Ostertour 1968 nach Hamburg - Teil 2

Die Bilder der ersten drei Tage unserer Reise sind in der Galerie Ostertour 1968 nach Hamburg - Teil 1 zu sehen. Dort sind auch die Umstände und Randbedingungen dieser Fahrt wiedergegeben, der ersten großen mehrtägigen Eisenbahntour, die ich weitestgehend alleine unternahm.

Teil 1 endete im Bw Hmb. Rothenburgsort am 25.04.68. Aber damit war der Tag noch nicht zu Ende, denn als nächstes Ziel stand Wilhelmsburg auf dem Programm, wo wir auf weitere Loks der Baureihe 82 hofften.

Hamburg Hbf, 25.04.1968

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Der Weg von Rothenburgsort nach Wilhelmsburg per S-Bahn führte zwangsläufig über den Hauptbahnhof. Dort gönnten wir uns die Zeit, den E740 nach Paderborn über Rotenburg abzupassen, der mit V200 038 mit automatischer Kupplung bespannt war. Leider stand der Zug auf Gleis 12 recht beengt, so dass nur eine Aufnahme von vorn möglich war.

Hamburg-Wilhelmsburg, 25.04.1968

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Das fing ja schon einmal gut an. Auf dem Weg ins Bw rauschte plötzlich von hinten eine 82 durch die weitläufigen Anlagen des Rbfs Wilhelmsburg. Schnell die Kamera aus der Tasche gerissen und abgedrückt. Zwar konnten nicht alle Masten ausgeblendet werden, aber immerhin war mit 82 014 eine weitere Lok dieser Baureihe im Kasten.

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Obwohl in Harburg beheimatet, kam V90 901 zum Tanken und Personalwechsel ins Bw Wilhelmsburg, damals zentraler Einsatzpunkt für die im Hafen tätigen Rangierloks.
Eine 82er an dieser Stelle wäre uns natürlich lieber gewesen, aber einen der drei Prototypen mit langsamlaufendem MaK-Motor vor die Flinte bekommen zu haben, ist aus heutiger Sicht auch nicht zu verachten.

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Auf den Freigleisen an der Drehscheibe dann zunächst wieder eine wohlvertraute T16.1 in Gestalt der 94 1581. Der alte Rangierhobel war vor noch nicht allzu langer Zeit hier in Wilhelmsburg heimisch, gehörte aber jetzt wie alle Hamburger 94er zum Bestand des Bw Rothenburgsort.

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Und was versteckte sich hinter der 94er vor den Blicken der erwartungsvollen Besucher? Na bitte, 82 003, ein Exemplar aus dem ersten Krupp-Lieferlos. Die Lok wurde seinerzeit ohne Vorwärmer ausgeliefert, inzwischen aber mit Mischvorwärmer nachgerüstet. Die Lampen unter dem seitlichen Umlauf entsprechen dagegen dem Lieferzustand.

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Die günstige Gelegenheit einer frei stehenden Lok wurde für eine weitere Aufnahme von 82 003 genau von der Seite genutzt.
In der Seitenansicht sieht man sehr gut, dass die BR 82 deutlich länger ist als ihr Vorgänger, die BR 94.5 (vgl. Bild 04). Die Länge über Puffer ist um satte 1.400 mm auf 14.060 mm angewachsen und auch der Gesamtachsstand ist um 800 mm größer geworden; eine dennoch bessere Kurvenlauffähigkeit in engen Gleisbögen wurde durch ein Fahrwerk mit Beugniot-Hebeln erreicht.

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Bei 41 363 stand leider ein Lichtmast vor der Lok, was uns aber nicht davon abhalten konnte, diese schöne Maschine auf den Film zu bannen.

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Erfreulicherweise konnte auch in Wilhelmsburg unser Begleiter dazu bewegt werden, uns eine 82er aus dem Schuppen zu holen. Die Wahl fiel auf eine Maschine mit Mischvorwärmer und auf die Pufferbohle verlegten Lampen - eine Eigenart etlicher Hamburger 82.
Obwohl die Drehscheibe nicht auf das Schuppengleis gestellt war, kam 82 030 mit schöner Dampfentwicklung aus dem Schuppen.

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Natürlich gab es für die Standardansicht schräg von vorn auch ein Farbbild von 82 030, wo sie hier so schön und perfekt im Licht vor dem Schuppen stand.

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Aus der Drehscheibengrube heraus wurde abschließend noch eine Frontalaufnahme von 82 030 angefertigt, bei der die "Hamburger Lampen" gut zur Geltung kommen.

