebessert. Das wird bei einem Familienausflug genutzt, um in Wulkaprodersdorf einen aus Richtung Neusiedl kommenden Güterzug bei der Einfahrt abzupassen. Der Zug ist mit der ÖBB 52.3319 bespannt. In der Ansicht spitz von hinten wirkt die monströse Zugführer-Kabine des Wannentenders schon recht dominant.

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Am folgenden Tag stand ein wenig mehr Zeit zur Verfügung, sich dem Geschehen in Wulkaprodesdorf intensiver zu widmen. Frühmorgens erwartet HS im Bahnhof ein kapitaler Güterzug, bespannt mit GySEV 520.083, ex DRG 52 5595. Ganz hinten kann man noch schwach erkennen, dass eine weitere 520 als Schiebelok am Zug ist. Auf dem Nebengleis steht ein ÖBB Triebwagen der Reihe 5145, dem sich HS angesichts der bevorstehenden Ausfahrt des Güterzugs leider nicht weiter zuwenden konnte.

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Und da die Lok so schön im Licht steht, gibt’s auch noch einmal ein Lokporträt, bei dem die russischen Zutaten zur deutschen Kriegslok BR 52 – kleine Rauchkammertür, Lösche-Fallrohr und großer Front-Scheinwerfer – deutlich hervortreten.

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Gar nicht russisch sondern ur-deutsch ist dagegen die Doppelverbund-Lufpumpe Bauart Knorr, die einst zur Standard Ausrüstung der deutschen Einheitsloks gehörte, aber mittlerweile zumindest im Bereich der DB nur noch selten zu finden war. Das war dem Dampfloktechnik-Freak eine weitere Detail-Aufnahme wert.

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Bevor der Güterzug auf die Reise geht, muss zuvor noch der Personenzug nach Ebenfurth vorbei gelassen werden. Auch GySEV ABbmot 2 ist ein sehr spezieller Triebwagen, mit der ungewöhnlichen Achsfolge (A1A)’ 2’, also einem dreiachsigen Antriebsdrehgestell vorn und einem zweiachsigen Laufdrehgestell hinten (im Bild ist der Triebwagen von hinten zu sehen!).

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Danach ist die Strecke frei für den Güterzug. HS erwartet ihn in der Ausfahrt von Wulkaprodersdorf an der Verzweigung der Strecken nach Ebenfurth (hinteres Gleis, GySEV) und Neusiedl (ÖBB). Über Letzteres war am Vortag die 52.3319 (Bild 22) gekommen. Mit dem schweren Zug muss GySEV 520.083 schon ihr Äußerstes geben, was aber angesichts der sommerlichen Temperaturen nur ein akustisches und weniger ein optisches Spektakel ist.

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Der gut ausgelastete Zug und die nun folgende Steigung bis Müllendorf machen eine Schiebelok erforderlich, und zwar GySEV 520.020 (ex DRG 52 3897).
Diese Steigung war übrigens auch der Grund dafür, dass die GySEV 520er grundsätzlich mit der Rauchkammer voraus in Richtung Ebenfurth standen.

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Und noch ein Triebwagen-Oldie, allerdings ohne technische Auffälligkeiten: ABamot 5 ist ein ganz normaler dieselmechanischer VT mit zweiachsigen Drehgestellen, davon eines angetrieben. Leider verdunkelt eine kleine Fotowolke beharrlich die Front des Triebwagens. Wir sind immer noch in Wulkaprodersdorf am 10.06.70.

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Weitere zwei Tage später, am 12.06.70, wird noch einmal der Güterzug auf der Neusiedlersee-Strecke auf’s Korn genommen. Südlich von Mönchhof ist es erneut die GySEV 124, die durch ungarische Puszta gen Norden schnauft.

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Der übliche Rangieraufenthalt in Mönchhof ermöglicht es mühelos, den Zug wieder einzuholen und im dortigen Bahnhof noch einmal abzulichten.

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Der letzte Tagesausflug dieses Sommerurlaubs führt uns nach Neufeld an der Leitha, wenige Kilometer südlich von Ebenfurth gelegen. In den Lokbehandlungsgleisen des dortigen Bahnhofs sehen wir am 16.06.70 GySEV 520.050 vor sich hin köcheln. Vorausgegangen war eine Führerstandsmitfahrt von Wulkaprodersdorf bis hierhin, zu der ihn das freundliche Lokpersonal eingeladen hatte. Das Problem war jetzt nur, wieder zum Ausgangspunkt zurück zu kommen. Aber auch das wurde gelöst, nachdem zuvor noch einmal die Lok im letzten Büchsenlicht beim Restaurieren abgelichtet worden war. Im tief stehenden Abendlicht ist jetzt auch gut das Lösche-Fallrohr unter der Rauchkammer zu erkennen – zusammen mit der kleinen Rauchkammertür ein typisches Merkmal russischer Lokomotiven.

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Wesentlich älter als der Dampfer ist der ebenfalls in Neufeld abgestellte Triebwagen-Saurier ABmot 12 (Ganz, 1926), mit dem wir den heutigen Beitrag beenden wollen.

Mit dieser kleinen Reise in den burgenländischen Sommer 1970 möchten wir das Thema GySEV vorerst abschließen, bevor sich ernsthafte Ermüdungserscheinungen einstellen.

Schönen Tag noch,
Herbert S. und Ulrich B.