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Der Rückweg zur S-Bahn führte entlang des Rangierbahnhofs, wo ein emsiger Betrieb herrschte und es so manches Interessantes zu sehen und zu fotografieren gab. Zum Beispiel die Harburger 50 592, die wahrscheinlich schon zu lange auf Ausfahrt wartete und deshalb erst einmal mit viel Getöse wieder Dampf ablassen musste.

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44 1353, ebenfalls eine Lok vom Bw Hamburg-Harburg, qualmte dagegen still vor sich hin.

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Und noch ein V90 Prototyp: Für V90 903 (HHar), die mit einem kurzen Ganzzug aus Fad-Wagen durch den Rbf rödelte, wurde sogar wieder ein Dia ver(sch)wendet.

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Gar nichts Besonderes war die Eidelstedter E40 504. Aber die Lok stand hier so schön im Licht, dass sich ein Porträtfoto geradezu aufdrängte.

Hamburg Hbf, 25.04.1968

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Die letzte (Farb-)Aufnahme des Tages entstand wiederum im Hamburger Hbf, wo ein ausfahrender S-Bahn Zug der S1 aufs Korn genommen wurde. 471 420 war bereits mit neuer Nummer versehen, befand sich aber sonst ganz im Epoche III Zustand. Leider zeigt das Bild deutlich, dass meine einfache Kamera mit Bewegungsaufnahmen schnell überfordert war.
Gut zu erkennen ist aber, dass das hinter der Brücke aufragende Museum für Kunst und Gewerbe an seiner südwestlichen Ecke noch nicht untertunnelt war. Dieses erfolgte erst später mit dem Bau der City-S-Bahn.

Hamburg Hbf, 26.04.1968

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Am vierten Tag meiner Ostertour war ich so rechtzeitig vor Ort, dass ich vom August-Bebel-Park aus den D263 nach Dresden bei der Ausfahrt aus dem Hbf aufnehmen konnte, vor dem sich 03 204 prächtig ins Zeug legte. Rückblickend frage ich mich, warum ich damals nicht eher auf diese Idee gekommen bin.

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Mittlerweile Routine war die dann folgende Aufnahme des D594 im Hbf, an diesem Tag bespannt mit 01 1055 im "Osnabrücker Design", sprich mit geklauten Lokschildern.

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Zwecks Variation des Motivs wurde der Fotopunkt für die Ausfahrt des D594 dieses Mal noch weiter nach draußen und schon deutlich vor der Bahnsteigspitze verlegt - wahrscheinlich in letzter Sekunde, denn 01 1055 kam hier leider nicht mehr ganz ins Bild.

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Für den Berliner Schnellzug D163 ging es wieder zurück in den August-Bebel-Park südlich des Hauptbahnhofs. Inzwischen hatte sich das Licht aber bereits so weit gedreht, dass der Zug mit 03 177 an der Spitze seitlich schon heftig im Schatten lag.

Hamburg-Altona, 26.04.1968

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Ein erneuter Besuch im Bw Altona hielt sogleich eine angenehme Überraschung für uns parat, denn aus Nürnberg war der "Kartoffelkäfer" 692 501 eingetroffen, vermutlich wegen einer Triebwagen-Überführung aus und/oder ins AW Nürnberg. Aber musste der VT92.5 denn ausgerechnet eines der ersten Fahrzeuge sein, welches mir mit neuer Nummer begegnete?

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Nach der Anmeldung bei der Lokleitung ging's erst einmal wieder hinter den Triebwagenschuppen, wo mir der VT12 509 als Solo Reserve-Kopf ein weiteres Dia wert war.

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Als diese Aufnahme entstand, konnte keiner ahnen, dass diesen beiden 01.10 noch eine glänzende Zukunft als betriebsfähige Museumsloks bevorstehen würde. 1968 war es nur das typische Erscheinungsbild zweier 01.10 der beiden Bws, deren Loks sich in Altona regelmäßig trafen: Die Osnabrücker 01 1066 mit aufgemalter Nummer und die Hamburger 01 1100 mit Lokschildern.

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Oh wie schön, eine Osnabrücker 01.10 mit Schildern! Neben 01 1052 (Teil 1, Bild 1) und 01 1057 (Teil 1, Bild 31) war 01 1054 nun die dritte nicht-schildamputierte Lok. Vielmehr gab es im Frühjahr '68 wohl nicht mehr.

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Beim Zurücksetzen in den Schuppen war ein weiteres Bild von 01 1054 fällig, wobei sorgsam auf eine perfekte Stangenstellung gemäß Bellingrodt-Regel geachtet wurde.

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Leider nicht ganz vollständig wurde die Bremer 03 090 beim Drehen erwischt. Auch diese Lok hatte schon keine richtigen Lokschilder mehr, aber wenigstens war die Nummer auf ein Blechschild aufgemalt und nicht nur lieblos einfach auf die Kesseltür gepinselt, wie bei den Osnabrücker Maschinen.

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Ein kurzer Zwischenstopp nach dem Verlassen der Drehscheibe wurde für eine Farbaufnahme genutzt.

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Vorn am Kanal wenig später die gleiche Konstellation wie bei den Museumsloks in spe von Bild 22: Links 01 1092 vom Bw Hmb. Altona mit Lokschildern (natürlich) und rechts 01 1059 vom Bw Osnabrück Hbf mit aufgemalter Nummer. Die Frage, was besser aussieht, stellt sich wohl nicht.

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Na so 'was: Schilderlose Loks gab es nicht nur bei den meisten Osnabrücker 01.10, sondern auch bei einigen, zum Glück aber nur wenigen 01.10 des Bw Altona: 01 1084 war eine davon. Bedauerlicherweise nicht weiter beachtet wurde die dahinter sichtbare V60 678 mit alter Nummer.

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Justamente an diesem Tag aus dem AW Braunschweig kam die Altonaer 03 034. Hier bei der Einfahrt ins Bw, wo auf dem Kanal sogleich das Feuer herausgenommen wurde, um die Lok kalt zu machen und in die Reserve zu stellen.

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Der hervorragende Eindruck, den 03 034 von vorn machte, forderte eine Farbaufnahme geradezu heraus.
Erwähnenswert: Das an der Pufferbohle frisch angeschriebene Datum ist nicht etwa das der soeben absolvierten Zwischenuntersuchung, sondern das der letzten Haupt-Untersuchung: "Unt. L2 Bg. 1.6.65".

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In der Seitenansicht sah 03 034 dann schon nicht mehr ganz so makellos aus; ein Neuanstrich war bei einer Zwischenuntersuchung eben nicht drin, nur eine gründliche Reinigung.

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Aber noch war Druck im Kessel und so fuhr 03 034 mit eigener Kraft in den Schuppen, nicht ohne vorher eine Ehrenrunde für die Fotografen an der Scheibe zu absolvieren.

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An der Drehscheibe herrschte, wie so häufig, ein ständiges Kommen und Gehen: Zunächst die Osnabrücker 01 1082 (ohne Schilder), ...

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... gefolgt von der Altonaer 01 1084, leider ebenfalls ohne Schilder. Im Hintergrund qualmt die soeben angeheizte 03 259 kräftig vor sich hin und nebelt dabei die ebenfalls vor dem Schuppen stehende 211 077 ein. So muss Dampf-Bw sein ...

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Und schließlich eine weitere Osnabrücker Lok mit 01 1059 - zu den Schildern sag' ich jetzt nichts mehr ...

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Mittlerweile hatte sich auch 03 259 (Bw Altona) das Qualmen abgewöhnt und stand nun schön in der Sonne vor den Schuppen, direkt neben der Lokleitung.

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Danach verlagerten wir unsere Position wieder in die Bw Einfahrt an den Kanal, wo wir den (möglicherweise kritischen) Blicken aus der Lokleitung nicht so sehr ausgesetzt waren. Es dauerte nicht lange, bis 03 034 herangerollt kam, um sich im Güterbahnhof Altona zu den dort als Reserve hinterstellten 03 zu gesellen.

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Das Licht hatte sich inzwischen soweit gedreht, dass der 692 501 jetzt auch von der anderen Seite aufgenommen werden konnte. Zwar war nur eine Ansicht spitz von vorn möglich, aber so fällt die neue Nummer wenigstens nicht weiter auf.

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Meine erste V65 in Farbe - und dann ausgerechnet eine mit neuer Nummer: 265 008. Und dabei hatte ich die Schwesterlok V65 007 noch drei Tage vorher mit alter Nummer fotografiert, aber bei diesigem Licht nur in schwarz/weiß - siehe Teil 1, Bild 16.

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Schon zum dritten Mal fuhr mir jetzt 01 1089 vor die Kamera. Das war aber völlig in Ordnung, handelte es sich doch um die letzte Lok dieser Baureihe mit einfacher Führerhausentlüftung mittels Dachhutze.

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78 371 war eine der ganz wenigen Altonaer T18 ohne Wendezugausrüstung und damit nur für die Überstelldienste zwischen dem Kopfbahnhof Altona und dem Wagenwerk in Langenfelde oder für sonstige Nebenleistungen zu gebrauchen.

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Mit 03 121 hatte das Bw Wittenberge ein echtes Glanzstück über die Grenze geschickt; geradezu als wollte man zeigen, wozu der Arbeiter- und Bauernstaat alles fähig war. Leider kommt der schöne alte Niettender 2'2'T32 alter Bauart durch den Schattenwurf des Bekohlungskrans nicht so recht zur Geltung.

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Der ungewohnt gute Zustand veranlasste mich dazu, auch noch eine Detailansicht des Triebwerks von 03 121 zu machen.

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01 1077 repräsentierte dagegen den üblichen DB-Zustand.

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Während 03 121 bereits beim Ausschlacken war, bunkerte 01 1077 erst einmal neuen Brennstoff - das sog. "Bunkeröl C".

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Kurze Zeit später traf mit 01 1068 die nächste Osnabrücker 01.10 ein.

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01 1068 musste vor kurzen eine Untersuchung im AW gehabt haben, anders ist der relativ gute Zustand nicht zu erklären. Nur schade, dass wie bei der daneben stehenden 01 1077 die Nummer nur aufgemalt war. Und ganz hinten wird immer noch 03 121 "behandelt".

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Auf dem Weg zum Bahnhof Altona statteten wir auch den im Güterbahnhof abgestellten 03 einen kurzen Besuch ab. Allerdings standen die Loks dort sehr beengt und größtenteils im Schatten, so dass es bei ein paar "Beweisaufnahmen" blieb. Wie zum Beispiel von 03 055, die später wieder in Dienst ging und sogar noch zum Bw Hmb. Harburg umstationiert wurde.

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Nicht viel besser stand die 03 196, auch wenn man diese als einzige der fünf hier abgestellten 03 (034, 055, 063, 088 und 196) ganz ins Bild bekommen konnte.

Hamburg-Eidelstedt, 26.04.1968

Das letzte Hamburger Bahnbetriebswerk auf unserer Agenda war Eidelstedt, wo uns aber weniger die hier stationierten Einheits-Elloks interessierten, als die dort immer noch anzutreffenden Dampfloks.

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Nach der Anmeldung stolperten wir aber zuerst einmal über eine Kleinlok, deren ungewöhnliches Aussehen einem sofort auffiel. Und tatsächlich, Köf 6034 war die einzige Ardelt-Köf im Bestand der DB (Typ NB85, Fabriknr.34 von 1939). Erst viele Jahre später wurde mir bewusst, welch absoluten Exoten unter den Kleinloks wir da erwischt hatten.

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Sicherheitshalber wurde die "komische Köf" mit der Nummer Köf 6034 in einer etwas anderen Perspektive auch in schwarz/weiß verewigt.

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Die Dampftraktion war mit 41 014 vom Bw Flensburg vertreten, eine Neubaukessel-41 mit Kohlefeuerung, die sich nach einem kurzen Schwenk auf der Drehscheibe in den Schuppen begab.

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In der Zufahrt zur Drehscheibe wartete bereits eine weitere 41-NbK darauf, gedreht zu werden. Auch 41 019 gehörte zum Bw Flensburg. Als kleine Besonderheit ist nicht nur der Niettender 2'2'T32 alte Bauart zu erwähnen, sondern auch die Pufferbohle mit Lampenhaltern und Griffbügeln, die bei einer Neubaukessellok nun ganz und gar untypisch war.

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Als 41 019 dann auf die Scheibe fuhr und gedreht wurde, war ein weiteres Bild mehr von der Seite möglich, bei dem der alte Tender besser zur Geltung kommt.

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Obwohl 41 019 gerade erst eingetroffen war, verließ sie nach dem Drehen gleich wieder das Bw.

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Ein hochinteressanter Vertreter ihrer Baureihe war auch die Flensburger 50 3139, die in vielen Bauartmerkmalen schon weit der Kriegslok Baureihe 52 entspricht. Näheres dazu siehe Bauartunterschiede Baureihe 50, Punkt 44.

Hamburg Hbf, 26.04.1968

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Als letztes Bild des Tages kam im Hauptbahnhof die Wittenberger 03 204 auf den Film, die soeben im schönsten Abendlicht mit dem D264 aus Dresden die letzte Etappe nach Altona in Angriff nahm.

Hamburg-Eidelstedt, 27.04.1968

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Am Abreisetag wurde der Treffpunkt nach Eidelstedt verlegt, wo sich vor dem Start der Heimreise per Auto die letzte Aufnahme dieser Tour vom Bahnsteig aus ergab.
Zwar nur eine 50er, aber sogar eine besondere: Mit zwei geschweißten ÜK-Sandkästen fiel die Harburger 50 214 ein bisschen aus dem üblichen Rahmen.


Hier noch einmal der Direktlink zum ersten Teil der Reise: Ostertour 1968 nach Hamburg - Teil 1.

Weitere Aufnahmen zum Thema siehe begleitenden DSo-Beitrag Ostertour nach Hamburg – 1968 vom 19.09.2016.

Galerie online seit 19.09.2016